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Teil 3 Von und Zeichen-im-Gebrauch Saussure und Peirce

Teil 3 Von und Zeichen-im-Gebrauch Saussure und Peirce

568 Funktionen denken;

568 Funktionen denken; aber hiervon soll jetzt abgesehen werden. Das entspräche eher der Abrechnung mit verschiedenen Geldmitteln (Münzen, Noten, Schecks usw.). Auf der parole-Ebene gilt das soeben zum Wert Gesagte für valeur-als-Funktion. Von hier aus kann in einem weiteren Schritt den Elementen der langue ein virtuell statischer Wert zugeschrieben werden: der Aufdruck auf der Münze, der im täglichen Geschäft mal mehr und mal weniger gilt bzw. anzeigt. Nun meint Saussure (1995, 157): La collectivité est nécessaire pour établir des valeurs dont l’unique raison d’être est dans l’usage et le consentement général; l’individu à lui seul est incapable d’en fixer aucune. Auf der Theorie-Ebene heißt das, ein einzelnes Zeichen aus einem System kann nur im Hinblick auf alle anderen Zeichen festgelegt werden. Wenn „un signifiant ne peut avoir qu’un seul signifié“ (ib.) und ein signe „tout autant la contre-partie des autres signes de la langue“ ist, wobei signifiant und signifié eine unzertrennliche Einheit sind, so ergibt sich eben die besagte virtuelle, statische (synchrone) und vor allem geschlossene Theorie, denn nur auf diese treffen die drei Forderungen gleichzeitig zu. Auf der Meso-Ebene realer Vorkommen kann es das individuelle, unveränderbare signe nicht geben. Allein, isoliert, kommt ein Individuum nicht vor. (Es existiert immer in einer es beeinflussenden Situation.) Andererseits kann auch „la collectivité“ als Abstraktum, als Virtualität nicht handeln. Geschehen (Werden) spielt sich in der Gemeinschaft von Individuen ab; das Spiel vom Werden wird allenfalls von einem Individuum initiiert, u. U. nach oder in Absprache oder Austausch mit anderen. – Kommt z. B. eine neue Form (ein neues Wort, ein wissenschaftlicher Terminus) auf, so muß durchaus nicht das ganze System verändert werden. Die bestehenden Elemente behalten ihre Bedeutungen (um in der Terminologie der Linguistik zu sprechen). Auch das Wort (mot und parole) braucht Umwelt. Ein einzelnes Geldstück, ein Solitär, ‚hat‘ keinen Wert. Er muß im Gebrauch, z. B. beim Kauf und Verkauf, ausgehandelt werden. Stabilität, auch relative, braucht Kontext. Es wird klar: Saussure spricht von zwei Theorien. Einerseits ist da eine Ein-Ebenen-Theorie der langue, die nichts mit einer parole zu tun hat; andererseits gibt es eine umfassende Drei-Ebenen-Theorie, nach der die reale parole, anders als man heute argumentieren würde, als Emanation der virtuellen langue erscheint und der Wert der parole nur auf der Mikro- Ebene stabilisiert werden kann. Erstere Theorie ist atemporal-statisch, die zweite evoluiert (momentan-)dynamisch.

569 Noch in einem anderen Sinne muß von zwei Theorien gesprochen werden. Oben wurden zwei ‚Bedeutungen‘ für valeur diskutiert: der Wert, der auf einer Münze aufgedruckt ist, und jener, mit dem man im Tante-Emma- Laden Brot kaufen kann (Saussures Beispiel, ib. 160). Und hier gibt es eine nochmalige Zweiteilung: Brot kann mit Euro oder ec-Karte oder (anderwärts) einer anderen Währung gekauft werden. Zugleich ändert sich auch das „Brot“, genauer: die Art und damit der Wert (des) Brot(es) in zweifachem Sinn des Benjaminschen „Gemeinten“ und der „Art des Meinens“ (vgl. Benjamin Die Aufgabe des Übersetzers, 1991, 4.1, 9-21). Da dies nun unweigerlich geschieht, kommt man wieder auf die oben im ersten Teil dieser Arbeit skizzierte Theorie von der Momentanität aller Phänomene als Prozesse in Raum und Zeit, System und Umwelt zurück. Saussure (1995, 161) weitet dieses Werden über Wortbeispiele auf Syntax aus, anders gesagt: über Ereignisse (Whiteheads events) auf Funktionen (processes), indem er z. B. inner- und interlingual unterschiedliche significations des Plurals erwähnt (vgl. oben das Beispiel le Cours vs. Dersler). Die Theorie braucht nicht auf Sprache bzw. Linguistik begrenzt zu werden. Zu einem System gehört, daß es aus mindestens zwei Elementen besteht. Eines davon kann Zéro sein. Zéro ist auch ein Element. Letzten Endes muß die Menge der Elemente finit sein. In einem absolut geschlossenen System muß auch die Menge der möglichen valeurs finit sein. (Vgl. Benjamins „reine Sprache“, die alles ausdrücken und deshalb nicht mehr funktionieren kann, weil eben schon alles gewußt werden muß und Kommunikation, d. h. Sprachgebrauch, dadurch überflüssig, d. h. funktions-, d. h. sinnlos, wird; vgl. auch den Unterschied der Atemporalität einer reinen Sprache vs. Saussures Theorie.) Geschlossenheit und Vollständigkeit bedingen sich gegenseitig, um ein System autopoietisch funktionsfähig zu machen/erhalten. Ein offenes System ist per definitionem nicht vollständig; dies verhindert die bloße Möglichkeit der Vervollständigung. Allerdings verstehe ich Scheibmayrs (2004, 127 71 ) Einwand nicht: Wenn man von der grundsätzlichen Arbitrarität der Zeichen ausgeht, muss man alle Zeichen aus der Zeichentheorie ausschließen, bei denen das Verhältnis von Bezeichnendem und Bezeichnetem als natürlich dargestellt werden kann. Wie absolut oder relativ ist Grundsätzliches? Das Können bleibt ungewiß (vgl. Ikonizität und die Phonästhetik, die je nach ihren Ansprüchen als Wissenschaft oder Hirngespinst eingestuft wird; vgl. die Metaphorik; die

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