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Das dynamische Paradigma in der Linguistik - Universität Bremen

Das dynamische Paradigma in der Linguistik - Universität Bremen

Dynam.Paradigma Idee und Programm _________________10 erscheint. Dies hätte allerdings komplexe Darstellungen und Diskussionen erfordert, weshalb wir diesen Aspekt nicht berücksichtigt haben. Die dynamische Modellbildung in Teil II (Kapitel 4 und 5) theoretisiert eine zentrale Fragestellung, nämlich wie es überhaupt zur Repräsentationsstruktur der Sprache kommt und welche fundamentalen Fehlentwicklungen dabei auftreten können. Thematisiert wird wiederum nur ein Fenster auf der Raumzeitskala der Sprachprozesse; im Wesentlichen die Ontogenese bis zum Auftreten erster Mehrwortäußerungen (etwa bis zum 18. Monat) und beim autistischen Kind bis zum Auftreten der organisierten Sprache (etwa im 5. Lebensjahr). Parallele oder vorgängige Reifungsprozesse organischer Natur bleiben ebenso im Hintergrund wie der spätere, stärker auf die rezipierte Sprache der Erwachsenen ausgerichtete und kreativ regelbildende Spracherwerb des Kindes. Auch die in der Anfangsphase beobachteten Sozialisationsprozesse zwischen Mutter und Kind, sowie die Expansion der Wahrnehmung und Kontrolle der Objektwelt durch das Kind werden in ihrer späteren Entwicklung nicht weiterverfolgt. So wie sprachliche Strukturen durch die übergreifenden morphogenetischen Prozesse geformt werden, entstehen auch die Archetypen sozialer Beziehungen und Rollen und wesentliche Sehweisen auf die Welt der natürlichen Objekte und der Artefakte. Die Konsequenzen für soziologische und naturwissenschaftliche Theorien könnten ins Auge gefasst werden. Schließlich berührt die "dynamische Sprachtheorie", wie die Arbeiten René THOMs klar zeigen, fundamentale philosophische und wissenschaftstheoretische Fragestellungen. Auch die Logik in ihrer Rolle für die Semantik, die Sprachphilosophie und die Erkenntnistheorie wäre neu zu überdenken (vgl. Ansätze in WILDGEN, 1985b: Kapitel 7 und 8). Diese lange Liste von Desiderata und offenen Problemen soll eine Ermunterung für andere Forscher sein, das Bild der "dynamischen Sprachtheorie" zu vervollständigen. Uns genügt es, wenn vorerst an zentralen Problemfeldern die Fruchtbarkeit des neuen Paradigmas deutlich wird. Wir hoffen, dieser Erwartung mit dem vorliegenden Buch gerecht zu werden. 1.5 Nachtrag: Postskriptum 2005 Nach dem Erscheinen des Buches: Dynamische Sprachtheorie (1987), dessen erster Teil in leicht überarbeiteter Fassung zugänglich gemacht wird, nachdem das Buch vergriffen ist, sind natürlich viele weitere Arbeiten erschienen. Von René Thom ist hauptsächlich sind hauptsächlich die beiden Bücher: 1988. Esquisse d’une sémiophysique. Physique aristotélicienne et théorie des catastrophes, zu nennen, in dem er einerseits die aristotelischen Grundlagen seines theoretischen Denkens offen legt, andererseits seine Theorie der Prägnanz weiter ausführt. 1990. Apologie du logos. Dieser Band enthält eine Serie von Artikeln und Vorträgen, darunter fünf Artikel zur Semiotik. Nach René Thoms Tod, 2002, erschien eine CD-Rom der gesammelten Werke Thoms, die beim Institut des Hautes Études Scientifiques, Bures- sur-Yvette, rue de Chartre 45 bestellt werden kann. Diese Dokumentation enthält auch unveröffentlichte Manuskripte und stellt jetzt die Standard-Referenz dar. Siehe zur Theorie der generalisierten Medien im Vergleich zur Philosophie symbolischer Formen Cassirers Wildgen (2001d), 2003 und Kapitel 10 in Wildgen (2004). Diese Problematik wurde nach 1987 in Wildgen (1994) und (2002a) weiterbearbeitet.

