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Teil 3 Von und Zeichen-im-Gebrauch Saussure und Peirce

Teil 3 Von und Zeichen-im-Gebrauch Saussure und Peirce

602 eine eigenartige

602 eine eigenartige Eigenschaft: Sie wirken auf die Zukunft ein. 421 Man möchte hinzu setzen: …, wenn sie auf die Meso-Ebene geholt und, z. B. als Erwartungen, gebraucht werden. Begriffe und Regeln sind Generalisierungen, Potentialitäten, an die man glaubt. Als erwartete Gewohnheiten wirkt ihr Gebrauch auf das je aktuelle Verhalten ein. Weil von einer Gewohnheit (Regel) schon qua Regelmäßigkeit der Realisierung Wirkung erwartet wird, erwartet man, daß sie auch in Zukunft gilt, daß also auch Zeichen noch in Zukunft von Mitgliedern der jeweiligen Gesellschaft iterativ gebraucht werden, und zwar mit allen Umständen, die Zeichen-im-Gebrauch zukommen. So zwirnen sich momentane Gegenwärtigkeit und im gleichen Moment erwartete Zukunft (genauer: {Zukunft}) ineins. Es ist aber auch klar, daß vergangene Prozesse und Ereignisse als Spuren in den nachkommenden nachwirken. So wird jeder Moment von der Vergangenheit und der zukünftigen Erwartung mitbedingt. Mesokosmisch ergibt sich der Eindruck von Dauer, evtl. Kausalität und (Aber-)Glauben. – Vergangenheit ist ein Konstrukt (vgl. Fried 2004). Die Einwirkung ist eine doppelte: die reale (der Mohnanbau in Afghanistan) und eine konstruierte (die Perspektivität, unter der man den Anbau ‚sieht‘, und damit auch die Berichterstattung über die Lage der Bauern, der Warlords, der Taliban, der Aufgaben der ausländischen Soldaten). Die Erwartung über die Zukunft ist Wunsch oder Angst. Die Realität der Zukunft bleibt abzuwarten. Das Gesagte kann an einem komplexen , z. B. an der Komplexität eines Satzes, weiter geklärt werden. Von einem isolierten , z. B. einem Wort als Satzelement, z. B. Terrorist, erwartet der entsprechend enkulturierte Interpretant (Produzent oder Rezipient), daß es dia- oder parakulturell eine (prototypische) „Bedeutung“ ‚hat‘. Für das bloße Wort wird nicht klar, welche „Bedeutung“ und erst recht nicht, auf welche konkrete Situation bzw. welches konkrete materielle (mesokosmische) oder ideelle (virtuelle, makrokosmische) Phänomen es angewandt werden kann /soll/wird. Gleiches gilt für einen Satzteil, z. B. ist ein Terrorist, und einen isolierten Satz, z. B. Das ist ein Terrorist, obgleich die Möglichkeiten der Anwendung des Hinweises in manchen Fällen immer stärker eingeschränkt werden [was für die Politik nicht unbedingt gilt]. Peirce wählte das Beispiel dog und meinte, es evoziere eine vage scene von einer bestimmten Tierart. (Das deutsche Wort Hund kann auch eine Grubenlore meinen [manchmal „Hunt“ geschrieben; vgl. DUW] oder als Schimpfwort auf einen Menschen 421 Man könnte ebenso sagen, sie wirkten auf die Vergangenheit ein: Das (bewußte oder unbewußte) Wissen um einen Begriff wirkt sich auf die Wahl eines bereits existierenden Ausdrucks aus, bevor er gedacht/verbalisiert, geäußert wird.

603 zielen.) Eine scene ist für Peirce ein Ikon. Peirce denkt an die Vorstellung eines bestehenden bzw. einst gewesenen Ereignisses. Es kann auch eine scene erdacht werden, die es zuvor nie gegeben hat. Wovon wäre sie Ikon? Im holistischen Gesamt des Lebens eines Menschen kann sie sich aus indefinit vielen Elementen unterschiedlicher Herkunft zusammensetzen. Das erinnert an Kristmannssons (2004) „translation without an original“. Die scene kann evtl. zu einer Realisierung führen (vgl. den „genialen Einfall“). Welche Folge häufiger ist bzw. in gegebener Situation vorkommt, kann nicht vorab gesagt werden. Gleiches gilt für das Vorkommen in einem Satzteil bzw. Satz. (Die gleiche Übung kann mit nonverbalen Zeichen gemacht werden, z. B. mit einem Finger deuten.) – Der formal vollständige Satz / die Handlung wird / ist (geworden) für einen Produzenten bereits vor seiner Äußerung / ihrer Realisierung auf Grund der ihm, d. h. diesem Produzenten, bekannten aktuellen Situation (soweit sie ihm bekannt ist), in der die Aussage gemacht / die Handlung realisiert bzw., z. B. in einem Roman, angesiedelt wird, auf ein bestimmtes Phänomen bezogen. Für einen Rezipienten wird eine andere scene solange vage bleiben, bis er auch seine von der Produzentensituation verschiedene Situation des Produzenten-in-der- Vorstellung-des-Rezipienten, von der der Rezipient glaubt / sich vorstellt, daß in ihr der Satz geäußert / die Handlung vollzogen bzw angesiedelt wurde, perzipiert, d. h. in seine scene einbezogen und diese damit, soweit es geht, vervollständigt hat. Erst dann wird es für ihn in der Apperzeption u. U. nötig, seine scene grundlegend zu revidieren, wenn z. B. eingesehen wurde, daß im oben genannten Beispiel kein (bestimmtes) Tier, sondern eine (bestimmte) Grubenlore gemeint war. Die Erfassung der Rezipientensituation durch den betreffenden Rezipienten wird im Verlauf der Interaktion eingeleitet und oft erst an ihrem Ende abgeschlossen. Wahrheitsphilosopheme und ­behauptungen sind noch immer beliebt. Will man den Terminus „Wahrheit“ zunächst beibehalten, müssen diesbezügliche Äußerungen durch individuelle einfache Behauptungen, Behauptungen von Überzeugungen oder durch kulturspezifische Bezeugungen ersetzt werden. Äußerungen sind wie alle Äußerungen freibleibende Angebote. Wahrheit gilt nur momentan für den, der sie denkt. Ob der Produzent nonverbal oder verbal wahr handeln will oder handelt oder wissentlich oder unwissentlich 422 nicht handelt und ob jeder Rezipient für sich wahr verstehen kann oder will oder nicht, sind komplexe Probleme, die fallspezifisch eigens vom Produzenten und jedem Rezipienten je für sich ausge- 422 Für Sri Aurobindo Ghosh (1872-1950) sind „knowledge“ und „ignorance“ keine Gegensätze, sondern Grade des Wissens.

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