NADINE - Fonds Gesundes Österreich

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NADINE - Fonds Gesundes Österreich

P.b.b. 03Z034913 M - Verlagspostamt 1090

Im Gespräch:

9. Jahrgang Nr. 2 | Juni 2007

NADINE

Musik ist mein Leben

JUGEND UND RAUSCH

Auf der Suche nach Grenzerfahrungen

MIT ACHT SIGIS-SERVICE-SEITEN


FONDS GESUNDES ÖSTERREICH IM ÜBERBLICK

KURATORIUM

Bundesministerin für Gesundheit, Familie und Jugend Dr. Andrea Kdolsky, Vorsitzende des Kuratoriums

Landesrat a.D. Fredy Mayer, erster Stellvertretender Vorsitzender des Kuratoriums, Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur

Vizepräs. Mag a . pharm. Dr. Christiane Körner, zweite Stellvertretende Vorsitzende des Kuratoriums, Österreichische Apothekerkammer

Dr. Ulrike Braumüller, Verband der Versicherungsunternehmen Österreichs

Vizebürgermeisterin Dr. Christiana Dolezal, Österreichischer Städtebund

Präsident Dr. Lothar Fiedler, Österreichische Ärztekammer

Mag. Richard Gauss, Bundesministerium für Finanzen

Gemeinderat Univ.-Prof. Dr. Heinz Hammer, Österreichischer Seniorenrat

Präsidentin Dr. Lindi Kálnoky, Bundesministerium für Gesundheit, Familie und Jugend

Dr. Josef Kandlhofer, Hauptverband der Österreichischen Sozialversicherungsträger

Präsident Bürgermeister Helmut Mödlhammer, Österreichischer Gemeindebund

SL Prof. Dr. Robert Schlögel, Bundesministerium für Gesundheit, Familie und Jugend

Bundesminister a.D. Prim. Dr. Kurt Steyrer, Österreichischer Seniorenrat

Landesrätin Dr. Silvia Stöger, Konferenz der Gesundheitsreferenten der Länder

Landesstatthalter Mag. Markus Wallner, Landeshauptleutekonferenz

PROJEKTBEIRAT

Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Freidl, Institut für Sozialmedizin und Epidemiologie der Medizinuniversität Graz

Martin Hefel, Leitung Marketing & Kommunikation (Fachhochschule Vorarlberg GmbH), Obmann des Vorarlberger Familienverbandes

Univ.-Doz. Mag a . Dr. Ingrid Kiefer, Institut für Sozialmedizin der Medizinuniversität Wien

Univ.-Prof. Dr. Richard Noack, em. Vorstand des Institutes für Sozialmedizin an der Universität Graz

Prof. Dr. Rotraud Perner, Psychoanalytikerin und Konflikt- und Gewaltforscherin,

Leiterin des Institutes für Stressprophylaxe und Salutogenese

Univ.-Prof. Dr. Anita Rieder, stellv. Vorstand des Instituts für Sozialmedizin der Medizinuniversität Wien,

Gründungsmitglied des Frauenforums Medizin

Mag. Günter Schagerl, ASKÖ – Leiter des Referats für Fitness und Gesundheitsförderung

GESCHÄFTSSTELLE

Mag. Christoph Hörhan, Bereichsleiter

Mag. Walter Hörth, kaufmännischer Leiter und stellvertretender Bereichsleiter

Mag. Dr. Rainer Christ, Gesundheitsreferent

Ing. Petra Gajar, Gesundheitsreferentin

Mag a . Rita Kichler, Gesundheitsreferentin

Mag a . Gerlinde Rohrauer, Gesundheitsreferentin

Mag a . Eva Rohrer, Gesundheitsreferentin

Mag. Dr. Klaus Ropin, Gesundheitsreferent

Mag a . (FH) Sabrina Kucera, Projektassistentin

Mag. Markus Mikl, Kommunikation

Helga Klee, Sekretariat – Gesundheits- und ÖffentlichkeitsreferentInnen

Tina Endl, Sekretariat – Bereichsleitung

Susanna Weidinger, Sekretariat – Bereichsleitung

Mag a . (FH) Marion Fichtinger, kaufmännische Assistentin

Sylvia Fellner, Buchhaltung/Controlling

Peter Jandrasits, kaufmännischer Assistent

Gabriele Ordo, Sekretariat/SIGIS/Projektassistentin

IMPRESSUM: Gesundes Österreich 2|07

Medieninhaber und Herausgeber: Fonds Gesundes Österreich, ein Geschäftsbereich der Gesundheit Österreich GmbH

Mariahilfer Straße 176, 1150 Wien, Tel: +43/1 895 04 00-0, Fax: +43/1 895 04 00-20

E-Mail: gesundes.oesterreich@fgoe.org

Verleger: AFCOM – Alexander Fauland Communication – Verlag und Medienproduktionen GmbH

