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der schiefe Turm zu Babel - Fachbereich Translations-, Sprach- und ...

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BA/MA-Studiengänge 4

BA/MA-Studiengänge 4 Symposium Germersheim 2004 Sigrid Kupsch-Losereit rituale herauszuarbeiten. 10 Kommunikativ-prozedurales Handeln des Translators geht nicht von der Frage aus: „Wie heißt das auf Französisch oder Japanisch“? sondern: „Mit welchen sprachlichen oder außersprachlichen Mitteln realisiert der ZT-Empfänger diese Intention in gegebener Situati- on“? 11 Vielleicht schweigt er sogar (vgl. Geburtstagsgratulation). Ein weiteres Beispiel möge zeigen, wie eng verknüpft die mentale Repräsentation, selbst von Ein- zellexemen, mit Verstehensprozessen ist. 4. Wissen um Verstehensprozesse Ich war bei der Korrektur der letzten Vorprüfungsklausur – einem Text ausschließlich über Wagner und der Tannhäuser-Premiere in Paris – nicht schlecht erstaunt, als etwa ein Drittel der Studierenden den Satzanfang: Lorsque eut lieu à Paris la très fameuse création de Tannhäuser qui entra dans les annales du théâtre…übersetzte mit: ‘Als in Paris die sehr berühmte/bekannte Schöpfung/das Stück von Tannhäuser in die Theatergeschichte einging ...’ Die Interferenz und damit ein kohärentes Textverstehen war nicht möglich, weil Tannhäuser als Autor und nicht als Oper Wagners identifiziert wurde. Kohärenz ist also keine Eigenschaft des Textes, sie wird vom Rezipienten erst etabliert, wenn es diesem gelingt, auf der Grundlage der Textinformation einen Sinnzusammenhang herzustellen. Verstehen ist – so lehren uns neurowissenschaftliche Untersuchungen – das Resultat kognitiver Prozesse, meist von Inferenzen, die aus mentalen Schlussfolgerungen und Problemlösungsoperationen bestehen 12 . Diese Inferenzen verbinden die Textinhalte mit dem Erfahrungs- und Weltwissen sowie dem Wissen über sprachliches Handeln, dem Interaktionswissen, um einen kohärenten und in 10 Unterschiedliche Handlungsmuster sprachlicher wie „stiller“ Art werden v.a. in der Wirtschaftskommunikation untersucht. Diese Publikationen bewegen sich jedoch meist nur im Bereich kontrastiver Darstellungen und bleiben in Bezug auf Aussagen interkultureller Kommunikation spekulativ, denn die beschriebenen Kulturkontraste brauchen nicht zu Verständigungsproblemen führen. Solche Trainingsprogramme zur Erhöhung einer intercultural awareness sind nur eine notwendige und keine hinreichende Bedingung für kultursensitives Übersetzen. Die typisch übersetzerische Arbeit beruht vornehmlich darin, erst einen Kontext herzustellen, also z.B. situative Vorgaben, und sozial-pragmatische Kontextfaktoren wie Rollenverständnis, soziale Beziehungen, Partnereinschätzung, Wertsysteme etc. in der Kommunikation der Interagierenden erst herzustellen; einen Kontext, in dem eine sprachliche Äußerung zu interpretieren bzw. das Gesagte zu verstehen ist, und der propositionale wie illokutiv-pragmatische Gehalt des Textes möglichst erhalten bleibt. 11 Aus Höflichkeit bedient sich ein japanischer Geschäftsmann eher subtiler Gesten, unpersönlicher Konstruktionen und vager Halbsätze, während der nordamerikanische oder deutsche Partner auf Fakten, konkreten Informationen, klaren Absprachen und Ergebnisprotokollen besteht. Daher sind die Kenntnis der konkreten Äußerungssituation und des Äußerungskontextes sowie die Annahmen des Translators hinsichtlich der kulturell geprägten Vorstellungen von Kommunikationsformen Grundlage für erfolgreiches Übersetzen. Ein weiteres Bsp. hierfür: auf einer Geburtstagsfeier zum 65. wurde dem Geburtstagskind fleißig gratuliert. Die anwesenden Franzosen überlegten, wie sie denn Geburtstagskind nun übersetzen sollten: Kind zu einem 65. zu sagen – geht nicht! Greis – geht erst recht nicht! Sie einigten sich auf le héros du jour ‘Held des Tages’. Bis eine fr. Germanistikprofessorin sagte: Wir gratulieren doch zum Namenstag und nicht zum Geburtstag, und dann sagen wir einfach bonne fête oder: souhaiter à qn. sa fête. Also lassen wir es bei bon anniversaire. 12 Vgl. Schwarz 1992: 29. Der pure Vergleich von eigenem und fremdkulturellem Sprach- und Weltwissen stellt keine kognitive Operation an sich dar. Diese Vergleichshandlung geht der Inferenz voraus, ist also nicht das entscheidende Paradigma des Verstehensprozesses, auch wenn Fremdes erst einmal über bereits Bekanntes wahr- und aufgenommen wird.

