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Teil 3 Von und Zeichen-im-Gebrauch Saussure und Peirce

Teil 3 Von und Zeichen-im-Gebrauch Saussure und Peirce

566 Im folgenden wende

566 Im folgenden wende ich mich Saussures (1995, 155-169) „Wert“ (valeur) eines Zeichens zu (vgl. Vermeer 2006a, 394-404, zur Evaluierung). Die Verbindung von Wort und Wert findet sich schon bei Cicero (De optimo genere oratorum 5.14f). 395 Hieronymus greift das Gleichnis im Brief an Pamachius (Liber de optimo genere interpretandi [Epistula 57]; Bartelink 1980) unter ausdrücklicher Quellenangabe auf. Beide Autoren beziehen sich auf die Translation. Sie wollen nicht die Wörter von Ausgangs- zu Zieltext zählen, sondern den Wert, d. h. die Relevanz der Textelemente und nicht nur der Wörter gegen-, sondern auch untereinander abwägen. Es gibt also seit 2000 Jahren eine exzellente Translationstheorie. Zur Feststellung der Geltung des ‚Geldes‘ 396 wurde in alter Zeit nicht nur auf den Ausdruck auf der Münze geachtet (wenn es sie und ihn denn gab), die Münze wurde auf ihren Metallgehalt hin gewogen. Cicero will die Elemente eines Texts beim Translatieren auf ihren ‚Wert‘ im Kontext hin abwägen. Das heißt aber auch, daß Textelemente, z. B. Wörter, nicht immer ein- und denselben Wert haben und daß dieser Wert u. a. von der Situation und dem Ko(n)text, in denen er aktuell wird, abhängt. An dieser Stelle mißlingt die Übertragung auf Saussures theoretisches Zeichensystem. – Man stelle sich aber vor, eine Münze ändere ihren Wert je nachdem, wer wem wann und wo jemanden damit bezahlt. – Dem armen Schlucker wiegt eine Lira schwerer als dem reichen Krösus. – Aber das ist nicht an erster Stelle gemeint. Eher schon könnte man das Bild von der Börse heranziehen. Hier gilt der Wert des Geldes gerade mal momentan. Man geht in eine Wechselstube und zahlt x Euro für y Lire. Doch der Wert an der Börse hat sich schon geändert, und der nach mir Kommende zahlt entsprechend mehr oder weniger. Das ist Translation in Transaktion. So wird es auch dem Ausgangstext und dem Translat ergehen. Kaum ist das Translat ausgesprochen oder niedergeschrieben, möchte man das Textem (!) gegen ein ander Ding mit anderem Wert tauschen, es z. B. korrigieren oder ersetzen. Bald sind Ausgangs- und/oder Zieltextem gefragt (und die Tantiemen steigen), bald wird das eine oder andere oder werden beide Ladenhüter. Und so weiter. – Es gibt zwei Gleichberechtigung des Gegenüber führen. Ich erwähne dies allerdings nicht an jeder Stelle und in jedem Fall, um mich nicht zu oft zu iterieren. Man beachte aber bitte, daß im alltäglichen Verhalten der Menschen Generalisierungen-mit-Reduktionen durchaus zu als hinreichend befriedigend angenommenen Resultaten führen. 395 „Non enim ea me adnumerare lectori putavi oportere, sed tamquam appendere.“ – „Denn ich glaubte sie nicht dem Leser vorzählen, sondern gleichsam zuwägen zu müssen.“ [übers. Mebold (1827)]. 396 Geld bedeutet janusartig: gelten (Wert haben) und zahlen/zählen.

567 Wertebenen: Im täglichen Geschäft gilt der Aufdruck auf der Münze, gleichgültig, ob jemandem das Zahlen leicht oder schwer fällt. An der Börse wird der Wert (aus)gehandelt. Und das eine hat mit dem andern nur bedingt zu tun. Werte sind auf beiden Ebenen individuell(-momentan), für eine Weile durch Konvention (vgl. die Kulturebenen – sozusagen übers Wochenende) scheinbar stabilisiert. Für Saussure können ebenfalls zwei valeur-Ebenen angesetzt werden: die valeur auf der atemporalen langue- Ebene, angeblich ohne Wertänderung, denn sie würde einen Umdruck bedeuten bzw. eben eine andere Münze ergeben, und die valeur auf der parole-Ebene analog zur relativen Wertigkeit der Münze im täglichen Verkehr und im Börsenhandel. Erstere Ebene ist virtuell, nur die zweite real, wirk-lich. Paradoxerweise erscheint die virtuelle Münze stabil, während die reale unbeständig (ein Prozeß) ist. Auf den zwei genannten Wertebenen gibt es einen vierfachen Wert, z. B. Geld (ein Text[em]) – der Nutzen des Geldes im Gebrauch – der Erlös – der Nutzen des Erlöses. Wittgenstein (s. a., 3.291 § 9) zählt die ersten drei auf: Man sagt: Es kommt doch nicht auf’s /auf das/ Wort an, sondern auf seine Bedeutung und denkt dabei immer an die Bedeutung als ob sie nun eine Sache von der Art des Worts wäre, allerdings vom Wort verschieden. Hier ist das Wort, hier die Bedeutung. (Das Geld, und die Kuh die man dafür kaufen kann. Anderseits aber: das Geld, und sein Nutzen.) Saussure setzt valeur deutlich von signification, das mit „Bedeutung“ übersetzt worden ist, ab (vgl. Mauro 1995, 464 231 ). Burger (1961, zit. n. Mauro 1995, 464 231 ) verweist noch einmal darauf, daß nach Saussure „un signifiant ne peut avoir qu’un seul signifié“. Andererseits wird von „les ‚significations‘ d’un mot“ gesprochen. Zunächst scheint hier wieder einer der Widersprüche vorzuliegen, die der Cours dadurch, daß die Aufzeichnungen aus verschiedenen Vorlesungen und damit verschiedenen Zeiten stammen und unterschiedlich verstanden wurden, aufkommen läßt. Mit dem Plural „significations“ wird wohl angedeutet, daß ein Wort im Kontext der parole Unterschiedliches „bedeuten“ und „besagen“ kann [und damit unterschiedlich translatiert wird], zumal wenn Produktion und Interpretation holistisch analysiert werden. 397 Heute bietet sich daher an, valeur als „Funktion“ zu verstehen. Das würde Saussures Auffassung nahekommen. Die Werteinheit braucht nicht festgelegt zu werden; es kann sich im verbalen Bereich um Wörter oder Romane handeln. Auf der langue-Ebene spielt die Funktion einzelner sprachlicher Phänomene keine Rolle. Hier gilt allenfalls die Funktion Element-der-langue-zu-sein. Man könnte auch an syntaktische 397 Vgl. Stilebenen, Konnotationen usw.

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