A-1080 Wien, Lange Gasse 20–22

Tel: +43/1 4023555 Fax: +43/1 4060922

E-Mail: alexander.fauland@utanet.at

Redaktion: Mag. Larissa Pitzek (Leitung); Ing. Petra Gajar, Mag. Claudia Fabrizy, Helga Klee,

Mag. Markus Mikl, Katharina Peschl, Mag. Rita Kichler, Mag. Martina Nitsch, Mag. Elisabeth Kranawetvogel, Dr. Sonja Berger

Graphik: AFCOM GmbH

Anzeigen: Pharmarktung – Mag. Larissa Pitzek Mediaconsulting

Fotos: Bilder Box Com, Ingram Publishing, Photodisc

Druck: Ferdinand Berger & Söhne Ges.m.b.H

Erscheinung: 4 x jährlich.

Verlags- und Herstellungsort: Wien, Verlagspostamt: 1150 Wien.


INHALT 02/07

KURZ UND BÜNDIG 4

News aus der Gesundheitsförderung

Schwerpunkt JUGEND UND RAUSCH 10

RAUSCH

Auf der Suche nach Grenzerfahrungen

10

TRINKEN BIS ZUM UMFALLEN 14

Das Phänomen Komatrinken

GUTE JUGENDARBEIT 17

Was macht qualitätsvolle Jugendarbeit aus?

DER »ANDERE« RAUSCH 18

Nicht-substanzgebundene Rauscherlebnisse

SEHNSUCHT 20

Die Suche nach dem Sinn

ALKOHOL IM DIVERSITY-CHECK 21

Rauschfaktoren Geschlecht und soziale Herkunft

RAUSCHEXPERTEN IM INTERVIEW 22

Jürgen Einwanger und Gerald Koller

IM GESPRÄCH 26

Nadine von Starmania über den Traumberuf Sängerin

und ihre Gesundheit

DIE SIGIS-SERVICE-SEITEN 29 – 36

GESUNDE MOBILITÄT 38

Fitnesswunderrad

Wege zu einer gesunden Mobilität

PROJEKTE stellen sich vor 42

B.RAUSCHEND

Genuss statt Besinnungslosigkeit

42

DIE MENSTRUATION 43

Segen oder Fluch?

ADDHEALTH 44

Gesundes IT-Unternehmen

SCHAU AUF DICH! 45

Frauengesundheit in Vorarlberg

VOM SUPPENKASPAR ZUM GEMÜSETIGER 46

Gesundes Schulessen

FONDS AKTIV 47

Die Alkoholpräventionskampagne 2007

NEUES AUS DER WISSENSCHAFT 48

Charta gegen Übergewicht und Adipositas

MENSCHEN IM FONDS 50

KALENDER 51

EDITORIAL

Liebe Leserin,

lieber Leser!

R

ausch ist ein

Thema, das

polarisiert

und Emotionen

weckt – insbesondere,

wenn es sich dabei um

Jugendliche handelt. Komatrinken

ist ein Schlagwort,

das neuerdings Wellen schlägt: Teenager,

die sich – offenbar grundlos – bis zur

Besinnungslosigkeit nieder trinken. Studien zu

Folge beginnen Jugendliche in immer jüngeren

Jahren zu trinken. Momentan ist das Einstiegsalter

bei etwa zwölfeinhalb Jahren. Eine Entwicklung,

die Besorgnis erregend ist.

Rauschartige Erfahrungen können allerdings

auch durch nicht-substanzbezogene Handlungen

ausgelöst werden: Man denke an Kaufrausch,

Spielrausch, Sexrausch oder Geschwindigkeitsrausch.

Rausch hat viele Gesichter und es

gilt: Die Dosis macht das Gift. Denn die Sehnsucht

nach rauschartigen Erfahrungen ist so alt

wie die Menschheit selbst. Schon die Jäger und

Sammler der Frühzeit kannten berauschende

Substanzen und die Griechen wiesen dem

Rausch sogar einen Gott zu: Dionysos. Konnte

man sich früher auf Initiationsriten stützen, so

stehen Teenager heute oftmals ohne erfahrene

Begleiter da. Sie müssen erst lernen, den schmalen

Grat zwischen Genuss und Absturz zu meistern.

Die vorliegende Ausgabe nimmt sich dieses

polarisierenden Themas an und lässt Experten

zu Wort kommen. Entwicklungen und Hintergründe

werden ebenso beleuchtet wie das

Jugendschutzgesetz, vorbildliche Projekte und

neue Qualitätsrichtlinien in der Jugendarbeit.

Unsere Titelgeschichte gilt diesmal der Starmania-Gewinnerin

Nadine. Wie die junge

Tiroler Sängerin zum Thema Gesundheit steht,

wie sie sich entspannt, warum sie Action und

Schokolade braucht und welche Ziele sie im

Leben anpeilt, erfahren Sie ab Seite 26.

Ich wünsche Ihnen einen schönen, erholsamen

Sommer und eine anregende Lektüre.

