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Teil 3 Von und Zeichen-im-Gebrauch Saussure und Peirce

Teil 3 Von und Zeichen-im-Gebrauch Saussure und Peirce

570 Etymologie: Hahn ~

570 Etymologie: Hahn ~ „Sänger“ oder die Onomatopoiesis: √pstr > „niesen“; vgl. Porzig 1957, 23). Durch Anbindung an eine Realität erwachsen der Saussureschen Zeicheninterpretation weitere Probleme: [1] Jedes Phänomen kann Zeichen­, d. h. Hinweis-Funktion erhalten. Ein solches Gefüge ist offen, wenn auch finit, aber kein System. [2] Phänomene sind keine Zeichen; jedes Phänomen kann unter bestimmten Bedingungen seines Gebrauchs in einer Situation zu einem Zeichen werden. [3] Damit kann ein solches Gebilde ebenfalls nicht geschlossen sein. Es muß zudem die Fähigkeit zulassen, neue Zeichen aufzunehmen, z. B. das Wort „Sonne“ durch ☼ wiederzugeben. [4] Der Zeicheninhalt ist offen. Er liegt außerhalb seines Gebrauchs dank kulturspezifischer Konventionspraktiken allenfalls vage fest. Er wird erst im Gebrauch in gegebener Situation von jemandem momentan intendiert bzw. apperzipiert, d. h. interpretierend fest-gestellt (sistiert), und bekommt erst hierdurch (in diesem [Quasi­]Zeitpunkt) eine „Bedeutung“ (einen Wert, eine Funktion). Die Referenz eines Zeichens bzw. einer Zeichensequenz intendiert ein Phänomen (unterschiedlicher Komplexität). Referenz gilt (quasi-) momentan-individuell. Es wird nicht garantiert, daß sie der zugedachten /angenommenen Intention hinreichend genau entspricht. Die vorstehenden Überlegungen können in einer komplexen Differenztheorie zusammengefaßt werden. Agens- und Patiensfunktionen (wer/was differenziert bzw. differenziert wird) werden zu einer Angelegenheit der vom Organismus, z. B. Menschen, eingenommenen Perspektive in einer (Selbst- bzw. Fremd-)Beobachtung (s. oben). Damit gibt es keine eindeutigen Grenzen. Perspektivität hängt selbst wieder von indefinit vielen aktuellen, quasimomentanen Faktoren ab. Zéroformen, z. B. Leerstellen (Lakunen) und Schweigen, haben ihre Formen und Funktionen. [D]ans la langue il n’y a que des différences […] sans termes positifs. (Saussure 1995, 166; Kursive im Original) Dagegen schreibt Mauro (1995, 466 242 ) zu diesem Satz: La combination de signifiant et de signifié, c’est-à-dire le signe, est une réalité positive [bei Saussure]; c’est-à-dire que le signe est une „entité concrète“. Mais cet aspect concret est le résultat d’une opération complexe de systématisation en (et de liaison de) classes abstraites des phonies et des significations concrètes. Auch Grenzen sind keine Konkreta (Grenzmarkierungen wohl). Es entsteht ein Paradox: Abstrakta (Grenzen, Differenz[ierung]en) konkretisieren, was

571 beiderseits ihrer liegt. Benennungen differenzieren. Signifiants differenzieren signifiés (vgl. auch Saussures [1995, 170-175] „rapports“, Relationentheorie). – Das „Nichts“ genannte Nichts wird Etwas. If there is no existent thing, Of what will there be nonexistence? (Garfield 1995, 151, 5.6) Noch etwas ist zusätzlich zum bisher Gesagten für die unten folgende Diskussion um PeirceZeichenbegriff wichtig. Saussure unterscheidet das Bezeichnende, das signifiant, vom Bezeichneten, dem signifié. – Angenommen, das signifiant „Botschafter“ werde in gegebener Situation Hinweis auf einen Botschafter. Die Buchstabenfolge „Botschafter“ (in anderen Fällen kann es sich trotz [?] Saussure auch um ein Ideo- oder Piktogramm handeln, z. B. + statt „Stern“ oder > statt „gehe zu“) fungiert im angenommenen Fall als signifiant. Nun ist aber das, worauf hingewiesen werden soll, nicht einfach das signifié. Es gilt dreierlei zu unterscheiden: Das signifiant wird im angenommenen Fall als Form mit Hinweisfunktion, kurz: als Hinweis interpretiert. Das wäre sein eigentliches oder, wenn man will, erstes signifié. Das signifiant kann zweitens auf den „Begriff“ als generalisiertes und zur Virtualität erhobenes signifié verweisen. Der individuelle Botschafter, auf den hingewiesen werden soll, wird drittens zum aktuell Gemeinten des Hinweises. – Seitens des Produzenten intendiert, so sei angenommen, würde das signifiant also zu einem möglichen Hinweis auf einen aktuell-realen Botschafter. Seitens eines Rezipienten kann u. a. analog interpretiert werden. Ein Rezipient eines solchen „Zeichens“ muß also [1] die Hinweisfunktion als solche, also [2] auf den Begriff , mit anderen Worten: das Botschafter-Sein und [3] einen realen und zwar [4] den gemeinten individuellen Botschafter erkennen. (Ich lasse den Unterschied zwischen Sprachen mit und ohne Artikel beiseite; dann würde evtl. ein fünfter Schritt über die Syntax nötig: von als Generale (Begriff) zu „einem“ realen Botschafter zu „dem“ real gemeinten Botschafter. Die Schwierigkeit der ‚richtigen‘ Intention bzw. Interpretation scheint mir im dritten und vierten Schritt zu liegen. Man muß an den Unterschied von Wörterbuch- und Situationsgebrauch erinnern bzw. erinnert werden: „Schloß“ > Türverschluß oder Palais. Schließlich kommt noch die Sinn-Funktion hinzu, z. B. bei „Botschafter“ in gegebener Situation: „(un)willkommener/(un)erwarteter usw. Bote einer Botschaft“. Einfacher wäre es anzunehmen, ein Zeichen, d. h. eine Form mit Funktion, verwiese auf ein Reale in der Welt. Ein Zeichen intendiert eine Intention. Intention und Phänomen sind für jeden Interaktionspartner

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