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Teil 2 Grenzen ausloten Terminologische Skizzen

Teil 2 Grenzen ausloten Terminologische Skizzen

431 eines Einhorns).

431 eines Einhorns). Kann man Nicht-Existenz denken oder nur an sie denken und über sie nachdenken? (Frz. méditer ist transitiv.) Die langwährende Diskussion um die Art der Relation zwischen Form und Funktion zeigt die Schwierigkeit einer Lösung, gerade für die Wissenschaft. (Den Mann auf der Straße kümmert das Problem nicht.) – Auf der Mikro-Ebene herrscht Momentanität. Es gibt keine dauerhaften Formen. Formen sind einmalig, auch auf der Meso-Ebene, weil ihr Gebrauch einmalig ist. Wir siedeln reduktionistisch generalisierend eine iterierbare Form als dauerhaftes Reduktionsphänomen auf der Meso-Ebene an (und sprechen von Wiederholungen desselben Phänomens). Aber auf der Meso- Ebene dürfen wir (eigentlich) nur von dem Prozeß einer Form-im- Gebrauch sprechen. Der Prozeßcharakter wird oft zugunsten einer generalisierten Theorie über vermeintliche Statik vergessen (vgl. Saussures Theorie) oder als quantité négligeable betrachtet. Der Prozeßcharakter ist aber für Interaktionen, Kommunikationen und damit auch Translationen entscheidend. Er verhindert Genauigkeit und fördert einen schimmernden Kaleidoskopcharakter. Er macht Verhalten und Handeln zum Spiel. Evolution als Prozeß ist ein Vektor. Ein Vektor ist gerichtet. In einer Welt ohne Wahlfreiheit wäre zwar die Richtung determiniert, aber nicht unbedingt auf ein bestimmtes Ziel hin (vgl. die Unschärfe der Quantensprünge und als deren Folge die Indeterminiertheit). Das Zusammenwirken von Gen- und Memreplikaten (s. unten) führt dazu, daß das durch kulturelle Überformung sozialisierte Individuum mit seinen abrufbaren iterierenden Speicherungen einen Prozeß darstellt, dessen steter Wandel zu nicht vorhersehbaren ‚neuen Ideen‘ führt. Anscheinend sind Speicherungen per se vage. Speicherung wird Vernetzung, auch als Ordnung von Zusammenhängen. Speicherung verändert bereits Gespeichertes und dieses jene. (Die Redensart „Das habe ich doch schon mal gehört/gesehen“ ist unangebracht.) Die über eine mehr oder minder stereotype Iteration hinausgehende Evozierung stellt eine Mutation des Gespeicherten dar. Sie führt zu einer (un)bewußten Kreativität. Angesichts der bis heute anscheinend zunehmenden „Asozialität“ innerhalb einer Gesellschaft (vgl. die neuen Freiheiten auf allen Gebieten) und in ihrer Umwelt muß die skizzierte Entwicklung überdacht werden. Dawkins ([1976] 1989) sah das „selfish gene“ als Antrieb für das evolutive Ringen ums Da-Sein. Blackmore (1999/2000) stellt ihm das „selfish meme“ an die Seite (s. unten). Das mag anthropomorphisierende Metaphorik sein; es erleichtert eine perspektivische Ein-

432 sicht in evolutionäre Prozesse. Die Grenze zum sog. Tierreich legt der Beobachter fest. Mit den vorstehenden Überlegungen hätten wir auch eine Erkenntnis gegen die sprachübliche Auffassung grammatischer Phänomene gewonnen. Sie sind Konstrukte, menschenerdachte sekundäre Phänomene. Wir können sie auf mehrerlei Art / von verschiedenen Perspektiven aus betrachten (vgl. Lenkersdorf 2005a; 2005b zur Sprachstruktur; s. oben zum „vivencial“). Gedachte Phänomene existieren als Potentialitäten/Virtualitäten auf der Makro-Ebene vager Speicherungen. Nicht wie wir etwas in erlernter und somit (ein)geprägter Gewohnheit verstehen, interpretieren und be-handeln, daß und wie wir also gemäß unserer Prägungen fühlen, evaluieren, handeln und akzeptieren oder verwerfen, wie etwas für uns „ist“, ist unvermeidlich gegeben, sondern das Entscheidende ist, ob und inwieweit wir uns der Strukturen, die ‚wir‘ selbst (ge)schaffen (haben), bewußt werden und gegebenenfalls einen Perspektivenwechsel in unserem Verständnis von „Welt“ vornehmen können (vgl. oben die Diskussion um Ergativ- vs. Subjekt- Objekt-Strukturen). Das wird wiederum auch für Translation wichtig, für jene „im engeren Sinn“ der „translation proper“ und jene im weiten Sinn, in dem „Translation“ heute immer häufiger in anderen Disziplinen von der Genetik bis zur Philosophie gebraucht wird. Wir sind bei einer neuen ‚Freiheit‘ des Translators angelangt. Wir können eine Sprache nicht einfach durch den Import einer anderen ersetzen (zur Problematik vgl. Seel 2008). Behalten wir trotzdem im Gedächtnis, daß Sprache überwindbar ist. Das wußten gute Translatoren seit eh und je. Und mit dem Sprachgebrauch wird „Weltsicht“ verändert. – Das indische Wort für Philosophie ist ÆÖïÈ (darśan) ~ „Ansicht“, engl. „vision“, also „perspektivische Vision“. Narendranāth Datta Vivekānanda (1863- 1902; wichtig für Indiens Unabhängigkeitsbewegung) schreibt zu recht: It is the clash of thought, the differentiation of thought, that awakes thought … whirls and eddies occur only in a rushing, living stream. There are no whirlpools in stagnant, dead water“ (Jñana Yoga, zit. n. Lal 2005, 43, Auslassungspunkte im Zitat) Rabīndranāth Thākur (Tagore, 1861-1941) verkündete in seiner Dichtung die Lebensfreude, deren Schlüsselwort für ihn „Love“ war. 305 Werden wir also neu-gierig … und aufmüpfig. Denken wir neu! 305 Zum Unterschied von Tagores bengalischer Dichtung und seinen eigenen Versionen in englischer Sprache vgl. u. a. Sengupta (1990).

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    168 Angesichts der Vielfalt und Man

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    200 ihm ähnliche Individuen gibt,

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