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Hand und Auge

Hand und Auge

Diese Überlegung zu den

Diese Überlegung zu den möglichen Fundierungsinstanzen des Repräsentationsbegriffs darf nicht zum Fehlschluß verführen, es gäbe zwei Typen von Repräsentationen. Die Trennung ist im cartesianischen Sinn methodisch, nicht real, obwohl in spezifischen Kontexten, z.B. bei der Analyse der frühen kognitiven Entwicklung des Kindes eine reale Trennung möglich ist (vgl. Piagets Untersuchungen). Zu den Problemen innerhalb und im Übergang zwischen den beiden Fundierungsebenen tritt ein drittes großes Problem hinzu: das Verhältnis von Repräsentation und Welt. Da wir für die Welt keine von der phänomenalen und sprachlichen “Sicherheit/Wahrheit” unabhängige Fundierungsinstanz haben, muß diese als von einer oder beiden Instanzen aus, zumindest in Umrissen und jeweils wichtigen Aspekten, konstruierbar erwiesen werden. Der Weg des Apriorismus nimmt die Anschauung und den Verstand als zur Welt passend an, so daß diese sich zwar nicht aus letzterer ableiten lassen, aber doch das Vertrauen, das wir im Alltag in die Erkenntnis setzen, rechtfertigen. Der Weg des Empirismus besteht darin, ohne eine solche Setzung oder nur mit der Setzung relativ formaler logischer Prinzipien das Vertrauen in die konkrete Erkenntnisleistung zu sichern. Letztlich wird es dazu immer einer stabilen Dynamik der Entwicklung (der Evolution oder des Lernens) bedürfen, die selbst wieder einen Begründungsbedarf erzeugt. Selbstorganisationstheorien scheinen eine Lösung anzubieten, die aber wieder zu sehr wie ein “deus ex machina” aussieht und bei ihrer Präzisierung sicher neue Fragen zu impliziten Voraussetzungen aufwirft. Der sprachanalytische oder linguistische Ansatz hat in der Phänomenalität der Sprachen einen empirisch reichen Ansatzpunkt, der außerdem einen introspektiven Zugang eröffnet. Allerdings erweist sich diese Introspektion als allzu vorurteilsbelastet (und somit zirkulär) und die reiche Phänomenalität (Tausende von Sprachen mit jeweils Zigtausenden von Wörtern und unüberschaubar vielen konstruierbaren Äußerungen) ist insofern ein Hindernis, als erst wieder Interpretations- und Kategorisierungsraster notwendig sind, wenn über die Vielfalt der Sprachen und Sprachgebrauchssituationen hinweg Generalisierungen gesucht werden. Es sieht so aus, als gehöre der Begriff der Repräsentation zu den Grundbegriffen, die man entweder axiomatisch uninterpretiert lassen muß, oder durch einen Fundierungsregreß aus den Händen verliert. 7.2. Eine Reflexion zur Selbstrepräsentation Die lexikalisch-kognitive Studie hat gezeigt, daß HAND und AUGE in unterschiedlicher Weise einen Bezug zur Umwelt und zum Selbst herstel- 81

82 len und daß in diesem fundamentalen Spannungsfeld Objekte, Konzepte (Diskurse) entstehen. Die Repräsentation von HAND ist zuerst auf die eigene Hand bezogen, die aber erst als Teil des Selbst erfahren werden muß. Das Auge wird am anderen als Objekt identifiziert und erst in der Erfahrung des Selbst diesem zugeordnet. Die ausgewählten Objekte und Konzepte der empirisch ausgerichteten Kapitel 5 und 6 haben also bereits implizit einen Bezug zum Thema Selbstrepräsentation und Selbstmodell. In Metzinger (1994) wird behauptet, daß das Selbstmodell in einer Art “Meinigkeit” zentriert ist, und er verweist dabei auf Experimente an Schimpansen (Gallup, 1977) und Kleinkindern (Bischof-Köhler, 1989). In diesen Experimenten spielt die Koordination von Hand und Auge eine zentrale Rolle. Der Schimpanse/das Kleinkind steht im Experiment vor einem Spiegel. Der Experimentator taucht einen Finger des Schimpansen/des Kleinkindes in rote Farbe und führt ihn an dessen Stirn. Beide nehmen, als Resultat ihrer eigenen Handlung, den roten Fleck auf der Stirn des Wesens im Spiegelbild wahr. Die Kombination von Handbewegung, Tastgefühl bei der Berührung der Stirn (ausgehend von der Hand) und visuellem Eindruck des veränderten Spiegelbildes (ausgehend vom Auge) erzeugt häufig ein Identifikationserlebnis mit dem Spiegelbild; dieses wird kognitiv als ein Bild des SELBST registriert; das Lebewesen repräsentiert sich selbst, konstituiert ein Selbstbewußtsein. Es fragt sich natürlich erstens, welches die Voraussetzungen einer solchen als punktuell gedachten Selbstrepräsentation sind (sicher mindestens ein Körperbewußtsein) und wie stabil bzw. dynamisch veränderbar dieses Selbstbewußtsein ist. Die Diskussion in der “Zeitschrift für Semiotik”, Bd. 16/17 (vgl. Baltzer, 1994; Pape, 1994; Schönrich, 1995), welche die Problematik der Selbstrepräsentation auf dem Hintergrund der Peirce’schen Zeichenkonzeption thematisiert, zeigt deutlich den dynamischen, immer unvollständigen Charakter der Selbstrepräsentation. Aus der lexikologischen Perspektive, welche für diesen Beitrag bestimmend war, ergibt sich dieser dynamische (und nie vollendete) Prozeß der Formung einer Selbstrepräsentation schon daraus, daß HAND und AUGE nur zwei in dieser Studie hervorgehobene lexikalische Orte sind. Das Lexikon der Körperteile, Objekte, Raumorte, Eigenschaften, Ereignisse, Handlungen usw. ist natürlich ein weitaus komplexeres Gebilde, das je nach Sprachbenutzer Tausende bis Hunderttausende lexikalischer Einheiten und ein noch viel komplexeres Geflecht von Beziehungen und Konstruktionen umfaßt. Hinzu kommt, daß die inhaltliche Ausschöpfung dieser Orte nie aufhört. Ständig werden neue Erlebnisfacetten mit Teilen des Wortschatzes oder syntaktischen Konstruktionstypen assoziiert und bereichern diese; andere

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