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zu taumeln ein Leben lang - Fachbereich Translations-, Sprach- und ...

zu taumeln ein Leben lang - Fachbereich Translations-, Sprach- und ...

2001:134). Über anderen

2001:134). Über anderen stehen, deren Leid und Elend, vermitteln ihm ein Gefühl von Glück. Solange er das Ventil des Herrschens hat, ist Rotta in der Lage, „Beherrschtwerden“, Unterwerfung, wie in der Dolmetschsituation, zumindest für Augenblicke zu ertragen, weil er sich davon erhofft, dass sie ihm auf seinem Weg zum eigenen Herrschen hilfreich sein kann. Wie d’Avenat verachtet er Schwache und Mächtige gleichermaßen, so wie er sich selbst und sein Leben verachtet, denn sein Lebensziel, die Schaffung einer neuen Identität in der Oberschicht, hat er nicht erreicht. Die Illusion von Macht, der er sich durch seine Einschüchterung der Schwachen hingibt, wird ihm durch die Anwesenheit des neuen Konsuls von Paulich genommen, an dessen Sicherheit, Gelassenheit, aber auch Kälte sich Rotta auf- und zerreibt. Der Kampf und der Hass gegen von Paulich wird für de Rotta zu einem neuen Lebensinhalt, der sein ganzes Sein durchdringt und ihn innerlich und äußerlich immer mehr verfallen lässt. Ein vereitelter Mordversuch an von Paulich wirft ihn in die Welt zurück, der er so mühevoll für eine Zeit entronnen war, ins soziale Elend. Macht Die Rolle, die d’Avenat zumindest teilweise spielt und die er spielen möchte, ist die des Kundschafters. Aufgrund seiner Menschen- und Sachkenntnisse weiß er genau, welche Informationen zweckdienlich sind und versteht es diese zu beschaffen. In dieser Funktion kann er politisch agieren, es werden ihm keine Grenzen gesetzt, er hat Macht. [...] Mit der Dreistigkeit eines Levantiners, der Gewissenhaftigkeit eines Arztes und dem Scharfsinn eines Piemontesen verstand er es, alles trocken, sachlich, bis ins kleinste genau auszukundschaften und wiederzugeben, mit Einzelheiten, die für den Konsul häufig von Interesse und fast immer von Nutzen waren [...]. (Andrić 2001:209f.) In dem ersten Gespräch zwischen dem Wesir und Daville wird deutlich, dass d’Avenat beide Seiten über die jeweiligen Interessensgebiete des anderen vorher informiert hat, damit diese erste Begegnung in angenehmer, entspannter Atmosphäre erfolgt, das Kennenlernen erleichtert und der Weg für politische Kontakte bereitet wird. „Der Wesir wie der Konsul lenkten die Unterredung auf Dinge, von denen sie wußten, dass sie eine geheime Schwäche oder ein Lieblingsthema des anderen waren“ (Andrić 2001:41). D’Avenat sorgt damit für politisch begründete, demonstrative Verständigung im Sinne diplomatischen, d.h. klug berechnenden Kontaktknüpfens, Antichambrierens, bei dem das Anderssein nivelliert und die Gunst des Gesprächpartners dadurch erworben wird, dass diesem ein Gefühl von Macht und Kompetenz vermittelt wird. So nützlich d’Avenat als Informant beschrieben wird, so unzuverlässig arbeitet er als Dolmetscher: „D’Avenat übersetzte mit großer Selbstüberwindung, ganze Abschnitte überspringend und dieses oder jenes Wort auslassend“ (Andrić 2001:270), „d’Avenat übersetzte es ebenso, wie er alles andere verdolmetschte, was man ihm auftrug – trocken und vereinfacht“ (Andrić 2001:476), „Der Wesir runzelte die Stirn, folgte aber der dürren Übersetzung d’Avenats und dem pathetischen Vortrag des Konsuls“ (Andrić 2001:189). D’Avenat zensiert die zu sendende Botschaft, indem er sie inhaltlich kürzt, vereinfacht und in Intonation und Prosodie verflacht. Und nur die Macht der Mächtigen setzt seiner Eigenmächtigkeit eine Grenze: Allein saßen der Wesir und der Konsul, und zwischen ihnen, eine Handbreit tiefer, kauerte mit untergeschlagenen Beinen d’Avenat, die Arme auf der Brust gekreuzt, gesenkten Blicks, völlig verwandelt, als wäre er nur noch Stimme, eine leise und eintönige Stimme, fast ein Geflüster, das die Worte des Wesirs dem Konsul in Übersetzung wiedergab. (Andrić 2001:266)

