Aufrufe
vor 5 Jahren

Teil 3 Von und Zeichen-im-Gebrauch Saussure und Peirce

Teil 3 Von und Zeichen-im-Gebrauch Saussure und Peirce

572 individuell, d. h.

572 individuell, d. h. im Prinzip je andere. Doch wird die Bandbreite möglicher Interpretationen durch die kulturelle Überformung (Enkulturation) informierter Hinweisbenutzer in Grenzen gehalten. Noch ungenau Peirce nach Scheibmayr (2004, 137 115 ): Bei Peirce z. B. sind Sprachzeichen hinsichtlich ihres Objektbezugs Symbole, d. h. ihr Objektbezug muss sich keineswegs auf einen „außersprachlichen Sachverhalt“ beziehen, sondern er hängt ganz von der kontingenten Regel ab, die im Interpretanten eben diese bestimmte Relation zwischen Repräsentamen und Objekt steuert. Das Objekt muss dabei kein außersprachliches oder überhaupt zeichenexternes dynamisches Objekt sein [...]. [Ein Druckfehler wurde stillschweigend korrigiert] Letzte Erinnerung: Der Beobachter nimmt nicht ein Phänomen, sondern die Wahrnehmung eines Phänomens wahr. 41. Charles Santiago Sanders PeirceZeichentheorie Saussure arbeitete mit binären Oppositionen, die in den obigen Überlegungen unter Beiziehung von Überlegungen zu Luhmann zu trinären Oppositionen erweitert wurden. Im folgenden sollen die Gedanken durch Peirce’ 3 x 3 „Dreiheiten“ ausgeweitet werden. Trotz der Überschrift zu diesem Kapitel geht es mir aber nicht so sehr um eine Theorie von Charles Sanders Peirce, auch nicht in erster Linie um Scheibmayrs Ausdeutung unter Bezug auf Luhmanns Theorie sozialer Systeme. Zwischen den zahlreichen Versuchen, Peirce zu interpretieren, läßt sich schwerlich Übereinstimmung herstellen. Ich versuche lediglich eine weitere Klärung des „Zeichens“ und des damit Meinbaren im Rahmen einer Translationstheorie. Vor einem Jahr (Vermeer 2006b) habe ich Ansätze hierzu auf der Basis von Luhmanns (1985) Gedanken skizziert. Diesen Ansätzen möchte ich ein paar Gedanken hinzufügen, wobei ich Ansätze aus Vermeer (2006a) hereinnehme. Die drei Theorien von Peirce (1839-1914), Saussure (1857-1913) und Luhmann (1927-1998) sollen nach dem Willen ihrer Autoren als allgemeine Theorien verstanden werden. Als solche müßten sie von mesokosmischen Irritationen frei bleiben. Alle drei gehen von der ihnen bekannten Realität aus und kommen (unvermeidbar) immer wieder auf sie zurück. Das ist kein Unglück, sondern gibt Anlaß, die Ausführungen jeweils auf zweierlei Weisen zu lesen. „Realität“ selbst ist mehrdeutig (s. oben). Peirce warnt schon früh vor kategorischen Behauptungen, wenn er nicht einfach zwischen Zeichen und Bezeichnetem zu unterscheiden sucht, sondern „genauer, zwischen dem, was der Möglichkeit nach ein Zeichen, und dem, was der Möglichkeit nach das Objekt eines Zeichens ist“ (Oehler 1993, 43), unterscheidet und es

