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Teil 3 Von und Zeichen-im-Gebrauch Saussure und Peirce

Teil 3 Von und Zeichen-im-Gebrauch Saussure und Peirce

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592 Peirce braucht den finalen Interpretanten, um die von ihm postulierten „Gesetze“ abschwächen zu können. Doch führt er damit, wie gesagt, einen Zwitter in seine Theorie ein: einen Begriff als Handelnden. Zugleich soll der finale Interpretant mit der Gesetzmäßigkeit des Systems identisch sein (vgl. Scheibmayr 2004, 260; vgl Peirce’ Verlegenheitslösung nach Scheibmayr ib. 260f), was juristisch und philosophisch zu einem Widerspruch führt (vgl. aber den „leading case“, Präzendenzfall, im anglo-amerikanischen Recht). Scheibmayr (ib. 263) sieht sich denn auch genötigt, neben einem „vorläufigen“, Unschärfen und Probabilitäten verursachenden, einen „ultimativen“ finalen Interpretanten, sozusagen als mythischen Generalintendanten, einzuführen. Solche Erweiterungen deuten auf Brüchigkeit in der Peirce’schen Theorie und ihrer Interpretation. Immerhin ist interessant, daß bei Peirce ein transzendentaler Faktor für eine Realinterpretation des „Zeichensystems“ vonnöten wird. Weltimmanent 414 könnte Benjamins „reine Sprache“ dieser Vorstellung vom ultimativen finalen Interpretanten entsprechen, insofern sie/er die am Ende der Zeiten „vollständige Selbstrepräsentation des Zeichenuniversums darstellt“ (Scheibmayr 2004, 345), d. h., den Gang der Welt und (je nach Theorie) darin/damit das „Zeichenuniversum“ zur Vollkommenheit führt, ihm eine (oder: eine endgültige?) Richtung und einen (endgültigen?) Skopos gibt und es abschließt bzw. zum Abschluß führt, wenn er, der ultimative finale Interpretant will. Durch ihn und mit ihm und in ihm hört jede weitere Zeichenoperation auf. Zeichen und Welt, Bezeichnendes und Bezeichnetes, fallen ineins. Es gibt keine Kommunikation mehr. (Zu Benjamins Theorie vgl. u. a. Vermeer 1996.) Simon (1989, 86) drückt dies folgendermaßen aus: Absolute Negation würde alles Verstehen „apokalyptisch“ beenden. Genauso endgültig oder „apokalyptisch“ wie die absolute Negation wäre aber auch die absolute Position, die definitiv besagen wollte, „was“ etwas sei, und die damit glaubt, im „Begriff“ bei der „Sache selbst“ angekommen zu sein. Diese Position schlösse alles „weitere“ Verstehen aus und damit auch die Möglichkeit, etwas so zu verstehen, daß es sich besser in ein Gesamt des Verstehens als in einen Zusammenhang mit neuen Erfahrungen fügt. Soeben wurde Peirce-Scheibmayrs finaler Interpretant / finales Interpretans als Endbewirker/Endbewirkung der Welt interpretiert. Das End- ist doppeldeutig. Es kann das Ende (die Beendingung) / den Beender am Ende aller Zeiten oder den/das, welcher/welches von einer kosmischen Perspektive aus für alles Geschehen ‚das letzte Wort‘ hat, bezeichnen. So findet er/es 414 Mit Universum meine ich das physisch-astronomische Weltall, mit Welt die Lebens- welt des Menschen.

593 auch in einer atemporalen virtuellen Theorie Platz. Eine Entscheidung für die eine oder andere Interpretation wird zur Entscheidung über die Extension der Theorie. Peirce’ Interpretans, das von allem Beginn an als letztlich entscheidende Entität auftritt (die oben zuerst genannte Interpretation), läßt sich in einem vielleicht etwas wagemutigen Schritt mit der mikrophysikalischen „Sensitivität“ (Dürr 2003) verbinden (vgl. oben; vgl. auch Scheibmayr 2004, 10- 12), die ja von Anbeginn an entscheidend wirkt. Peirce’ triadischem Zeichen (Repräsentamen ~ Zeichen als Potentialität; Objekt ~ ein Phänomen der jeweiligen [evtl. Zeichen-]‚Welt‘; Interpretans /Interpretant ~ Interpretation, Vorstellung, scene oder/und Interpretierender, Interpret) entspricht die Dreiheit von Zeichen-als-Hinweisfunktion, Phänomen und Beobachter (einschließlich Produzent und Rezipienten). Wird die Triade dynamisch gedacht, wie Peirce es offenbar will, muß sie zunächst als momentan verstanden werden und erlangt mesokosmisch Dauer durch reduktionistische Iteration. Wenn Peirce behauptet, das Interpretans / der Interpretant werde vom Repräsentamen dazu bestimmt, das Objekt/Phänomen, das das Repräsentamen repräsentiert (ich würde sagen: evozieren soll/kann oder auf das es hinweist), zu repräsentieren, wodurch es/er (the interpretant) selbst zum Repräsentamen werde, setzt sich der Prozeß ad infinitum fort (vgl Scheibmayr 2004, 166ff). Wieder entsteht ein zirkuläres (genauer: spiraliges) (Zeichen­/-)System. Doch ist Peirce’ Theorie letztlich ähnlich der traditionellen linguistischen Darstellung statisch, da stete Veränderungen/Wandlungen von Moment zu Moment in diesem Semioseprozeß (anders als bei Luhmann) nur andeutungsweise berücksichtigt werden, im strengen Sinn aber nicht berücksichtigt werden können. Peirce folgt anscheinend dem ‚natürlichen‘ mesokosmischen menschlichen Denken: Wird angenommen, der Prozeß wickle sich auf einer realen, gleichgültig ob sprachlichen oder einer anderen, Ebene ab, oder wird er zumindest mehrfach so dargestellt oder suggeriert die Darstellung eine solche Interpretation, dann benötigt sie eine andere Sorte Repräsentamina als ein virtuell-makrokosmisches Repräsentamen, nämlich die oben als Zwitter erwähnte. Das gilt besonders dann, wenn Verbales und Nonverbales gemischt auftreten, wie es in jeder Kommunikation unumgänglich ist. Ein Repräsentamen kann, muß aber in der Folge nicht weiter interpretiert werden. In einem theoretischen Ansatz ist es schließlich gleichgültig, ob es außerhalb des Zeichensystems noch anderes gibt; das System genügt sich selbst. Es stellt eine ‚reine‘ Theorie dar. Außerdem müßte in genauer Analyse eine Neubezeichnung an die Stelle von Iteration

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