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Teil 2 Grenzen ausloten Terminologische Skizzen

Teil 2 Grenzen ausloten Terminologische Skizzen

32. Begriff* 433 (Vgl.

32. Begriff* 433 (Vgl. Klasse [Heger], Schema [griech. σχµα heißt u. a. „Muster“, ein Begriff als eine Art Muster; s. auch „Prototyp“], Modell, Skript; auch Konzept [als falscher Freund aus dem Engl.]. – Zur Analyse vgl. u. a. Foucault 1981, 83-93.) Im Deutschen kann mit einem Singular (mit definitem oder indefinitem Artikel oder ohne Artikel) ein bestimmtes, individuelles, mesokosmisches Phänomen als Einzelgegenstand oder ein Klassen- oder Gattungsname, ein „Begriff“, benannt werden (vgl. Mensch, der/ein Mensch). Ein Plural (mit oder ohne definitem Artikel) kann eine einzelne Menge ≤ 2 oder auch einen Begriff benennen (vgl. Menschen gibt’s! vs. Menschen sind [allesamt] sterbliche Wesen; nicht: alle Menschen; dieser Ausdruck ist eine Verallgemeinerung von Einzelphänomenen; zur Problematik s. unten). – Der Satz „Der Mensch ist sterblich“ nimmt (mit Betonung des Artikels als Demonstrativ) Bezug auf ein bestimmtes Individuum (vgl. dieser Mensch hier); mit Betonung des Substantivs („Der Mensch ist sterblich“) fungiert der bestimmte Artikel als Allquantor, und der Ausdruck verweist auf den Begriff . 306 Während „Begriff“ eine Einheit signalisiert, scheint im Terminus Klasse* noch eine blasse Erinnerung an Menge (collection; Locke [1700] 1975, 165f [2.12.6]) auf, 307 zumal, wenn eine präpositionale Aussageform gewählt wird: „eine Klasse von Hunden“ statt „eine Klasse Hunde“ oder eben „die Klasse Hund“. Was mit „Begriff“ gemeint wird, kann nur vage umschrieben werden (vgl. Bußmann 2002, 119). Die Linguistik unterscheidet zwei Arten: extensionale, bei denen die hergehörigen Phänomene aufgezählt, und intensionale, die durch einschlägige Merkmale definiert werden. Wenn ein Begriff als Gattungeinheit verstanden wird, dem per definitionem alle zur Gattung gehören sollenden Phänomene angehören sollen, wird das Problem der Zugehörigkeit für den Versuch einer extensionalen Aufzählung als Begriffsbestimmung wahrscheinlich fragwürdig. 306 Ich setze Begriffe zwischen < >, sofern die Begrifflichkeit eindeutig gemacht werden soll. 307 Einmal verwendet Locke den Terminus „Classis“ (Locke [1700] 1975, 415 [3.3.13]). Ansonsten spricht er von „ideas“ und meint damit bewußt gewordene Gedankeninhalte, also Ähnliches wie Begriffe, die nach ihm anscheinend durch Mehrheitsübereinkunft, also gesellschaftlich, festgelegt werden (vgl. ib. 387 [2.32.10, letzter Satz].

434 Im übrigen kennt niemand die Extension eines Sprachelements, z. B. eines Worts, genau und exhaustiv. Man kann sie nicht kennen, da sie nicht ‚gegeben‘ ist, sondern im Gebrauch situations- usw. spezifisch, also nur ‚teilweise‘, hierin aber holistisch gewählt wird, wobei die Wahl kulturell überformt ist und die mögliche Extension zum größten Teil unbewußt bleibt. („Daran habe ich nicht gedacht.“) Ein Sprecher kann nicht sicher wissen, ob er ein Element in gegebener Situation für einen Rezipienten verständlich und z. B. ohne nicht intendierte Nebensinne usw. gebraucht hat. (Vgl. Wittgenstein s. a., 3.24 § 2.) Begriffe werden von (soziokulturell überformten) Individuen gebildet und bleiben in Ex- und Intension individuell. Überindividuelle Ähnlichkeiten können natürlich angenommen werden. Sie scheinen sogar die übliche Meinung zu sein. Für die wissenschaftliche Begriffsbildung wird rationale Überindividualität sozusagen per definitionem vorausgesetzt. Vorstellungen von Phänomenen der ‚inneren‘ (vgl. die ‚Gedankenwelt‘) und äußeren Umwelt eines Individuums werden ähnlich wie durch scene- Bildung (vgl. Loogus 2008, 156f; Loenhoff 2002, 172) ver-deut-licht (darin steckt das Wort „deuten“), vereinfacht, beschleunigt und gefestigt, wenn eine sprachliche Benennung hinzutritt. Zugleich wird die Sprache damit makrokosmisch gefördert und ausgebaut. Am Ende steht ein Begriff mit seiner Benennung als Prägung. Allgemeines (das „Generale“) bzw. sein Ausdruck kann als Subjekt („Der Mensch ist sterblich“) und als Prädikat eines Satzes auftreten („Sokrates ist ein Mensch“). Ein Individuale als Prädikat wird zumeist als Allgemeines verstanden („Er ist ein wahrer Sokrates“; „Das Bild da ist ein da Vinci“). Man sah (und sieht) in Begriffen etwas Dauerndes, Statisches als das Eigentliche, das fest-stellbare ‚Wahre‘. Demgegenüber betont Picht (2008) das Wandel- und Veränderbare der Begriffe. Begriffe gelten quasimomentan. Picht (ib. 285f) unterscheidet drei Aspekte: [1] Begriff als Denkeinheit (mit Verweis auf Wüster 1979, 7); daraus entwickelt sich eine als relativ statisch betrachtbare „Wissenseinheit“, die dem üblichen makrokosmischen Abstraktum „Begriff“ (concept) der traditionellen Linguistik nahe kommt; [2] Begriff als „Erkenntniseinheit“ dynamisiert die Wissenseinheit, modifiziert ihre Extension und ihren „Inhalt“ oder [3] überführt den Inhalt auf Grund neuer Erkenntnisse in einen neuen Begriff (und modifiziert damit ihre Extension). Allen drei Begriffsbegriffen liegt auch bei Picht die Generalisierung vom mesokosmischen Individuum zum makrokosmischen angeblich Allgemeinen zugrunde. Wittgenstein (s. a., 3.292 § 7) meinte,

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