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Stalinismus und Franquismus Ein Vergleich zweier gegensätzlicher ...

Stalinismus und Franquismus Ein Vergleich zweier gegensätzlicher ...

3.2.2 Die große

3.2.2 Die große Säuberung Auch schon vorher (zwischen 1928 und 1931) wurden zahlreiche Offiziere ohne Anklage und Verfahren vom Regime aus dem Weg geräumt, mit der Begründung, sie hätten im Bürgerkrieg für die Weißen (Monarchietreuen) gekämpft, obwohl es niemals zu einer oppositionellen Strömung von Seiten der Armee kam, denn sie genoss weitreichende Vorzüge und Vorteile unter Stalin. Von diesen Verurteilungen unter den Militärs erfuhren die Bürger nur durch kurze Randnotizen in der Zeitung. In den Jahren 1937 und 1938 kam es erneut zu einer Säuberung unter den Offizieren, diesmal jedoch ohne jegliche Anschuldigungen und ohne einen Prozess. Von der Presse wurden nur die üblichen stereotypen Anschuldigungen verbreitet, die Armeeführer seien Spione für Japan und Deutschland gewesen und hätten einen Staatsstreich unter der Führung der Trotzkisten geplant. Insgesamt wurde 10.000 Offizieren das Leben genommen. Es glich einer Selbstzerstörung der Armee, von der sie sich niemals erholen konnte. Damit fehlten den roten Streitkräften auch wichtige und kompetente Befehlshaber, was die anfänglichen und erheblichen Niederlagen gegen Nazideutschland erklärt. Selbst die Parteiführung gab nach dem 20. Parteitag zu, dass die Säuberungen in den Jahren 1937/1938 vollkommen ungerechtfertigt waren und die Armee stark geschwächt hatten. 1933 wurden erneut alle Parteimitglieder überprüft und 18 Prozent davon ausgeschlossen. Die Zentrale Kontrollkommission empfand viele Amtsträger als ungebildet, korrupt und despotisch (vgl. Baberowski 2007: 158). Oder auch, um nochmals die Worte von Baberowski zu zitieren: „[…] die Partei bestand nicht nur aus politischen Analphabeten. Sie wurde auch von ihnen geführt“ (Baberowski 2007: 159). Somit mussten die lokalen Parteikomitees regelmäßig nach ehemaligen Oppositionellen, Saboteuren und Spionen in den Reihen der Partei suchen. Man nannte es in der offiziellen Amtssprache „Überprüfung der Parteibücher“ oder „Regelung der Parteiangelegenheiten“. Vor allem die Minderheiten, die großflächig verteilt auf dem gesamten Gebiet der Sowjetunion schon seit Jahrhunderten neben vielen anderen Ethnien lebten, ohne sich richtig assimiliert zu haben, waren von diesen Verfolgungen stark betroffen. Nach Stalins Meinung waren sie alle Spione. Die Spionageaufträge wurden entsprechend, aber oft sehr absurd, nach Nationalitäten aufgeteilt. Deutsche, Polen 44

und Letten seien Spione Hitlers, Ostasiaten, wie die Chinesen, Koreaner und Mongolen wurden angeblich von den Japanern beauftragt, und die Nationalitäten Vorderasiens arbeiteten für den britischen Geheimdienst. Auch die Untertanen mussten stets die Augen offen halten und unter den Reihen ihrer Kollegen, Freunden und Familienangehörigen mögliche Feinde ausfindig machen. Diese angeblichen „Feinde des Sozialismus“ „[…] trugen die Verantwortung für das Elend, in das die Bol'ševiki ihre Untertanen gebracht hatten“ (Baberowski 2007: 136). Überall, wo die Planvorgaben nicht erfüllt werden konnten und es den Menschen schlecht ging, waren Saboteure am Werk. So konnte das Volk „[...] ihren Zorn über die Verhältnisse, in denen sie leben mußten [sic.], von den Mächtigen auf die Ohnmächtigen [...]“ (Baberowski 2007: 136) umleiten. Überall, wo rote Führungseliten und Direktoren verhaftet wurden, konnten sich die unzufriedenen Arbeiter und Bauern an der Obrigkeit rächen. Selbst der berühmte Flugzeugkonstrukteur Tupolev musste mit seinen Mitarbeitern in ein Konzentrationslager „wechseln“. Dort konnte er dann jedoch als Häftling die Arbeit an seinen Projekten weiterführen. So entstanden geheime Sonderforschungsbereiche, die unter der Aufsicht des Geheimdienstes „im Käfig“ (Šaraška) betrieben wurden (vgl. Koenen 1998: 255). Jeder misstraute jedem, vor allem Fremde und Ausländer waren prädestiniert für unbegründete Anschuldigungen, aber auch die Arbeitskollegen, Freunde oder Verwandte konnten Saboteure sein oder auch Informanten des NKVD. Diese seksoty 14 (vgl. Carmichael 1972: 165) hatten eine wichtige Funktion im Bewusstsein des sowjetischen Volkes. Man nahm allgemein an, dass jeder dritte Bürger ein Informant war, auch wenn man das nicht nachprüfen konnte, so gab jedoch schon allein die Tatsache, dass die Bürger dies dachten ein wichtiges Werkzeug zur Kontrolle und Machterhaltung in die Hand des Geheimdienstes und der Parteiführung. Das hatte zur Folge, dass man schon allein deshalb seine Freunde denunzierte, um nicht selbst von ihnen denunziert zu werden. Ab 1937 hatten die Denunzierungen keine Grenzen mehr. Das Zentrum gab willkürliche Quoten vor, die die Sicherheitsorgane ohne jegliche Zurückhaltung erfüllen mussten. Sie sollten diese eher noch übertreffen, denn „wenn während der Operation 'tausend zusätzliche Menschen' erschossen würden, so sei das 'keine 14 "geheime Kollaborateure", Informanten der politischen Polizei 45

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