Mag. Christoph Hörhan

Leiter des Fonds Gesundes Österreich

GESUNDES ÖSTERREICH

3


WEG-Projekt:

Gesundheitsförderung in

Klein- und Mittelbetrieben

Das Modell-Projekt »WEG – Wirtschaftlicher

Erfolgsfaktor Gesundheit« des

Fonds Gesundes Österreich verfolgte das Ziel,

vorbildliche Aktivitäten der Gesundheitsförderung

speziell für Klein- und Mittelbetriebe

aufzubauen, umzusetzen und zu evaluieren,

praxisnahe Umsetzungsmodule zu entwickeln,

und die Übertragbarkeit der erarbeiteten

Modelle sicher zu stellen. Insgesamt nahmen

zwölf KMUs aus den »Old Economy«-

Bereichen teil, mit welchen die »Kontaktstelle

des Österreichischen Netzwerks für Betriebliche

Gesundheitsförderung« beauftragt wurde.

In den Modellbetrieben wurden umfangreiche

betriebliche Gesundheitsförderungsprojekte

umgesetzt, die den Kreislauf von

Diagnose, über Gesundheitsberichterstattung,

Gesundheitszirkel, Umsetzungsmaßnahmen

und Evaluierung durchlaufen haben.

Das Projekt wurde von Mag. Dr. Wolfgang

Dür vom Ludwig Boltzman Institut für

Medizin- und Gesundheitssoziologie wissenschaftlich

begleitet und evaluiert. Zentrales

Ziel des Projektes war die Identifikation von

besonderen Schwierigkeiten der Klein- und

Mittelbetriebe im Bereich der Gesundheitsförderung.

„Als dominant äußerten sich

Belastungen psychosozialer Art, z. B. in

Problemen mit der Führung.“, so Dr. Dür.

Vor diesem Hintergrund wurden für Unternehmenschef/innen

und Projektleiter/innen

auf Betriebsebene entsprechende Schulungen

entwickelt. Bezüglich der Nachhaltigkeit

und des Transfers des Projektes wird auf die

ausführliche Dokumentation der Projekterfahrungen

hingewiesen. Weitere Informationen

über das Projekt, inhaltliche Schritte

und konkrete Beispiele finden sich auf der

Homepage www.netzwerk-bgf.at

4 GESUNDES ÖSTERREICH

KURZ UND BÜNDIG

Gender & Health: Männer, Frauen und Gesundheit

Am 12. März 2007 veranstaltete die

OÖGKK in Kooperation mit dem Fonds

Gesundes Österreich, dem Land OÖ und

dem Institut für Gesundheitsplanung eine

Tagung zum Thema »Gender & Health« in

Linz. Im Rahmen der Veranstaltung diskutierte

eine Runde namhafter Expert/innen

über aktuelle Ergebnisse und Planungsansätze

zu einer geschlechtergerechten Gesundheits-

und Gesundheitsförderungspolitik.

Nationalratspräsidentin Mag. Barbara

Prammer sieht die Probleme in einem undifferenzierten

Gesundheitssystems, das

vorhandene biologische, ökonomische sowie

Unterschiede in den Lebenswelten zu

wenig berücksichtigt. Gesundheitslandesrätin

Dr. Silvia Stöger spricht sich für eine geschlechtergerechte

Datenerhebung und

Zielformulierung aus und fordert: „Wir

müssen die Ärzte in geschlechtersensiblen

Fragen schulen.“. Um differenziert auf die

Bedürfnisse von Frauen und Männern einzugehen,

müsse man „lernen, genauer hinzuschauen“,

so Univ.-Prof. Dr. Petra Kolip

von der Universität Bremen. Die auf Gender

und soziale Faktoren fokussierenden Analysen

der Linzer Gesundheitsbefragung zeigten

etwa laut Mag. Richard Birgmann vom

Institut für Gesundheitsplanung und Mag.

Sarah Sebinger von der OÖGKK bei Frauen

der Altersgruppe zwischen 50 und 70 Jahren

mit niedriger Schulbildung einen besonders

schlechten subjektiven Gesundheitszustand.

Über das laufende Projekt der OÖGKK,

»Soziale Ungleichheit, Gender und Gesundheit«

berichtete Mag. Dr. Andrea Wesenauer,

Mitglied des Direktoriums der OÖGKK.

„Wir wollen damit auch die Treffsicherheit

unserer Produkte und Services erhöhen“,

meint Wesenauer.

Abschlussveranstaltung zu

»Gender Mainstreaming im Gesundheitswesen«

Am 27. März 2007 fand in Wien eine Podiumsdiskussion zum Thema

»Gender Mainstreaming im Gesundheitswesen unter den Aspekten

Gender Medicine, Gender Budgeting und Gender & Recht«

statt. Die Diskussion wurde von der Entwicklungspartnerschaft »Gesundes

Gesundheitswesen« organisiert und bildete den Abschluss einer

dreiteiligen Veranstaltungsreihe und zugleich den Rahmen der Präsentation des dazugehörigen

Dokumentationsbandes.

