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der schiefe Turm zu Babel - Fachbereich Translations-, Sprach- und ...

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BA/MA-Studiengänge 8

BA/MA-Studiengänge 8 Symposium Germersheim 2004 Sigrid Kupsch-Losereit 9. Faktoren des Übersetzungsprozesses Ein solches Faktorenmodell des Übersetzens stellt die Texte jeweils in den Situationskontext von AS und ZS sowie die Ausgangskultur und Zielkultur. 22 Daraus folgert eine für die Übersetzung relevante Bestimmung von Kommunikation als intentionale, situationsbedingte, interlinguale und interkulturelle Interaktion. Entscheidend ist demnach eine zweckgerichtete, auf eine Situationsdeutung gestützte und um Verständigung bemühte sprachliche Äußerung. Der Adressat muss also die Intention und Wirkungsabsicht der sprachlichen Handlung erkennen können. Die vorgestellten kommunikationstheoretischen Konzepte sind Faktoren, die in hohem Maße geeignet sind, den Übersetzungsvorgang zu modellieren: - Übersetzungsfunktion und Textfunktion - Kommunikationspartner - Kommunikationssituation - Mitteilungs- und Wirkungsabsicht - Referenzhinweise - Kommunikationsakte Die aufgelisteten Faktoren stellen Variable dar, welche die Produktion von funktionsorientierten, partnerspezifischen, situationsadäquaten, intentionsgerechten und sachbezogenen Sprachgebrauch determinieren. Sie berücksichtigen die Dynamik des an das soziale Handeln und die Sprache zweier Kulturen gebundenen Übersetzungsprozesses. 10. Übersetzerische Strategien Übersetzungsstrategien 23 bestimmen den Übersetzungsprozess, die Translation als Problemlösungsprozess vor dem Hintergrund des Auftrags und der Beziehung von Ausgangs- und Zieltextfunktion. Während Laien die Anforderungen der Zielsetzung nicht erfüllen, handelt der semiprofessionelle Übersetzer teils automatisch, teils über TA, teils über Reflexion zu Translationssituation und –zweck. Solche Strategien bei der Problemanalyse sind etwa: 10.1. Ausgangstext oder Zieltextorientierung, Adaptation vs. Exotik. Instrumentelles vs. Doku- mentarisches Übersetzen z. B. von Urkunden. 10.2. Kognitive Strategien, die von übersetzerischen Zielsetzungen und Annahmen abhängig sind 24 : 22 Vgl. Kupsch-Losereit 1996: 224. 23 Definition von Lörscher 1991: 78, der Strategie als ein potentiell bewusstes Verfahren sieht zur Lösung eines Problems, das der Übersetzer hat. 25 Präsuppositive Annahmen (Meinungen, Überzeugungen, Einstellungen der Textproduzenten und Rezipienten) Situative Annahmen (Situationsanforderung und situative Einbettung), Kommunikative Annahmen (Textfunktion, Funktionalität des Textes im sozialen Kontext, das beabsichtigte Textverständnis, Wirkungsgeschichte) Interaktionistische Annahmen (Intentionen, Ziele, Bedingungen und Erwartungen)

BA/MA-Studiengänge 9 Symposium Germersheim 2004 Sigrid Kupsch-Losereit 10.3 Recherchestrategien 25 10.4. Visualisierung und Assoziationsstrategien, durch die kontextspezifisches Wissen aktiviert wird. 10.5. Verstehens- und Suchstrategien, wozu TA. und Prozesse des Inferierens gehören 26 . Die Ergebnisse der Problemlösungsforschung bestätigen, dass nicht die Quantität, nicht das deklara- tive Wissen (was?) sondern die Qualität, das prozedurale Wissen (wie?) über den Erfolg entschei- det. Und hier ist genau der Zeitpunkt zur Polemik und zur Verteidigung des translatorischen Mini- mums. Meine Idiosynkrasie gilt der x-ten Übersetzungsübung, gilt dem learning by doing, gilt dem pawlowschen Übersetzungsstudent, der vor sich hin übersetzt, und das in allen Sprachen, die er be- legt. Und wir unterstützen das noch durch ein Curriculum, das von A nach B und C und zurück je- des Semester Übungen anbietet. Es ist sinnvoller, bereits im Grundstudium Übersetzungsstrategien zu erlernen – ein Mal – und die Anwendung den Studierenden – ein, zwei Mal – anzubieten und dann ihnen selbst zuzumuten. 11. Übersetzungstheorie(n) Nach der Auswahl der Strategie erfolgt die Entscheidung für eine bestimmte Technik. Hier können die Verfahren der stylistique comparée hilfreich sein: Calque, Substitution oder Modulation. Die Vorliebe mancher Epochen für bestimmte Verfahren ist natürlich begründet, genauso wie ein Studierender heute seine Übersetzung theoretisch begründen wird. Das Wissen von Übersetzungstheorien in Geschichte und Gegenwart ist daher unverzichtbar, um Übersetzungen beurteilen zu können und z. B. die Grenzen des Wörtlichkeitsprinzips à la Hieronymus oder den deskriptiven Sprachvergleich à la Wandruszka oder die Transfer- bzw. Transkodierungstheorien der Leipziger Schule zu erkennen. Das Ungenügen an diesen Theorien hat in den letzten Jahrzehnten – wie in 9. bereits angedeutet – zur Einbeziehung kommunikationstheoretischer Konzepte und zu einer funktionalen Translationstheorie geführt, die als Skopostheorie bekannt ist. Und jetzt wünsche ich mir, dass die Stützpfeiler 1 bis 11 ausreichen, um den Studiengang Übersetzen zu errichten. Ich wünsche mir keinen Turm zu Babel, ich wünsche mir nicht, nur eine einzige Sprache zu haben so wie im Mittelalter: das Englische als neues globales Latein. Ich wünsche mir nicht, nur eine einzige Sprache zu haben wie im Paradies, wo es nach der Bibel auch nur eine Sprache gab. Ich ziehe doch einen schiefen Turm zu Babel vor mit der Standfestigkeit des schiefen Turms zu Pisa. In der modernen Welt, in der sich die kulturellen Grenzen bedrohlich verschärfen, 25 Ich habe versucht, mit Studierenden eine fr. Übersetzung zu finden für den schiefen Turm zu Babel. Studierende im 3. Sem. schlugen im Wörterbuch nach und fanden unter ‘schief’ und in Klammer (Turm) und (Ebene), incliné. Dies ermöglicht keine Assoziation zu Babel. Studierende im 6. Sem. schlugen gleich in einer Enzyklopädie unter Pisa nach und fanden tour penchée. Sie schlugen die richtige Strategie ein, das richtige Nachschlagewerk auf, inferierten richtig, so dass auch ein Franzose die Anspielung versteht.

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