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Teil 2 Grenzen ausloten Terminologische Skizzen

Teil 2 Grenzen ausloten Terminologische Skizzen

465 Freiheit und

465 Freiheit und Verantwortung sind zweifellos bedingte und damit begrenzte („kontingente“) Phänomene. Also wird nach Gründen und Begründungen für das Verhalten, das zu einer Entscheidung führt, gesucht. Als Begründung oder für die Begründung wird nach (einer) Ethik* als einem individuellen oder/und gesellschaftlichen Verhaltenskodex (besser: Verhaltensinventar) gesucht. Ein solches Inventar enthält u. a. auch Vorgaben für (sozio­)kulturelles Verhalten (vgl. u. a. Wundt 1908-1911, repr. 1985, zur Historie der griechischen Ethik; vgl. das Jahrbuch für Wissenschaft und Ethik 1996ff). – Das Wort „Ethik“ ist bekanntlich aus dem griech. θος „Gewohnheit, Sitte, Brauch“ übernommen. Ethisch wäre dann, was soziokulturell und individuell zur Gewohnheit und damit zu einem üblichen Verhalten (also Brauch und Sitte) geworden ist. (Zum Stamm *sŭědh- gehört auch das altindische UÕ [sva] „selbst, eigen“; der Stamm insgesamt zu idg. *se [u. a. Reflexivpronomen der 3. Pers., vgl. „sich“]; vgl. Pokorny 1959, 882f). Im Griech. gibt es auch die Dehnstufe θος „Gewohnheit“ usw. und „Gesinnung, Charakter, Denkweise“ usw. (vgl. Menge 1955). Es gibt keine allgemein menschliche Ethik, wie schon Locke (vgl. [1700] 1975, 65 [1.3.1]) hervorhob. Ethik ist nach ihm (ib. 66 [1.3.2]) angelernt und wird im Laufe der Enkulturierung eingeprägt. Jeder Mensch oder jede Gruppe (und vielleicht auch Tiere), heute würden wir von Kulturen sprechen, haben ihre eigene Ethik. [T]hey who have gone farthest towards the putting off of Humanity it self [die Diebe und Strolche], keep Faith and Rules of Justice one with another. […] They practice them as rules of convenience within their own Communities: But it is impossible to conceive, that he imbraces Justice as a practical Principle, who acts fairly with his Fellow High-way-men, and at the same time plunders, or kills the next honest Man he meets with. Smith ([1759] 1976, 265 [VII.i.1]) vertritt die bis heute dominierende, letztlich selbstische Meinung: As they [die Theories of Moral Sentiments] are all of them […] founded upon natural principles, they are all of them in some measure founded upon natural principals, they are all of them in some measure in the right. [Und dann der Pferdefuß:] But as many of them are derived from a partial and imperfect view of nature, there are many of them too in some respects in the wrong. Wer aber liegt falsch? Mit welchen Kriterien will Smith (also selbstisch) aussondern? Natürlich mit seinen. Heutzutage hat die Individualität an Bedeutung zugenommen. Evaluieren muß jeder, individuell. Auch ein sozio-kultureller Anschluß ist eine individuelle Entscheidung. Mit „wrong“ hat Smith seine bereits gefällt. – Zuvor hatte Smith ([1759] 1976, 102

466 [II.iii.26]) selbst an ein historisches Ereignis erinnert: Der Armenierkönig Tigranes habe den Boten, der das Vorrücken des römischen Heeres meldete, köpfen lassen. Der Bote einer guten Nachricht wird dagegen belohnt. Warum diese Unterscheidung? Beide Boten tragen weder Schuld noch Verdienst an der Sache. – Ethik bleibt wendehalsig. Es gibt viele Ethiken. Im Laufe der Zeit wurden immer wieder neue Vorschläge unterbreitet. Keine konnte jemals allgemeine Zustimmung finden. Unter anderem wurde eine „dialogische Ethik“ vorgestellt (vgl. Edmaier (1969). Sie geht von der Annahme aus, alles Sein sei ein Mit-Sein auf den Anderen hin (λγος δι1 λγον – Der Logos „öffnet sich auf den Logos des Anderen hin“; Edmaier 1969, XI) und die Ich-Du-Relation sei die kleinste und wichtigste gesellschaftliche Relation. 323 Die vorgetragene Variante beschränkt sich auf die menschliche Gemeinschaft. Da aber jeder Mensch (und reduktionistisch verallgemeinert Menschen überhaupt) in einer Umwelt leben, müßte diese Umwelt und was in ihr existiert in dialogische ethische Überlegungen einbezogen werden. Der Mensch hat nach verbreiteter Meinung auch gegenüber Tieren, Pflanzen und überhaupt der Natur Verantwortung. Die Kulturspezifik der Ethik wird vielfach nicht beachtet (vgl. z. B. Grice 1975, wo die Maximen dargestellt werden, als seien sie allgemein; vgl. die Kritik bei Vermeer 1986a, 247-168). Nach Irrgang (2001) gibt es auch eine „Evolutionäre Ethik“.) Freiheit, Verantwortung und Ethik sind je meine, wie Bewußtsein mein Bewußtsein ist, mögen beide auch sozio-kulturell überformt sein. Der Andere ist von mir aus gesehen ein und zugleich mein Anderer. Das zu erkennen ist wichtig, zumal wenn der Andere in meinem Umfeld existiert. Ich handle, der Andere handelt (vgl. die Struktur der Aktivsprachen), oder /und mir und ihm geschieht etwas (vgl. die Struktur von Ergativsprachen). Der Andere kann mir nützen oder schaden und ich ihm. Hier kommt die Ethik des sozio-kulturellen Verhaltens ins Spiel. Es wird die Aufgabe des Individuums, seine („Ich“-)Ethik vorzuleben, d. h. als Vorbild zu verwirklichen. Wie bei anderen Phänomenen kann die Extension von Ethik, ihr Geltungs- und evtl. Wirkungskreis, genau genommen nur momentanindividuell festgestellt werden. Reduktionistische Abstraktionen lassen gewisse Verallgemeinerungen zu (vgl. heute die Versuche, allgemeine „Menschenrechte“ gesetzlich zu etablieren; aber es gibt keine übergreifende Ge- 323 Vgl. hierzu die „transzendentale Identitätstheorie“ bei Husserl und dazu Heideggers Stellungnahme sowie die kurze Diskussion bei Theunissen (1981).

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    168 Angesichts der Vielfalt und Man

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