Aufrufe
vor 4 Jahren

Teil 3 Von und Zeichen-im-Gebrauch Saussure und Peirce

Teil 3 Von und Zeichen-im-Gebrauch Saussure und Peirce

604 macht werden müssen

604 macht werden müssen und u. U. per Interaktion bis zu einem gewissen Grad kulturspezifisch generalisiert werden können (vgl. z. B. den Eid). Enkulturation hilft bei Lösungsfindungen. Zur Enkulturation gehört auch die spezifische Prototypenbildung. Die Erwartung und „Erwartungs-Erwartung“, Annahme oder Ablehnung einer im- oder expliziten Wahrheitsbehauptung hat Folgen für das Verhalten der Interaktionspartner (vgl. Scheibmayr 2004, 239). Der Wahrheitskomplex gehört in einer holistischen Darstellung zur Evaluierung. Eine Evaluierung ist nur methodologisch von der emotiven Konnotation zu trennen. Außerdem spielen Assoziationen in dem gesamten hier besprochenen Komplex eine Rolle. Wahrheitsbehauptungen werden durch Begründungen verstärkt. In der modernen Wissenschaft werden logische Begründungen bevorzugt. Ihre Prämissen sind wiederum Behauptungen. Werden sie akzeptiert, so muß auch die Konklusion auf derselben Interaktionsebene mit gleicher logischer (relativer) Intensität akzeptiert werden. Im Grunde haben logische Begründungen nur eine Wenn-Dann-Struktur. Sie sind keine „Beweise“. Solange sie keine individuellen Teile enthalten, können sie als generelle Behauptungen intendiert und rezipiert werden. Peirce sieht sich als Pragmatiker (Pragmati[zi]st). Den Überzeugungen oder zumindest Gewohnheiten spricht Peirce dabei grundsätzlich im Vergleich zu den Zweifeln das Primat zu: [Absatz] „Wir können nicht mit völligem Zweifel anfangen. Wir müssen mit all den Vorurteilen beginnen, die wir wirklich haben [...].“ (Scheibmayr 2004, 270; das Peirce-Zitat ib.) Hier werden Überzeugung und „völlige[r] Zweifel“ gegeneinander gesetzt. Ich beginne mit Annahmen und akzeptiere Überzeugungen in dem Maße, wie sie mich in meiner Annahme (z. B. über den Anderen) überzeugen. Peirce’ Annahme verlangt Zusatztheorien oder die Neufassung seiner Theorie. Scheibmayr (2004) versucht, Luhmanns Systemtheorie durch PeirceZeichentheorie zu überholen. Wegen der starren Schematik von Peirce’ Theorie gelingen Vergleich und Korrektur nur teilweise und wirken teilweise trotz wohlwollender Umdeutungen der Peirce’schen Theorie gekünstelt. Für die vorliegenden Überlegungen kann Peirce aber, gerade in der Scheibmayrschen Deutung, einen Schritt weitergeführt werden. Die Aufschlüsselung des Zeichenbegriffs weist darauf hin, daß Zeichen, wenn sie denn werden, und Systemelemente, genauer: ihre Qualitäten bzw. Qualia, Möglichkeiten der Interpretation und damit schließlich der Strukturierung, z. B. eines Systems, z. B. eines Texts, auch eines Textems, steuern

605 (können). Eine Qualität / ein Quale 423 legt im Gebrauch eines Phänomensals-Zeichen bestimmte Möglichkeiten temporaler Entwicklung (Evolution) des Text(em)s und seiner Interpretation(en) näher als andere oder schließt Möglichkeiten bis auf eine aus und eröffnet neue, die ihrerseits wieder im nächsten Schritt bevorzugt, ausgeschlossen usw. werden usf. Ein Text, ein System wird. – Analoges gilt für die Form eines Zeichens-im-Gebrauch. Analoges für die Interpretation. Jede Interpretation eines Quale, einer Form, auch die Interpretation einer Interpretation läßt sich dank der sozialen kulturellen Überformung individuellen Verhaltens und Handelns kommunizieren, d. h., sie läßt die Möglichkeit interindividueller Interaktion entstehen. Interpretationen lassen sich reduktionistisch generalisieren. Sie lassen in der Rezeption andere, neue, individuelle Interpretationen holistisch zu, d. h. neben Denotationen Konnotationen, also Emotionen und Evaluationen und Assoziationen, gemäß der neuen Situation. System und Umwelt bedingen sich gegenseitig. Und diese individuellen Interpretationen können wiederum reduktionistisch generalisiert werden usw. Dabei beeinflussen die Prozesse nicht nur einzelne Punkte eines Prozeßsystems, wie Quale, Form und Interpretation, sondern durch jeden Schritt / auf jeder Ebene das ganze jeweilige System mit seiner Umwelt. Andererseits werden Selektionen selten exakt determiniert. Dem individuellen Verhalten wird, auch in seiner kulturspezifischen Überformung Raum gelassen. Handeln bleibt probabilistisch. Alle Existenz und alles Verhalten, d. h. alles Da- und So-Sein, kann Zeichen werden, indem es für jemanden und in der Generalisierung für jemande (Plural) zu Da- und So-Werden wird. Oder einfacher: Werden (er)schafft Werden. Deshalb wird eine holistische Prozeßtheorie statt Statik gebraucht. Wenn alles Zeichen werden kann bzw. nach Peirce ist, kann es eigentlich keine Differenz zwischen dem Zeichensystem und einem Nicht-Zeichen- Raum, der „Umwelt“ geben. Das kam oben bereits zur Sprache, als es hieß, alles sei Zeichen. Trotzdem wird eine Umwelt angesetzt (vgl. Scheibmayr 2004, 277-336). Die Umwelt ist „nicht beliebig strukturiert“ (ib. 308). Luhmann behauptete, sie sei unstrukturiert. Sie ist vom Zeichensystem unterscheidbar und zwar über die Zeichenfunktion, d. h. über das, was das Zeichen meint, worauf es hinweisen soll – kurz: was etwas (durch innere und externe Grenzziehung) zu einem Zeichen macht. Saussure strebte ein theoretisches System an. Umwelt interessierte ihn nicht. Nun definiert Saussure die Bedeutung eines „Zeichens“ als das, was alle anderen

3 ANTALIS – ERKENNEN SIE DIE ZEICHEN DER ZEIT 3 UmwELT ...
Teil 3, Seite 79 - 106 - Münchner Baumkletterschule
Teil 3: Umwelterklärung zum Nachhaltigkeitsbericht - Vinnolit
LaTeX Teil 3 - Wissenschaftliche Texte mit LaTeX
Teil 3: Zahlen und Zeichen - Neues vom Rosenberg
Gebrauchs - und Verbrauchsmaterial 3
Zeichen der Zeit – Teil 3: Es werden schlimme Zeiten kommen In ...
Anmeldebedingungen 28. März – 3. April 2011 Noch zu gebrauchen ...
Lernszenarien Teil 3
Download Teil 3 Anwendung - IVU Umwelt GmbH
TuV Teil 3: Das Schlusskapitel mit dem ... - traditio.de
31. WAHRSCHEINLICHKEITSRECHNUNG - 3.TEIL - WEINDLFAMILY
Automatisches Getriebe 722.7 Teil 3
Orchideenkultur – Theorie und Praxis Teil 3 von Uwe ... - Ofnds.de
Teil 3 Analysis einer Veränderlichen - imng
Teil 3: Differential- und Integralrechnung - Fachbereich Stadt- und ...