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zu taumeln ein Leben lang - Fachbereich Translations-, Sprach- und ...

zu taumeln ein Leben lang - Fachbereich Translations-, Sprach- und ...

Kulturkreise erleben.

Kulturkreise erleben. Bedingt durch die historische Situation, die wechselnden politischen Bündnisse in Europa, kämpfen der französische und der österreichische Konsul um die Gunst der osmanischen Wesire. In ihrer Arbeit sind sie auf Dolmetscher angewiesen, auf d’Avenat und de Rotta, die in ihren Diensten stehen 1 . Diese leben zwischen den Welten, sie können ihrer Funktion nach Grenzen überschreiten und von einer Welt in die andere, zwischen Sprachen und Kulturen wechseln. Ihre Aufgabe ist es, diese Welten einander näher zu bringen, als Brücke zwischen Ost und West zu dienen. Doch sie haben ihre eigenen Interessen, kämpfen um ihre eigene Macht. Ihr Leben an der Grenze, zwischen zwei Lebensformen und Wertvorstellungen, gefährdet ihre Identität. Es sind Menschen, die viele Sprachen kennen, ohne daß eine ihre Muttersprache ist, die zwei Religionen kennen, ohne in einer verankert zu sein. Sie sind Opfer der verhängnisvollen Spaltung der Menschheit in Christen und Nichtchristen; ewige Dolmetscher und Vermittler, die aber eine große Zahl von Unklarheiten und von unausgesprochenen Gedanken mit sich herumtragen; gute Kenner des Ostens und des Westens und deren Gebräuche und Glaubensvorstellungen, doch von beiden Seiten in gleicher Weise verachtet und beargwöhnt. (Andrić 2001:348) Den Stoff für den Roman bezieht Andrić aus geschichtlichen Quellen, insbesondere aus den diplomatischen Korrespondenzen des französischen Konsuls Pierre David in Travnik und denen der österreichischen Kollegen von Mitesser und von Paulitsch. Durch die Übereinstimmung zahlreicher Personen, ihrem Namen und ihrer Funktion nach, mit der historischen Wirklichkeit, vermittelt der Roman den Eindruck von Authentizität des Geschehens. César d’Avenat und de Rotta César d’Avenat wurde in Savoyen geboren. Nach seinem Medizinstudium in Montpellier geht er aus nicht näher erläuterten Gründen nach Istanbul, wo er beim Wesir Mechmed Pascha als Leibarzt angestellt wird und mit ihm ins bosnische Travnik geht (vgl. Andrić 2001:25). Dort übt er den Arztberuf jedoch nicht weiter aus, stattdessen wirkt er im diplomatischen Geschäft mit. In diesen Jahren nimmt er, nach den Worten Andrićs, die Eigenschaften eines Levantiners an: Der Levantiner ist ein Mensch, dem Illusionen und Skrupel fremd sind, ein Mensch, der kein Gesicht, das heißt viele Gesichter, hat, ein Mensch, der durch die Umstände gezwungen wird, bald Leutseligkeit, bald Kühnheit, bald Niedergeschlagenheit, bald Begeisterung zu mimen. All dies dient ihm nur als unentbehrliches Mittel für den Lebenskampf [...]. Der Fremde, der in den Strudel dieses ungleichen, schweren Kampfes gerät, wird von ihm verschluckt und verliert seine wahre Persönlichkeit. (Andrić 2001:44f.) Als 1807 in Travnik ein französisches Konsulat eröffnet wird, fungiert d’Avenat zunächst als Verbindungsmann zwischen dem französischen Konsul Daville und dem Konak, dem Palast des Wesirs. Da Daville in seinem Konsulat keine Mitarbeiter hat und auch die Landessprache nicht beherrscht, tritt ihm der Wesir seinen Leibarzt als Dolmetscher ab. Daville stellt d’Avenat nur mit großem Vorbehalt ein, da er ihm zunächst „schrecklich und widerlich“ 1 Es gibt noch einen weiteren Dolmetscher: Amédée Chaumette des Fossés. Da Daville immer wieder um einen türkisch sprechenden Beamten ersucht hat, wird ihm aus Frankreich Amédée Chaumette des Fossés als Dolmetscher gesandt. Doch schon bald stellt sich heraus, dass des Fossés zwar über eine hervorragende Ausbildung verfügt, letztendlich jedoch ein Türkisch spricht, wie man es im Collège Louis-le-Grand in Paris lernt, eine Sprache, die in Bosnien nicht verstanden wird. Er hat also die „falschen“ Sprachkenntnisse und wird deshalb nicht als Dolmetscher eingesetzt (vgl. Andrić 2001:85).

