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Teil 2 Grenzen ausloten Terminologische Skizzen

Teil 2 Grenzen ausloten Terminologische Skizzen

485 lator theoretisch

485 lator theoretisch funktionsadäquat lösen können; praktisch wird er sich darum bemühen, kann aber auf Grund seiner kontingenten Kompetenzen sein Ziel nur näherungsweise erreichen. (Damit weise ich auf den oft beschworenen ‚menschlichen‘ Faktor hin.) Der vom TranslatorRT produzierte TextTR wurde im Translator in einen Text der Kultur und Sprache Z „translatiert“. Dabei hat der Translator natürlich äußere Hilfsmittel, z. B. Wörterbücher, das Internet, Kollegen usw. herangezogen. Auf Einzelheiten, z. B. Recherchen für das Verständnis des rezipierten TextsTR, der Terminologie und ihrer adäquaten Translation usw., gehe ich nicht ein.) Jede Rezeption ist eine funktionsgesteuerte Produktion. 334 Die Entscheidung, wie etwas translatiert werden soll, hängt fallspezifisch von der Funktion / den Funktionen ab, die der Intention des zukünftigen Translats hinreichend genügen soll(en). („Hinreichend“ ist eine notwendige qualitative Einschränkung.) Jede einzelne Entscheidung und das Wie der Ausführung hängen von indefinit vielen Bedingungen für jeden einzelnen Faktor des gesamten Translationsprozesses und seiner Umwelt(en) ab. Eine stark reduzierte Kette bedingender Faktoren habe ich in Vermeer (1989) und an anderen Stellen versucht und in Vermeer (2006a) aufgelistet. Sie müßte kritisch auf den neuesten Stand gebracht und durch indefinit mehr Faktoren erweitert werden. Jeder Schritt enthält eine Menge von Interpretationen. Der Rezipient eines Translats bekommt am Ende nicht „den“ Text eines Ausgangsautors (Produzenten), sondern einen anderen Text seiner Rezeption. Arrojo (1986, 23) bringt ein Beispiel: [A]o traduzirmus translation workshop por “oficina de tradução”, o que acontece não é uma transferência total de significado, porque o próprio significado do “original” não é fixo ou estável e depende do contexto em que ocorre. […] Ao mesmo tempo, a tradução que sugeri, “oficina de tradução”, como o Quixote de Menard em relação ao Quixote de Cervantes, passa a existir num outro contexto e ganha vida própria, a partir do momento em que se transforma no título de um livro publicado no Brasil. O texto, como o signo, deixa de ser a representação “fiel” de um objeto estável que possa existir fora do labirinto infinito da linguagem e passa a ser uma máquina de significados em potencial. 335 334 An dieser Stelle wiederhole ich nicht, was bereits öfter über den „Skopos“ gesagt wurde (vgl. Vermeer 1978; Reiß + Vermeer 1984/1991, sowie Sekundärliteratur). Das Verschweigen der eigentlichen Intention eines Texts (vgl. Spionage, Subversion usw.) kann zum Skopos werden; es kann ein anderer Skopos angesetzt werden (vgl. Gullivers Reisen als Kinder- und Jugendbuch). 335 „Wenn ich translation workshop als ‚oficina de tradução‘ [ins Portugiesische] übersetze, ist das keine genaue Übertragung des signifié, weil das signifié des

A tradução, como a leitura, deixa de ser, portanto, uma atividade que protege os significados „originais“ de um autor, e assume sua condição de produtora de significados; mesmo porque protegê-los seria impossível, como tão bem (e tão contrariadamente) nos demonstrou o borgiano Pierre Menard. (ib. 24) 336 486 (Vgl. die weiteren Beiträge Arrojos in M. Wolf 1995.) Hier kann auch (gegen Gadamer?) an Gadamers „Horizontverschmelzung“ erinnert werden. – Betrachtet man die Komplexität einer Translation, konnte Novalis in einem Brief an August Wilhelm Schlegel (30. Nov. 1797) zu recht sagen, das Übersetzen sei schwieriger als „eigen Werke zu stande bringen“ (Rieger 1988, 214) 337 . Kern des Translatierens ist das Interpretieren (vgl. Abel 1999, 16f). Ich kann mich aber nicht entschließen, den Terminus Translation und seine Derivate einfach durch den Terminus Interpretation und seine Derivate zu ersetzen, weil Interpretation eine weitere Extension als Translation bekommen hat und nur einen Teil der Translation darstellt. Immerhin ist Interpretation-zu-für … (s. Funktion) die vornehmliche Aufgabe der Translation, und jede Translation ist eine Interpretation. Ein Interpret, hier: vor allem der Translator, konstituiert durch sein Handeln seine ‚Welt‘ (vgl. Flasch 2007, 118ff, zur mittelalterlichen Philosophie Dietrichs von Freiberg, Meister Eckharts usw.; Dietrich gebraucht den lat. Neologismus „quidificare“; vgl. unten zu Peirce’ interpretant). Die Beziehungen zwischen den Mitgliedern des „translatorischen Handlungsrahmens“ (Holz-Mänttäri 1984) an dieser Stelle nicht weiter ausführen. Der Produzent ist für die Verbreitung seiner Arbeit in fremdkulturelle ‚Originals‘ selbst nicht fest-steht, sondern von seinem Kontext abhängt. […] Gleichzeitig geht die vorgeschlagene Übersetzung (‚oficina de tradução‘) wie Menards Quijote gegenüber Cervantes’ Quijote in einen anderen Kontext ein und bekommt von dem Moment an, in dem sie zum Titel eines in Brasilien publizierten Buchs wird, ihr Eigenleben. [Absatz] Der Text hört wie das signe auf, eine „treue“ Wiedergabe eines feststehenden Objekts zu sein, das außerhalb des infiniten Labyrinths der Sprache existieren könnte. Vielmehr wird der Text zu einer Potentialität mechanisch funktionierender signifiés.“ – [Analog erginge es einer Übersetzung des US-amerikanischen translation workshops in ein deutsches „Translationsworkshop“. (Anm. d. Übers.)] 336 „Eine Übersetzung hört also wie jede Lektüre auf, die signifiés des Originals eines Autors zu beizubehalten; vielmehr wird sie selbst zur Produzentin von signifiés. Es wäre gar nicht möglich, die ursprünglichen signifiés zu erhalten, wie Borges’ mit Pierre Menards Paradox ja sehr deutlich gezeigt hat.“ 337 In Vermeer (2006a, 412) wurde das Erscheinungsjahr irrtümlich als 1989 angegeben. Im dortigen Literaturverzeichnis steht korrekt 1988.

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