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Teil 3 Von und Zeichen-im-Gebrauch Saussure und Peirce

Teil 3 Von und Zeichen-im-Gebrauch Saussure und Peirce

512 Ein durchaus nicht

512 Ein durchaus nicht wesentlicher Unterschied zwischen Sprachelementen und anderen, außersprachlichen Phänomenen entsteht dadurch, daß angenommen wird, Sprachelemente verwiesen zu allererst auf Begriffe und erst sekudär auf Einzelphänomene. Oben habe ich argumentiert, daß die Umkehrung vom Individuellen zum Allgemeinen gilt. Die Fähigkeit, ein einfaches oder komplexes Phänomen als Zeichen zu interpretieren, beruht aber weitgehend auch auf einem (sozio-kulturell) konventionell gewordenen Umgang mit als ähnlich/gleich angenommenen Phänomenen, also auf einem Lernprozeß durch Iteration. Nun kann ein Organismus auch mit etwas auf etwas hinweisen, wobei das erstgenannte, zum Hinweis verwendete ‚Etwas‘ nicht unbedingt konventionell eingeübt sein muß. Zur Erkennung einer Intention, etwas werde als Zeichen gebraucht, genügt das Wissen um den potentiellen Hinweischarakter von Phänomenen. Die Präzisierung kommt fallspezifisch. – Wenn jemand einen Zweig am Wegrand abknickt, um nachkommenden Freunden anzuzeigen, wo er in einen Seitenweg eingebogen ist, geht es nicht um einen Begriff . Auch der Knick oder der abgeknickte Zweig ist kein Zeichen. Er kann zufällig entstanden sein, oder ein Vorübergehender erkennt ihn nicht als intendierten Hinweis. Etwas kann ad hoc als Hinweis gebraucht werden. Die Angelegenheit ist noch um einen Grad verwickelter: Jedes Phänomen braucht eine Form und eine Funktion, um als Zeichen gelten zu können. (Die Einheit von Form und Funktion kann als „Wert“ bezeichnet werden; vgl. dazu unten.) Form kommt jedem wahrnehmbaren Phänomen zu (auch einem Gedanken; vgl. Sprachphänomene, auch scenes). – Es gibt nicht realiter den Vogel schlechthin. Es gibt Vögel, weil der Mensch bestimmte Tiere so benennt und von anderen Tieren unterscheidet. Der Mensch bildet aus vergangenen, gegenwärtigen und zukünftigen (gewesenen, seienden und sein-werdenden) Vögeln (die er niemals alle überblicken kann) den Begriff (deren Extension er zu keinem Moment feststellen kann). Auch der Begriff kann zu einem gegebenen Raum- Zeit-Punkt, also aktuell in einer Situation, als Zeichen gebraucht, d. h. zu einem Zeichen werden.. Ihm wird dann eine Funktion zur Form hinzugefügt. Aber noch einmal Vorsicht: durch Iteration wird ein (sozio-kulturell überformter individueller Begriff; Zeichen wird der erst, wenn er aktuell verwendet wird. Die Unterscheidung von Vorkommen und Potentialität ist nicht immer eindeutig. – „Dort sitzt ein Vogel“ weist auf ein Exemplar, aber dessen Benennung ist als Potentialität () bekannt. – Es besteht keine Einig-

513 keit, ob der Terminus „Zeichen“ auf ein Phänomen aus Form + Funktion oder zunächst auf die Form allein abzielt. Nur im Gebrauch gehen Form und Funktion zusammen. Ein realer Phänomen, auch ein nur gedachtes, hat eine Form, kann vage wahrgenommen werden, als das/ein Phänomen X erst, wenn ihm eine Funktion zugedacht wird. Die habituelle Vereinigung, die aus einem einen Vogel-für/zu macht, nannte Kade (1980, 19) ein „Kommunikat“ (vgl. „diese Amsel dort auf dem Dach“ vs. „der Gesang der Amsel erfreut den Menschen“). – Verwirrung und Mißverständnisse rühren eben daher, daß jemand durch indefinit viele Iterationen immer wieder eine oder wenige bestimmte Bedeutungen für eine Form gelernt und gebraucht hat, die sich ihm dann als ‚Kernbedeutung(en)‘ habituell eingeprägt hat/haben. Wenn sich in einer Kultur bei den meisten Mitgliedern ähnliche „Kernbedeutungen“ einprägen, entsteht die Meinung, eine gegebene Form ‚habe‘ die oder jene Bedeutung (zum Verfahren und zum Lernprozeß vgl. die Prototypik). – Ein bestimmtes Tier in meinem Vorgarten muß keine Schlange sein: wahrscheinlicher war es eine Blindschleiche. Ich verhalte mich aber, als sähe ich eine Schlange, weil und wenn mir diese Bezeichnung bekannter ist. – Kade (1980, 20f) beschreibt noch die communis opinio: Zwischen den Bedeutungen als ideeller Eigenschaft sprachlicher Zeichen und dem Informationsgehalt (Sinn) als ideeller Eigenschaft von Kommunikation besteht eine reguläre Beziehung: Bestimmte Bedeutungen ergeben unter bestimmten situativen Bedingungen einen bestimmten Sinn. Dabei können gleiche Bedeutungen unter unterschiedlichen Bedingungen verschiedenen Sinn und verschiedene Bedeutungen unter gleichen Bedingungen den gleichen Sinn ergeben. Dieser dialektische Zusammenhang zwischen Bedeutungen sprachlicher Zeichen, einschließlich der als Bedeutung faßbaren, aus den Bedeutungen kleinerer Einheiten ableitbaren funktionalen Eigenschaften des sprachlichen Makrozeichens ‚Text‘, und dem Informationsgehalt von Kommunikaten ist für das Erkennen des Wesens der Sprachmittlung eminent wichtig. Bedingungen für Zuordnungen können individuell behauptet oder durch stillschweigende oder ausdrückliche Übereinkunft gesellschaftlich ausgehandelt werden. Da ich Zuordnung funktional auffasse, gebrauche ich das Verb „bedeuten“ im Doppelsinn von auf-etwas-hindeuten (wollen/sollen), das mir ‚bedeutsam‘ zu sein scheint, wobei das „etwas“ offen bleibt; doch steht dieser Gebrauch des Verbs in der Linguistik nicht im Vordergrund. Wenn ich das Verb im folgenden gebrauche, meine ich damit also nicht ein allerweltliches Meinen (vgl. engl. meaning), sondern ein funktionales wertendes Deuten-auf/zu-(etwas)-für-(jemanden), ein „funktional wichtig werden (können/sollen)“. Analoges gilt für das Substantiv „Bedeutung“. (Vgl.

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