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zu taumeln ein Leben lang - Fachbereich Translations-, Sprach- und ...

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Dörte Andres „…zu taumeln ein Leben lang“ Ivo Andrićs Wesire und Konsuln Ivo Andrić „Und in der Tat, eines Tages muß auch in diese Gegenden die Freiheit kommen“ (Andrić 2001:388). In diesen Worten eines jungen französischen Diplomaten in Wesire und Konsuln zur Situation in der Provinz Bosnien spiegelt sich die ganze Hoffnung von Ivo Andrić selbst wider, dessen historisches und literarisches Interesse der Geschichte des südslawischen Raums und insbesondere der Provinz Bosnien galt, die immer Machtobjekt war, von Rom, Ungarn, Konstantinopel und Wien beherrscht wurde. Ivo Andrić wird am 10. Oktober 1892 in Dolac bei Travnik (Bosnien) als Sohn einer kroatisch-katholischen Handwerkerfamilie geboren. Als Kind erlebt er eine geteilte, widersprüchliche Welt, in der unterschiedliche Nationalitäten, gegensätzliche Glaubensrichtungen und Wertvorstellungen aufeinanderprallen. Als Bosnien-Herzegowina 1908 von Österreich-Ungarn annektiert wird und die k. und k. Monarchie das Feudalsystem des ottomanischen Reichs ablöst, engagiert er sich für die Befreiung der südslawischen Bevölkerung und deren Einheit und wird Mitglied der habsburgfeindlichen revolutionärnationalistischen Jugendbewegung Mlada Bosna [Junges Bosnien]. Nach dem Abitur studiert er in Zagreb, Wien und Krakau zunächst Naturwissenschaften, dann Geisteswissenschaften und Slawistik. Bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges wird er wegen seiner Mitgliedschaft bei Mlada Bosna verhaftet. Erst 1917 kommt er frei (Hamadani-Dabagh 1978:23). Ab 1920 ist er im diplomatischen Dienst tätig, lebt in Graz – wo er 1924 mit einer Arbeit in deutscher Sprache zum Thema Die Entwicklung des geistigen Lebens in Bosnien unter der Einwirkung der türkischen Herrschaft promoviert –, Marseille, Paris, Madrid, Brüssel, Genf und Berlin. Seine Tätigkeit endet 1941 mit der Bombardierung Jugoslawiens. Andrić kehrt nach Belgrad zurück und lässt sich auf eigenen Wunsch pensionieren, lehnt seine staatliche Pension jedoch ab und zieht sich ins Privatleben zurück. Es ist seine Form des passiven Widerstands gegen die Nationalsozialisten. Er geht seiner literarischen Tätigkeit weiter nach, weigert sich aber seine Werke zu veröffentlichen. In diesen Kriegsjahren entsteht der Roman Wesire und Konsuln [Travnička hronika]. Die Veröffentlichung erfolgt erst nach dem Zweiten Weltkrieg. Für sein umfangreiches Werk erhält Ivo Andrić 1961 den Literaturnobelpreis. Er stirbt 1975 in Belgrad im Alter von 83 Jahren. Die kulturelle und religiöse Vielfalt Bosniens, die Pluralität seiner Heimat, hat Ivo Andrić zum Mittelpunkt seines literarischen Werks gemacht (vgl. Kraft 2000). Für den Balkan ist er für eine Ordnung eingetreten, die „Humanität, Gerechtigkeit und Toleranz als Grundvoraussetzung menschlicher Existenz garantiert“ (Jähnichen 1995:41). Dennoch ist der Vorwurf, der in nationalistischen Kreisen der bosnischen Muslime laut geworden ist, wonach Andrić in seinen Werken den Hass gegen die Muslime und den Islam schüre und eine negative Sicht des osmanischen und islamischen Einflusses vermittle (vgl. Kraft 2000), nicht ganz von der Hand zu weisen, werden doch auch im Roman Wesire und Konsuln den Menschen aus dem Orient immer wieder Attribute wie Unmenschlichkeit, Grausamkeit, Verschlagenheit und Brutalität zugeschrieben. Der Roman Wesire und Konsuln Vor dem historischen Hintergrund der napoleonischen Kriege und des serbischen Aufstands berichtet Andrić in Wesire und Konsuln vom Leben des französischen Konsuls Daville sowie der österreichischen Konsuln von Mitterer und von Paulich und deren Familien, die zwischen 1807 und 1814 in der bosnischen Wesirsstadt Travnik, dem Verwaltungszentrum, ihre Staaten konsularisch vertreten und als unwillkommene Fremde das krasse Aufeinanderprallen zweier

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