Aufrufe
vor 5 Jahren

Ergativität in der modernen generativen Grammatik

Ergativität in der modernen generativen Grammatik

über

über nicht-strukturverändernde Bewegungstransformationen in Beziehung gesetzt. 'Nicht-strukturverändernd' bedeutet, daß der grundlegende Aufbau eines tiefenstrukturellen Phrasenstrukturbaumes durch eine Bewegungstransformation nicht dahingehend verändert werden kann, daß willkürlich Knoten hinzugefügt oder getilgt werden können. Was – im vorliegenden Text! – für eine Bewegungstransformation empfänglich ist, sind nur diejenigen Strukturen, die unmittelbar von NP dominiert sind und ggf. von einer Position in eine andere, bereits existierende Position bewegt werden. Die in der TS kodierte Information ist der OS dadurch zu entnehmen, daß bewegte Elemente an der Position, aus der heraus sie bewegt wurden, eine Spur (gekennzeichnet als t, für engl. trace) hinterlassen. 3. Nominativ-Akkusativsprache In dem Satz (a) He kicks him hat das Verb zwei Argumente, die jeweils durch ein Pronomen realisiert sind. Bezüglich ihrer Morphologie einerseits und ihrer semantischen Funktion bzw. Theta-Rolle andererseits unterscheiden sie sich, insofern das Agens he im Subjekts-; das Patiens him dagegen im Objektskasus steht. Der nachstehende Baumgraph gibt die Oberflächenstruktur dieses Satzes wieder: (1) S NP VP Pron V NP He kicks Pron him Die beiden NP haben in dieser Struktur hierarchisch betrachtet unterschiedlichen Status: die NP him ist Tochter der VP, also Schwester des Verbs; die NP he dagegen ist Tochter des S, also Schwester der VP. Die grammatischen Funktionen Subjekt und Objekt können in einem Phrasemarker wie (1) differenziert werden über die unterschiedlichen Positionen einer Konstituente im Phrasenstrukturbaum, und genau so wird in der generativen Grammatik verfahren: die unmittelbar von S dominierte Konstituente wird als Subjekt; die unmittelbar von der VP dominierte Konstituente als Objekt identifiziert. Da eine Konstituente durch eine Bewegungstransformation möglicherweise ihre Position verändert, ist es allerdings möglich, daß sie z.B. als tiefenstrukturelles Objekt, aber oberflächenstukturelles Subjekt identifiziert wird. Man muß in diesem Ansatz mithin Tiefensubjekte und Oberflächensubjekte; Tiefenobjekte und Oberflächenobjekte voneinander unterscheiden. Ferner – und das ist ein ganz wichtiger Punkt – wird davon ausgegangen, daß ein systematischer Bezug besteht zwischen der syntaktischen Position einer Nominalkonstituente einerseits und ihren oben angeführten Eigenschaften, sprich Kasusform und Theta-Rolle, andererseits. Diese Annahmen sind in der folgenden Oberflächenstruktur für zweiwertige Verben schematisiert: (2) S XP1 VP GF: Subjekt Kasus: 1 Theta: A V XP2 GF: Objekt Kasus: 2 Theta: B So die XP nominale Konstituenten sind, stellt sich die Frage, woher die konkreten Werte für die Merkmale Kasus und Theta kommen. 32