Die Entwicklungspartnerschaft (EP) »Gesundes Gesundheitswesen« besteht aus 20 Partnerorganisationen

und wird im Rahmen des EU-Programms »Equal« umgesetzt. Im Gesundheitssektor,

als Zielsektor des Wirkens der EP, liegt der Frauenanteil auf der Ebene der

Basisarbeiter/innen bei 77 %, auf der Leitungsebene ist die Verteilung hauptsächlich männlich

dominiert. Gerade in einem von Frauen dominierten Berufsfeld ist es notwendig, alle

Bereiche unter dem Aspekt des geschlechtergerechten Vorgehens zu sehen, um Veränderungen

im Sinne der Geschlechterdemokratie zu erreichen. Der inhaltliche Bogen des

präsentierten Dokumentationsbandes

spannt sich daher von der Integration von

Gender- und Diversitätsaspekten auf politischer

und organisatorischer Ebene über

psychoanalytische Betrachtungen zur ärztlichen

Standespolitik bis hin zu Geschlechterdifferenzen innerhalb des Rechtsdiskurses.

Ergänzt wurde der Band durch eine Gender-Budgetanalyse der oberösterreichischen

Landesregierung.


9. Geriatriekongress: Kreativität im Alter –

Kreativität für das Alter

Vom 9. bis 12. Mai 2007 fand in Wien der

9. Internationale Geriatriekongress statt.

Bereits zum zweiten Mal wurde die Veranstaltung

von der Kooperation der Deutschen

und der Österreichischen Gesellschaft für

Gerontologie und Geriatrie getragen. Heuer

stellte sie erstmalig eine Fusion der beiden

anerkannten Tagungen Geriatrie und Gerontologie

dar. Durch die Integration von

Expert/innen aus Deutschland, der Schweiz

und anderer europäischer Länder wurde der

Betriebliche

Gesundheitsförderung in

der Schweiz

»Work-Life-Balance als

Gewinn für Betriebe und

Mitarbeitende« war das

Thema der nationalen Tagung zur betrieblichen

Gesundheitsförderung vom 29. März

2007 an der Universität St. Gallen. Veranstaltet

wurde die Tagung vom Staatssekretariat

für Wirtschaft und Gesundheitsförderung

Schweiz, das sich zum Ziel gesetzt hatte, rund

450 Teilnehmer/innen aus der Privatwirtschaft

und dem öffentlichen Dienst über die

Wege und Mittel zu einer gelungenen Work-

Life-Balance zu informieren.

Verschiedene Entwicklungen gefährden die

Balance zwischen Erwerbsarbeit und den anderen

Lebensbereichen. Je nach beruflicher

Stellung und Branche geben bis zu 25% der

Erwerbstätigen in der Schweiz an, dass sie

größere Schwierigkeiten haben, Beruf und

Familie respektive Privatleben miteinander

zu vereinbaren. Dies stellt nicht nur für die

Betroffenen ein Problem dar, sondern es entstehen

auch hohe Kosten für die Betriebe

KURZ UND BÜNDIG

Wissensspielraum in

diesem noch sehr jungen

Fach erweitert.

Gemeinsam beschäftigte man sich mit den

klassischen Themen der Geriatrie, wobei das

Motto »Kreativität im Alter – Kreativität für

das Alter« im Mittelpunkt der Veranstaltung

stand. Alte und hochbetagte Menschen sind

kreativ in ihrer Alltagsgestaltung und in der

Kompensation von Defiziten. Sie entwickeln

Fantasie, allerdings zum Teil auch, um aus

den unerfreulichen Mauern des eigenen

Körpers und der sozialen

Kälte zu entfliehen. Im Rahmen der

Tagung wurde von internationalen

Erfahrungen und Dialogen profitiert

und neue Betreuungsstrukturen,

Arbeitszeitmodelle und Intergenerationenkooperationen

wurden diskutiert.

Die Verleihung des Ignatius-

Nascher-Preises der Stadt Wien am

9. Mai 2007 im Wiener Rathaus bildete

den Auftakt der Veranstaltung.

Der Preis steht für Kontinuität,

Wertschätzung des Alters, aber auch

für die Neugierde und Wissenschaftlichkeit

im Bereich der Geriatrie.

und die Volkswirtschaft. Viele Unternehmen

haben bereits erkannt, dass sich Investitionen

in eine gute Work-Life-Balance ihrer Mitarbeitenden

lohnen. Das Angebot von Maßnahmen

für mehr Lebensqualität ist breit und

reicht von flexibler Arbeitszeit, Jobsharing,

Sabbatical, Teleworking, firmeneigenen Kinderkrippen

und großzügigen Elternschaftsurlauben

über Weiterbildungs- und Trainingsprogrammen

bis hin zu Wellnessangeboten

im Betrieb.

