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Teil 3 Von und Zeichen-im-Gebrauch Saussure und Peirce

Teil 3 Von und Zeichen-im-Gebrauch Saussure und Peirce

Geradezu paradox scheint

Geradezu paradox scheint es, wenn Saussure in demselben Denkzusammenhang immer wieder darauf insistiert, daß erst die Synthesis von lautlicher und gedanklicher Artikulation eine ‚Form‘ erzeuge, daß es sprachunabhängiges Denken ebensowenig geben könne wie bedeutungslose Lautelemente. (ib.) 560 Eine weitere Stelle bei Saussure ‚erklärt‘, was er trotz aller Schwierigkeit, sich angesichts unzulänglicher Kenntnisse und damit Ausdrucksmöglichkeiten über den Vorgang einer Äußerung verständlich zu machen, meint (vgl. ib. 162f): Le rôle caractéristique de la langue vis-à-vis de la pensée n’est pas de créer un moyen phonique matériel pour l’expression des idées, mais de servir d’intermédiaire entre la pensée et le son, dans des conditions telles que leur union aboutit nécessairement à des délimitations réciproques d’unités. La pensée, chaotique de sa nature, est forcée de se préciser en se décomposant. Il n’y a donc ni matérialisation des pensées, ni spiritualisation des sons, mais il s’agit de ce fait en quelque sorte mystérieux, que la „pensée-son“ implique des divisions et que la langue élabore ses unités en se constituant entre deux masses amorphes. Wenn das phonische Material zwischen Gedanke und Laut vermitteln soll, dann müßten Laute und Gedanken, ohne daß sie Gedanken waren, und Laute ohne phonisches Material bereits vor der Vermittlung, d. h. vor der signe-Bildung existiert haben. „Laut“ ist bereits zuvor ein funktionales Gebilde. Die bio-neuro-physi(kali)sch z. T. noch nicht zu klärende Genese von „Gedanken“ bzw. die multiplen Translationen von der Entstehung einer nonverbalen Vorstellung (scene) und/oder eines (evtl. daraus folgenden) verbalen Gedankens durch Neuronenaktivitäten über die Aktivierung von Muskelbewegungen bis zur Erzeugung von Schwingungen eigener Art in der Umwelt werden in der Perzeption als weiterem neuronalen Vorgang funktional gedeutet zu „Sinn“ machender Reaktion. Die Perzeption muß nicht Sinn machen, sie kann mißlingen, aber die erzwungene Reaktion muß für ihren Rezipienten irgendwie Sinn machen. (Ich verstehe nicht, macht Sinn.) Analoges gilt für die schriftliche ‚Memtranslation‘ (vgl. Dizdar 2006 zur Metaphorik von „Translation“). Das Problem der Schrift als Repräsentation […], das zu seiner Unterordnung führt, bezieht sich in ähnlicher Weise auch auf deren Beziehung zum Kommunikationsbegriff, wie er von Derrida kritisiert wird. Es wird angenommen, dass in der Kommunikation eine Repräsentation des idealen Inhalts, den man „Sinn“ nennt, übermittelt wird. Die Schrift wird als eine Sondersorte dieser allgemeinen Kommunikation betrachtet […]. (Dizdar 2006, 178 mit Verweis auf Derrida + Engelmann 1999, 332)

561 Wenn Stetter (1994, 163) die „parole als verlautbare Rede“ im philosophischen Jargon eine „Substanz“ nennt, so wird parole auf den (materiellen?) realen Teil, die physi(kali)sche Neuronenaktivität, Muskelbewegungen und evtl. noch die „Wellen“, auf den engen Sprech- oder Schreibvorgang reduziert. Zieht man das weiter oben zur Iteration als Konventions- und Regelbildung Gesagte hinzu, kann mit Stetter (ib. 164) durchaus von einem „Rückkoppelungskreis“ oder besser: zwei Kreisen gesprochen werden. (Der zweite usw. wären die beim Produzenten zu Reaktionen zwingenden Reaktionen des Rezipienten und die folgende Kommunikation.) Das nennt man dann Kommunikation oder allgemeiner Interaktion. Saussures Theorie enthält ein weiteres Problem: Die Bedeutung eines signe ist nur relativ zu bestimmen, dadurch wird sie aber nicht hinreichend eindeutig. Olivier (2004, 155) führt die Funktion ein: Die praktisch einzige naturwissenschaftliche Methode, die Struktur unbekannter Objekte aufzudecken, ist die Untersuchung der Wechselwirkungen solcher Objekte untereinander. Die funktionalen Zusammenhänge sollen strukturell erklärt werden. Dazu bedarf es vieler solcher Objekte, die im Prinzip als gleich angesehen werden müssen. Die Objekte müssen miteinander reagieren, und darin verraten sie ihre eigentliche Struktur, die ohne Funktionalität nicht erkennbar ist. Sie wird sodann benutzt, um die beobachtete Dynamik zu erklären. Das Beispiel kann auf die Makro-Ebene einer Theorie angewandt werden. Dies tun die Biologen bei der Bestimmung pflanzlicher und tierischer Arten. Die Merkmale (die „Strukturen“) einer neu entdeckten Pflanze werden an Hand einer Merkmalliste festgestellt und die Pflanze dann einer Familie usw. zugeordnet. In der Linguistik kann man die syntaktische Einordnung einer Form in verschiedenen Umgebungen feststellen und die betreffende Form dann einer Gruppe (Nomen, Partizip usw.) zuordnen. Analog läßt sich mit „Bedeutungen“ verfahren: Man trinkt Milch, Kaffee, Tee, aber keinen Tabak. Wenn in manchen Sprachen eine Zigarette „getrunken“ wird, wie man oft liest, dann entspricht das Verb eben nicht einem deutschen „trinken“. Die Penetration wird in diesem Umkreis anders kategorisiert. Biologen kennen auch verschiedene Nomenklaturen. In einem zeitlos-punktuellen System sind alle Sprachzeichen arbiträr (s. unten Scheibmayr 2004, 127 71 ). Doch die Entscheidung, welches Wort welcher Sache angeheftet werden soll, ist niemals willkürlich. (Daston / Herrgott + Krüger + Scharnowski 2001, 132) Arbitrarität bedeutet dann weder Willkür noch „immotivé[e]“ (Saussure 1995, 100-102 und 180-184; hier: 101). Willkürlich ist die Dreiheit, in der

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