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Das dynamische Paradigma in der Linguistik - Universität Bremen

Das dynamische Paradigma in der Linguistik - Universität Bremen

Dynam.

Dynam. Paradigma ______ Linguistische Anwendungen__________________ Abb. 3.12: Zeitverschiebung über eine absolute Grenze und Sprung in eine andere Realisationsform, vom Monophthong zum Diphthong. Interessant an diesem Prozess ist der qualitative Sprung am Rand der realisierbaren Skala. Da eine Verschiebung über diesen Rand nicht möglich ist, kommt es zu einer Bifurkation anderen Typs, die analog einer Hopfbifurkation verläuft. Nach dieser Bifurkation ist der Attraktor nicht mehr ein Feld mit Fokus, sondern ein Bewegungsablauf, der selbst stabil ist und damit eine neue phonologische Kategorie bildet. Wird der Diphthong isoliert ausgesprochen (normalerweise ist seine Artikulation an die vorangehenden und nachfolgenden Laute angebunden), so kann man grob von einer quasi-zyklischen Bewegung um die Ruheposition ausgehen. Abb. 3.13 illustriert diese Auffassung und macht damit die Nähe zur Hopfbifurkation (vgl. Kap. 2.3; Abb. 2.16) deutlich (allerdings müsste eine detaillierte geometrisch-phonologische Analyse dieser Rekonstruktion vertiefen, vgl. im Ansatz PETITOT-COCORDA, 1985a; für eine vergleichbare systemtheoretische Modellierung vgl. NÖTH, 1983). 66

Dynam. Paradigma ______ Linguistische Anwendungen__________________ Abb. 3.13 Quasizyklische Bewegung bei der Artikulation der Diphthonge. Die historische Veränderung der Langvokale kann somit als eine dynamische Erscheinung mit zeitabhängiger Verschiebung der Skala und Hopfbifurkation interpretiert werden. Dieses Beispiel zeigt die Selbstorganisation des Systems und damit seine Unabhängigkeit von äußeren Bewegern, welchen lediglich die Rolle als Erzeuger von "Lärm" und Unruhe im System und bei der Fixierung der Randbedingungen der Selbstorganisation zukommt. Für den Bereich der Konsonanten ist es wesentlich schwieriger, die akustischen, organogenetischen und auditiven Korrelate genau zu fixieren und eine kategoriale Landschaft in natürlichen Kontrasten, Konflikten, Nähebeziehungen zu definieren. PETITOT-COCORDA (1985a) hat einen ersten Versuch unternommen, die Konfliktlinien im Feld der Konsonanten: /b/, /d/, /g/, /p/, /t/, /k/ auf der Basis experimentalphonetischer Ergebnisse zu erschließen. Immerhin ist erwähnenswert, dass Theo VENNEMANN (1984) eine Neuformulierung der GRIMMschen Lautverschiebungstheorie entwickelt hat, die er als "Verzweigungstheorie" bzw. "Bifurkationstheorie" (ibidem: 24) bezeichnet. Er ersetzt dabei die Hypothese eines linearen Wandels des Feldes der stimmlosen unaspirierten Fortisplosive zu aspirierten Fortisplosiven und schließlich zu Affrikaten durch die Hypothese einer Bifurkation, also eines "verzweigenden Nebeneinanders" (ibidem). In den Begriffen der dynamischen Sprachtheorie ersetzt VENNEMANN eine thermodynamisch-stochastische Beschreibung, nämlich den Diffusionsprozess der zweiten (althochdeutschen) Lautverschiebung durch eine elementarere Operation, die Bifurkation des gemeinsamen urgermanischen Phonemsystems in das (streng) hochgermanische und das (streng) niedergermanische Phonemsystem. In Anbetracht der Schwierigkeiten bei der exakten Explikation des Diffusionsprozesses (vgl. HARD, 1972 für eine erste Simulation) ist die Zurückführung auf eine Dynamik einfacheren Typs ein theoretischer Gewinn. Letztlich wird natürlich die Konfrontation mit Fakten der Sprachgeschichte, soweit deren Lückenhaftigkeit dies erlaubt, über die alternativen Modelle entscheiden. Generell haben historische Prozesse des Sprachwandels das Handicap, dass wir über die Detailprozesse wenig wissen und selbst das Produkt der Prozesse nur ungenau anhand schriftlicher Quellen (und einer Rekonstruktion der Aussprache) bestimmen können. 67

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