Bewegungscharta

»Fit für Österreich«

»Fit für Österreich« ist eine Initiative des

Bundeskanzleramtes und der Österreichischen

Bundes-Sportorganisation gemeinsam mit

den drei Sportdachverbänden ASKÖ, ASVÖ

und SPORTUNION für den gesundheitsorientierten

Sport. Das große gemeinsame Ziel

lautet: »Mehr ÖsterreicherInnen zum Sport!«

Aufgrund der vielfältigen negativen Gesundheitsfolgen

von Bewegungsmangel fordert die

Weltgesundheitsorganisation (WHO) dazu

auf, körperlicher Aktivität als Mittel der

Gesundheitsförderung und Krankheitsprävention

auf nationaler Ebene mehr Aufmerksamkeit

zu schenken. Vor diesem Hintergrund

wurde anlässlich des »Fit für Österreich«-Forums

am 22. März 2007 eine fünf

Punkte umfassende Charta für mehr Bewegung

vorgestellt und vor Ort von politischen

Entscheidungsträgern unterzeichnet. Die Inhalte

der Charta beziehen sich auf die Förderung,

Aufklärung und Erziehung zur körperlichen

Aktivität in allen Lebensbereichen. Die

Unterzeichner der Charta dokumentieren

ihren Willen, in ihren Einflussbereichen verstärkt

für Bewegung und die Förderung eines

gesunden Lebensstils aktiv einzutreten.

20 Jahre Selbsthilfeunterstützung in München

So lautet der Titel der Jubiläumspublikation, die das Selbsthilfezentrum München nun

herausgegeben hat.

„Hilfe zur Selbsthilfe ist das oberste Prinzip jeglicher Sozialarbeit und Sozialpolitik,“ weiß

Christine Strobl, 2. Bürgermeisterin der Landeshauptstadt München. Als eine der ersten

Kommunen Deutschlands hat München diese Entwicklung erkannt, Selbsthilfegruppen

finanziell unterstützt und das Selbsthilfezentrum gefördert. Inzwischen gibt es rund 1.500

aktive Selbsthilfegruppen in der Stadt.

Das Büchlein ist ein Querschnitt über 20 Jahre Arbeit und wendet sich an Interessierte, Engagierte

und Professionelle der Selbsthilfe-Szene. Es gibt Einblick in die Arbeit, informiert

über die Unterstützungsleistungen des Selbsthilfezentrums und beleuchtet die Intentionen

von Kooperationspartnern. Das Wirken von Selbsthilfegruppen wird ebenso beschrieben

wie Fördermöglichkeiten und die Zusammenarbeit mit professionellen Gesundheitsarbeitern.

Nicht zuletzt werden einzelne Selbsthilfegruppen nach Themenbereichen

beschrieben: von Angst, Mobbing und Anonymen Spielern bis Borreliose und Psoriasis.

GESUNDES ÖSTERREICH

5


2. Steirische Gesundheitskonferenz:

Erarbeitung neuer Ziele

»Gesundheitsfördernde Politik mitgestalten«

lautete das Motto der 2. Steirischen Gesundheitskonferenz,

die am 28. März 2007 in Graz

stattfand. Etwa 300 steirische Experten und

Expertinnen wurden dort in den Diskussionsprozess

eingebunden, der noch heuer

in weiteren regionalen Gesundheitskonferenzen

stärker vertieft werden soll.

»Von der Krankheits- zur Gesundheitspolitik«

– unter diesem prägnanten Motto lässt

sich der Weg der steirischen Gesundheitspolitik

für die nächsten Jahre zusammenfassen:

Der Schwerpunkt wird sukzessive von

der »Reparaturmedizin«, also der Heilung

von Krankheiten auf deren Vermeidung verschoben.

Auf dem Weg dahin steckt sich die

steirische Gesundheitskonferenz drei Ziele:

gesunde Lebensverhältnisse schaffen, Rahmenbedingungen

für ein gesundes Leben

entwickeln und ein gesundheitsförderndes

Gesundheitssystem gestalten.

„Jetzt stehen wir am Start und es geht darum,

gemeinsam Ziele festzulegen. Dann

aber bedarf es tausender einzelner Schritte“,

gibt Gesundheitslandesrat Mag. Helmut Hirt

den Weg vor. Die geplanten Maßnahmen sollen

in alle Lebensbereiche Einzug halten:

vom gesunden Bauen bis zur Lebensmittelsicherheit,

von den Lehrplänen in Schulen

und Projekten in Kindergärten bis hin zur

Unfallprävention im privaten Umfeld ebenso

wie am Arbeitsplatz.

Konferenz: Gesundheitsförderung

als österreichische

Strategie

Am 4. Juni 2007 fand die 9. Österreichische

Gesundheitsförderungskonferenz

des Fonds Gesundes Österreich in Salzburg

statt. Etwa 350 Teilnehmer aus verschiedensten

Politikfeldern zeichneten diese Konferenz

aus. Der Schwerpunkt der Veranstaltung

mit dem Titel »Gesundheitsförderung als

österreichische Strategie« lag vorwiegend auf

der Fokussierung von erfolgreichen Initiativen

in gemeinsamen Gesundheitszielen.

