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giordano bruno (1548-1600). - Fachbereich 10 - Universität Bremen

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Die relativ

Die relativ ausführliche Interpretation des zweiten Dialoges soll die manieristische Sinnkomplexität der Texte Brunos zeigen. Komödie, Satire, philosophische Kontroverse sind in einer sprachlichen Form versammelt. 3.4 Strukturelle Beziehungen zwischen der Komödie „Candelaio“ und dem philosophischen Dialog „Cena de le Ceneri“ Abgesehen davon, daß beide Schriften im Titel die Initialen C bevorzugen, was für den mit dem Alphabet spielenden Gedächtnistheoretiker Bruno bedeutsam ist, gibt es eigenartige Strukturparallelen. Die Komödie hat fünf Akte, der philosophische Text enthält fünf Dialoge, einige Personen/Gruppen entsprechen sich: Mamfurio entspricht Prudenzio. Neapel und seine Gassen haben als Entsprechung London und seine Gassen. Die neapolitanischen Gauner haben ihre Entsprechung im Londoner Pöbel. Gerade diese Parallelitäten lassen aber auch die wesentlichen Unterschiede hervortreten. Dem harmlosen Prudenzio sind die mit Goldketten und Ringen prunkenden Oxforder Doktoren zur Seite gestellt, und auf der Straße geprügelt wird nicht Mamfurio (bzw. Prudenzio), sondern der Nolaner selbst. Die listenreichen Gauner Neapels bereiten dem lächerlichen Höhenflug von Bonifacio und Mamfurio ein Ende; der Londoner Pöbel attackiert dagegen wahllos alle Fremden und mißachtet deren Stand. Paktiert Bruno in der Figur des Malers Bernardo mit der Bande Sanguinos, so steht er dem von religiösen Eiferern aufgehetzten Londoner Gassenvolk verständnislos gegenüber. Waren in der Komödie der Maler Gioan Bernardo und die Bande des Sanguino noch positive, ordnende Figuren, so sind der Nolaner und seine Schüler nun die Gehetzten. Die beiden ersten Dialoge sind eine Art Spiegelbild der Komödie, mit der Pedantenschelte und der nächtlichen Irrfahrt in London als zentralen Motiven. Die drei letzten Dialoge verlassen zunehmend die dramatische Form. Im dritten Dialog werden die fünf Behauptungen des Doktor Nundinio diskutiert, und der fünfte Dialog ist fast ein Traktat, in dem Teofilo, der für Bruno spricht, seinen Schülern die nolanische Kosmologie erläutert. Diese gilt es im folgenden näher zu betrachten, wobei auch die späteren Schriften, insbesondere der „Acrotismus“ (Paris, Wittenberg), die „Articuli“ (Prag) und das Buch „De immenso“ (Frankfurt) einzubeziehen sind. 16 G. P. Cantabrigiensis, 1584: Bl. C5: „Unus est Londini fluovius Thamesis, ad varias opportunitates accommodatus, ad potandum, lavandum, irrigandum, purgandum, restiguendum, vehendum; & ita singuli eius ruuli, non ad distinctos usus, sed ad eosdem omnes referuntur.“ W580 05.10.01 / 26

4 Giordano Brunos Kosmologie zwischen Weltinterpretation und mathematischem Konstrukt Kosmologien sind ein wesentlicher Bestandteil klassischer Texte, wie die Genesis und die Erzählungen vieler Kulturen zeigen. Dabei werden seit den Babyloniern Ergebnisse astronomischer Beobachtungen und wissenschaftliche Systematisierungen den kosmologischen Texten beigemischt. Selbst der sehr technische, mathematische Text des Copernicus, enthält humanistische Quellenanalysen und ist nicht gänzlich von der literarischen Tradition losgelöst. Giordano Brunos Kosmologie stellt Copernicus an die Spitze der Ahnenreihe großer Astronomen, wie Ptolemäus, Hipparch und Eudoxus (ibid.: 87); er selbst begibt sich aber nicht auf die Ebene der „mehr mathematischen als naturphilosophischen Betrachtungsweise“ (ibid.) des Copernicus, sondern will dessen mutigen Versuch zu Ende führen. „Da kam der Nolaner und hat die Lufthülle hinter sich gelassen, ist in den Himmel eingedrungen, hat die Sterne durchmessen, die Grenzen der Welt überschritten und die erdichteten Mauern der ersten, achten, neunten, zehnten und weiteren Sphären zerstört, die törichte Mathematiker und das blinde Sehen gemeiner Philosophen noch hätten hinzufügen wollen 17 . So hat er für jeden, der Sinn und Verstand besitzt, mit dem Schlüssel unermüdlicher Nachforschung diejenigen Hallen der Wahrheit geöffnet, die sich überhaupt von uns öffnen lassen. Er hat die bedeckte und verschleierte Natur entblößt, den Maulwürfen Augen verliehen und die Blinden erleuchtet, die nicht imstande waren, mit ihren Augen das Bild der Natur in den vielen Spiegeln zu schauen, die sich ihnen von allen Seiten entgegenstellen. Den Stummen hat er die Zunge gelöst, die nicht in der Lage waren und es nicht wagten, ihren verworrenen Gedanken Ausdruck zu verleihen. Die Lahmen hat er geheilt, die nicht mit dem Geiste den Schritt machen konnten, der dem unwürdigen und vergänglichen Körpergebilde versagt bleibt. Er bringt ihnen die Sonne, den Mond und die anderen bekannten Gestirne so nahe, als wohnten sie selbst darauf, und er zeigt, inwieweit die Körper, die wir in der Ferne sehen, unserer Erde gleichen oder sich von ihr unterscheiden und inwieweit sie erhabener oder niederer sind als diese. 18 (Ibid.: 92) Dieser messianische, fast religionsstiftende Ansatz zeigt deutlich, daß es Bruno gar nicht darum ging, ein mathematisches Modell der Himmelsbewegungen zu erstellen. Er faßt 17 Fußnote zum Zitat: "Der aristotelische Stufenkosmos zählte acht konzentrische Himmelssphären, davon sieben für die Planeten und eine für die Fixsterne. Später hatten die mathematischen Astronomen noch zwei weitere unsichtbare Sphären hinzugefügt, worüber sich schon Copernicus, De revolutionibus I, 11 Ende mokiert." 18 Fußnote zum Zitat: "Zur Zurückweisung der aristotelisch-scholastischen Einschätzung der Erde als Bodensatz der Welt vgl. Galilei, Dialogo sopra i due massimi sistemi del mondo I (Ed. naz. VII, 83 ff.), wo die W580 05.10.01 / 27

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