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Stalinismus und Franquismus Ein Vergleich zweier gegensätzlicher ...

Stalinismus und Franquismus Ein Vergleich zweier gegensätzlicher ...

4.1.2.4 Repressive

4.1.2.4 Repressive Sexualpolitik in der Praxis Untersuchungen oder wissenschaftliche Arbeiten zum Sexualverhalten von Frauen und Männern gab es keine. Die Freudschen Lehren und die Psychoanalyse wurden verboten und die Sexualforschung verschwand für lange Zeit. Hörte man von derartigen Untersuchungen aus dem Ausland, wurden sie als "moralische Zersetzung der 'verfaulten' westlichen Gesellschaft" verteufelt, in der das Niveau so tief gesunken sei, dass nur noch derartige Perversionen von Interesse seien (Stern 1980: 11). Das hatte zur Folge, dass die praktizierenden Ärzte sich zu solchen Themen nirgends hätten informieren oder sich entsprechende Kenntnisse aneignen können. Wurden sie in ihrer Praxis mit Sexualleiden konfrontiert, so mussten sie sich auf ihr persönliches Können und ihre berufliche Erfahrung berufen. Selbst pädagogische oder medizinische Experimente, die mit der Koedukation zusammenhingen, wurden Ende der zwanziger Jahre verboten. Ein zu frühes Einsetzen der Sexualität, häufige Sexualkontakte und männliche Masturbation galten als gesundheitsschädlich. Diese Lehrmeinung hatte man noch aus der vorrevolutionären Phase übernommen, als man diese negativen Elemente der Sexualität mit bürgerlicher Dekadenz verband. Der frühsozialistische marxistische Sexualforscher Aaron Zalkind verband seine Theorie der Sexualität mit der griechischen Säftelehre, laut der vier Säfte durch den Körper des Menschen flossen. Wurden zu viele "Säfte" ausgeschieden, so schwächte das den Körper und raubte ihm die Energie für den sozialistischen Kampf. Uneingeschränkte Geschlechtsbeziehungen sind schädlich für den Organismus, verzehrt seine Kräfte, schwächt den Menschen als Kämpfer und als Kommunisten. Die Kräfte des Menschen sind beschränkt. (nach So'lc zit. in Scheide 2002: 153) Die rechtliche Basis war im sowjetischen Strafgesetzbuch festgeschrieben. So waren folgende Artikel zu Sexualdelikten mit den jeweiligen Höchststrafen verankert: 80 1. Verbreitung von Geschlechtskrankheiten: drei Jahre Haft. 2. Unerlaubte Abtreibung: acht Jahre.

3. Vergewaltigung: Todesstrafe. 4. Die Frau durch Zwang aufgedrungene Liebesbezeigung – ohne den Geschlechtsakt: drei Jahre. 5. Entführung Minderjähriger: sechs Jahre. 6. Perversitäten: drei Jahre. 7. Päderastie: acht Jahre. (in Stern 1980: 159) Den sechsten Artikel kann man jedoch sehr willkürlich anwenden, wenn man bedenkt, dass sich auf der Straße öffentlich Küssen schon als moralisch verwerflich galt. Pornographie war strikt verboten. Selbst der Akt in der Malerei war in dem Begriff Pornographie eingebunden und wurde strafrechtlich verfolgt. Das Entblößen der weiblichen Brust wurde nur toleriert, wenn die Frau ihr Kind stillte, also den zukünftigen "Pionier" oder die "Pionierin" der sowjetischen Gesellschaft. 4.1.3 Konsequenzen Diese Diskrepanz, die im Stalin-Regime herrschte, also der scharfe Unterschied zwischen realem Leben und dem Leben, das die Medien vermittelten, führte zu einer Spaltung der Persönlichkeit. Der Mensch musste sich an ein öffentlich, offizielles und an ein privates, verborgenes Verhalten gewöhnen, die in starkem Kontrast zu einander standen. Prof. Dr. Michail Stern, selbst Endokrinologe und Sexualwissenschaftler, wobei es diesen Begriff im Russischen gar nicht gab, kam nach jahrzehntelanger beruflicher Erfahrung als Dissident ins Lager und ist der Meinung, dass vor allem dieses zwiespältige Verhalten zwischen Öffentlichkeit und Privatem den Menschen noch mehr psychisch und physisch zugrunde richtet als das Fehlen politischer und individueller Freiheit (vgl. Stern 1980: 10). Diese Diskrepanz, vor allem im Bereich der Sexualität und insbesondere, die repressive Sexualmoral, die unter Stalin vorherrschte, habe sexuelle Abweichungen, wie Potenzstörungen, Frigidität, Sadismus und andere pathologische Züge zur Folge gehabt, die in der Sowjetunion erheblich zunahmen, wobei die Homosexualität damit wohl nicht gemeint sein dürfte (vgl. ebd.: 12). Solche pathologischen Phänomene im Sexualbereich haben eine Verbindung mit dem totalitären Terrorregime der Bol'ševiki. Die Frau als unterdrückte Persönlichkeit war die größte Leidtragende der 81

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