Auch wird die Notwendigkeit einer Weiterentwicklung

der Gesundheitsförderung in

Österreich gesehen. Um die Lebensqualität

und die Gesundheit der Bevölkerung wirksam

und nachhaltig zu fördern, ist eine

gemeinsame Steuerung und Koordination

von Ressourcen und Aktivitäten notwendig.

Alle Details über die 9. Österreichische

Gesundheitsförderungskonferenz werden in

unserer kommenden Ausgabe berichtet.

6 GESUNDES ÖSTERREICH

KURZ UND BÜNDIG

APOFONDS Preise für die aktivsten Apotheken

Bei der 9. Österreichischen Gesundheitsförderungskonferenz

in Salzburg wurde

der »APOFONDS – Preis für Gesundheitsförderung

in Apotheken« vergeben. Ausgezeichnet

wurden jene Apotheken, die 2006 am

aktivsten zum Erfolg der Infoaktion beigetragen

haben, die gemeinsam von der Österreichischen

Apothekerkammer, der Arge

Pharmazeutika und dem Fonds Gesundes

Österreich durchgeführt wird. Im Rahmen

der im Herbst 2005 gestarteten Aktion liegen

drei Broschüren mit Infos und Tipps zu den

Themen Bewegung, Ernährung und Seelische

Gesundheit kostenlos in allen österreichischen

Apotheken auf. Der 1. Preis für rund 7.000

verteilte Broschüren ging an die Sonnen-Apotheke

aus Mattighofen: ein Wellnesswochenende

und Thermen-Tageseintrittskarten, die

Mag. Dieter Kirnbauer entgegen nahm. Der

Europakonferenz: No Health without

Mental Health – from Slogan to Reality

Die »Mental Health Europe Conference

2007« fand von 31. Mai bis 2. Juni 2007

erstmalig in Wien statt und wurde von pro

mente Wien im Auftrag von Mental Health

Europe und pro mente Austria organisiert, Kofinanzier

war der Fonds Gesundes Österreich.

Im Mittelpunkt der Konferenz stand neben der

Präsentation der Ergebnisse des Beratungsprozesses

zum Grünbuch der Europäischen Kommission

zur »Verbesserung der psychischen

Gesundheit der Bevölkerung«, die Entwicklung

einer künftigen »Europäischen Strategie für

psychische Gesundheit«. Dabei soll besonderes

Augenmerk auf die Verbindung und das Zusammenwirken

zwischen den verschiedenen

Bereichen der EU-Politik und deren Auswirkung

auf die psychische Gesundheit und das

3. Preis – ein 300 Thermengutschein und

Thermen-Tageseintrittskarten – wurde von

Dr. Herbert Cabana von der Heilfried Apotheke

in Wien persönlich entgegen genommen.

Überreicht wurden die Preise an die Gewinner

des 1. und 3. Preises von den Vertreter/innen

der Kooperationspartner: Dr. Andrea

Kdolsky, Gesundheitsministerin und Präsidentin

des FGÖ, Dr. Christiane Körner, Vizepräsidentin

der Österreichischen Apothekerkammer

und Dr. Andreas Janka von der Arge

Pharmazeutika. Die Preisträger des 2. Preises

und 4.–10. Preises erhalten die Preise per Post.

„Der österreichischen Bevölkerung wird mit

unserer Infoaktion ein flächendeckender, einfacher

Zugang zu diesen populären und

höchst informativen Broschüren ermöglicht.“,

sagte stellvertretend für die Kooperationspartner

Dr. Christiane Körner.

Wohlbefinden der Bevölkerung gelegt werden.

Das umfangreiche Angebot der dreitägigen

Konferenz bot Teilnehmer/innen aus allen

europäischen Ländern zahlreiche Gelegenheiten,

um Informationen weiterzugeben.

Vorträge, »Round Table«-Diskussionen und

Workshops gaben einen angemessenen Rahmen,

um Wissen zu vertiefen und sich über

bewährte Methoden auszutauschen. Die im

Bereich der psychischen Gesundheit auf

nationaler und europäischer Ebene tätigen

Organisationen und Institutionen hatten die

Chance, Strategien zur Förderung von psychischer

Gesundheit zu diskutieren und

Möglichkeiten für mehr und intensivere

grenzüberschreitende Zusammenarbeit in

der EU auszuloten.


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TRAININGSEINHEITEN FÜR PSYCHISCH KRANKE MENSCHEN

An die Geräte!

