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Das dynamische Paradigma in der Linguistik - Universität Bremen

Das dynamische Paradigma in der Linguistik - Universität Bremen

Dynam.

Dynam. Paradigma ______ Linguistische Anwendungen__________________ Abb. 3.7: Drei Stufen der Entfaltung des Vokalraumes. Dieses Schema, das in den Stufen (1) und (2) nicht streng geordnet ist, da beide auf der ersten Stufe aufbauen, entspricht grob der implikativen Hierarchie, die CROTHERS (1978) angibt. Wir systematisieren seinen Implikationsgraphen etwas: Abb. 3.8: Dynamische Interpretation des Implikationsgraphen nach CROTHERS. 60

Dynam. Paradigma ______ Linguistische Anwendungen__________________ Die fünf eingekreisten Vokale gelten als Basissystem. Unsere beiden ersten Stufen würden dagegen zu einem System mit den Vokalen: /a/ /i/ /u/ /ε/ /o/ /у/, also sechs Vokalen führen. Eine genauere Modellierung müsste auf die Randbedingungen der Artikulation, die Nebenfaktoren und die Stabilitätsbereiche bei der auditiven Kategorisierung Bezug nehmen. In erster Annäherung erweist sich jedoch das qualitative Instrumentarium der Katastrophentheorie als sehr hilfreich bei der systematischen Organisation komplexer Feldbeziehungen in der Phonologie (theoretischen Phonetik). 3.2.2 Die Emergenz phonologischer Strukturen Die qualititative Betrachtung auditorischer "Felder" im vorherigen Abschnitt kann verschärft werden durch eine quantitative Betrachtung. Dabei muss sorgfältig darauf geachtet werden, dass keine apriori-Quantelung des phonetischen Kontinuums eingeführt wird. Gelingt es, auf der Basis eines metrisierten Artikulationsraumes die Emergenz phonologischer Strukturen zu erklären, so ist nicht nur eine Wiederanbindung der Phonologie an die Phonetik und die Reduzierung pseudorealer Entitäten wie Merkmale, Phoneme, Oppositionsstrukturen erreichbar, es kann auch die Morphogenese phonologischer Muster in der Ontogenese und der Sprachgeschichte funktional erklärt werden. Ein Erfolg versprechender Versuch wurde von LINDBLOM u.a. (1984) vorgelegt; wir wollen die aus der Perspektive einer dynamischen Sprachtheorie relevanten Aspekte kurz hervorheben. Die Autoren gehen von einem dreidimensionalen Raum mit den Formanten F1, F2, F3 zur Charakterisierung der Vokale und der Formanten F2, F3, F4 zur Lokalisierung einer Subgruppe stimmhafter Konsonanten aus. Dieser Raum wird unabhängig von der Phonemrealisierung mit logarithmischen Distanzen gequantelt, so dass eine diskrete Computersimulation möglich wird. Der eigentliche Ereignisraum der Modellbildung bleibt jedoch kontinuierlich. Die instrumentelle Aufgliederung des Realisationsraumes ergibt die Vokalpositionen in Tabelle 2: Tabelle 2: Ergebnis der Simulation. Simuliert wird die Entstehung eines Systems von Einsilbern mit oder ohne phonologischen Kontrast und damit die Emergenz eines phonologischen Systems. Als Randbedingungen gelten (vgl. ibidem: 191): A. Sprecherbedingungen 1. Sensorische Unterscheidbarkeit 2. Wahl einer "weniger extremen" Artikulation B. Hörerbedingungen 3. Perzeptuelle Distanz 4. Perzeptuelles Hervorstechen (salience) Die jeweiligen Maße werden anhand experimenteller Ergebnisse im Realisationsraum (vgl. oben) operationalisiert. Das Gesamtsystem unterliegt einer Optimierungsregel, welche eine ausreichende perzeptuelle Differenzierung (beim Hörer) bei gleichzeitig möglichst geringen Artikulationskosten (beim Sprecher) fordert. Das Simulationsverfahren beginnt bei einer beliebigen Kombination von Konsonant + Vokal (CV) und sucht gemäß der Optimierungsregel die beste Silbe; von dieser ausgehend wird der Prozess weiter iteriert. In 61

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