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Stalinismus und Franquismus Ein Vergleich zweier gegensätzlicher ...

Stalinismus und Franquismus Ein Vergleich zweier gegensätzlicher ...

in der Moskauer Provinz

in der Moskauer Provinz als Erster aufhörte zu klatschen, als man die Versammlung mit der Huldigung für Stalin schloss. Am nächsten Tag soll er verhaftet und unter irgendeinem Vorwand zu zehn Jahren Haft verurteilt worden sein. Auch gab es eine Grammophonaufnahme von einer längeren Stalin-Rede. Diese Rede füllte acht Schallplatten, eigentlich nur sieben, denn auf der achten war nur der Applaus zu hören (vgl. Amis 2007: 152). Für Stalin soll der Personenkult zwar nützlich gewesen sein, jedoch soll er ihn als peinlich empfunden haben. Dies könnte man aber auch als inszenierte Einfachheit werten, um seiner vielen Tugenden eine weitere hinzuzufügen - die Bescheidenheit. Auf jeden Fall verdoppelte sich Stalin, er blieb der Sterbliche Džugašvili und dieser wurde durch die mythische Gestalt „Stalin“ erweitert. Er wurde zum Mythos der Unbarmherzigkeit, der „Stahlhaftigkeit“. Diese Verdoppelung führt er konsequent aus, denn sogar er selbst, also der sterbliche Stalin, schaut mit Ehrfurcht und Angst zu dem Mythos hinauf. Er sprach über dieses andere Wesen nicht in der ersten Person, sondern in der dritten. „Ich habe gesagt“ wurde von ihm mit „Stalin hat erklärt ausgedrückt“ (vgl. Steinke 1995: 258f). Diese Schizophrenie oder Selbstentfremdung ging so weit, dass man die Frage, wer Stalin überhaupt war, in diesem Sinne nicht einmal stellen konnte. Als er zu seinem fünfzigsten Geburtstag im Jahre 1929 den Titel des Vožd' (Führer) bekam, übertrug er alle Würdigungen auf die Partei, „die mich nach ihrem Ebenbild erschaffen und erzogen hat“. Sein Leben ging schon früh in der Partei auf und die Charakteristiken seiner Person entsprachen vollständig den Funktionen der Macht, die er ausübte (vgl. Koenen 1998: 269). Bereits in der Antike wusste man, dass Dinge am besten in Erinnerung bleiben, die man mit den Sinnen aufnimmt, da das Auge das schärfste Sinnesorgan ist und dadurch die beste Gedächtnisleistung erbringt. Damit lässt sich leicht erklären, wieso man nicht nur mit den oben erwähnten Medien arbeitet, um einen Personenkult zu erschaffen, sondern vor allen Dingen mit Bildern (vgl. Eickhoff 1999: 17). Obwohl es nie viele Videoaufnahmen und Photographien von Stalin gab, was wohl darauf zurück geht, dass Stalin optisch nicht unbedingt den Typ des charismatischen Vožd' verkörperte sowie aufgrund seiner Verfolgungsängste, war 16

er allgegenwärtig. Er war weder gutaussehend, noch hatte er eine ansehnliche Figur, er war eher unproportioniert gebaut, sein Gesicht war von Pockennarben gezeichnet und seine Stimme klang spröde. Deshalb war er auch kaum in der Öffentlichkeit zu sehen, wenn überhaupt, dann weit entfernt von der Menschenmenge, auf einem Balkon stehend. Dieser Abstand zwischen Diktator und Untergebenem ist eine Grundvoraussetzung für die Mythosbildung und den Personenkult. Das Volk darf nicht wissen, wie der Mensch der hinter der Rolle „Diktator“ steht, wirklich ist. Deshalb ist auf den vielen Porträts und Bildern auch ein stark idealisierter und altersloser Stalin zu sehen, also das Bild, dass von dem Medien auch vermittelt werden soll (vgl. Tscherepanow 2005: 53f/ 61f). Eine weitere Grundvoraussetzung für die Entwicklung eines Kults, gleichgültig in welcher Art von Gesellschaft, ist die aktive Förderung und Steuerung durch „Kulturbeauftragte“. Dazu zählen Journalisten, Zensoren, Kritiker, Massenmedien und alle anderen Persönlichkeiten, welche die Meinung der Gesellschaft auf irgendeine Weise beeinflussen können. Nichts wird dem Zufall überlassen. Jedes Bild und jeder Auftritt ist bis ins kleinste Detail durchdacht (vgl. ebd.) Ein anderer Faktor, der den Personenkult gerade im Fall des Stalinismus begünstigte, war die hohe Heterogenität der in den Städten lebenden Menschen. Viele Bauern zogen in die Städte, weil sie die forcierte Industrialisierung dazu nötigte. Diese „[...] extrem hohe horizontale und vertikale Mobilität der Bevölkerung führte zu einer Entwurzelung und Orientierungslosigkeit und begünstigte damit die Anfälligkeit für Autoritarismus und Personenkult“ (Bohn 2009: 273). Die Omnipräsenz des Diktators wurde dadurch erreicht, dass man in allen öffentlichen, aber auch privaten Gebäuden Bildnisse von Stalin präsentiert bekam. Ob nun als Gemälde, Fotografie oder Plastik, man konnte dem Blick des übermenschlichen, gottgleichen Führers und Vaters nicht entgehen. In den Universitäten, Schulen, Kindergärten oder Betrieben waren diese Bildnisse stets an die jeweiligen „Rezeptoren“ angepasst. Für Kinder und Jugendliche wurden Porträts von Stalins Jugend aufgehängt, für die Arbeiter wurden Bilder verwendet, die Stalin in der dementsprechenden Umgebung zeigen, wie er zum Beispiel eine Delegation empfängt oder auch beim Bau einer Fabrik zugegen ist (vgl. Tscherepanow 2005: 68). Er machte stets auf den Porträts seine Zugehörigkeit zum Volk deutlich, indem er 17

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