Aufrufe
vor 5 Jahren

Stalinismus und Franquismus Ein Vergleich zweier gegensätzlicher ...

Stalinismus und Franquismus Ein Vergleich zweier gegensätzlicher ...

Nicht nur die hohen

Nicht nur die hohen Scheidungsraten, sondern auch willkürliche Arbeitsplatzzuweisungen und Deportationen rissen Familien auseinander und störten nachhaltig zwischenmenschliche Beziehungen. Die täglichen Denunziationen, sogar von Kindern, die ihre Eltern anprangerten oder Ehepartner gegenseitig, taten ihr übriges, um jegliches Vertrauen und eine gesunde Beziehung zu anderen Menschen unmöglich zu machen. Dafür wurden die Denunzianten zu Nationalhelden und wurden in Gedichten sowie Liedern gefeiert. Natürlich war die Vereinfachung der Ehescheidung und die Legalisierung der Abtreibung nicht unbedingt negativ zu bewerten - im Gegensatz zur Legalisierung des Inzest -, jedoch hatte es unter den gegebenen repressiven Umständen verheerende Folgen. Das Volk konnte nur mit einer Form des Protests gegen die Repression ankommen und zwar durch eine Art "genetischen Hungerstreik", der sich darin äußerte, dass es zu einem starken Geburtenrückgang kam. Als im Jahre 1936 die Bevölkerungszahlen in den Großstädten stark zurück gingen und mehr Kinder starben als geboren wurden, musste Stalin regulierend eingreifen. Es wurde ein Gesetz gegen die Abtreibung erlassen und große Kampagnen für die Großfamilie gestartet. Mütter mit vielen Kindern bekamen Orden verliehen, hatten Steuervergünstigungen usw. Stalin selbst ging als Vorbild voran und ließ sich mit seinen lächelnden Kindern fotografieren und besuchte ein einziges Mal in seinem Leben seine Mutter in Tbilisi 26 (vgl. Amis 2007: 155). Während des 2. Weltkriegs wurde ein neues Lehrbuch ausgearbeitet, das die wichtige Rolle der Familie in den Mittelpunkt stellte. Darin wurde Stalin als der große Vater gepriesen und die Position der Mutter als die Gebärerin der zukünftigen Beschützer des sozialistischen Heimatlandes geehrt (vgl. Koenen 1998: 144). Dies hat jedoch eine schizophrene Konnotation, da man einerseits die Mutter und den Vater ehren und ihnen Respekt entgegenbringen sollte, aber andererseits durfte man sich nicht davor scheuen sie zu denunzieren, wenn diese nicht der stalinistischen Lehre konform handelten. Das hatte sicherlich eine Verwirrung der kindlichen Psyche zur Folge und war für die psychische Gesundheit von Kindern und Heranwachsenden ungesund. Trotz des verbreiteten Bildes der perfekten sowjetischen Familie sah die Realität anders aus. Viele Familien mussten ohne ein männliches Familienoberhaupt auskommen. Der Krieg und auch die Großen Säuberungen hatten vor allem die 26 Tiflis, Hauptstadt von Georgien 68

männliche Bevölkerung stark dezimiert und führte zu einer Zersplitterung der Familie. Nach einer Volkszählung von 1959 sollen auf 100 Personen nur 45 Männer gekommen sein. Wenn man nur Männer über 32 Jahren einbezieht, kommt man auf eine Zahl von 37 Männern auf 100 Personen. Diese katastrophalen Zahlen wurden durch die verbreitete Landflucht noch zusätzlich verschärft (Stern 1980: 58). Die meisten Frauen (bezogen auf die 30-Jahre) sahen die Ehe nicht als eine Gemeinschaft der Liebe an, sondern eher als wirtschaftliche und soziale Einheit. Auch war sie für die soziale Stellung der Frau sehr wichtig. Als guter Ehemann galt man bereits, wenn man nicht trank oder gewaltätig gegenüber der Ehefrau und den Kindern wurde. 4.1.1.2 Erziehung Die Erziehung der Jungen erfolgte genauso wie unter Franco durch eine vormilitärische Ausbildung, in der das Ideal des "Kämpfer-Sportlers" gepflegt wurde. Diese war an die Rote Armee angegliedert und agierte unter folgendem Leitspruch: Die Befreiung des Willens von niedrigen persönlichen Interessen muß durch die Härtung des Organismus des militärisch Auszubildenden erreicht werden, die auch alle persönlichen Bedürfnisse betrifft, als da sind: Hunger, Kälte, Schmerzempfinden, Lebensgefahr, Leidenschaft bis hin zur Liebe zur Familie. (in Koenen 1998: 129) Vorbilder für diese Abhärtung konnte man schon bei den "Vätern" der Revolution finden. Diese waren stets von den Insignien der Gewalt umgeben und ihre Sprache gekennzeichnet durch einen brutalen Jugendjargon. So schrieb Bucharin 1925 in einem Beitrag über "alte und neue Moral", es gelte, den "alten Traditionen die Zähne auszubrechen" und das Vorbild des guten Jungen "geistig zu erschießen" (ebd.: 129). Kinder hatten, genauso wie die Erwachsenen, den Idealen zu entsprechen. Um ihnen diese Ideale anzuerziehen wurden sie in einem Jugendverband organisiert (Pioniere) und mussten dort schwören, in Gedanken, Worten und Taten rein zu 69

Dubai und Ras Al Khaimah Zwei Emirate im Vergleich - FWU
Die Verschmelzung zweier gegensätzlicher Konzepte: Design und ...
VERGLEICH MENSCHEN PRAKTIKUM - Kantonsschule Sargans
Formen der Abhängigkeit im Vergleich
Der schönste Tag im Leben zweier Menschen - Exquisit
zwei flüchtige begegnungen - Ein bisschen Meia
Gesammelte Schriften in zwei Reihen - booksnow.scholarsportal.info
Zwei Hexen
„So ist`s ja besser zu zweien als allein“(Pred 49) - Evangelische ...
Stalinismus und Sozialistischer Realismus
Leben mit Demenz Vergleich zweier Tagesbetreuungseinrichtungen ...
Vergleich zweier Spulensysteme zur Bildoptimierung im ...
Struktureller Vergleich zweier Lehrbücher zum Programmieren in Java
Eigennamen in Pressetexten. Ein Vergleich zweier Online ... - E-thesis
Zwei Methoden im Vergleich - Waldwissen.net
Vergleich der Objekterfassung mittels zweier terrestrischer ...
Sonnenhaus / Passivhaus Vergleich zweier Baukonzepte für ...
Sonnenhaus / Passivhaus Vergleich zweier Baukonzepte für ...
Vergleich zweier Schwellwertalgorithmen zur Wolkendetektion in ...
Herstellung und Vergleich zweier Tenside
Schweiz Vergleich zweier Fitnessmärkte anhand ... - Aktiv Consult
Vergleich zweier Fütterungsstrategien in der Fresseraufzucht 89 KB
Vergleich zweier optischer Techniken zur automatischen ... - Die GIL
Klangkunst - Analyse und Vergleich zweier Arbeiten - LARIFON ...
Stalinismus - Kennzeichen - DIE LINKE. Berlin
was ist stalinismus - Communist International (Stalinist-Hoxhaists)