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Teil 3 Von und Zeichen-im-Gebrauch Saussure und Peirce

Teil 3 Von und Zeichen-im-Gebrauch Saussure und Peirce

586 Luhmann 1985) in die

586 Luhmann 1985) in die Zukunft, in der der dritte Teil des interpretant, der „ultimative finale Interpretant“ (Scheibmayr 2004, 22), auftritt. Wenn man Realität, in welcher Form auch immer, annimmt, kann eine Beobachtung nur Vergangenes feststellen. Jede Wahrnehmung nimmt Vergangenes wahr; jede Perzeption perzipiert Vergangenes, vergleicht sie indirekt mit Vergangenem in der Gestalt, in der es im Moment des Vergleichs erinnert wird, und speichert aus dem Amalgam eine momentane Gegenwart, die sogleich wieder Vergangenheit wird. Die doppelte oder dreifaltige Ausdeutung der Peirce’schen Kategorien, die ich versuche, kann in keinem klaren Entweder-Oder enden. – Terminologisch müßte zwischen einem außer- (oder auch inner-)organismischen Ereignis, seiner Speicherung mittels Penetration und der Erinnerung der Speicherung (als neuerlicher Penetration?) als doppelt indirekter Erkenntnis des Ereignisses als einem vergangenen, nur erinnerten unterschieden werden. Ähnlich zweifach wie der „Objektbezug“ wird das englische „interpretant“ interpretierbar. (Der Kürze halbe nenne ich mitunter den englischen Terminus, um nicht mit der Verdeutschung „der Interpretant“ bei Scheibmayr die Doppeldeutigkeit zu erschweren oder mit einem umständlichen gendering arbeiten zu müssen.) 410 Die englische Form interpretant kann 410 Englisches „interpretant“ kann im Deutschen als „der Interpretant“ wiedergegeben werden, wie es üblicherweise geschieht, aber auch durch „das Interpretans“ übersetzt und interpretiert werden. Bei Peirce wird nicht deutlich, was gemeint ist. Vielleicht ist die deutsche Übersetzung für Peirce’ „interpretant“ an der Schwierigkeit seiner Interpretation nicht unschuldig. Ich unterscheide gemäß einer möglichen Konvention für (lateinische) Lehnwörter in der Form eines participium praesentis zwischen „Interpretans“ (Nominativ Neutrum) als Teil eines Zeichens und „Interpretant“ (Nominativ Masculinum) als Produzent/Rezipient eines Zeichens. Ein solcher Interpretant braucht kein Mann, Mensch oder sonstiger Organismus zu sein. Er kann selbst Teil des Zeichens sein. Es genügt ein Gehirn, eine Maschine oder ein anderes im Sinne Peirce’, kurz: ein Phänomen, das im Rahmen von Pierce’ Theorie Hinweise ‚erkennen‘ und ‚interpretieren‘ kann (vgl. das Computerprogramm, das einen Schreibfehler zu erkennen glaubt und ihn starrköpfig korrigieren will), oder ein Hinweis, der als Stimulus wirkt. In den obliquen Kasūs und im Plural fallen im Deutschen beide Termini zu „Interpretanten“ zusammen. Im Englischen ist „interpretant“ sowohl als Neutrum als auch als Masculinum üblich. Im übrigen sind in der deutschen Übersetzung von Peirce’ Tafel alle Termini bis auf zwei Neutra. Masculina sind Index und Interpretant. Dikent ist bei Scheibmayr Neutrum. Index ist ein geläufiges Wort im Deutschen. Durch die Genusdifferenz zu den übrigen Termini wird „Interpretant“ markiert. Scheibmayr spielt mit dem Doppelsinn von „Interpretant“ als Interpretans und Interpretant: Der Mensch denkt; zumindest ist er fähig dazu. Und schafft dadurch seine Makrokosmoi.

587 (als das Interpretans) als Teil des Zeichens oder als der Interpretant ge werden, welcher schließlich sogar außerhalb des in Frage stehenden Zeichens über aller Theorie steht. Scheibmayr gebraucht nur „der Interpretant“ in beiderlei Sinn. Es wird nicht klar zwischen einem Interpretans als Teil eines Zeichens (anders gesagt: einem Zeichen als Interpretans) und einem Interpret(ant)en eines Zeichens geschieden. Der Interpretant (eines Zeichens), z. B. Scheibmayr, existiert, wie gesagt, evtl. außerhalb des Zeichens, aber nicht unbedingt außerhalb des Zeichensystems, zumal dann nicht, wenn alles Zeichen sein soll. Der Interpretant ist bei Peirce ein zentraler, sehr komplexer und problematischer Begriff. Wir werden uns an dieser Stelle darauf beschränken festzustellen, daß mit dem Interpretanten das menschliche Bewußtsein gemeint sein kann. (Fischer-Lichte 1979, 21, mit Verweis auf Apel 1967). Für Oehler (1993, 129) andererseits ist „der Interpretant“ (nur) „das, was ein Zeichen in einem Interpreten erzeugt, indem es ihn zu einem Gefühl, einer Handlung oder einem Zeichen determiniert. Diese Determination ist der Interpretant.“ (Zu Einzelheiten vgl. ib. 129f.) Hier Determiniertheit zu sehen, zieht weitreichende Konsequenzen nach sich (s. oben). Da jedes interpretierbar sein müsse, könne kein allein (isoliert) existieren. Versteht man Zeichen dagegen als Hinweis-im-Gebrauch, genügt die Situation zu einer Interpretierbarkeit durch einen Interpret(ant)en. Wird der Interpretant außerhalb des Zeichens angesetzt, kann ein Hinweis auch ins Leere gehen. („Guck mal, da fliegt eine gebratene Taube!“) Weitere bei Oehler genannte Einzelheiten interessieren hier nicht, scheinen mir auch z. T. einen Irrweg zu betreten. Interessant ist noch (ib. 131) die Bemerkung, der Interpretant sei „das Element eines Zeichens, welches das Zeichen zu einem Phänomen der Konvention, der Auslegung, der Gesellschaftlichkeit macht“. Wird der Interpretant z. B. als menschliches Wesen verstanden, so kann die Funktion eines Zeichens durch Iteration generalisiert und dadurch virtualisiert werden. Zeichengebrauch wird konventionalisiert (regelhaft), Semiotik universalisiert. Ist ein menschliches Bewußtsein (oder Ähnliches) gemeint, dann ist Peirce’ Theorie keine abstrakte Theorie. Als solche kann sie trotz mancher anderer Unklarheiten interpretiert werden, wenn das Interpretans als innertheoretisches Konstrukt interpretiert wird. Existieren Interpretans und Interpretant in Personalunion bzw. sind sie ein und dasselbe, so muß es jedenfalls etwas außerhalb ihrer (aber nicht unbedingt des Zeichensystems) zu interpretieren geben. Denn selbst wenn sich das Zeichen (als Ganzheit – Luhmanns Terminus) selbst interpretiert (vgl. Luhmanns Selbstbeobach-

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