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BA-Arbeit-beinahe-druckreife Fassung - Fachbereich Translations ...

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Realie zu

Realie zu „erklären“, was letzten Endes ebenfalls auf eine Vereindeutigung hinausläuft. Dazu entwickelt jede Zielkultur bestimmte Mechanismen, die im jeweiligen kulturellen Kontext als „Erläuterungen“, die zum Verstehen des Fremden wesentlich beitragen sollen, akzeptiert und praktiziert werden. Dazu gehören z.B. Paratexte wie Fußnoten, Anmerkungen, Vor- und Nachworte etc. (Vgl. Tippner, 52). Solche Erläuterungen können aber auch in den Haupttext selbst eingebaut sein. Ihr propagiertes Ziel ist es den fremdkulturellen Sachverhalt dem zielkulturellen Leser „näher“ zu bringen, die Distanz, die das Verstehen unmöglich macht bzw. erheblich erschwert, zu verringern (Rühling, 151). Dabei kann bisweilen das Gegenteil der Fall sein, wenn man die Hinzufügungen im Bezugsrahmen des zielkulturellen Diskurses über das Fremde analysiert und hinter ihnen bestimmte diskursive Vorgaben entdeckt. So spricht Tippner in Bezug auf die deutschen Übersetzungen russischer Literatur von einem Russlanddiskurs, aus dem Übersetzungen ihre rhetorischen Strategien schöpfen. In der Zielkultur zirkulierende Russlandbilder „erhellen“ Übersetzungen und umgekehrt (Tippner, 49-50). Vor diesem Hintergrund kann Hinzufügungen die Rolle zukommen, aus der unbestimmten Fremdheit des zu übersetzenden Textes eine konkrete Gestalt einer fremden Kultur zu formen, die dieser Text exemplarisch darstellt. Sehr treffend finde ich deswegen, wenn Tippner in Anlehnung an Niranjana von der „Verwandlung literarischer in kulturelle Texte“ spricht (ebd., 50). Die Tendenz zur Vereindeutigung 11 und die „Orientierung auf das Dokumentarische“, das „Erläuterungen“ suggerieren (ebd., 126-127), offenbaren die Funktion, die übersetzte literarische Texte generell erfüllen können und die im Falle der russischen Literatur als symptomatisch für den deutschen Russlanddiskurs gelten können, nämlich als „unmittelbare“ Darstellungen fremdkultureller (in unserem Fall russischer) Wirklichkeit zu dienen. Im zweiten Teil werde ich anhand von konkreten Beispielen aus der Übersetzungen des Romans „Leto v Badene“ von Leonid Cypkin zu zeigen 11 Levý thematisiert diese Verschiebungen auf dem Wege vom Ausgang- zum Zieltext und nennt es Intellektualisierung. Dabei sieht er darin vor allem einen zu behebenden und behebbaren Mangel, was diskursive und kulturelle Aspekte des Übersetzungsvorgangs unberücksichtigt lässt (Vgl. Levý, 117 ff.). - 16 -

versuchen, wie sich die oben angesprochenen Strategien des Umgangs mit dem Fremden textuell manifestieren. 2. Fallstudie: Leonid Cypkins Roman „Leto v Badene“ Bevor ich zu der eigentlichen Analyse der Übersetzungen übergehe, möchte ich kurz die Produktions- und Editionsgeschichte des Romans und das Schicksal seines Autors skizzieren. Danach werde ich, ebenfalls in sehr kompakter Form, den Text selbst unter Berücksichtigung des hier behandelten Aspekts Fremdheit darstellen. 2.1. Vorstellung des Romans und seines Autors Leonid Cypkin wurde 1926 in eine jüdische Familie in Minsk hineingeboren. 12 Seine zahlreichen Familienangehörigen, überwiegend väterlicherseits, sind im Minsker Getto bzw. in Konzentrationslagern ums Leben gekommen. In die Fußstapfen seiner Eltern tretend, schloss er 1947 ein Medizinstudium ab und arbeitete seit 1957, nachdem er die Repressalien der antisemitischen Kampagne unter Stalin zu spüren bekommen hatte, in Moskau als Pathologe an einem Institut für Virologie. In dieser Zeit fanden zahlreiche medizinische Publikationen zu verschiedensten Themen statt. In den 60er Jahren begann seine schriftstellerische Tätigkeit, die jedoch mit dem offiziellen Literaturbetrieb kaum Berührung kam. In den dreißig Lebensahren, die ihm seitdem verblieben waren, schuf er verhältnismäßig wenig. 13 Der einzige von ihm in den Jahren zwischen 1977 und 1980 geschriebene Roman „Leto v Badene“ war sein größtes und zugleich sein letztes Werk, dessen Niederschrift jahrelange Vorbereitungen und Recherchen vorausgingen. Das Ehepaar Cypkin ersuchte zwei Mal, 1979 und 1981, um die Erlaubnis aus der Sowjetunion auszureisen, beide Anträge wurden jedoch abgelehnt. Von seinen literarischen Werken wurde kein einziges in der Sowjetunion veröffentlicht. Der Roman wurde zum ersten Mal 1982 in der in 12 Die Angaben zur Biographie Leonid Cypkins sowie zur Geschichte des Romans stammen aus der deutschen Übersetzung (Reinhard Kaiser) des Vorwortes von Susan Sontag zu diesem Roman (in der deutschsprachigen Ausgabe von 2006 enthalten) sowie aus dem Nachwort von Andrej Ustinov zu russischen Ausgabe des Romans (erschienen 2003). 13 Neben dem Roman „Leto v Badene“ schuf Cypkin zwei autobiographische „povesti“ „Most čerez Neroč“ und „Narartakir“ sowie eine Reihe von Kurzgeschichten (s. Cypkin, Leonid: Leto v Badene i drugie sočinenija. Moskva: NLO, 2005). - 17 -

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