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Teil 3 Von und Zeichen-im-Gebrauch Saussure und Peirce

Teil 3 Von und Zeichen-im-Gebrauch Saussure und Peirce

550 trace („Spur“),

550 trace („Spur“), “a past that has never been present”. (So lese ich Critchley 1992, 37 mit seinem Hinweis auf Derrida 1972a, 22). Doch Derrida führt einen Schritt weiter: Die Differenz (différence) zwischen Formen entsteht aus einer différance als der aufschiebenden Bedingung der Möglichkeit eines Begriffs (vgl. Critchley 1992, 37). Die différance ist das sine qua non der Sprachfähigkeit (Saussure: langage) der Sprachen (langues). Critchley (ib. 36) spricht von dem “active sense” der différance. Saussures Theorie ist sprachimmanent (s. unten). Außersprachliches, z. B. eine Umwelt der Theorie, wird nicht berücksichtigt, kommt nicht vor, existiert für die Theorie nicht (zum Benenner vgl. unten Peirce’ „interpretant“). Das „Bezeichnete“ wird (nur) als „begriffliches Konzept“ begriffen, kann also nur ein sprachimmanentes, potentielles Phänomen sein. Ein signifiant und damit die gesamte Theorie bleiben einzelsprachlich (intralingual). Eine witere wesentliche Einengung der Theorie entsteht dadurch, das sie nur synchron gilt und gelten soll. Und doch spricht Saussure von der Zeitlosigkeit seiner signes. – Hier wird die Doppeldeutigkeit von „zeitlos“ offensichtlich: als „Ewigkeitswert“, wie man manchmal sagen hört, und chronische Unbestimmtheit. Die Philosophie seit Aristoteles und in ihrem Gefolge die Linguistik haben letztere relative Offenheit für erstere Deutung genommen. Wenn Saussure synchron forschen will, erforscht er nicht den Moment X, sondern eine zeitliche Unbestimmtheit, die nicht momentan sein kann, sondern historisch werden/sein muß. Nun kann nach Popper kein absoluter Beweis geführt werden (auch nicht für Falsifizierungen). Man möchte aber kaum alle bisher auf diesem Planeten entstandenen Theorien unbestimmt lange weiterschleppen. Ob es Saussures Zeichen und damit seine Theorie gibt, wird fraglich. Indem Saussure sie entworfen hat, existiert die Theorie zunächst einmal. Nun hat man schon vor Saussure bemerkt, daß ein signe syn- und/oder diachron 386 mehrere signifiés und umgekehrt bekommen kann. Nach der Theorie soll das aber nicht der Fall sein. Man müßte also Homo- und Synomymie zulassen, was die Theorie ablehnt. Es fällt übrigens auf, daß sich Saussures Untersuchungen fast ausnahmslos 386 Auch syn- und diachron bekommen mehrere Bedeutungen: [1] die einmalige [1s] als nicht auf einen bestimmten Moment festgelegte, aber zu einem Moment als möglich angenommene, ahistorische bzw. [1d] eine vergangene, insofern historische, momentane sowie [2] unter einer anderen Perspektive, [2s] die auf einen einmaligen bestimmten Moment festgelegte bzw. [2d] die zu verschiedenen Momenten auf der (mesokosmsichen) Zeitachse als aus sukzessiven Momenten angenommene, reduktionistisch über eine Zeit hinweg (anscheinend) dauernde Bedeutung.

551 auf elementare Phänomene, z. B. Wörter, stützen. Kann man von einem Text von 621 Seiten als „einem begrifflichen Konzept“ sprechen? Sobald behauptet wird, die Theorie sei „wahr“, wird sie ontologisiert. Dann ‚gibt‘ es Zeichen, wie es andere Begriffe gibt wirklich. Oft wird gesagt, Zeichen repräsentierten Dinge, d. h. sie ständen für Dinge (res, allgemeiner: Phänomene). – In der Rhein-Neckar-Zeitung (Jg. 63, Nr. 280, vom 04-12-2007, S. 1) erschien eine Glosse, in der vorgeschlagen wurde, als Beitrag zum Klimaschutz Adventskerzen, statt sie abzubrennen, ökonomischer durch das Schild ‚Licht‘ zu ersetzen. Damit wird offenkundlich, daß Zeichen andere Phänomene nicht “supplement” (Critchley 1992, 36 sagt) können. Es gibt eine wesentliche Differenz (différence) zwischen einem Zeichen-für und dem Phänomen, für das es steht bzw. stehen soll. Hier ist wieder der „Aufschub“ (die différance). Ein Zeichen wird im Gebrauch zwischengeschoben (vgl. Derrida 1972a, 9). Zwischen ihm und dem gemeinten Phänomen gibt es diese différance [1] temporär, weil ein Zeichen erst entsteht, indem es für einen Prozenten hinweisen soll und (gleich) darauf für einen Rezipienten hingewiesen hat, und [2] weil es (wie ein Spiegelbild) das Objekt nur indirekt unter Veränderungen meinen kann. Der Mensch rezipiert Phänomene. (Auch ein Zeichen ‚ist‘ ein solches Phänomen.) Der Mensch benennt das Gemeinte, um sprachlich (auch im Selbstgespräch seiner Gedanken) darüber kommunizieren zu können. Das ist für ihn vorteilhafter, als wenn er mit Dingen jonglieren, sich mit nonverbalen Zeichen verständigen oder im Selbstgespräch mit scenes begnügen müßte. Ungeachtet der obigen Einwände läßt sich die Virtualität des Saussureschen Schemas dennoch als Bedingung der Möglichkeit des Denkens bzw. Erkennens auf Grund der Erkenntnis- und Ausdrucksfähigkeit (oder Ausdrucksnot?) des sprachmächtigen Menschen, als Gedankenspiel, verstehen. b Saussures Theorie Saussure geht von der menschlichen (Laut-)Sprache als Vorbild aus und braucht und gebraucht für die Niederschrift seiner Gedanken als abgeleitetes sekundäres Phänomen die schriftliche alphabetische Darstellung mit Hilfe der lateinischen Buchstaben und Zusatzzeichen (vgl. Saussure 1995, 44-54). Dabei arbeitet er, wie es damals beliebt war und als wissenschaftlich exakt galt, im wesentlichen mit zweistelligen Oppositionen. Jakobson (1938, zit. n. Mauro 1995, 417 48 ) nannte ihn „le grand révélateur des anti-

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