Grüne Energie aus dem Staatswald?! - Bayerische Staatsforsten

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Grüne Energie aus dem Staatswald?! - Bayerische Staatsforsten

Grüne Energie aus dem Staatswald?!

Dr. Rudolf Freidhager, Reinhardt Neft

Grüne Pressekonferenz der Bayerischen Staatsforsten, 29. Juni 2011


Inhalte

1 Was der Wald für die Energiewende leisten kann

2

3

Nachhaltigkeitsprinzip gilt unverändert

Energiesparen bei den Bayerischen Staatsforsten

4 Fazit


Was der Wald für die Energiewende leisten kann

Holz – Energieträger mit Potenzial?

� Klimaschonend, da ein weitgehend geschlossener CO2-Kreislauf besteht

→ Pro Festmeter Holz werden 0,6 Tonnen CO 2 eingespart

� Wertschöpfung und Beschäftigung im ländlichen Raum

� Kurze Transportwege

� Kostengünstiger Brennstoff im Vergleich zu Öl und Gas

� Hohe Flexibilität und Versorgungssicherheit

� Verringerung der Importabhängigkeit

> Vorteile nur bei nachhaltiger Waldwirtschaft

> Verfügbare Menge jedoch durch

Nachhaltigkeitsprinzip begrenzt!


Was der Wald für die Energiewende leisten kann

Brennholz – Energieträger für den ländlichen Raum

Kubikmeter

700000

600000

500000

400000

300000

200000

100000

0

Brennholzverkauf Bayerische Staatsforsten

2006 2007 2008 2009 2010 Prognose 2011 2011

Geschäftsjahre

2011:

Voraussichtlich

erstmals über

600.000

Kubikmeter

> Mehr als 42.000

Selbstwerber


Was der Wald für die Energiewende leisten kann

Mengenentwicklung Biomassevermarktung [ Tsd. SRM ]

900

800

700

600

500

400

300

200

100

0

2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 Prog-

Geschäftsjahre

nose

2011

Quelle: Zentrum für Energieholz,

Werkseingänge, ab Geschäftsjahr 09 Holzpreisstatistik

Plan

12

Waldhackgut

Energierundholz

Ankauf


Was der Wald für die Energiewende leisten kann

Energieholz aus dem Staatswald

Rund 600.000 Festmeter Brennholz

+ Rund 270.000 Festmeter Hackgut

= 520.000 Tonnen eingespartes CO 2


Was der Wald für die Energiewende leisten kann

Windenergie – Waldstandorte bieten sich an

Mit neuster Technik (Nabenhöhe über 100 m) sind auch Waldgebiete für Windenergieanlagen attraktiv:

� Keine Beeinträchtigung des Waldes durch die Rotorblätter

� Vor allem in den Mittelgebirgen mit guter Windhöfigkeit

� Waldstandorte meist weitab von Wohngebieten, daher Auswirkungen von Schall und Schattenwurf geringer

� Gute Erschließung des Staatswaldes mit Forststraßen

� Landschaftsbild wird im Vergleich zu Freistandorten geringer beeinträchtigt.

� Erträge tragen zur regionalen Wertschöpfung bei

� Sehr geringer Waldverbrauch (1 Windrad benötigt 0,2 ha Fläche)

Im Staatswald werden Windenergieanlagen nur nach klaren

Spielregeln errichtet:

� Nicht gegen den Willen der Bevölkerung

� Nicht gegen forstbetriebliche Belange

� Nur, wenn öffentlich-rechtliche Genehmigungen vorliegen


Was der Wald für die Energiewende leisten kann

Waldwindparks

Die Bayerischen Staatsforsten bewirtschaften gemäß des gesetzlichen Auftrags den Staatswald vorbildlich, nachhaltig

und in besonderer Weise dem Gemeinwohl verpflichtet. Hierzu gehört auch die Nutzung von Windenergie:

� Vier Einzelanlagen im Forstbetrieb Ottobeuren

� Fertig gestellt: Windpark „Fasanerie“ (5 Windräder, 2 MW Nennleistung/Anlage, Nabenhöhe 138 m, Rotordurchmesser 82 m)

→ Pro Jahr: Strom für 7.500 Haushalte, Einsparung von 17.500 Tonnen CO 2

� Im Bau: Windpark „Zieger“ (5 Windräder, 2,3 MW Nennleistung/Anlage, Nabenhöhe 138 m, Rotordurchmesser 82 m)