Dynam.Paradigma Idee und Programm _________________11 Zwei Sammelbände mit Kongress-Beiträgen zum Werke von René Thom sind ebenfalls nach 1987 erschienen: 1988 erschien endlich der Band mit den Beiträgen des zehntägigen" colloque de Cerisy“ zum Werk von René Thom in dessen Gegenwart (1982). Hier wird die ganze Spannweite der Anwendungen sichtbar. Die „semiolinguistischen“ Beiträge sind dabei deutlich in der Minderheit (SEILER und WILDGEN). 1994 erschienen die beiden Bände der Konferenzbeiträge in Bures-sur-Yvette (Paris) zum Thema: Passion des Formes. Dynamique qualitative, Sémiophysique et Intelligibilité. Sie enthielten fünf linguistische Beiträge (STJERNFELT, VICTORRI, BRANDT, POTTIER, SEILER). Zwischen 1987 und 2005 wurden viele kleinere Arbeiten unter Verwendung der Katastrophentheorie (und damit verwandter Modelle) in der Linguistik und Semiotik publiziert. Ich will nur einige Monographien nennen, um damit die Anwendungsbereiche und deren Entwicklung zu dokumentieren: Jean Petitot-Cocorda publizierte 1992 das Buch: Physique du Sens. De la théorie des singularités aux structures sémio-narratives. Die Kapitel VI (Structuralisme substantiel. Introduction à la bio-linguistique thomienne) und VII (Structuralisme formel. Morphodynamique des structures sémio-narratives) fassen die semiotischen und linguistischen Aspekte zusammen. Im Kapitel über kritische Phänomene (Kapitel V) werden auch chaos-theoretische Ansätze in die Bearbeitung integriert. Seit den 90er Jahren gibt es eine starke Konvergenz von Morphodynamik und Kognitionswissenschaft, die auch spätere Arbeiten Petitots prägt (siehe seinen Beitrag zum Sammelband von Robert F. Port und Timothy van Geldern, 1995. Mind as Motion. Explorations in the Dynamics of Cognition, und andere Beiträge dort). Die Arbeiten zu Ästhetik, die Jean Petitot über viele Jahre verfolgt hatte, wurden in einem Band von 2004 zusammengefasst: Morphologie et Esthétique. La forme et le sens chez Goethe, Lessing, Lévi-Strauss, Kant, Valéry, Husserl, Eco, Proust, Stendhal. In diesen Arbeiten zeigt sich, dass der morphologische Ansatz den Übergang von der Sprache insbesondere in das visuelle Medium, d.h. von der linguistischen Semiotik zur visuellen Semiotik, besonders leicht macht. 2003 erschien außerdem eine englische Übersetzung des französischen Buches von Petitot (1985): Morphogenesis of Meaning, in der Serie: European Semiotics bei Lang, Bern. Ein Zentrum der Dynamischen Semiotik war seit den 80er Jahren das Institut für Allgemeine Semiotik der Universität Aarhus (Dänemark). In zahlreichen Artikeln und drei Monographien entwickelte Per Aage Brandt die morphodynamische Semiotik weiter und verband sie seitdem mit Arbeiten zur kognitiven Semantik und Neurosemiotik. Ästhetische Fragen spielten dabei ebenfalls eine zentrale Rolle. Siehe: 1992. La charpente modale du sens. Pour une sémio-linguistique morphogénétique et dynamique. Dieses Buch ist eine reduzierte Fassung der 1987 an der Sorbonne (Paris) verteidigten „ Thèse d’État“ (Doktorarbeit) und befasst sich im Zentrum mit Fragen der Modalität. 1994. Dynamique du sens. Études de sémiotique modale. Dieser Band umfasst die Arbeiten nach der Doktorarbeit (1987), kommentiert semiotische Ansätze von Saussure, Brøndal, Hjelmslev und Eco und bezieht sich auch auf Arbeiten von Freud und Talmy.

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