Sein Verhalten ist deutlich opportunistisch, denn die Szene vermittelt den Eindruck von übertriebener Unterwürfigkeit. Seine Identität verbirgt d’Avenat hinter demonstrativer doch nur äußerlicher Bescheidenheit, in dem intuitiven Wissen, dass sein übliches herrisches Auftreten im Widerspruch zu seiner Funktion als Dolmetscher, als Dienstleistender, steht. D’Avenat geht es um Festigung seiner Position. Seine Orientierung erfolgt daher pragmatisch, allerdings nicht immer an seinem Arbeitgeber, sondern an den Mächtigen. Sein Interesse gilt der eigenen Macht. Über solche verfügt er zwar auch in seiner Eigenschaft als Dolmetscher, doch blickt er auf diese Funktion voller Geringschätzung, denn sie wird seinem Geltungsbedürfnis nicht gerecht, zu gering ist der Handlungsspielraum, den sie ihm lässt. Ein ähnliches Verhaltensmuster ist auch bei dem Dolmetscher de Rotta zu finden. Sein ganzes Streben ist auf sozialen Wohlstand und damit Einfluss gerichtet, seine Dolmetschertätigkeit liegt in nichts anderem begründet. Er orientiert sich deshalb wie d’Avenat an den Mächtigen, denn nur sie können ihm bei der Verwirklichung seiner Wünsche hilfreich sein. Nur wenn er vor hohen und einflußreichen Persönlichkeiten stand (und er unterschied genau, welche es wirklich waren und welche sich nur den Anschein gaben, es zu sein) und er ihre Gespräche übersetzte, senkten die Augen den Blick zur Erde, wurden frech, herablassend und unerreichbar zugleich. (Andrić 2001:134) Analog zu d’Avenat unterwirft sich Rotta ebenfalls nur äußerlich in der Dolmetschsituation den mit seiner Funktion zusammenhängenden Zwängen. Auch er senkt die Augen, doch auch sein Blick ist voller Auflehnung und Verachtung. Seine Verachtung gilt seinem Umfeld, aber auch sich selbst. Sie nagt an ihm und zerstört ihn schließlich. In anderen Situationen tritt de Rotta jähzornig und unbeherrscht auf, dolmetscht ohne Intonation und unvollständig. Der österreichische Konsul von Mitterer äußert sich gegenüber seinem Nachfolger von Paulich über seinen Dolmetscher, dessen Eigenmächtigkeit ihm nicht verborgen bleibt: Die Worte dehnend, bemerkte er über den ersten Dolmetscher, er handle ein wenig ... so etwas wie ... auf eigene Faust und sei nicht eben ... die aller ... allerbeste Blüte, aber er sei immerhin sehr nützlich und dienstbeflissen. (Andrić 2001:409) In Wesire und Konsuln dominiert das Stereotyp vom Dolmetscher als Person, an deren Vertrauenswürdigkeit zu zweifeln ist, da sie einen moralisch bedenklichen, weil skrupellosen Umgang mit Macht pflegt. Ihr Machtmittel ist die Zensur, sie kürzt und vereinfacht. Eigeninteresse bestimmt das Handeln der Dolmetscher d’Avenat und de Rotta, welches primär materiell orientiert ist. Sie richten sich in ihrem Tun an den Personen aus, die ihnen bei der Verwirklichung ihrer Ziele und Wünsche am nützlichsten erscheinen. Den Kommunikationspartnern bleibt das Geltungsbedürfnis der Dolmetscher nicht verborgen, denen sie nicht bedingungslos vertrauen. Damit verlieren diese auch an Autorität. Gleichzeitig spüren sie intuitiv, in welchen Situationen sie Zurückhaltung üben, sich den Anschein geben müssen, dass sie sich der Macht der anderen unterwerfen. De Rotta und d’Avenat erinnern an den „gemeinen dragoman“ (Vermeer 1992:59) in der Geschichte, den „levantinischen Mittler in jedermanns Auftrag“ (Glässer 1956:75), an dem der Makel der Bestechlichkeit, der Unterschlagung und des Verrats haftete und der aus materieller Not immer und überall nach seinem Vorteil schaute, danach sein Handeln richtete. Von den Dragomanen sprach schon vor fast zwei Jahrhunderten der berühmte Orientalist Joseph von Hammer-Purgstall als den „sclavischen Organen kriechender Treulosigkeit und unheilgeschäftigen Zwischenträgern“ (1822:147f.).

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