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Studien zum Sprachkontakt - Fachbereich 10 - Universität Bremen

Studien zum Sprachkontakt - Fachbereich 10 - Universität Bremen

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108 Pierre Cadiot in einem vielleicht erweiterten Sinne — in diesen “Vorkehrungen” (dispositifs), die Themen der Rede zu sehen. Man erkennt, daß sie negativ durch ihr Außerhalbsein bzgl. der effektiven (Haupt)prädikation definiert sind. 3.2. Von semantischer Seite aus gesehen, stehen diese “Themen” notwendigerweise in einer einschließenden Beziehung zum Argument-Subjekt des kategorischen Urteils (der Hauptprädikation), oder in referenzieller Überschneidung. Die eindeutige Spur, die diese Situation hinterläßt, ist natürlich die pronominale Wiederaufnahme (in diesem Fall herrscht Koindexierung zwischen dem Redethema und dem Satzthema);allerdings sind Beziehungen wie die zwischen Individuum — Körperteil, Frauen — seine Ehefrau, Großstädte Europas — Paris, ich — mein Auto, usw. ebenso geeignet: die ‘Enthäufung’ von Einfach- und Doppelurteil kann in der Satzbildung nicht direkt weiter verwertet werden. In den genannten Fällen ist es intuitiv, von einer Synekdoche zu reden (pars pro toto), bei anderen ist die synechdotische Beziehung nur ein minderer Effekt in der Rede (als interpretativer Zwang des verpflichtenden Verhältnisses). 3.3. In den folgenden Belegen (20–21) 8 kann man eindeutig annehmen, daß der initiale Name in grammatischer Subjektposition (20) oder in linksversetzter Stellung (21) nicht im gewöhnlichen Sinne referentiell ist. (20) a Barcelone était bien b La hausse des prix ne sera pas brillante ce mois-ci c Le racisme, pour moi, faut pas faire d’amalgame d Y’en a marre de la Pologne (21) a La ceinture, c’est elle qui est responsable de la plupart de accidents mortels b La Securité Sociale, telle qu’on est en train de la détruire, c’est mauvais! c Capri(,) c’est fini! d Mes vacances, ce sera le Portugal! Ich spreche hier von synkategorematischer Referenz: diese Namen haben den referentiellen Status einer thematischen Rubrik für das im Prädikat ausgeführte Doppelurteil: es geht nicht darum, reelle Einheiten zu bezeichnen, sondern darum, die Namen als geeignete Propositionsargumente (in einem möglichen Interpretationsschema: N = p(N)) im jeweiligen Kontext zu verarbeiten. Zwei Effekte dieser synkategorematischen Referenzkonstruktion machen sich sofort bemerkbar: i. Die Selektionsrestriktionen innerhalb der lexikalischen Eigenschaften des Prädikats können quasi-”frei” durcheinandergeworfen werden; ii. die genaue Interpretation dieser Aussagen (als Äußerungen) kann nur wie folgt ausgeführt werden: der Gesprächspartner findet nicht die richtige Auslegung anhand der gegebenen Wortfolge, er braucht weitere Informationselemente, die nur der Redekontext zu geben in der Lage ist. 8 Für andere Beispiele und weitere Erklärungen, siehe Cadiot (1988).

Thematisierung im gesprochenen Französischen 109 Es geht hier nur darum, auf die prinzipielle Indentität zwischen dem Funktionieren dieser Beispiele und derer, welche in den vorigen Abschnitten näher analysiert wurden, hinzuweisen, um hervorzuheben, daß der Rückgriff auf explizite Protoaussagen, dort wo er möglich ist, nur ein Schreibprozeß ist, welcher es ermöglicht, die typischsten Fälle besser zu erfassen. So kann zweifellos jede effektive Aussage im Beispiel (19c) den Status der Protoaussage beanspruchen. Es stellt sich somit heraus, daß die sprachlichen (semantischen) Regularitäten nur eine Untermenge der impliziten Verkettungsmöglichkeiten der realen Äußerungen sind. 4. Schluß Manche Sprachtypologien9 gehen davon aus, daß — im Gegensatz zum Deutschen oder Russischen, teilweise auch zum Spanischen und anderen Sprachen — das Französische (wie auch das Englische) keine “pragmatische” Wortstellung hat (mit “topic-prominence”) , sondern eine “grammatische” (mit “subjectprominence”). Die Analysen dieses Aufsatzes mögen gezeigt haben, daß eine Neufassung des thematischen Prinzips es ermöglicht, der Tatsache Rechnung zu tragen, daß ein großer Teil der normalsten syntaktischen Vorrichtungen des Französischen prinzipiell dazu dient, in einer Äußerung die vom Standpunkt der Kommunikation her nötige — Gliederung zwischen einem thematischen Teil und einem rhematischen Teil auszubauen. 10 5. Sinnerläuternde Übersetzung der französischen Beispielsätze (1) Pierre liebt Marie (2) Marie, Pierre liebt die (3) Pierre, der liebt Marie (4) Paul hat zwei Äpfel gegessen und Jules nur zwei (5) Marie hat ihren Lohn ausgegeben, Paul hat ihn auf die Bank eingezahlt (6) Ein Soldat, der liebt Marie (Jemand + keiner), der liebt Marie Wer, der liebt Marie? (7) Paul hat mir die (seine + eine) Hand gereicht Paul hat Rückenschmerzen (hat im Rücken Schmerzen) Marie kämmt ihre Haare (8) Die hand wurde mir von Paul gereicht Ihre Haare werden von Marie gekämmt (9) Gewöhnlich werden ihre Haare von Marie (selbst) gekämmt 9 Siehe zum Beispiel smc Lehmann (1976), Thomson (1978), und auch Cadiot (1980). 10 Dieselbe Problematik wurde in den letzten Jahren von mehreren Kollegen erörtert; insbesondere von: Larsson (1979), Lambrecht (1981), Laparra (1982), Barnes (1985), Cadiot & Fradin (eds.: 1988), Zribi-Hertz (1988). Es sollte klar geworden sein, warum der Begriff des “non-standard French” mir inadäquat scheint.

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