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Teil 3 Von und Zeichen-im-Gebrauch Saussure und Peirce

Teil 3 Von und Zeichen-im-Gebrauch Saussure und Peirce

562 das signifiant auf

562 das signifiant auf bestimmte Weise mit einem signe (und beide mit einem Phänomen der ‚Außenwelt‘) verbunden werden. – Der Zusammenhang zwischen dem Flöten der Amsel, der Art ihres Gesangs und der Suche nach einem Weibchen ist in diesem Sinn ebenso willkürlich wie die Benennung eines Baumes als „Baum“. Die Dreiheit hängt funktional, nicht ontisch zusammen. Zwischen Sprache als potentiellem Hinweis(zeichen)system, dem Ausdruck für einen Hinweis und dem Gemeinten gibt es außerhalb der Funktion ebensowenig einen zwingenden Zusammenhang wie zwischen dem Flöten der Amsel und der Sehnsucht nach einer Partnerin. Andererseits dürfte jeglicher bewußt oder unbewußt intendierte Erstgebrauch einer Lautfolge als Sprachzeichen (dieser Zusatz soll zufällige Versprecher aus-, Nachahmungen von Versprechern aber einschließen), d. h. als Hinweis-auf, nicht arbiträr gewesen sein. Zumindest wäre die Rezeption bedingt gewesen. Arbitraritä hätte sonst bedeutet, die Äußerung sei „sinn-los“ gewesen. – Der erste Mensch, der zum erstenmal verbal auf einen Baum oder einen vorüberhoppelnden Hasen (vgl. Quine 1976) hinwies, hatte seinen „Skopos“ für die Wahl seiner Benennung, und sei sie ihm unbewußt geblieben, selbst wenn er sogleich darauf bekannt hätte, er hätte sich geirrt, oder er hätte gerade hierdurch bekannt, diese eine, wenn auch irrtümliche, Wahl beabsichtigt zu haben. Andere mögen seine Benennung nachgeahmt haben, ohne zu wissen, wie sie beim Erstgebraucher zustande kam: die „Gewohnheit“ des Namens oder der Name als Appellativ war geboren. – Unmotiviert war in einem anderen Sinn auch die Übernahme durch (einen) andere(n) Sprecher nicht, der sich das Seine dabei dachte. Vielleicht entstand dadurch ein Hinweis auf etwas anderes als beim erstenmal. Das kann heute nicht mehr nachgewiesen werden. Eine Assoziation wird den ersten Menschen zur ersten Benennung veranlaßt haben. – Man weiß nicht, warum der Fisch „Fisch“ heißt, aber Vermutungen hierzu gibt es unter Sprachwissenschaftlern in Fülle (vgl. z. B. Pokorny 1959, 796; Seebold 2002 295f). Und daß man Hechte und Heringe „Fische“ nennt, hat ja wohl seinen Grund. Mauro (1995, VIII) überinterpretiert die Arbitrarität anscheinend nach beiden Seiten. Il n’y a pas à leur origine la dépendance mécanique des caractères prélinguistiques de la substance phonique, des caractères du monde objectif ou encore de notre façon de le percevoir, mais il y a au contraire la capacité (innée dans le cerveau de tout homme) de discriminer librement et d’associer librement en classes les actes et les données de son expérience, et de coordonner différemment les classes ainsi formées. Weder ist die Rede von einer „mechanischen“ Relation, noch wird „frei“ erfunden. Es mag einem Beobachter aber so scheinen. Übrigens erfinden

563 auch Kleinkinder, die zu sprechen beginnen, neue Benennungen nicht unmotiviert, und sei es, daß ihnen ein Klanggebilde gefällt. Interessant wäre es, feststellen zu können, ob Tiere ‚absichtlich‘ lügen können. Der Grund der vorstehenden langen Argumentation ist wieder die Translation: Determinierung für die Wahl eines Ausdrucks ist nicht festzustellen; aber jede Wahl ist bedingt. Diese Bedingungen gilt es mitzudenken und zu überdenken. Saussures System wird, wie gesagt, als theoretisches Konstrukt ein geschlossenes, 392 statisches, „(idio)synchronique“ System (Mauro 1995, X). Würde auch nur ein Element verändert, so würden alle Elemente wegen des eindeutigen Zusammenhangs von signifiant und signifié ebenfalls verändert; es entstände ein anderes System. Es darf also nichts geändert werden, sonst würde das System zusammenbrechen. Statik (vgl. auch hier die Zeitlosigkeit) heißt auch, daß zwischen je einem System und seinem durch Veränderung sozusagen sprunghaft realisierten Nachfolger nach Luhmann kein unmittelbarer Kontakt besteht. Das statische (unveränderliche) idiosynchrone, d. h. atemporale (unveränderbare), System kann (gegen Saussure; vgl. Mauro 1995, X) zeitlich nicht begrenzt, d. h. festgelegt, sein. Anfang und Ende sind Veränderungen. Die aber würden das System nichtexistent werden lassen, denn auch eine Veränderung in der Umwelt des Systems verändert es (eben als System in seiner Umwelt, zu der u. a. übrigens auch der Erfinder des Systems gehört – Kann es ein System geben, ohne das ein Systematiker existiert bzw. beachtet wird? Der Erfinder bleibt allenfalls „sous rature“ jedweder Beachtung. Saussure (1995, 108) spricht von der Zeit als der Wirkung „d’altérer plus ou moin rapidement les signes linguistiques“ als Grund für die potentielle „mutabilité“ des Systems. – Für eine reale Sprache wäre es interessant, im Hinblick auf die oben erwähnte Linearität auch die syntagmatische Produktions- und Rezeptionsfolge zu betrachten: Im Deutschen beschreibt man einen Gewaltakt z. B. als jemanden „niederschlagen und umbringen“; im Hindi sagt man ÎÞÐ üÞÒÈÞ (mār ḍālnā ~ töt[en und / tötend] niederschlagen, also mit einer Art Hysteronproteron-Struktur. Totschlagen beschreibt nicht die Reihenfolge von Handlungen, sondern eine Handlungsart oder ­intensität: jemanden schlagen, bis er /sie tot ist). Es gibt also weder eine diachrone noch synchrone Vergleichbarkeit zwischen zwei Saussureschen langues (vgl. hierzu Mauro 1995, XI). Saussure 392 Eine Zahlenreihe ist infinit, auch die Reihe der ganzen Zahlen, und doch ist sie gegenüber anderen Systemen geschlossen.

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