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Stalinismus und Franquismus Ein Vergleich zweier gegensätzlicher ...

Stalinismus und Franquismus Ein Vergleich zweier gegensätzlicher ...

(vgl. ebd.: 41).

(vgl. ebd.: 41). Eine leitende Persönlichkeit der Kommunistischen Partei, die berühmte Feministin und Verfechterin der freien Liebe, Aleksandra Kollontaj, hatte sich selbst von den Begriffen Besitz und Eifersucht befreit und schrieb in ihrem Essay Platz dem geflügelten Eros, für die Zeitung der Freien Sozialistischen Jugend (FSJ) Die junge Garde, Nr. 10, 1923, folgendes über den Sexualakt: [...] en passant wie sonst eine Handlung unter vielen ergeben muß [sic.] und sich bereits ergibt, um biologischen Bedürfnissen zu genügen, die loszuwerden sich die Partner beschleunigt bemühen, damit dadurch nicht das Wesentliche beeinträchtigt wird: die revolutionäre Aktivität. (in Stern 1980: 41) Auch die Jungkommunisten, die im Komsomol 25 organisiert waren, hatten eine ähnliche Einstellung, wie eine junge Komsomolzin ihre Meinung, zitiert in Soziologische Forschung, Nr. 4, Moskau 1970, wiedergibt: Jeder Komsomolze... kann und muß [sic.] seine sexuellen Regungen befriedigen. Ich weiß nicht, warum man dies nicht als Tatsache betrachtet, über die nicht diskutiert zu werden braucht. Die sexuelle Abstinenz wird für kleinbürgerlich angesehen. Jede junge Kommunistin... auf die sich das Begehren dieses oder jenes Kommilitonen richtet (übrigens gelingt es mir nicht zu begreifen, wieso derartige afrikanische Leidenschaftlichkeiten sich hier bei uns, den nordischen Menschen, haben entwickeln können), muß [sic.] seinen Wünschen entgegenkommen, will sie nicht eine Kleinbürgerin sein, unwürdig, den Ehrennamen einer Komsomolzin, einer proletarischen Studentin zu tragen. (in Stern 1980: 41) Dieses Gedankengut war zwar in der Öffentlichkeit weit verbreitet, galt im praktischen Leben jedoch eher als Ausnahme. Selbst Ideen wie das Aufstellen von Kabinen für den Geschlechtsverkehr in öffentlichen Anlagen wie Parks und Straßen wurden auf Versammlungen ernsthaft diskutiert. Dies kann man jedoch, wie man in dem oberen Zitat gut erkennen kann, kaum als sexuelle Revolution bezeichnen, da es eher einem einseitigen Charakter zum Vorteil des Mannes entspricht und nichts mit weiblicher Emanzipation zu tun hatte (vgl. ebd.: 41f). Mit der Machtübernahme Stalins änderte sich auch in diesem Bereich einiges. Der Mensch im Stalinismus musste sein Geschlecht förmlich ablegen. Der Sex wurde 25 Jugendverband der KPdSU 66

aufgrund der Ideologie verbannt. Die neue Parole hieß "Sex ist der Feind der Revolution". Der "Homo sovieticus" hatte ein Held mit makelloser Moral zu sein. Das Liebesleben konnte nur Bestand haben, wenn es auf die Vermehrung der "roten sowjetischen Familie" abzielte und musste ansonsten auf ein striktes Minimum und auf die keuschesten Praktiken beschränkt werden. Dies spiegelt sich auch in der Sprache wider, die kaum Begriffe für den sexuellen Bereich besitzt. Zwar hatte die Sowjetunion die von der UNESCO-Konvention vereinheitlichte medizinische Universalsprache übernommen, ohne jedoch die Terminologie der Sexologie miteinzubeziehen. So beinhaltete das Wort "das" viele Begriffe. Es konnte Penis, Geschlechtsakt, Vagina, Schwangerschaft, Masturbation, Orgasmus oder viele andere Dinge bedeuten (Stern 1980: 12/16). 4.1.1 Geschlechterkonzepte 4.1.1.1 Familie und Ehe Nachdem die Bol'ševiki die Oktoberrevolution trotz der zahlenmäßigen Unterlegenheit für sich entscheiden konnten, führten sie Reformen in allen Bereichen durch und erließen neue Gesetze. Dies betraf auch das Familienleben, was teilweise dessen Zerstörung zur Folge hatte. Die Scheidung wurde stark erleichtert und sogar gefördert. Eine Postkarte reichte schon aus, um dem Ehepartner die Scheidung mitzuteilen. Die Familie war der heimliche Feind der neuen Ordnung, denn sie war ein Rückzugsbereich für das Individuum und erzog die Kinder. Damit wurde der Staat bei der Erziehung des Nachwuchses in erster Linie nicht mit einbezogen. Die Familie stand auch für die Traditionen der Vergangenheit, vor allem auf dem Land bei der Bauernschaft und diese machte bekanntermaßen den größten Teil der sowjetischen Bevölkerung aus. Nun hatte man sich zum Ziel gesetzt, ein neues Leben zu erschaffen und dafür mussten die alten Traditionen zerstört werden, um ein neues Land, mit einer neuen Ideologie aufbauen zu können. Lenin selbst wollte die Ehe nicht abschaffen. Er setzte sich für die "proletarische Zivilehe, die sich auf Liebe und Ideologie gründet" ein (Stern 1980: 50). Inzest, Bigamie, Ehebruch und Abtreibung wurden aus dem Strafgesetzbuch gestrichen. Uneheliche Kinder erhielten die gleichen Rechte wie eheliche. Damit wurde die freie Ehe offiziell anerkannt. 67

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