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Ergativität in der modernen generativen Grammatik

Ergativität in der modernen generativen Grammatik

(iv) V Arg1 Arg2 V Arg V

(iv) V Arg1 Arg2 V Arg V Arg Theta Agens Patiens Agens Patiens Kasus Ergativ Absolutiv Absolutiv Absolutiv Die Kernfrage hier lautet: wie kann eine solche Zuordnung im Rahmen des vorgestellten Modells erfasst werden? Spezifischer: was ist in diesen Rastern jeweils das externe, was das interne Argument? Wie wird die Relation zwischen Argumentstruktur und Kasusmarkierung in einem solchen Schema erfaßt? Wie sähen TS und OS aus? Was bedeutet das für die übereinzelsprachliche Vergleichbarkeit von Konstrukten wie 'Subjekt' und 'Objekt'? Wenn man sich auf die Annahme (oder Sprachen) beschränkt, daß Ergativität ein rein morphologisches Phänomen ist (d.h. daß sich die jeweiligen Argumente des Verbs in Schema (iv) syntaktisch-semantisch analog zu ihren Korrelaten in Schema (i) verhalten), wäre es vielleicht denkbar – bei Beibehaltung der zugrundeliegenden Annahmen bezüglich syntaktischer und thematischer Strukturen – 'nur' Änderungen bei der Kasuszuweisung vorzunehmen, die ja ein Oberflächenphänomen ist. Wenn wir aber davon ausgehen, daß es Sprachen gibt, in denen sich Ergativität nicht nur auf der morphologischen Ebene, sondern auch im spezifisch syntaktisch-semantischen Verhalten der jeweiligen Konstituenten manifestiert, wird die Sache etwas problematischer. Ein offenbar recht beliebtes Beispiel dafür ist das australische Dyirbal (vgl. MARANTZ 1983, LEVIN 1987). Ein einfaches und informelles Beispiel dafür, was es bedeuten kann, daß sich Ergativität im syntaktischsemantischen Verhalten der Argumente manifestiert, bietet die folgende Koordinationsstruktur: John hits Bill and dies. Diesem Ausdruck kann die folgende logische Struktur zugeordnet werden: HIT(JOHN,BILL) ∧ DIE(JOHN). Hier liegt eine Subjekt-Subjekt Korrelation vor zwischen dem Subjekt des hit und dem (nicht-genannten) Subjekt des die. Interessanterweise aber nun gibt es Sprachen, in denen die logische Form des genannten Satzes so aussähe: HIT(JOHN, BILL) ∧ DIE(BILL), d.h. Sprachen mit einer Objekt-Subjekt Korrelation. Hier korrespondiert der Unterschied in der Morphologie der Sprachen mit einem jeweils anderen Verhalten der sich entsprechenden Argumente. Informell ausgedrückt scheint es, als läge hier im Vergleich zu einer Nominativ-Akkusativsprache eine gewisse Art der Spiegelverkehrtheit in Form und Verhalten der Argumente vor. Genau in dieses Bild paßt der 'Ergativitätsparameter' bzw. die 'Ergativitätshypothese' als eine Möglichkeit, im Rahmen des vorgestellten Modells und seiner spezifischen Annahmen auch solche Phänomene bzw. Sprachen zu behandeln: a. agent roles – assigned by predicates theme/patient roles – assigned by verbs b. agent roles – assigned by verbs theme/patient roles – assigned by predicates (MARANTZ 1984:196) In a. ist die Situation in einer Nominativ-Akkusativsprache wiedergegeben, die im übrigen in Einklang zu bringen ist mit dem weiter oben angeführten Williams-Zitat: die Theta-Rolle Agens wird zugeordnet vom predicate, sprich der VP, die Theta-Rolle Patiens dagegen wird direkt vom Verb zugewiesen. Für eine Ergativsprache gälte Struktur b., in der es genau umgekehrt ist: die Theta-Rolle Agens wird vom Verb; die Theta-Rolle Patiens dagegen von der VP zugeordnet. Das bedeutete, daß die 'spezifischen Annahmen' des Modells, hier also im wesentlichen die Differenzierung von internen und externen Argumenten und eine diese modellierende syntaktische Grundausstattung mit zwei hierarchisch distinkten Nominalkonstituenten unverändert bestehen bleiben kann (D- soll als TS; S- als OS verstanden werden): 38

