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Mathematische und logische Grundlagen der Linguistik

Mathematische und logische Grundlagen der Linguistik

4 Kapitel 1 Das Wesen

4 Kapitel 1 Das Wesen der Dinge manifestiert sich in der Erscheinung und ist nur über die Analyse der Erscheinung erkennbar. Den allgemeinen Begriffen Erscheinung und Wesen entsprechen in der Linguistik die Begriffe LINGUISTISCHE DATEN und LINGUISTISCHE FAKTEN. (cf. CHOMSKY 1964: 28ff.). Zur Verdeutlichung des Unterschiedes ein Beispiel: Im Englischen existiert die Form brick (= Ziegelstein), die Formen blick und bnick kommen dagegen nicht vor. Das sind Feststellungen von linguistischen Daten. Daten umfassen also sowohl die Existenz als auch die Nicht-Existenz von Erscheinungen. Die Analyse dieser und weiterer Daten zeigt nun, daß generell in Anlautverbindungen n nur mit s zulässig ist (z.B. snick 'Kerbe'; die Verbindungen kn-, gn- werden /n/ gesprochen), daß l nur in Verbindung mit einem Dental (ausgenommen s) nicht zulässig ist (*tlick, *dlick, aber slick 'glatt') und daß r nur in Verbindung mit s nicht zulässig ist (*srick). Läßt man die Verbindung mit s außer acht, kann man allgemein formulieren: 1. n kommt in Anlautverbindungen nicht vor; 2. l kommt nur in Anlautverbindungen mit Dental nicht vor. Das sind Aussagen über linguistische Fakten. Die Nicht-Existenz von blick und bnick hat also verschiedenen Status; im Falle von blick ist sie zufällig ( blick ist nach den Gesetzmäßigkeiten der englischen Sprache möglich), im Falle von bnick ist sie systematisch (bnick ist nach den Gesetzmäßigkeiten des Englischen nicht möglich). Aussagen über Fakten sind theoretische Aussagen. Inwieweit solche Aussagen das 'Wesen' treffen, muß die Praxis erweisen. Daß die Anlautgesetze 'wesenhafte' Züge der englischen Sprache beschreiben, zeigt z.B. die Behandlung von Anlautverbindungen in Fremd- und Kunstwörtern: In Fremdwörtern werden Anlautverbindungen, die den Anlautgesetzen widersprechen, verändert: Fremdwörter mit ps- z.B. (psychology, psalm) werden /s-/ ausgesprochen. Es werden nur Kunstwörter mit Anlautverbindungen gebildet, die nach den Anlautgesetzen zulässig sind. Hauptaufgabe der Linguistik ist die Beschreibung Linguistischer Fakten. Die Erkenntnis Linguistischer Fakten ist nur möglich über die Analyse Linguistischer Daten. Die erste Aufgabe des Linguisten besteht somit in der Sicherung seiner Daten. Insoweit ist seine Tätigkeit rein empirisch. Zur Bewertung linguistischen Tuns hat Noam Chomsky Adäquatheitskriterien vorgeschlagen, für die korrekte Wiedergabe der Daten das Kriterium der BEOBACHTUNGSADÄQUATHEIT: Definition 1.5. Beobachtungsadäquat Eine linguistische Beschreibung, die nur die Daten korrekt wiedergibt, wird BEOBACHTUNGSADÄQUAT genannt. (CHOMSKY 1964: 29) Die Tätigkeit des Linguisten ist eine theoretische, wenn es um die Erkennung und Beschreibung linguistischer Fakten geht. Eine Beschreibung, welche die linguistischen Fakten korrekt darstellt, nennt Chomsky BESCHREIBUNGSADÄQUAT: Definition 1.6. Beschreibungsadäquat Eine linguistische Beschreibung, die die Fakten korrekt wiedergibt und damit die Daten erklärt, wird BESCHREIBUNGSADÄQUAT genannt. Neben diesen 1964 zuerst eingeführten Adäquatheitsebenen nennt Chomsky noch eine dritte Ebene, die ERKLÄRUNGSADÄQUATHEIT, die sich allerdings auf linguistische Theorien bezieht:

