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Das dynamische Paradigma in der Linguistik - Universität Bremen

Das dynamische Paradigma in der Linguistik - Universität Bremen

Dynam.

Dynam. Paradigma ______ Linguistische Anwendungen__________________ (b) Mittlere Anpassung, keine Präferenz (k = k0 = 2; h = 0) An dieser Grenze der stabilen Phase sehen wir ein breites Spektrum vom Abweichungen mit geringer Richtungstendenz (shift), aber hoher Fluktuation. Abb. 3.41: Breite Verteilung bei mittlerer Anpassung. (c) Jenseits des kritischen Wertes des Anpassungsparameters (ko = 2) kommt es zur Polarität. Wir betrachten den Fall k = 2,5; h = 0. Abb. 3.42: Entstehung einer Polarität bei höherer Anpassung. Es gibt Veränderungsflüsse in beide Richtungen, also zur Sprache N und H. Allerdings sind wir von einer neutralen Präferenz ausgegangen (h = 0). Wenn wir die Präferenz nur geringfügig verändern, kippt die Situation auf die Seite der Präferenz, die Symmetrie in Abb. 3.42 wird gebrochen. (d) Anpassung jenseits des kritischen Wertes und leichte Präferenz für eine Sprache (k = 2,5; k = 0,01). 122

Dynam. Paradigma ______ Linguistische Anwendungen__________________ Abb. 3.43: Asymmetrische Distribution bei leichter Präferenz. Die Situation (d) ist für unseren Fall deshalb von besonderer Relevanz, weil sie zeigt, dass bei verstärkter, individueller Anpassung in einer generell sozial gelockerten Situation (A/K > 0) eine durch verstärkte Fluktuationen gesteuerte Polarisierung ausgelöst wird; diese ist aber in instabiler Symmetrie, so dass die geringste Verschiebung der Präferenz (etwa die Hoffnung, mit Hochdeutsch den sozialen Aufstieg, insbesondere vermittelt durch die Schule, für sich oder seine Kinder zu ermöglichen oder die Einheitseuphorie der 70ger und 80ger Jahre) bereits die Situation kippen lässt und so in kurzer Zeit zu einer radikalen Veränderung der gesprochenen Stadtsprache führt. In WILDGEN (1986a) wird diese synergetische Modellbildung sowohl mathematisch als auch empirisch detaillierter ausgeführt. 3.6.3 Ordnung und Chaos in der sozialen und räumlichen Distribution von Sprachvarianten Wir haben im vorherigen Abschnitt eine Anwendung stochastischer dynamischer Systeme gezeigt, wir wollen zum Schluss ein weniger formales Konzept zur Anwendung der Theorie chaotischer Strukturen angeben. Die Schwierigkeit für eine solche Modellbildung liegt bereits in der Trennung von "Lärm", Zufallstreuung im stochastischen System und Chaoseigenschaften im deterministischen System. Beide Systemtypen, die nichtdeterministischen, probabilistischen Systeme und die deterministischen Systeme, haben beim Vorliegen chaotischer Strukturmuster fast gleiches Aussehen, so dass nur eine sehr genaue, empirisch überprüfte Modellbildung zwischen beiden unterscheiden kann. Wir können in Anbetracht des programmatischen Charakters dieses Abschnittes nur die Möglichkeit einer Modellierung mit Hilfe der Mathematik chaotischer Systeme angeben. Was als erste Analogie bei der Betrachtung von Sprachatlanten, insbesondere dann, wenn sie Isoglossen (d.h. Linien, welche die Räume einer Variante begrenzen) enthalten, auffällt, ist der Fraktal-Charakter der Linien. Eine starke, trennscharfe Isoglosse kann z.B. die Linien von ca. 500 Karten bündeln. Betrachtet man eine solche Linie genauer unter einem arealen oder gar sozialen Mikroskop (evtl. durch feinere Erhebungen gestützt), so zeigt sich, dass das, was eine einfache Linie war, sich zerfasert, in Mäander und Knäuel auflöst; d.h. die Linie, welche Flächen trennte, wird selbst zu einer flächenfüllenden Kurve. Diese Linien, die wir bei geographischen Grenzen (etwa Küstenlinien, natürlichen Flussläufen usw.) ebenfalls vorfinden, werden Fraktals genannt, da sie eine Dimension haben, die keine ganze Zahl ist. In unserem Beispiel hätte eine klare Trennlinie der Areallinguistik die Dimension 1, die Fläche, die im Atlas repräsentiert ist, hat die Dimension 2; das Linienknäuel und Gestrüppe einer mikroskopischen Analyse jedoch hat eine Dimension zwischen 1 und 2 (wohl näher an 1). 123

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