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Der Literaturübersetzer zwischen Original und Markt. Eine Kritik ...

Der Literaturübersetzer zwischen Original und Markt. Eine Kritik ...

Rainer Kohlmayer:

Rainer Kohlmayer: „Der Literaturübersetzer zwischen Original und Markt. Eine Kritik funktionalistischer Übersetzungstheorien“, in: Die Schnake. Zft. für Sprachkritik, Satire, Literatur 13+14, April 1988, S. 1-45 = Lebende Sprachen 33, 1988, S. 145-156 über Fragestellungen des symbolischen Interaktionismus zitiert. Mir scheint sich hier ein weites Feld fruchtbarer Zusammenarbeit zwischen Rollenverständnis des literarischen Übersetzers und Sozialpsychologie aufzutun. So weist L. Krappmann daraufhin, „daß die Fähigkeit zum Spielen von fremden Rollen hoch mit der verbalen Intelligenz korreliert (Bowers/London 1965). Über eine positive Korrelation zwischen Komplexität des Rollenspiels und sprachlichen Differenzierungsfähigkeiten berichtet auch J. H. Flavell [...]. J. H. Flavell betont im Gegensatz zu voll sprachdeterministischen Auffassungen, daß ,role taking' sich nicht gänzlich durch Sprachbeherrschung erklären lasse. Sprachliche Differenzierung erleichtere es, sich in fremde Rollen zu versetzen, stelle aber keine kausale Erklärung dar" [...]. Die „mangelhafte Fähigkeit, andere Menschen zutreffend wahrzunehmen, korreliere mit Stereotypiebildung, Intoleranz und Vorurteil (Koenig/King 1962). D. Stewart und T. Hoult gelangten zu der Ansicht, ungenügende Fähigkeiten zum ,role taking' sei die Ursache für die Entstehung des Verhaltens- und Einstellungssyndroms der autoritären Persönlichkeit. Der Autoritarismus eines Individuums korreliere negativ mit der Anzahl der Rollen, die es übernehmen kann" [...]. Die „fehlende Empathie erkläre Autoritarismus" (Krappmann 1972, 148f.). 5 ) II. Die Rolle des Übersetzers in funktionalistischen Übersetzungstheorien: Der Literaturübersetzer als Funktionär der Zielgruppe Das Bild des literarischen Übersetzers als ,Dieners zweier Herren', an dem, wie aus dem oben Gesagten hervorgeht, auch heute noch zahlreiche Praktiker und Theoretiker festhalten, erfährt nun seit einigen Jahren von Seiten der funktional eingestellten Übersetzungstheorie Kritik. Dabei lassen sich deutlich zwei völlig verschiedene Richtungen erkennen: eine deskriptive und eine präskriptive. Zunächst werde ich die Hauptzüge der deskriptiven Richtung darstellen, danach kritisch die Prämissen und Konsequenzen der präskriptiven Richtung unter die Lupe nehmen. 5 Auch Katharina Reiß hat in ihrem wichtigen Buch von 1971 die Frage nach der „Persönlichkeitsstruktur" des Übersetzers gestellt. Sie geht dieser Frage jedoch nicht dadurch nach, daß sie Selbstzeugnisse und dgl. zu Rate zieht, sondern sie ordnet den Übersetzer vorgegebenen Charaktertypologien zu, wodurch weder für jenen noch für diese etwas bewiesen wird (Reiß 1971, 109ff.). Für die ,dynamische' Auffassung der Rolle des Übersetzers, die ich hier vertrete, ist folgendes zu beachten: ,Eine Persönlichkeitsstruktur' kann man nicht ,lernen' - eine ,Rolle' kann man lernen! 8

Rainer Kohlmayer: „Der Literaturübersetzer zwischen Original und Markt. Eine Kritik funktionalistischer Übersetzungstheorien“, in: Die Schnake. Zft. für Sprachkritik, Satire, Literatur 13+14, April 1988, S. 1-45 = Lebende Sprachen 33, 1988, S. 145-156 1. Deskriptive Translationsforschung: Beschreibung und Theorie der Rezeption von Literaturübersetzungen Die deskriptiv-funktionale Translationstheorie erforscht die reale historische Rezeption von Literaturübersetzungen. Sie begann in den 70er Jahren damit, daß Even-Zohar und andere die Herstellung von Übersetzungen im größeren Rahmen des Systems der Literaturproduktion im Staat Israel untersuchten. Als Basisbegriff diente dabei, ganz ähnlich der Rezeptionstheorie Jaußscher Provenienz, die vor allem von den russischen Formalisten (besonders Tynjanov) und den tschechischen Strukturalisten (z.B. Mukařovský) entwickelte Vorstellung von der Literatur als einem hierarchisch strukturierten System, in dem innovative und konservative, zentrale und periphere, kanonisierte und nicht-kanonisierte u.a. Elemente in dynamischer Beziehung miteinander sowie mit anderen Subsystemen der Gesamtgesellschaft verbunden sind. Die - im Rahmen der Übersetzungstheorie - neue Sicht bestand nun darin, daß ausschließlich nach der Funktion der literarischen Übersetzung in diesem ,Polysystem' der Zielkultur gefragt wurde. Die Frage nach der Beziehung einer Übersetzung zum Original wurde also – weitgehend - ausgeblendet zugunsten der Frage, welche Rolle eine Übersetzung oder eine bestimmte Menge von Übersetzungen in der Zielkultur übernahm, welche Tendenzen dadurch verstärkt oder verdrängt wurden, welche sprachlichen Muster geschaffen, nachgeahmt, vermieden wurden usw. In der Einleitung eines Sammelbandes, der unter dem bezeichnenden Titel ,The Manipulation of Literature' Beiträge der Hauptvertreter dieser Forschungsrichtung vereinigt, heißt es in programmatischer Deutlichkeit: "In contrast with most conventional work on translation, the approach based on the Systems concept of literature is not prescriptive. Instead of providing guidelines for the next translation to be made and passing judgement on any number of existing ones, the descriptive method takes the translated text as it is and tries to determine the various factors that may account for its particular nature [...]. That being the case, the old essentialist questions about the prototypical essence of translations are simply dissolved, and the way is open for a functional view. The new approach tries to account in functional terms for the textual strategies that determine the way a given translation looks, and, more broadly, for the way translations function in the receptor (or target) literature" (Hermans 1985, 12f.). Im Rahmen dieser Theorie wird also die Rolle des literarischen Übersetzers nicht, wie von mir metaphorisch formuliert, als die eines ,Dieners zweier Herren' 9

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