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Teil 3 Von und Zeichen-im-Gebrauch Saussure und Peirce

Teil 3 Von und Zeichen-im-Gebrauch Saussure und Peirce

Wenn man nach der

Wenn man nach der Bedeutung verschiedener Zeichen fragt und eine Antwort genügt, handelt es sich nicht um zwei Zeichen mit „derselben“ Bedeutung, sondern um dasselbe Zeichen. 534 Simon (ib. 57) versteht nur von ihrem „Inhalt“ bzw. ihrer „Bedeutung“ her. Mathematische Formeln, wie z. B. 2 + 1 und 5 – 2, die beide Male 3 ergeben, bilden für ihn nur ein Zeichen. Da man den mathematischen Wert 3 theoretisch auf infinit viele Arten darstellen kann (3 + 0, 7 – 4, …), hätte jedes Zeichen potentiell infinit viele Formen. Sie wären alle Synonyme. Das kann nicht angehen. Formen werden iteriert, nicht wiederholt. Lautlich und handschriftlich sind keine zwei Formen identisch. Jede Form kommt holistisch in einer anderen kommunikativen, syntaktischen usw. Situation (Umwelt) vor. – Hobbes (1999, 30) bemerkt, daß zwei Wörter Unsinn produzieren können, wenn sie miteinander verbunden werden (z. B. round quadrangle, während der Satz a quadrangle is round nicht unsinnig, sondern falsch ist). Die übliche Antwort, der auch Hobbes zustimmt, lautet, daß sich ihre „Bedeutungen/Inhalte“ nicht vertragen. Wer von Funktionen spricht, die im Gebrauch evoziert werden, muß hinzufügen, daß ihre Möglichkeiten für eine Form indefinit, aber doch begrenzt sind. Auch ein round quadrangle kann sozusagen als Unsinn „Sinn“ machen. Jedenfalls bekommt es im Gebrauch eine Funktion (z. B. die, unsinnig zu sein). Über Wahrheitswerte wird dabei nichts ausgesagt. Es werden Annahmen gemacht. Die Unmöglichkeit einer Wiederholung über einen Moment hinaus gilt allgemein. (Vgl. den Spieler, der sich abseits stellt. Das Spiel geht weiter. Im nächsten Moment hat sich seine Position und damit Funktion geändert.) To say „I was in the past“ Is not tenable. What existed in the past Is not identical to this one. (Garfield 1995, 344, 27.3) Weil aber tout se tient, gibt es einen Zusammenhang zwischen dem Spieler, der sich ins Abseits stellt, und ‚demselben‘ Spieler, der im Abseits steht. Zum Beispiel bleibt die Annahme (!) der Ich-Identität (ein Leben lang) erhalten, auch wenn jemand hin und wieder zugibt, er sei ein anderer Mensch geworden. Zeigt das Beispiel nicht zugleich, daß es „das“ Individuum nicht gibt, sondern statt dessen ein komplexes Konglomerat? (Vgl. Garfield 1995, 245f; Kalupahana 1986, 56.) Das Ich als {Individuum}. Aus dieser Perspektive wird Identität zu einer begrenzten und begrenzenden {Identität}. Das Beharren auf ihr ist eine kulturspezifische Prägung. Namensänderung, z. B. beim Eintritt eines Mönchs oder einer Nonne in ein Kloster, bei der Inthronisierung eines Papstes oder bestimmter Potentaten, bei Indianer-

535 stämmen beim Eintritt der Pubertät usw., sollen ja gerade eine neue Identität symbolisieren. Der physische Teil eines Organismus, der Körper eines Menschen, ändert sich als Ganzes gesehen langsam und zum großen Teil unmerkbar. Identität beruht daher auf einer (evtl. kulturspezifischen, durch eine Namengebung für die physische Erscheinung verstärkten) mesokosmischen Annahame eines Organismus. Kann man einem befruchteten Ei bereits eine individuelle Identität zusprechen, oder muß gewartet werden, bis feststeht, welche von vier Zellen sich nach der zweiten Zellteilung zu einem Organismus (Individuum) weiterzuentwickeln beginnt? Der Mensch behält seine Ich-Identität sein Leben lang, soviel er sich auch ändern mag. Man beobachtet sich ja dauernd und bemerkt Wandel und Veränderung nur in kleinen Portionen. Einen anderen Menschen kennt man nach langer Zeit vielleicht nicht wieder, läßt sich aber von ihm und anderen überzeugen, daß es sich noch um „denselben“ Menschen handelt, den man früher kannte. In anderen Fällen können eingreifende Veränderungen die Identität zerstören. (Die Zuschreibung kann, evtl. unterschiedlich, vom Individuum und/oder von außen erfolgen.) – Hume (1978, 257) bringt das Beispiel von einem Schiff, „of which a considerable part has been chang’d“, und trotzdem „is [it] still consider’d as the same“. Wie steht es, wenn aus einem Ei eine Larve und aus ihr ein Schmetterling wird? – Wir haben selten Gelegenheit, die Entwicklung an einem Exemplar zu verfolgen. Ich nehme an, die drei Stadien haben dieselben Gene. Wir können nicht fragen, ob sie sich eine Selbstidentität zuschreiben. Würden wir in solch einem Fall von Identität sprechen, und was würde das besagen? In wieder anderem Fall hängt die Identität an einem Namen. – Vgl. Hume (ib. 258) zu einer vollständig wieder aufgebauten Kirche. Ihre Identität hängt, wenn ich richtig sehe, von etlichen Bedingungen, Perspektiven und Gewohnheiten ab. Würde „die neue“ einem anderen Heiligen geweiht, spräche jemand, der dies weiß (!), nicht mehr von „derselben“ Kirche? Wie steht es, wenn sie, demselben Heiligen wie zuvor geweiht, an einem anderen Ort wiederaufgebaut wird? Wie weit darf der vom alten Ort entfernt sein? – Was macht einen Fluß aus (vgl. ib.), das Wasser oder das Bett? Heraklit sagte, ποταµος τος ατος […] οκ µβαίνοµεν. Nun steht das Dativobjekt im vorstehenden Satz im Plural. Die übliche Verdeutschung gebraucht den Singular: niemand steige zweimal in denselben Fluß. Sieht man genau zu, ändert sich in der Zeit nicht nur das Wasser, sondern auch das Flußbett und damit auch der Fluß selbst. Wittgenstein (s. a., 3.179 § 8) irrt, wenn er meint, man könne „zweimal in den gleichen Fluß steigen“ (vgl. ib. 182 § 5), weil er nicht genau hingeschaut (bzw. formuliert) hat.

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