573 weiterhin heißt, „Vorstellungen als Vorstellungen haben ihren Gegenstand und können selbst wiederum Gegenstände anderer Vorstellungen sein“ (ib.). Vorstellungen brauchen außerhalb der Vorstellung keinerlei Existenz zu haben. Eine Vorstellung muß nicht bewußt werden. Bewußtsein heißt in diesem Kontext, sich in anderer Weise einer Vorstellung und (oder?) des Gedankens an eine Vorstellung bewußt zu werden, sie sozusagen zu beobachten (vgl. das oben zur Indirektheit von Beobachtungen Gesagte). Andererseits heißt es wieder ganz traditionell, „daß ein Zeichen etwas ist, das für etwas anderes steht und von jemandem verstanden wird respektive für jemanden eine Bedeutung hat“ (ib. 127). In diesem Kapitel frage ich, ob und gegebenenfalls wie Peirce’ Theorie im Hinblick auf Translation interpretiert werden kann. Völlig heterogene Sachverhalte bilden das Spektrum der Kategorien; so sind der Erstheit etwa die Möglichkeit, der Zufall, die Empfindungsqualität, die in sich abgeschlossene Einheit, die monadische Relation, das summum bonum, die philosophische Teildisziplin Ästhetik, die Schlußform Abduktion, die Zeichenklasse Icon etc. zugeordnet. [Unten wird das Ikon mit Scheibmayr zur Zweitheit gezählt.] […] Da unterscheidet Peirce zwischen universalen und partikulären, genuinen und degenerierten, ontologischen und phänomenologischen Kategorien[.] (Baltzer 1994, 12) Kein Wunder, daß Baltzer (ib. 11) „das chronische Mißverständnis der Peirce’schen Kategorientheorie“ bedauert. Wenige Zeilen später zitiert er Savan (1977, 183), der zeigen wollte, „that Peirce’s categories are themselves signs“, und meint, man müsse umgekehrt suchen, weil „die Kategorie das Grundelement […] in der Zeichentriade“ sei. Der Wechsel vom Plural (categories) zum Singular (die Kategorie) ist mehrfach auslegbar, und Peirce behauptet zudem an anderer Stelle, alles Existente sei Zeichen. Wenn es also die Kategorien zumindest in der Behauptung von Peirce gibt, ‚sind‘ sie nach seiner Aussage Zeichen. – Wenn ich sage, „Dort drüben grast ein Einhorn“, dann ist das, was dort grast, in meiner Behauptung (und vielleicht nur Annahme oder sogar Überzeugung) ein Einhorn. In meiner Behauptung, nicht durch sie. Gleichgültig, ob ich es glaube oder nicht. Mein Gesprächspartner geht von seiner Interpretation meiner Behauptung aus, 398 stimmt die Interpretation in einem zweiten Schritt vielleicht mit meinem Verhalten, wie er es ‚kennt‘, d. h. in seiner Situation annimmt, ab usw. und kommt so zu seiner Annahme über meine Behauptung. (Nach allgemeiner reduktionierender Meinung vernimmt der Partner meine Aussage, evtl. kritisch.) Grice’ (1975) Maximen müssen verfeinert werden. Ich könn- 398 Ich sehe im Augenblick davon ab, daß die Situation zur Interpretation beiträgt (vgl. Gestik usw.).

Teil 3, Seite 79 - 106 - Münchner Baumkletterschule
Teil 3: Umwelterklärung zum Nachhaltigkeitsbericht - Vinnolit
LaTeX Teil 3 - Wissenschaftliche Texte mit LaTeX
3 ANTALIS – ERKENNEN SIE DIE ZEICHEN DER ZEIT 3 UmwELT ...
Teil 13: Die Gattung Stenodynerus SAUSSURE
Teil 3: Zahlen und Zeichen - Neues vom Rosenberg
Gebrauchs - und Verbrauchsmaterial 3
Zeichen der Zeit – Teil 3: Es werden schlimme Zeiten kommen In ...
Anmeldebedingungen 28. März – 3. April 2011 Noch zu gebrauchen ...
Download Teil 3 Anwendung - IVU Umwelt GmbH
Lernszenarien Teil 3
TuV Teil 3: Das Schlusskapitel mit dem ... - traditio.de
31. WAHRSCHEINLICHKEITSRECHNUNG - 3.TEIL - WEINDLFAMILY
Thema 3: Der Gütermarkt (Teil 2) - JKU
Aufgaben - Teil 3 - Aj-dons.de