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Das dynamische Paradigma in der Linguistik - Universität Bremen

Das dynamische Paradigma in der Linguistik - Universität Bremen

Dynam.

Dynam. Paradigma ______ Linguistische Anwendungen__________________ Prozesse sehr variabel und auch für den Sprecher mit Unsicherheit und Risiken behaftet. Wir wollen uns in diesem Buch lediglich mit dem Problem der Satzverknüpfungsbeziehungen befassen. Diese Strukturen erweitern die Archetypensemantik in Richtung auf eine einzelsprachliche Satzsemantik. Der dynamische Charakter der unter (b) und (c) genannten Phänomene ist ausreichend deutlich; allerdings müsste auch eine exemplarische Analyse die vorliegenden Daten und deren Beschreibung zuerst überprüfen, bevor ein Selbstorganisationsmodell entworfen werden kann. Im Folgenden gehe ich von der Skizze der stärker prozessualen Syntax in KINDT (1985) aus. Sie wird empirisch am Problem der Beschreibung von Ellipsen, die aus dem syntaktischen Kontext vervollständigt werden können, entwickelt. Walther KINDT führt zwei Strukturtypen an: (1) Argumentpole und deren Besetzung (wobei auch Mehrfachbesetzungen, besonders in der Ellipse erfolgen können). (2) Wertpole: sie ermöglichen koordinative Verschaltungen. Die logischen, wahrheitswertigen Operationen werden an diese Wertpole angeschlossen (vgl. ibidem: 239 ff.). KINDT entwickelt sein Modell für Sätze wie: Michael läuft oder Harro a b k a' Nach der von KINDT vorgeschlagenen Analyse erhalten wir das folgende Schema: Abb. 3.27: Modell von KINDT. Die Valenz der Elemente, d.h. die Anzahl der Argumentpole, ist im Lexikon vorgegeben und hat einen ikonischen Bezug zur Prozessstruktur und zu wahrgenommenen relationalen Mustern (vgl. Kap. 3.3). Wichtig ist, dass für eine begrenzte zeitliche (im Text räumliche) Umgebung eine aktivierte mehrpolige Verknüpfung in der Äußerung zur Verfügung steht, so dass Ellipsen, aber auch anaphorische Prozesse auf ihr operieren können. Diese Beziehungsstruktur kann auch elliptisch oder pronominal "transportiert" werden, d.h. im Gedächtnis so reaktiviert werden, dass sie über die unmittelbare Umgebung hinaus Anschlüsse ermöglicht. Wir können uns diese Verknüpfungsstruktur als ein Netzwerk im Kurzzeitgedächtnis vorstellen, in dem für kurze Zeit eine Energie fließt, die aber diffundiert, so dass die repräsentierte Struktur verblasst. Als Energiequellen dienen zerebrale Anregungen, die im Verbalisierungsprozess erzeugt wurden und die ihre Energie auf die lexikalischen Elemente und das von diesen gebildete Netz übertragen. Passt das Netz bezüglich der Argumentpole nicht zusammen, so kommt es zu keinem stabilisierenden Energiefluss, und die Struktur verblasst sofort bzw. sie kommt gar nicht als Konfiguration zustande. 92

Dynam. Paradigma ______ Linguistische Anwendungen__________________ Die Wertpole sind Bestandteile eines davon teilweise unabhängigen Mechanismus. In ihnen werden aktivierte Elemente (im Schema z.B. a und a') koordiniert, d.h. in eine logische Beziehung gebracht, verkoppelt. Anschaulich kann man sich diesen Prozess als ein Anschlussmuster vorstellen, durch das verschiedene energetische Zyklen verschaltet werden. Die Verschaltung hat im Gegensatz zur ersten keine eigenen Energiequellen, sie kanalisiert und bündelt lediglich vorhandene energiegeladene Zyklen. KINDT (1985: 270) postuliert außerdem so genannte Schließregeln, durch die ein Abschluss des Satzes als semantischenergetische Einheit erreicht wird. Die energetische Interpretation der Vorschläge von KINDT (1985) ist vorerst nur eine metaphorisch kohärente Struktur; wir wollen einen Schritt weiter gehen und eine Netzwerkrepräsentation vorschlagen, welche an die dynamische Semantik in WILDGEN (1985a) anschließt. Als Rahmen wählen wir die Theorie diskreter dynamischer Systeme (vgl. Abschnitt 2.7) und zwar spezieller den Ansatz zu einer zweidimensionalen "graph-grammar" von PFALTZ (1979). Die Grammatik operiert über diskreten planaren Graphen, die eine Repräsentation der kritischen Punkte einer kontinuierlichen differenzierbaren Funktion f (x1; x2) ist. Damit ist ein direkter Anschluss an die katastrophentheoretischen Archetypen in WILDGEN (1985a) gewährleistet. Die Produktionsregeln der Grammatik verändern kritische Stellen (Repräsentationen von Minima im Graphen) in einer spezifischen Umgebung. Sie müssen im Modelloriginal durch reale Operationen interpretiert werden. Die kritischen Punkte werden unterteilt in: relative Minima (zk), relative Maxima (xi) und Sattelpunkte (yi). Im Vergleich zur Katastrophentheorie finden wir als Instabilität lediglich Sattelpunkte, also Singularitäten des Typs A2 (Falte) vor, die allerdings nicht entfaltet werden. Das bedeutet, dass im Graphen lediglich ein Schnappschluss der Dynamik gemacht wird; d.h. die eigentliche typisierte Zeitlichkeit des Musters (im Gehirn, in der verbalen Planung) bleibt außerhalb der Betrachtung. Es wird lediglich ein Moment der Ablaufstruktur gelesen, "eingefroren". Innerhalb der katastrophentheoretischen Semantik heißt dies: es wird eine Faser des Vektorfeldes zur syntaktischen Produktion gelesen. Wir wollen dies am Beispiel des Kuspenarchetyps der Emission und des Fangens verdeutlichen (vgl. Kap. 2.2 und 3.2.2). Abb. 3.28: Das „Lesen“ einer Faser des Vektorfeldes als Verbalisierungsstrategie. In beiden Fällen wird auf der Prozessachse (externe Variable u im Modell der Kuspe) ein Wert nach/vor der Singulartät im Bereich der maximalen Struktur gewählt. Wir erhalten jeweils eine Phase des Vektorfeldes für einen Wert von u (v wurde bei diesem Archetyp 93

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