BA/MA-Studiengänge 5 Symposium Germersheim 2004 Sigrid Kupsch-Losereit sich stimmigen Textsinn zu erhalten. 13 Verstehen basiert auf einer vernetzten Integrationsleistung, mit der wir Texte und außersprachliche Wissensbestände in unser Bewusstsein eingliedern. Dieser integrative Prozess ist subjektiv-individuell und erfolgt auf der Basis erlernter Erfahrungen und Wissensbestände. Textverstehen wird damit als strategisch-konstruktiver Prozess konzipiert, der auch abhängt von den Erwartungen, Absichten und Zielsetzungen, mit denen der Translator den AT liest. Die mentale Leistung des Translators besteht darin, die mit Wörtern, Sätzen und Texten verbundenen Konzepte und die mit ihnen verbundenen Situationen, Affekte, sozialen und interaktionellen Muster zu aktivierenen. 14 5. Übersetzungsrelevante Textanalyse Dies in den Lehrveranstaltungen deutlich zu machen, ist Aufgabe einer übersetzungsrelevanten Textanalyse. Als Modell für eine solche TA empfiehlt sich das Buch von Ch. Nord „Textanalyse und Übersetzen“, das textexterne Faktoren und textinterne Faktoren unterscheidet und hierzu gut verwendbar ist. Ich gehe nicht näher auf die Textanalyse ein, widmen sich doch andere Beiträge dieser Konferenz ausschließlich der TA. 6. Textlinguistik – Textuelles Wissen Das textuelle Wissen schließt Kenntnisse ein von kulturspezifischen Textsorten und Textmustern, d. s. einzelsprachliche spezifische Vertextungsnormen und –konventionen sowie die unterschiedlichen Diskurs- und Gebrauchsnormen. 6.1 Textsorten Schon seit den 70er Jahren des 20. Jh.s gibt es in der translatologischen Forschung Studien – die Arbeiten von Katharina Reiß und Vermeer belegen es -, dass und wie Texte mit vergleichbarem, kommunikativen Zweck in den Einzelsprachen sozialen und kulturellen Konventionen unterworfen sind und unterschiedliche Textbildung in Makro- und Mikrostruktur sowie unterschiedliche Bildverarbeitung erfahren. In neuerer Zeit werden die Kulturdeterminiertheit von wissenschaftlichen Diskursen, Werbetexten und v.a. von Fachtexten 15 ) gut belegt . Peter Schmitt widmet in seiner Habilitationsschrift ein dickes Kapitel den „Kulturspezifika in Technik-Texten“. Darin behandelt er das gesamte Spektrum, angefangen von der Morphologie, über nonverbale Textelemente, Layout und Typographie, Normungsfragen, Metaphernwahl, bis hin zu Begriffshierarchien und unterschiedlichen Textformen bei gleicher Textsorte 16 . 13 Vgl. Heinemann/Viehweger 1991: 96-108. 14 Näheres zu diesem Prozeß in Kupsch-Losereit 1995a und 1995b. 12 Verträge, Patentschriften, Gerichtsurteile, Betriebsanleitungen etc. Vgl. auch Pöckl 1995 und Trumpp 1998. 16 Schmitt 1999: 156-256. Ein besonderes Problem stellen Anspielungen auf geflügelte Worte, Zitate, Slogans, Namens- und Titelübersetzungen bzw. die Referenz auf bereits übersetzte Titel in Musik, Literatur und Film dar, die u.a. Christiane Nord behandelt hat. Vgl. Christiane Nord.

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