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Stalinismus und Franquismus Ein Vergleich zweier gegensätzlicher ...

Stalinismus und Franquismus Ein Vergleich zweier gegensätzlicher ...

Lüsternheit“,

Lüsternheit“, „abstoßender Sexualverkehr“, „Instinkte gemeiner niedriger Geilheit“, „abscheuliche Veranlagung der Frau“, „verkommenes Weib“ usw. (ebd.: 48). Ein in der Öffentlichkeit ausgetauschter Kuss zwischen Verlobten wurde 1974 sogar noch zum Anlass genommen, einen Strafgerichtsprozess wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses zu führen. Für den spanischen Mann galten jedoch nicht so strenge Regeln, wie für die Frau. Jede kleinste Abweichung gegen die festgesetzten Normen wurde mit sozialer Stigmatisierung oder sogar juristischer Verfolgung bestraft, wobei beim Mann eine außereheliche sexuelle Aktivität in stillschweigender Übereinkunft hingenommen wurde. Selbst in den von Nonnen geführten Frauengefängnissen mussten die wegen Sexualdelikten bestraften Frauen sich alle möglichen Arten von Erniedrigungen, Demütigungen, körperlichen Züchtigungen und Extrastrafen über sich ergehen lassen. Die Vergewaltigung in Haft sitzender Prostituierten von männlichem Personal galt sogar als straffrei und „der Erfüllung eines kirchlich gegebenen moralischen Auftrages der ‚Strafe’ […]“ nachkommend (Kreis 1990: 49). Die Perversion dieser Repression lässt sich gut dadurch erläutern, dass die Ehefähigkeit der Frau ihm Código Civil 28 (art. 83,1) bei zwölf Jahren angegeben war, kam es jedoch zum Geschlechtsverkehr zwischen zwei Erwachsenen, die nicht verheiratet waren, wurde dieser Akt strafrechtlich verfolgt. Ebenso waren die Abtreibung und die Prostitution offiziell verboten. 4.2.3 Konsequenzen Erst im späten Franquismus änderte sich langsam die politische und gesellschaftliche Situation. Der Unterschied zwischen dem España oficial und dem España real zeichnete sich in dieser Zeit immer schärfer ab. Das Leben ganzer sozialer Gruppen stand im völligen Gegensatz zu der von Staat und Kirche propagierten Ideologie. Genau so, wie die unter massivem Druck herbeigeführte Geschlechterrollenverteilung, hinterließ vor allem die repressive Sexualpolitik unter Franco deutliche Spuren in der Bevölkerung. Direkte Folgen waren Traumata, Neurosen, Depressionen, Melancholie, da ein starkes Sündenbewusstsein und Schuldkomplexe das psychische Gleichgewicht ins 28 Spanisches Bürgerliches Gesetzbuch 98

Schwanken brachte. Die Menschen fühlten sich unglücklich, hatten Angst und Ekel vor dem Partner, der Ehe und allem, was mit der Sexualität und dem Geschlechtsakt zusammenhing. Die getrennte Erziehung von Mädchen und Jungen hatte auch zur Folge, dass die Kommunikation zwischen Menschen beiderlei Geschlechts nie erlernt werden konnte und bei den späteren Erwachsenen nachhaltig gestört blieb. Die Repräsentanten und Ideologieträger hatten viele Spanier zum pathologischen Narzissmus und Infantilismus erzogen. Die Repression motivierte Hysterien, Homosexualität, Inzest, destruktive Aggressivität und Selbstverachtung, da man den angestauten Triebschub irgendwann nicht mehr unterdrücken konnte. Selbst heute, nach 31 Jahren, sind Spuren dieser Diktatur zu erkennen. Es wird wohl noch ein paar Generationen dauern, bis diese Grausamkeiten am spanischen Volk verarbeitet sein werden. 4.3 Vergleichende Bemerkung Wie man an den vorherigen Kapiteln deutlich erkennen kann, waren die Geschlechterkonzepte und die sexuelle Repression nicht durch die gleichen Gründe bedingt, wurden aber zum selben Ziel verfolgt. War im Franco-Regime die sexuelle Repression und die Geschlechterkonzepte traditionell durch die Kirchenlehre legitimiert, so basierten beide Faktoren im Stalinismus auf der Ideologie, wobei diese jedoch zwischen den 20er Jahren und dem Tod Stalins 1953 stark variierte und von Stalin nach seinem Gutdünken modifiziert wurde. Trotzdem hatte die Repression in beiden Regimen immer zum Ziel, das Individuum zu kontrollieren, zu infantilisieren und beherrschbar zu machen. Steinke erklärt, dass Totschweigen, Verschweigen und Tabuisierung immer Konzepte von Herrschaftsstrategien sind. Das was nicht genannt werden darf und nicht artikuliert wird, existiert auch nicht (vgl. Steinke 1995: 298). Auch wenn man die Intensität der sexuellen Repression nicht wirklich beurteilen oder gar vergleichen kann - dazu gibt es für den Stalinismus zu wenig Material zu der sexuellen Repression in der Praxis - so kann man doch feststellen, dass die Grundzüge sehr ähnlich sind, wobei es den Anschein macht, dass die Repression in diesem Bereich in Spanien ganz andere Ausmaße annahm und auch in die Freizeitgestaltung einwirkte. Die “Verteufelung” des Kinos, des Tanzes oder auch 99

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