→ Pro Jahr: Strom für rund 8.000 Haushalte, Einsparung von 18.000 Tonnen CO 2

� Vergabe von Standortsicherungsverträgen erfolgt Nachfrage orientiert

→ aktuell 118 Standortsicherungsverträge

� Stark steigende Nachfrage neben Projektentwickler vor allem durch Genossenschaften und Kommunen (Bürgerwindrad)

→ Durch Beteiligung der lokalen Bevölkerung an der Wertschöpfung, geringerer Widerstand gegen Windenergieanlagen


Was der Wald für die Energiewende leisten kann

Auch denkbar: Photovoltaik und Geothermie

Photovoltaik im Staatswald nur auf Sonderstandorten

� Mülldeponien

� Abbaugruben

� Militärische Gelände

Aktuell im bayerischen Staatswald: Eine Photovoltaikanlage „Hegnenbach“ im Forstbetrieb

Zusmarshausen in einer stillgelegten Lehmabbaugrube (Fläche knapp 9 Hektar, Leistung 2 MW).

Geothermie > Standortfestlegung erfolgt nach Bergrecht

� Unternehmen haben Anspruch auf Umsetzung von Geothermieanlagen, wenn diese vom Bergamt genehmigt sind

Aktuell im bayerischen Staatswald:

Eine Geothermieanlage in Pullach,

Forstbetrieb München.


Inhalte

1 Was der Wald für die Energiewende leisten kann

2

3

Nachhaltigkeitsprinzip gilt unverändert

Energiesparen bei den Bayerischen Staatsforsten

4 Fazit


Nachhaltigkeitsprinzip gilt unverändert

Unabhängig von Energiewende: Nachhaltige Forstwirtschaft

� Nicht mehr einschlagen als zuwächst

� Nährstoffmanagement: Bodenfruchtbarkeit und Wuchskraft

dauerhaft sicherstellen

� Naturnah wirtschaften:

� Verzicht auf Kahlschläge!

� labile Reinbestände in stabile, strukturreiche, dauerwaldartige

und baumartenreiche Mischbestände umbauen; rund 170.000

Hektar in 25 Jahren

� dauerhaft hoher Anteil Naturverjüngung; derzeit bei 2/3 der

gesamten Verjüngung

� Wald als Lebensraum für Tier- und Pflanzenarten erhalten

� Totholz anreichern

� Wertvolle Wälder schützen


Nachhaltigkeitsprinzip gilt unverändert

Holzernte: Einschlag unter laufendem Zuwachs

8

7

6

5

4

3

2

1

0

12

4,39

4,91

4,63

5,31

5,77

5,41

7,06

4,96

4,66

4,92

Mio. Festmeter

2000 2001 2002 2003 2004 2006 2007 2008 2009 2010 2011 Zuwachs

5,1

6,1

Nachhaltiger

Hiebsatz

(5,2 Mio. Fm)


Nachhaltigkeitsprinzip gilt unverändert

Nachhaltiges Nährstoffmanagement

gesichert wenn:

∑U

n =1

Ziel: Erhalt der Bodenfruchtbarkeit und Wuchskraft

ohne Düngung

� flächige Erarbeitung des Nährstoffhaushaltes für Ca, Mg und K

nach bodenkundlichen Einheiten

� Nährstoffbilanzierungen der Hauptbaumarten (Fichte, Kiefer,

Buche, Eiche)

Eintrag + Verwitterung – Austrag

Endnutzung + Zwischennutzungen

≥1

� Entwicklung von Karten zur Nutzungsintensität (Kronenmaterial)

Ca, Mg, K


Nachhaltigkeitsprinzip gilt unverändert

Nutzung auf Basis der Nährstoffbilanzen

Kooperationsprojekt mit der TU München, Prof. Göttlein

1

möglich

2

zeitlich

beschränkt

möglich

3

sortenbeschränkt

möglich

4

ausgeschlossen

Grundsätzlich uneingeschränkte Nutzungsmöglichkeit

� Bei Kie-Bestockung auf ärmeren Standorten nur

eingeschränkt nutzen

� Humuserhaltung bzw. –neubildung sicherstellen

� keine Kronennutzung als Waldhackgut

� Nutzung bis Derbholzgrenze (Zopf 7 cm) möglich

� Reisholz und Nadeln verbleiben im Wald

� max. 4 Vollbaumnutzungen im Bestandesleben

� möglichst auf 1 Kronennutzung bis Alter 60 beschränken,

da der volumenbezogene Nährstoffaustrag in

Jungbeständen deutlich höher ist

� keine Kronennutzung

� Kronenderbholz + Reisholz + Nadeln verbleiben im Wald

Kronennutzungskarte

Forstbetrieb Kelheim - Fichte


Nachhaltigkeitsprinzip gilt unverändert

Ziel: Aufbau klimatoleranter Wälder

Tsd. ha

140

120

100

80

60

40

20

0

Baumartenverteilung 2010

I II III IV V VI VII VIII IX

Altersklasse

Kiefer

Lärche

Douglasie

Tanne

Fichte

Sonst.Lbh.