Definition 1.7. Erklärungsadäquat Einleitung 5 Eine Linguistische Theorie ist ERKLÄRUNGSADÄQUAT, wenn sie beschreibungsadäquate Deskriptionen liefert. 1.3. Linguistik als Strukturwissenschaft Der Begriff Struktur ist heutzutage allgegenwärtig: Man spricht von Gesellschaftsstruktur, Wirtschaftsstruktur, Infrastruktur, Kristallstruktur, Strukturplan etc. und eben auch von Sprachstruktur. Das unmittelbare Gegenstück ist der Begriff System. Systeme sind strukturiert, Strukturen sind Strukturen von Systemen. Die Begriffe System und Struktur sind grundlegend für die moderne Linguistik, die durch Bezeichnungen wie Strukturalismus, strukturalistisch und strukturell charakterisiert wird. Dabei hat allerdings die Bezeichnung Strukturalismus bereits eine spezielle Bedeutung angenommen: sie benennt eine bestimmte inzwischen überholte Richtung der modernen Linguistik. 7 Zwischenzeitlich ist auch die Bezeichnung Systemlinguistik aufgekommen, die oft im abwertenden Sinne von Sprachwissenschaftlern gebraucht wird, die die Hauptaufgabe der Linguistik nicht in der Beschreibung des Sprachsystems sehen. WUNDERLICH (1971: 92f.) unterscheidet drei Verwendungsweisen des Strukturbegriffs: 1. Struktur als Eigenschaft der Wirklichkeit Die Welt erscheint uns nicht als chaotisch oder amorph, vielmehr stellen wir fest, daß sich Erscheinungen voneinander abheben, daß sie von unterschiedlicher Wichtigkeit für uns sind, daß sie sich wiederholen können, daß sie in charakteristischer Weise voneinander abhängen. Eine Erklärung hierfür liefert die Annahme, daß die Welt und die Art, in ihr zu existieren und zu kommunizieren, selbst wohlgegliedert sind. Strukturen werden als Eigenschaften der Wirklichkeit verstanden. (WUNDERLICH 1971: 92) 2. Strukturalismus als Verfahren Unter der Annahme, daß die Welt strukturiert ist, hat es Sinn, methodische Prozeduren zu entwickeln, um die Art und die Form der Strukturen aufzudecken. Im linguistischen Strukturalismus verstand man unter strukturellem Vorgehen genau dies: nämlich die Entwicklung, Formulierung und Anwendung regulärer Entdeckungsprozeduren zur Auffindung von sprachlichen Strukturen. (93) 3. Strukturen als Eigenschaften von Theorien Erkenntnis bildet sich, indem Erfahrungen durch gewisse Schemata filtriert werden. In den empirisch-analytischen Wissenschaften wird die Erkenntnis in einer systematischen Form angestrebt, sie wird niedergelegt in Gestalt von Theorien. Strukturen sind Eigenschaften dieser Theorien, also eines wissenschaftlichen Konstrukts. In diesem Sinne läßt sich etwa von physikalischen oder linguistischen oder soziologischen Strukturen sprechen. /...../ Die formale Struktur der Theorie steht ... als ein (Abstraktions-) Modell, oder als ein Bild, für die Zusammenhänge der Wirklichkeit. Die Beschreibungsstruktur rekonstruiert bzw. modelliert die Struktur des Beschriebenen. (93) Die Linguistik ist eine Strukturwissenschaft im Sinne dieser drei Verwendungsweisen des Strukturbegriffes: 1. Sie geht von der Annahme aus, daß ihr Objekt, die Sprache, strukturiert ist, 2. sie entwickelt methodische Verfahren zur Aufdeckung dieser Strukturen, 3. sie konstruiert Theorien, die diese Strukturen abbilden sollen. 7 Zur Entwicklung der Linguistik als Strukturwissenschaft vgl. Bierwisch (1966).

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