Regelmäßiger Sport tut einfach gut. Man wird aktiver, fühlt sich wohler und hat das gute

Gefühl etwas für die Gesundheit zu tun. Das Fitnessstudio Reinhard Ris in Zwettl ist

Schauplatz einer ganz besonderen Trainingseinheit. Jeden Mittwoch treffen sich hier psychisch

kranke Menschen, um gemeinsam ins Schwitzen zu kommen.

Die Gruppe

beim Training

Dr. Irina Taschler feierte Geburtstag

– nicht ohne ihre Klienten bei dem

fröhlichen Fest zu vergessen. Die

ärztliche Leiterin des psychosozialen

Dienstes im Waldviertel und in St. Pölten

hatte sich ein Projekt in den Kopf gesetzt.

Um es auch umsetzen zu können, bat sie

Freunde und Gäste um einen Beitrag. 1200

Euro kamen zusammen, die den Grundstein

für das Fitnessprojekt setzten, das einer

besonders unterstützungsbedürftigen

Klientel zugute kommt.

»Club Aktiv« ist ein Angebot des psychosozialen

Dienstes der Caritas Diözese St.

Pölten, das psychisch kranken Menschen

ein attraktives Freizeitprogramm machen

will. So griff man vor beinahe vier Jahren

das Programm »Gesünder Leben leicht gemacht«

auf. Die Firma Eli Lilly entwickelte

es, um mit den Säulen gesunde Ernährung

und Bewegung etwas mehr Lebensfreude,

Wohlbefinden und Motivation ins

oft auf Krankheit und Therapie fokussierte

Leben der Patienten zu bringen.

Der wöchentliche Ausflug ins Fitnessstudio

ergänzt das Programm perfekt.

„Anfangs habe ich keine Ruhe gegeben“,

schildert die Psychiaterin die anfänglichen

Psychiaterin Dr. Irina Taschler und

Fitnessstudiobesitzer Reinhard Ris

Widerstände ihrer Klienten. Mittlerweile

kann sie sich über begeistertes Feedback

der rund 18 »Sportler« freuen. Die Erfolge

sind sichtbar: bei manchen purzelten die

ersten Kilos, andere unternehmen auf einmal

regelmäßige Spaziergänge an der frischen

Luft. „Dabei geht es nicht nur um

Fitness, sondern auch darum, Spaß in der

Gruppe zu haben und Freundschaften

zu knüpfen. Schließlich bedeutet eine

schwere psychische Erkrankung für viele

Menschen auch Isolation. Aber auch die

Regelmäßigkeit und der Rhythmus tun

vielen gut, denn oft haben Psychiatriepatienten

Schwierigkeiten mit Alltagsstrukturen.

So kann man sie in einem

Rahmen abseits der eigentlichen Therapie

unterstützen“, schildert Dr. Irina Taschler

die vielen positiven Aspekte.

Auch Reinhard Ris, der Betreiber des

Fitnessstudios unterstützt die Aktion, so

dass die Patienten lediglich einen Euro

aufbringen müssen. „Solange wir Geld

haben, verbrauchen wir es“, sieht Irina

Taschler energiegeladen in die Zukunft

und packt selbst mit an, wenn es gilt, ein

Gerät auf die richtige Körpergröße einzustellen.

Ein Ernährungs- und Bewegungsprogramm

für

psychisch kranke

Menschen

Für alle Menschen ist es essentiell einen gesunden,

ausgewogenen Lebensstil zu pflegen

– umso mehr, wenn jemand den Belastungen

einer psychischen Erkrankung ausgesetzt ist.

Meist stehen die Krankheit, ihre unmittelbaren

Folgen und die Therapie im Vordergrund.

Sehr oft ist das persönliche Wohlbefinden

beeinträchtigt, Gewichtszunahme

ist häufig eine Begleiterscheinung der Erkrankung.

Durch das Gruppenprogramm »GESÜNDER

LEBEN leicht gemacht« kann gelernt

werden, gesunde Ernährung und regelmäßige

Bewegung in den Alltag zu integrieren! Damit

soll die Lebensqualität der Betroffenen erhöht

werden.

Weitere Informationen zum Programm erhalten

Sie von Elisabeth Tschuschnigg, Diaetologin,

Eli Lilly GmbH, Kölblgasse 8-10, 1030

Wien, Tel: 01/711 78-428, Fax:

01/711 78- 551, Bald auch im

Internet: www.gllg.at

GESUNDES ÖSTERREICH

7


Ernährungskongress der

Diätolog/innen

Am 15. und 16. März 2007 fand in Wien

der 24. Ernährungskongress der

Diätologen Österreichs statt. Mehr als 500

Teilnehmer beschäftigten sich mit den verschiedensten

Facetten des metabolischen

Syndroms, d. h. mit Stoffwechselerkrankungen

wie Adipositas und Diabetes. Der

Fokus lag dabei auf der Ernährung als Prävention

und Therapie. Da sich Wohlstandserkrankungen

in unserer zivilisierten Welt

zunehmend zu einer Epidemie entwickeln,

sind alle im Gesundheitssystem tätigen

Berufe gefordert.