Eiche

Edel-Lbh.

Buche

Wo möglich und sinnvoll: natürliche Verjüngungsverfahren, zusätzlich aktiver Waldumbau durch

Pflanzung.

→ 1/3 Kulturen : 2/3 Naturverjüngung

→ 80% Laubholz ↔ 20% Nadelholz in den Kulturen

→ Zusätzlich: Klimatolerante Nadelhölzer


Nachhaltigkeitsprinzip gilt unverändert

Konzepte für den Naturschutz: Ein großes und 41 kleine

� 2009: Verabschiedung eines bayernweit gültigen

Naturschutzkonzeptes für den Staatswald

→ Wird jedes Jahr um Naturschutzkonzepte

der Forstbetriebe ergänzt

� 2011: Regionale Naturschutzkonzepte in 6

Forstbetrieben verabschiedet, insgesamt liegen

nun 15 Naturschutzkonzepte vor.

� Naturschutzkonzepte beinhalten Biotopholzanreicherung:

� Klasse 1-Wälder: Grundsätzliche Hiebsruhe,

allenfalls Nutzung einzelner

wertholzartiger Bäume

� Klasse 2-Wälder: 40 m 3 /ha Totholz,

10 Biotopbäume/ha

� Klasse 3-Wälder: 20 m³/ha Totholz,

10 Biotopbäume/ha

� Klasse 4-Wälder: Anreicherung von Totholz und

Biotopbäumen der natürlichen

Waldgesellschaften


Inhalte

1 Was der Wald für die Energiewende leisten kann

2

3

Nachhaltigkeitsprinzip gilt unverändert

Energiesparen bei den Bayerischen Staatsforsten

4 Fazit


Energiesparen bei den Bayerischen Staatsforsten

Energieeinsparprojekte bei den Bayerischen Staatsforsten

� Logistik-Optimierung beim Holztransport

� Computer gesteuerte Optimierung der Holzlogistik

� Führt zu einem Einsparungspotential von ca. 12 % der gesamten Transportstrecke

→ entspricht max. 2,2 Mio. km bei Berücksichtigung Last- und Leerfahrt

→ spart bei einem durchschnittlichen Verbrauch von 40 l/100 km rund 880.000 Liter Diesel

pro Jahr

� Die optimierten Transportrouten erscheinen (visuell dargestellt) wie Flusssysteme, die durch

Wasserscheiden getrennt sind

Exemplarische

Logistikoptimierung eines

Fichtensortiments

661 tsd. km 572 tsd. km


Energiesparen bei den Bayerischen Staatsforsten

Energieeinsparprojekte bei den Bayerischen Staatsforsten

� Air-Tec-System

� Optimierung des Luft-Kraftstoffgemischs bei Kraftfahrzeugen, Kraftstoffeinsparung

zwischen 6 und 8 %

� Sukzessive energetische Sanierung aller 300 Forstgebäude (möglichst mit Naturmaterialien)

� Ausschließliche Verwendung von Strom aus regenerativer Erzeugung

� Wärmeerzeugung (Kühlung) in der Zentrale erfolgt über eine Hackschnitzelanlage; in allen

anderen Forstbetriebsgebäuden sukzessive Umstellung von fossilen Brennstoffen auf

Holzbrennstoffe.


Inhalte

1 Was der Wald für die Energiewende leisten kann

2 Nachhaltigkeitsprinzip gilt unverändert

3 Konkrete Energieprojekte im Staatswald

4 Fazit


Fazit

Der Wald kann seinen Teil zur Energiewende beitragen.

Regenerative Energieproduktion im Staatswald nicht auf Kosten der

Nachhaltigkeit und nicht gegen die lokale Bevölkerung.

Wald bietet sich vor allem als Standort für Windenergieanlagen an und

liefert den nachwachsenden Energieträger Holz.

Bayerische Staatsforsten setzen in Zukunft nicht nur verstärkt auf die

Produktion von regenerativer Energie, sondern sparen konkret Energie ein


Mehr zur nachhaltigen Forstwirtschaft

im bayerischen Staatswald unter

www.baysf.de

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