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Erfahrungsbericht Roskilde - Fachbereich 10 - Universität Bremen

Erfahrungsbericht Roskilde - Fachbereich 10 - Universität Bremen

6.Das Leben an sich-

6.Das Leben an sich- “hyggelig” In den ersten Wochen nach Beginn des Semesters kam mir das alltägliche Leben in Dänemark einfach nur teuerer vor als das in Deutschland. Aber schon sehr bald merkte ich, dass sich noch jede Menge Unterschiede im Detail befanden. Schon im Sprachkurs wurde auf die Wichtigkeit des Taktes in Dänemark hingewiesen. Das dänische Wort für Danke „tak“ wurde sehr schnell zu dem Wort, das ich am häufigsten gebrauchte. Dazu sollte gesagt werden, dass es in Dänemark als sehr unhöflich gilt, sich z.B. bei einem Wiedersehen nicht für das letzte gemeinsame Erlebnis zu bedanken oder gar bei der Ankunft zu einer Einladung, sich nicht für die Einladung zu bedanken. Ich fing also genau wie die Dänen an, mich für alles zu bedanken, was mir zu Beginn noch sehr komisch vorkam, denn auch Dinge, die für mich selbstverständlich waren, bedurften nun Dankes- Worten. Aber man gewöhnt sich recht schnell daran und ich war im Nachhinein eher irritiert, wenn ich in Deutschland zu Besuch war und sich nicht jeder für alles bedankte. Die Priorität, die das Essen und die Gemütlichkeit in Dänemark im alltäglichen Leben einnehmen, war mir auch neu. So wichtig war nach meinen Erfahrungen weder Gemütlichkeit noch Essen bisher gewesen. Aber diese Prioritäten zeigen sich z.B. in einem sehr starken Verbraucherministerium, das die Lebensmittelläden- und zwar jeden noch so kleinen!- regelmäßig kontrolliert und Zertifikate vergibt, wie sauber und hygienisch der Laden ist, wie frisch die Ware und ob es seit der letzten Kontrolle eine Verbesserung gegeben hat. Dies Zertifikat muss für jeden Kunden ersichtlich aufgehängt werden. Von der Existenz dieses Zertifikats erfuhr ich aber erst, als eine Freundin anfing in einem Supermarkt zu arbeiten. In Dänemark sind die meisten Menschen vom Glauben her protestantisch, wenn es auch Katholiken, Juden, Moslems und Anhänger anderer Glaubensrichtungen gibt. Die dänische „folkekirke“ allerdings ist protestantisch und unterschwellig eigentlich immer präsent im Alltag. So werden z.B. Feiertage immer etwas gefeiert- und fast alle wissen, warum genau dieser Feiertag gefeiert wird. Gleichzeitig liegen die Feiertage aber so, dass man ideal in ein langes Wochenende fahren kann, so lange es sich nicht um die hohen Feiertage handelt. Diese werden an den gleichen Tagen gefeiert wie in der restlichen christlichen Welt. Und wie zu allen Feierlichkeiten schmücken die Dänen ihre Häuser gerne mit dem „dannebro“, der dänischen Flagge. Das ist sicher gewöhnungsbedürftig, aber ab irgendwann auch niedlich: Die Flaggen gibt es in jeder Größe und Form. Der Dannebro im Wind am Kastellet, März 2006 8

Ein weiterer Unterschied für mich im Alltag ist die Freundlichkeit, mit der die Menschen miteinander umgehen. Während man sich langfristige Freundschaften zwar hart erarbeiten muss, ist der Alltag meiner Erfahrung nach entspannter und freundlicher. Ein wirklich großer Unterschied ist die Selbstverständlichkeit, mit der Kinder in diesen Alltag integriert werden. Kinder leben in Dänemark einfach ihr Leben. Natürlich kümmern sich die Erwachsenen um sie, aber sie werden wie eigenständige Menschen behandelt. Natürlich lassen sich noch jede Menge kleine Unterschiede aufzählen, z.B. was die Traditionen zu Advent und Weihnachten betrifft, der „Bededag“, ein Feiertag mitten im Mai zuzüglich zu den anderen christlichen Feiertagen, „Fastelavn“, das unserem Fasching ähnelt, den „Grundlovsdag“ und die Geburtstagstraditionen, die sehr einheitlich sind. Diese Unterschiede in den Traditionen erlebt man wohl auch nur, wenn man mit Dänen zusammenlebt oder im engen Kontakt steht. Abgesehen von der Königin und ihrer Familie, die immer präsent sind- und wenn nur in den Schlagzeilen- , duzen sich in Dänemark alle Menschen und nennen sich beim Vornamen. Zu Beginn war auch dies eine Erfahrung für mich, die mir sehr komisch vorkam. Gleichzeitig fand ich es auch erleichternd, weil die Gedanken, wie wer wann wo angesprochen wird, überflüssig wurden. Meine erste Erfahrung in der Hinsicht war ein Anruf bei der Wohnungsgesellschaft, der das Haus „Firkløveret“ gehörte. Auch allen anderen Behörden, die ich für meine Aufenthaltsgenehmigung anlaufen musste, war die Anrede kein Thema, sondern mir kam sofort die scheinbar typisch dänische Hilfsbereitschaft entgegen. Aber wieso beantragte ich in einem europäischen Ausland eine Aufenthaltsgenehmigung? Schließlich war ich doch Europäerin. In Dänemark hat jede Person eine zehnstellige Personennummer, die im Zentralen Personenregister fest gehalten wird. Für die CPR- Nummer, wie sie auf Dänisch heißt, muss man eine gültige Aufenthaltsgenehmigung haben. Hat man diese, erhält man vieles gratis. So ist z.B. die ärztliche Versorgung noch beitragsfrei (Medikamente müssen allerdings bezahlt werden!) und auch Sprachkurse, die nicht für Studenten einer Universität ausgerichtet werden, sind samt Prüfungen im ersten Anlauf kostenlos. Manchmal kam es mir so vor, als wäre die CPR- Nummer wichtiger als der eigene Name. Auch in einer Bank wird nach der „Krankenversicherungskarte“, auf der diese Nummer steht, gefragt anstatt nach einem Ausweis; man benötigt die CPR- Nummer nämlich auch für die Eröffnung eines Bankkontos. Abgesehen von der Bedingung einer CPR- Nummer geht dies ganz problemlos. 7. Um die Ecke: København Ursprünglich wollte ich vor allen Dingen nach Roskilde zum Studieren, weil es so nahe an København liegt. Die Stadt am Sund ist eine Metropole, die wirklich alles zu bieten hat. In der Altstadt gibt es viele bunte Altbauten, deren Eingänge in verwinkelten Innenhöfen liegen, und in denen unten kleine Läden untergebracht sind, die dänische Design, Kleidung, Trödel oder Backwaren verkaufen. 9

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