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Das dynamische Paradigma in der Linguistik - Universität Bremen

Das dynamische Paradigma in der Linguistik - Universität Bremen

Dynam.

Dynam. Paradigma ______ Linguistische Anwendungen__________________ Eva existiert M1 Ein Apfel existiert M3 Adam existiert M2 Wie dieser Abschnitt gezeigt hat, können wir bei konstanter Attribution eine ganz natürliche Hierarchie von Sätzen ableiten. Diese Ableitung zeigt gleichzeitig auch die zentralen semantischen Archetypen. Nicht behandelt wurden jedoch die halb-elementaren und die höheren Archetypen (vgl. WILDGEN, 1982a und 1985a). 3.3.4 Einige interne Erweiterungen der Archetypensemantik In seinen späteren Arbeiten (Ende der 70er, Anfang der 80er Jahre) hat THOM versucht, das Lexikon natürlicher Sprachen auf zwei grundlegende Dimensionen zu projizieren, und daraus die innere Dynamik der Prädikation abzuleiten. Eine Dimension ist zwischen den Polen: Raum x Zeit, bzw. subjektive Raum-Zeit-Wahrnehmung und Kontrolle von Objekten in Raum und Zeit: s und dem Ich-Bezug des situativen Sprechers Φs definiert. Die subjektive Raum x Zeit ist jener Bereich, auf den sich dem Lokalismus nahe stehende Archetypensemantik (vgl. vorheriger Abschnitt) primär bezieht. Dieser Pol stellt den relativ statischen, intersubjektiv vergleichbaren und somit gemeinsamen Weltbezug von Sprache sicher. Das Ich-Zentrum des situativen Sprechers jedoch ist extrem variabel über die Sprechergruppe und die Sprechsituation; es ist immer nur für ein Hier- und- Jetzt des Sprechens festgelegt. Diese Zweiteilung kann man mit der in der Logik üblichen Aufteilung in extensionale und intensionale Semantik oder mit der Trennung von welten- und kontextunabhängiger referentieller Semantik und von Welt-Kontextindices und performativen Kräften abhängiger pragmatischer Semantik in Verbindung bringen. Die zweite Dimension in Abb. 3.19 erfasst den inferentiell geschichteten Aufbau besonders des Lexikons der Konzepte. THOM nennt diese Dimensionen semantische Dichte oder semantische Komplexität. Maximal bestimmte Einheiten, etwa Eigennamen und Konkreta, sind semantisch dichter als Abstrakta. Auf diese Dimension ist implizit bereits mit unserer Hierarchie von Attributionen für die Klasse der Verben (lokalistische, qualitative Attribution, Phasen- und Handlungsattribution) hingewiesen worden. Für Substantive gibt THOM z.B. die Reihe an: man/woman > animal > thing > matter (> = größere semantische Dichte). Die semantische Dichte ist von der Dimension Raum x Zeit vs. Sprecher (Ego) abhängig, da sie am statisch-intersubjektiven Pol besser ausgeprägt ist und zum Ego-Pol hin zusammenfällt. Abb. 3.19 illustriert die beiden Dimensionen, die THOM vorschlägt und ordnet bestimmten Skalenbereichen lexikalische Typen zu; außerdem werden gestrichelt zwei Hauptfelder (Attraktoren mit positivem Gradienten) auf der unteren Skala angegeben. 78

Dynam. Paradigma ______ Linguistische Anwendungen__________________ Abb. 3.19: Lexikalische Typen in einem zweidimensionalen Raum (Dichte, Refernenztyp) geordnet. Die Verben/Adjektive liegen an der Schwelle der beiden Felder und sind deshalb die Kerne einer Bewegung, welche Ego und Welt in eine dynamische Beziehung bringt. Die elementare Bewegung im polaren Feld ist die Prädikation. Besonders deutlich ist dieser Charakter der Prädikation in frühen Zwei-Wort-Äußerungen ausgeprägt; etwa: "Papa hier". (1) "Papa" ist eine maximal dichte Entität im Feld der subjektiven Raum x Zeit- Stabilität des Kindes, (2) "hier" bezieht sich auf das Ego des Sprechers und seinen jeweiligen Standort zum Zeitpunkt des Sprechens. Diese Grunddynamik wird durch das soziohistorisch konstituierte Lexikon und die Diskurs- und Textschemata sekundär überformt, liegt aber als Basisstruktur der Syntax zugrunde. Insbesondere die Verben erhalten, wie die Archetypensemantik erläutert, eine mehrfache Integrationsfunktion, so dass komplexere Satzgebilde mit mehreren Aktanten möglich werden. Die Dimension der Dichte wird insgesamt durch die Sozialisation (und langfristig über die in der Sozialisation vermittelten, tradierten Sprachstrukturen) stark erweitert, ohne dass jedoch die prinzipielle Ego- und Kontextabhängigkeit dadurch eliminiert würde. In der Sprachreduktion ebenso wie im Spracherwerb bleiben die dynamisch elementaren Grundstrukturen noch sichtbar (für eine Analyse von Reduktionsprozessen siehe WILDGEN, 1985b). Das in einer Sprache vorfindliche Inventar von festen Sprachformen (z.B. Wörtern, idiomatischen Ausdrücken) bildet diese bipolare Struktur, zumindest in sehr grober Form wieder ab. Die Feinstruktur, also das was normalerweise in der Lexikologie thematisiert wird, scheint mir eine polyzentrische Genese zu haben. Folgende Bereiche sind dabei zu berücksichtigen: (a) Die Morphogenese des Bedeutsamen, also des für eine Versprachlichung in Frage kommenden. (b) Die historische Morphogenese des lexikalischen Materials. Die Wörter (oder typologisch entsprechende, relativ feste Einheiten) werden von Generation zu Generation anhand mehr oder weniger konstanter Designata weitergegeben. Dabei 79

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