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Das dynamische Paradigma in der Linguistik - Universität Bremen

Das dynamische Paradigma in der Linguistik - Universität Bremen

Dynam.

Dynam. Paradigma ______ Linguistische Anwendungen__________________ dem Verfahren von LINDBLOM wird diese Prozedur mit k Schritten für alle (19 x 7) = 133 Kombinationen durchgeführt. Bei k = 24 (willkürlich angesetzte Länge der Serie) erhält man 3192 Silben. Es zeigt sich nun, dass diese Silben sich wie reale Phonemsysteme zwischen einer kompakten Ausbeutung phonemischer Kontraste (als vollständige Kontrastmatrix) und einer holistischen Verteilung (ohne phonemische Kontraste) verteilen. Die berechnete Ausbeutung von Kontrasten liegt bei 62 % (ibidem: 197). Neben dieser Ähnlichkeit zu realen Phonemsystemen ist aber auch der Aspekt der möglichen Entstehungsabfolgen innerhalb des simulierten Systems interessant. Anhand der Häufigkeitsverteilung der Optimalisierungen nach dem definierten Kriterium (vgl. oben) lässt sich eine ideale Abfolge konstituieren, die wir in Abb. 3.9 angeben (vgl. Fig. 9, ibidem: 198). Abb. 3.9: Ideale Abfolge von Silben in der Selbstorganisation. Während zuerst auf der Basis der Optimierungsregel immer nur eine Silbe in Frage kommt, gibt es später (gestrichelte Linie) mehrere Lösungen; die Morphogenese wird unbestimmt. Die Autoren sehen in solchen Simulationen die Möglichkeit, ohne Apriori-Einheiten wie Merkmale und Phonemstrukturen, die vom Kind kaum festzustellen sind, die Ontogenese kindlicher Phonemsysteme zu erklären. Auf der Basis der physiologischen Möglichkeiten werden zufällige Strukturen erzeugt, welche sich erst sekundär durch kooperative Effekte in der Sprecher – Hörer – Interaktion zu Mustern höherer Regularität selbst organisieren. Das Resultat der Selbstorganisation weist dann, wenn man es mit phonologischen Methoden untersucht, die bekannten Regularitäten auf, die wir als Merkmalsraum und Phonemsystem bezeichnen, ohne dass diese deskriptiv rekonstruierten Einheiten und Dimensionen in der Genese des Systems eine reale Existenz oder auch nur Relevanz gehabt hätten. Ebenso wie die Termiten keine angeborenen Baupläne ihrer kompliziert angelegten Hügel besitzen (vgl. PRIGOGINE 1976), müssen auch die Kinder nicht über ein "blue-print" des späteren Sprachsystems verfügen. Die Kompetenz des Sprechers erweist sich in dieser Betrachtungsweise als ein Produkt von Performanzprozessen und die Kompetenztheorie als ein Artefakt des post hoc mit externen Analysetechniken am Produkt operierenden Linguisten. Sie ist eine Art sekundärer Morphogenese beim instrumentell und systematischlogisch operierenden Beschreibenden (vgl. auch eine ähnliche Kritik am Strukturalismus in 62

Dynam. Paradigma ______ Linguistische Anwendungen__________________ der Tradition von CHOMSKY bei MATURANA und VARELA, 1980 und in WILDGEN, 1984b). 3.2.3 Verzweigungen und Selbstorganisation in der historischen Phonologie Wir wollen zwei Beispiele untersuchen, welche für die historische Phonologie repräsentativ sein sollen: (a) Die Entwicklung des /a/ in der Geschichte des Deutschen. Dieses Beispiel steht für die historische Analyse einzelner Lautklassen, wie sie vor dem Strukturalismus üblich war. (b) Die Entwicklung des Systems der Langvokale im Englischen (die so genannte große Vokalverschiebung). An diesem Beispiel lassen sich die strukturalistischen Methoden in unserem dynamischen Rahmen rekonstruieren. ad a: Die Entwicklungen, die zum neuhochdeutschen (kurzen) /a/ seit dem Indogermanischen führen. Wenn wir die wichtigen und gesicherten Veränderungen berücksichtigen, erhalten wir den folgenden Verzweigungsbaum (vgl. PENZL, 1979: 143, wir haben nur kleine Veränderungen vorgenommen). 63 Abb. 3.10: Die historische Entwicklung von kurzem und langem /a/ im Deutschen als schema-

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