(LEVIN 1987: 23,4) Danach kann Schema (iv) wie folgt konkretisiert werden bezüglich der Frage, welches das interne und welches das externe Argument ist (letztere sind unterstrichen): (v) V Arg1 Arg2 V Arg V Arg Theta Agens Patiens Agens Patiens Kasus Ergativ Absolutiv Absolutiv Absolutiv 5. Fragen I Was hätte diese Vorgehensweise für Konsequenzen? Nun, zunächst mal bedeutete sie, daß man die eher traditionellen Subjekts- und Objektsbegriffe relativieren müßte, denn nach Schema (v) wäre in einer Ergativsprache z.B. bei einem zweiwertigen Verb das Patiensargument als externes Argument die unmittelbar von S dominierte NP und somit das Subjekt des Satzes. Zu dem 'traditionellen' Subjektsbegriff paßt z.B. das folgende Zitat: Independent Existence. The entity that a b-subject refers to (if any) exists independently of the action or property expressed by the predicate. This is less true for non-subjects. Thus in a student wrote a poem the existence of the poem is not independent of the act of writing; whereas the existence of the student is. (KEENAN 1976:312) Unter Berücksichtigung der Tatsache, daß die mit den grammatischen Funktionen traditionell verbundenen Inhalte teilweise stark vorwissenschaftlichen Charakter haben, ist dagegen prinzipiell nichts einzuwenden, wenn es auch deren übereinzelsprachliche Vergleichbarkeit erschwert. 5 Logisch-semantisch bedeutet Schema (v), dass eine Ergativsprache eine fundamental andere Prädikationsstruktur hat als eine Nominativ-Akkusativsprache: während ein zweiwertiges Verb in einer Nominativ-Akkusativsprache in diesem Modell logisch betrachtet als (VERB(PATIENS))(AGENS) auftritt, wäre es in einer Ergativsprache (VERB(AGENS))(PATIENS). Informell ausgedrückt: während bei einem Verb wie kick die VP [kick something] das Prädikat für das Agens-Argument liefert, wäre in einer Ergativsprache [somebody kick] das Prädikat für das Patiens-Argument. Hier ist die Frage angebracht, inwieweit eine solche Annahme auch gestützt ist durch entsprechende sprachliche Daten. Verbalphrasen mit intransitiven Verben einerseits und transitiven Verben plus Patiens- Argument andererseits bilden im Englischen eine (syntaktische) Distributionsklasse. Gibt es in einer Ergativsprache entsprechend Paradigmen für VP, die nur aus einem intransitiven Verb bestehen einerseits und VP, die aus einer Kombination aus Verb und Agens-Argument bestehen andererseits? Noch ein weiterer, etwas abstrakterer Punkt: so die Prädikationsstruktur eines Satzes Einzug findet in dessen logische Form bzw. daraus ablesbar ist, und die logische Form ihrerseits eine Schnittstelle ist zu einem (wie auch immer gearteten) semantisch/konzeptuellen System – implizieren die unterschiedlichen Prädikationsmuster in Nominativ- und Ergativsprachen dann auch einen Unterschied in der kognitiven Grundausstattung der Sprecher der jeweiligen Sprache? 5 Hier könnte man vielleicht auf die Idee kommen, daß die grammatischen Funktionen in einer Ergativsprache sowieso eine andere Rolle spielen, bzw. daß es gar keinen Sinn macht, sie bei der Beschreibung einer Ergativsprache zu verwenden. Diese Annahme ist allerdings nur schwer mit dem 'erweiterten Projektionsprinzip' in Einklang zu bringen, dessen Kernaussage ja genau darin besteht, daß jeder Satz ein Subjekt haben muss. 39

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