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Stalinismus und Franquismus Ein Vergleich zweier gegensätzlicher ...

Stalinismus und Franquismus Ein Vergleich zweier gegensätzlicher ...

4.2.2.2 Repressive

4.2.2.2 Repressive Sexualpolitik in der Praxis 4.2.2.2.1 Das „alltägliche Leben“ Der repressive Apparat in Spanien zur Zeit des Regimes hatte viele Handlanger, die ihre sexualfeindliche Propaganda religiös, philosophisch, sozial, wissenschaftlich, juristisch usw. verkündeten. Es gab einen staatlichen Zensurapparat, der sämtliche Bereiche des kulturellen Lebens, wie zum Beispiel die Publizistik, Kinoverfilmungen, Theater usw., überwachte. Aber auch das private Leben wurde indirekt durch die Kirche kontrolliert. Von Alonso Tejada wurden „Normen christlichen Anstands“ formuliert, an die man sich streng zu halten hatte. Zu diesen Normen zählten unter anderem „die Schließung von Nachtbars, Cabarets, Bordellen, ferner Tanzverbote (Tanz als ‚Todsünde’), Theaterverbote für Mädchen, die körperfeindliche Regulierung von Badesitten (Vorschriften für moralisch ‚einwandfreies’ Umkleiden, für eine moralisch noch gerade tolerable Badehosenlänge, Verbot der Nacktheit bei Kindern über zwei Jahren, Verbot des Zusammenbadens von Männern und Frauen unter der Androhung des Absolutionsverlustes), die restriktive Spezifizierung von Bekleidungsvorschriften (Vorschriften für eine kirchlich noch zu duldbare Rock- und Ärmellänge der Kleidung von Frauen, Strümpfetragen von Mädchen, Kampagnen gegen den Minirock zur Zeit der Minimode, Kampagnen gegen das Dekolleté, usw.)“ (R. Abella; A. de Miguel; L. Alonso Tejada zit. in Kreis 1990: 40). Auch durften sich die Mädchen in Internaten nicht bei Licht ausziehen und mussten sogar eine Hemdhose beim Duschen tragen. Der Bikini galt als unschicklich und demonstrierte eine beginnende Lüsternheit, er machte die Trägerin unehrenhaft und verletzte somit die christliche Sittsamkeit. Während der sechziger Jahre wurde der Bikini nicht nur für die Traditionalisten zum Zeichen für einen kulturellen Wandel. Trotzdem trug ein Teil der spanischen Bevölkerung den Bikini am Strand, jedoch immer auf der Hut vor der Guardia Civil. Die Hose war den Anhängern der kirchlichen Dogmen auch ein Dorn im Auge, denn sie hatte emanzipatorisches Potenzial und betonte die weibliche Sexualität, was inkompatibel mit dem traditionellen Weiblichkeitskonzept war. Warum die Hose ein derart starkes Symbol für die Emanzipation war, ist nicht schwer zu erklären. Sie zwang die Trägerin nicht zu „[…] sittsamer und züchtiger, Entblößungen vermeidender Körperhaltung […]“ (Sengewald-Molterer 1997: 120). Viele brachten die Hose für Frauen und die „Befreiung“ der Frau 92

durch die Pille in direkte Verbindung. Die negative Haltung gegenüber hosentragenden Frauen stammt noch aus dem frühen Christentum und wurde „[…] als Symbol orientalischen Heidentums gewertet […]“ (Sengelwald-Molterer 1997: 120). Kleidung verursachte im Allgemeinen den Widerwillen der Hüter der Moral, wie man bei dem Pater Ayala vom Orden Compañía de Jesús nachlesen kann: ¡Qué modas tan indignas, tan atentatorias al pudor! ¡Pierna al aire hasta el muslo, brazos al descubierto hasta cerca del sobaco, escotes en el pecho y en la espalda, vestidos ceñidos al cuerpo de un modo invercundo! ¡Casí van peor que desnudas! (in Abella 1985: 79) Was für unwürdige Moden, eine derartige Verletzung der Sittsamkeit! Nacktes Bein bis zu den Oberschenkeln, Arme aufgedeckt bis fast zur Achselhöhle, Halsausschnitt bis zu den Brüsten und tief in den Rücken hinein, Kleider eng am Körper anliegend, auf eine schamlose Art! Fast schlimmer als nackt! Auch war es Paaren verboten, sich in der Öffentlichkeit unterzuhaken oder sich gar zu küssen. Wie oben schon erwähnt, waren den Beschützern der Sittsamkeit und der Moral vor allem die Freizeitgestaltung der Menschen ein Dorn im Auge. Der Jesuitenpater Calatayud definierte das Tanzen folgendermaßen: El baile es gavilla de demonios, estrago de la inocencia, solemnidad del infierno, tiniebla de varones, infamia de doncellas, alegría del diablo y tristeza de los ángeles... (in Abella 1985: 77) Das Tanzen ist die Garbe der Dämonen, Zerstörung der Unschuld, Feierlichkeit der Hölle, Finsternis der Männer, Schande der Mädchen, Freude des Teufels und Traurigkeit der Engel... Die gleiche Brisanz hatte das Thema Strand und wurde stark diskutiert. Schon allein deshalb, weil sich am Strand leicht bekleidete junge und alte Menschen beiderlei Geschlechts trafen, mussten Regeln für das angemessene Verhalten am Strand festgelegt werden (Anhang Geschlechterkonzepte und sexuelle Repression Dokument Nr. 5). Viele Menschen setzten sich dafür ein, Strandabschnitte nach dem Geschlecht zu trennen und diese durch hohe Palisaden vor lüsternen Blicken 93

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