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Das dynamische Paradigma in der Linguistik - Universität Bremen

Das dynamische Paradigma in der Linguistik - Universität Bremen

Dynam.

Dynam. Paradigma ______ Linguistische Anwendungen__________________ treten Verschiebungen in den semantischen Abbildbeziehungen ein (außerdem verändern sich die Wortformen und häufig auch die Designata, vgl. die Forschungstradition "Wörter und Sachen"). Die historische Semantik erfasst die Aufspaltungen, Neutralisierungen, Erweiterungen und Spezialisierungen im semantischen Bereich. Diese Morphogenese ist eine Entwicklung in der Kollektivität der Sprachteilnehmer auf dem Hintergrund von Variationen im Designat- und Sprachbereich und reagiert auf die normalen Unsicherheiten bezüglich der genauen Abbildungsbeziehungen in der Sprachpraxis. (c) Eine dritte Stufe wird durch die Aktualgenese in der Sprachverwendung konstituiert; dabei können nicht nur neue Wortformen mit entsprechender Bedeutungsstruktur geschaffen werden (z.B. in der ad hoc-Komposition; vgl. WILDGEN, 1982b, c, 1985b, 1987b), es wird auch bei jeder Verwendung eines Wortes im aktuellen Kontext eine spezifische Auswahl möglicher Interpretationen getroffen und diese werden bis zu einer gewissen "Schärfe" kontextabhängig indexikalisiert. Die von BALLMER (1981, 1982a, b) vermutete evolutionäre Dimension des Verbwortschatzes hat somit unterschiedliche Quellen; eine unmittelbare Beziehung zwischen evolutionären Mechanismen und Lexikonstrukturen ist bisher nicht plausibel gemacht worden. Die relative Passung von evolutionären Hypothesen mit vorfindlichen Lexikonstrukturen ist am ehesten über die Morphogenese des Bedeutsamen (in a), also über eine verhaltenstheoretisch fundierte Semantik, zu erklären, wobei allerdings erst die relativ starken und umstrittenen Voraussetzungen einer evolutionären Erkenntnistheorie geprüft werden müssten. Möglicherweise sind die oberflächlichen Beziehungen zwischen evolutionärer Systembildung und Lexikon entweder über andere kognitive und motorische Fähigkeiten vermittelt oder sie sind lediglich durch parallele Forschungstraditionen in ihrer primafacie Evidenz bedingt und stellen somit keine echten Kausalbeziehungen dar. Über die letztlichen Ursachen, welche die Rekurrenz archetypischer Muster in Natur und Sprache verursachen, vermögen wir derzeit nichts Sicheres auszusagen. Es scheint es uns günstiger zu sein, zuerst jene Strukturquellen, welche in der Ontogenese liegen, auszuschöpfen, da sie einer Beobachtung besser zugänglich sind. Neurobiologische oder gar evolutionäre Begründungen sind erst in zweiter Instanz heranzuziehen, insofern die Ontogenese selbst in ihrer Stabilität erklärungsbedürftig ist. Das Klassifikationsergebnis von BALLMER und BRENNENSTUHL, das prägnant in dem dreidimensionalen Modell der Entfaltung des "Lexikons der Sprache" zur Anschauung kommt, wäre demnach theoretisch neu zu interpretieren (vgl. WILDGEN, 1987a für einen ersten Versuch). Abb. 3.20 zeigt den lexikalischen Entfaltungsraum (nach BALLMER, 1982b: 512). Zur Phylogenese der Sprache vgl. Wildgen (M2004). 80

Dynam. Paradigma ______ Linguistische Anwendungen__________________ Abb. 3.20: Entfaltung des Verb-Lexikons einer Sprache nach BALLMER. Die so genannten "Hüte" sind aus der Perspektive der Archetypensemantik bereits sehr globale Strukturen. Als Basis können wir von einem Archetyp der Existenz als beiderseitig geschlossenem "Lebensintervall" ausgehen. Abb. 3.21 zeigt diesen Prozesstyp, der aus der negativen Kuspe (A-3) ableitbar ist. Abb. 3.21: Katastrophentheoretische Interpretation der „Hüte“. An den jeweiligen Bifurkationskatastrophen von Typ "Falte" (bzw. "Rand") links und rechts verschwindet der Handlungsaktant, die Interaktionssituation ist "berandet". Die attributive Entfaltung des Archetyps und seine sprachlichen Realisierungen ergeben eine Menge lexikalischer Einheiten (z.B. Verben), welche umso mächtiger ist, je relevanter (im Sinne der Attributionssemantik) der Substratbereich (das ontologische Feld) ist. Wenn wir einen Mittelpunkt des Existenzbereiches postulieren, etwa ein Zentrum des Geschehens, einen 81

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