(Andrić 2001:31) erscheint. Doch dem französischen Konsul gegenüber zeigt d’Avenat Treue und Zuverlässigkeit: „D’Avenat zeigte sich in den schwierigen Tagen als geschickt, zuverlässig und treu ergeben“ (Andrić 2001:66). Dem bosnischen Volk hingegen begegnet er mit Verachtung und Hochmut: „Der Dragoman bot, dunkel und groß, wie er war, auf seiner gescheckten Stute ein hochmütiges Bild; er schaute verächtlich auf die Schandmäuler herab und antwortete dreist, doch wohlüberlegt“ (Andrić 2001:53). D’Avenat wechselt nicht nur zwischen Sprachen und Kulturen, sondern auch sein Auftreten, ist rücksichtslos, düster und bedrohlich (vgl. Andrić 2001:55, 244, 279, 468) oder ergeben, schmeichelnd und treu (vgl. Andrić 2001: 204, 279, 541). Als der „kühne Konsulatsdolmetscher“ (Andrić 2001:198) treibt er einen für das französische Konsulat bedrohlichen Menschenauflauf auseinander, als möglicher Giftmischer wird er von Daville verdächtigt, am Tod des Sonderbotschafters des Sultans mitschuldig zu sein: „und vielleicht [war] sogar sein eigener Dolmetscher ein niedriger Söldling und Spießgeselle des Verbrechers“ (Andrić 2001:62). Opportunismus und Machtstreben charakterisieren d’Avenat. Er kennt, um seine Ziele und Wünsche zu erreichen, weder Ethik noch Moral. Sein Weltbild ist auf zwei Pole reduziert: oben die Mächtigen und unten die Schwachen. „Maßlos unterwürfig und von fast niederträchtiger Ergebenheit gegenüber jeder Gewalt, gegenüber Behörden oder dem Mammon, begegnete er andererseits den Schwachen, Armen und Hilflosen frech, grausam und erbarmungslos“ (Andrić 2001:45). D’Avenat gehört weder zu den Mächtigen noch zu den Schwachen, er kann weder die einen noch die anderen verstehen und will dies auch nicht. So hasst er beide Seiten gleichermaßen, die Mächtigen, die ihn in ihren Kreis nicht aufnehmen, und die Schwachen, die ihn zu dem haben werden lassen, was er ist. Er steht zwischen den Fronten, an deren Verständigung ihm nur dann etwas liegt, wenn ihm dies Vorteile einbringt. Allein die Liebe zu seinem Sohn, für den er sich verantwortlich fühlt und aus dem er einen erfolgreichen, rechtschaffenen Menschen machen will – „Sein Sohn möge nicht werden, was er geworden war – jedermanns Diener in der Levante, sondern möge zunächst in Frankreich studieren und danach in den französischen Staatsdienst treten“ (Andrić 2001:46) – verhindert, dass er in dem Gefühl von eigener Wertlosigkeit und Selbstverachtung untergeht. Um dem Sohn ein anderes Dasein zu ermöglichen, kämpft er für ein Leben in Wohlstand, das für ihn gleichbedeutend mit Macht und Einfluss ist. Das ist auch der Grund, weshalb er die Dolmetschtätigkeit ausübt, die er zwar als minderwertig betrachtet, die ihm aber den Kontakt zu den Reichen und Mächtigen ermöglicht. Nicola Rotta weist analoge Merkmale zu d’Avenat auf. Er wird in Triest als zwölftes Kind des trunksüchtigen Schusters mit dem sprechenden Namen Giovanni Scarparotta geboren. Die Armut, in der er leben muss, ekelt ihn an. Aufgrund seiner besonders guten schulischen Leistungen wird er nach seinem Abschluss in der Kanzlei einer Schifffahrtsgesellschaft beschäftigt, wo er die Welt des Wohlstands erlebt. Dort lernt er im Laufe der Zeit fünf Sprachen. Als ihm das Angebot unterbreitet wird, als Dolmetscher nach Bosnien zu gehen, nimmt er sofort an. Um seiner Abstammung endgültig zu entfliehen, legt er das „Scarpa“ ab und nennt sich nur noch Rotta oder auch de Rotta. Auch die Heirat mit einer reichen Levantinerin soll ihn seine alte Identität, sein ursprüngliches soziales Milieu, vergessen lassen. Doch die Ehe scheitert. Die Welt in der er lebt, ist von Grobheit, Rohheit und Unzuverlässigkeit geprägt, sie wird ihm zur Qual. Dennoch lässt er sich voll und ganz auf das neue Leben an der Grenze ein, „wo man über alle Maßen verrohte und vor der Zeit alterte“ (Andrić 2001:143), denn für ihn gibt es kein Zurück mehr in die alte Identität. So tritt er in Travnik in den Dienst des österreichischen Konsuls von Mitterer, den er unterstützt und dem er zahlreiche, vor allem unangenehme Aufgaben, abnimmt, weshalb dieser ihm seinen oft unangemessenen Ton nachsieht, denn Rotta hat sich, wie d’Avenat, das orientalische Umfeld zu Eigen gemacht, und ist wie d’Avenat finster, „hochfahrend und gegen Türken wie Christen in gleicher Weise unwirsch“ (Andrić 2001:134), herablassend und verächtlich. Wie d’Avenat herrscht er über die Schwachen, muss sich aber den Mächtigen unterwerfen (vgl. Andrić

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