2.1 KASUSMARKIERUNG Wie weiter oben schon ausgesagt wurde, gilt Kasusmarkierung in diesem Ansatz als ein Oberflächenphänomen. Es ist zu berücksichtigen, daß nur diejenigen Konstruktionen wohlgeformt sind, in denen (nicht-leeren) nominalen Konstituenten auch tatsächlich Kasus zugewiesen ist. Was die jeweilige Kasusform der NP angeht, soll die folgende Annahme gelten: 2 NP steht im Objektskasus, wenn sie unmittelbar von VP dominiert wird NP steht im Subjektskasus, wenn sie unmittelbar von S dominiert wird Das heißt schlichtweg, daß die vom Verb regierten NP (also die OS-Objekte) im Objektskasus stehen; die von S regierte NP (also das OS-Subjekt) im Subjektskasus. Die Oberflächenstruktur für ein entsprechendes zweiwertiges Verb hätte mithin die folgende Form: (3) S NP VP Kasus: Subj V NP 2.2 THETAMARKIERUNG Kasus: Obj Was die Theta-Rolle betrifft sind diesbezügliche Angaben, also Angaben darüber, in welcher Relation die Argumente des Verbes zu diesem stehen, im Lexikoneintrag des Verbs vermerkt. Der Lexikoneintrag für kick könnte z.B. so aussehen: kick NP NP Agnt Ptnt Der Eintrag enthält Information über Anzahl (2), Kategorie (NP) und Theta-Rolle der Argumente des Verbs. Dabei ist zu berücksichtigen, daß – wie auch bei der Kasusmarkierung – diese Argumente von vornherein unterschiedlichen Status haben, was im Lexikoneintrag dadurch markiert ist, daß das eine Argument unterstrichen wird. Worin liegt nun der Unterschied? Dazu das folgende Zitat:('maximal projection of the verb' soll hier als VP verstanden werden): The subject argument has a special status. It is not a sister of the verb, but is in fact a sister of the maximal projection of the verb. For this reason, we may call this argument the "external argument" of the verb – it is located external to the maximal projection of the verb, whereas the other arguments are internal to the verb. [...] The locality restriction on the external argument can be rationalized by viewing the external argument as bearing the same relation to the maximal projection of the verb as the internal arguments bear to the verb itself. This means that the maximal projection of the verb bears a theta-role, and that theta role is assigned to the external argument. So the maximal projection of the verb is a predicate, in fact a one-place predicate. (WILLIAMS 1995:105,6) Die beiden Argumente eines zweiwertigen Verbs werden also mit Bezug auf die Prädikation, sprich einen logisch-semantischen Aspekt voneinander differenziert: einem Argument kommt als 'externem' Argument ein Sonderstatus zu, der sich auf der syntaktischen Ebene manifestiert, insofern genau dieses Argument nicht – wie das interne Argument – Schwester des Verbs, sondern Schwester der VP ist. Bezüglich der Theta-Rolle gilt, daß diese nur dem internen Argument direkt vom Verb zugewiesen ist; dem externen Argument dagegen von der VP. Dieser Sachverhalt korreliert mit der Annahme, dass die Kombination von Verb + potentiellem internem Argument die Prädikation für das externe Argument liefert, also mit der traditionellen Aufteilung eines Satzes in Subjekt und Prädikat. Am Beispiel von kick kann dieser logisch-semantische Aspekt wie folgt illustriert werden; der Pfeil ist als 'weist zu' zu interpretieren: 2 Vgl. dazu z.B. WEBELHUTH 1995: 43 Nr. 89b+c: – NP is objective if governed by V – NP is nominative if governed by Tense Da hier keine funktionalen Kategorien verwendet werden, ist hier auch kein Bezug auf Tense oder Infl o.ä. möglich. 33

Französische Grammatik auf sprach-historisch-psychologischer ...
Kontextbeziehungen zwischen Sätzen in einer generativen Grammatik
Basiswissen Generative Grammatik: Einleitungskapitel
Grammatik und Parsing1 Horst Lohnstein Abstract In generative ...
Generative Grammatik des Südens Anke Assmann & Fabian Heck ...
Das minimalistische Konzept 1. Zur Einordnung der Generativen ...
Norröne Grammatik im Überblick
Zusammenfassung der Sahidisch-Koptischen Grammatik nach ...
Grammatik im DaZ-Unterricht?
Primus Performanz und Grammatik - Institut für deutsche Sprache ...
Grundlagen der englischen Grammatik - Anne Tucker
Deutsche Grammatik besser verstehen Syntax ... - deutschkurse.ch
Benutzung und Benutzbarkeit von Grammatiken - Festschrift Gerd Fritz
skript grammatik msos - Deutschkurse vhs Passau
Grundbegriffe der Informatik - Einheit 8: kontextfreie Grammatiken
Kuzad Grammatik - dotterbein's neue Internetpräsenz auf Funpic.de
Grundbegriffe der Informatik - Einheit 8: kontextfreie Grammatiken
Die Herausbildung der modernen slowenischen Literatursprache im ...