Bereits 37 Prozent der erwachsenen Bevölkerung

sind übergewichtig, 9,1 Prozent

leiden an Adipositas. Übergewicht und

Adipositas treten bereits in immer früheren

Jahren auf. Vor diesem Hintergrund wurde

ein eigener Part der Veranstaltung den Behandlungsmöglichkeiten

adipöser Kinder

und Jugendlicher gewidmet. Den Abschluss

bildete eine Podiumsdiskussion, bei der

Mag. Christoph Hörhan vom Fonds Gesundes

Österreich die Wichtigkeit verhältnispräventiver

Ernährungsprojekte betonte.

Mögliche diskutierte Strategien umfassen

verstärkte Präventionsmaßnahmen in Kindergärten

und Schulen, Optimierung der

Preisgestaltung von gesunden Produkten,

Restriktionen der Werbestrategien der

Lebensmittelhersteller, die den Begriff

»Gesundheit« oftmals unsachgemäß einsetzen,

und nicht zuletzt das Schaffen von

genügend Bewegungsmöglichkeiten.

8 GESUNDES ÖSTERREICH

KURZ UND BÜNDIG

VEÖ-Tagung: Maßgeschneidert essen

Am 26. und 27. April fand in Wien die

Jubiläumstagung des Verbandes der Ernährungswissenschafter

Österreichs (VEÖ)

zum Thema »Maßgeschneidert essen –

Functional Food als Hoffnungsträger oder

Nischenprodukt« statt. Hochkarätige Expert/innen

beleuchteten das aktuelle Thema

aus interdisziplinärer Sicht. Der Themenbogen

spannt sich von ernährungsphysiologischen,

lebensmitteltechnologischen und

rechtlichen Aspekten über zielgruppenassoziierte

und produktgruppenspezifische Anwendungen

bis hin zu treffsicherer Kommunikation.

Wurde früher in erster Linie gegessen, um

satt zu werden, so sollen die heutigen

Lebensmittel möglichst schlank und gesund

erhalten. Hier kommen funktionelle Lebensmittel

gerade recht. Die Akzeptanz für

»Lebensmittel mit Zusatznutzen« ist hoch.

Rund 62 % eines befragten Kollektivs von

Erwachsenen gaben an, nährstoffangereicherte

Lebensmittel zu kaufen. Ansätze für

einen sinnvollen Einsatz, Kaufverhalten und

Sicherheitsbewertung von Functional Food

wurden im Rahmen der Tagung näher

beleuchtet werden. Außerdem galt es, mögliche

Auswirkungen der Verordnung über

nährwert- und gesundheitsbezogene Angaben,

die ab dem 1. Juli 2007 in Kraft treten

wird, zu diskutieren.

Ernährungshotline jetzt auch im Internet

E rgänzend zur telefonischen Ernährungshotline bietet der Fonds Gesundes Österreich

gemeinsam mit dem Verein für Konsumenteninformation seit Mitte März ein kostenloses

Service an. Auf dem neuen Internetportal www.ernaehrungshotline.at können Interessierte

rund um die Uhr Fragen zum Thema Ernährung stellen. Ernährungswissenschaftler/innen

geben individuelle, unabhängige und kompetente Antworten. Zudem

werden alle Anfragen und Antworten gesammelt und können von anderen Interessierten

jederzeit eingesehen werden. Das Portal liefert somit umfassende und aktuelle Informationen

zu Themenbereichen wie gesunder Ernährung, Diäten, Adipositas, Lebensmittelallergie,

Nahrungsergänzungsmittel und Abnehmen.

Dieses neue Infoportal erweitert die Palette von Serviceangeboten des Fonds Gesundes

Österreich. Wie gewohnt werden Fragen gerne auch am Telefon unter 0810/810 227

(Mo-Fr, 9.00–15.00, österreichweit zum Ortstarif) beantwortet.


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ZAHLREICHE OFFENE FRAGEN FÜR PATIENTEN UND IHRE ANGEHÖRIGE

Expedition durch die

menschliche Seele

Das Gesundheitsmagazin innenwelt und MINI MED Studium

zeigen »Wege zur seelischen Gesundheit«.

Psychische Erkrankungen nehmen

dramatisch zu. Gemeinsam mit

Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind

Depressionen mittlerweile die häufigste

Krankheit unserer Zeit. Im Jahr 2005

waren europaweit 59,6 % der 18- bis 65-

Jährigen von Depressionen, Psychosen,

Angsterkrankungen oder Burn-out betroffen.

Eine »kranke Seele« ist also bei Weitem

kein Einzelschicksal mehr. Trotzdem werden

psychische Leiden noch immer tabuisiert

und stigmatisiert. Mit schwer wiegenden

Folgen für die Betroffenen: Sie versuchen

ihre Probleme oftmals vor der Umwelt

geheim zu halten und scheuen sich davor, einen

Arzt aufzusuchen – was ihr Leiden meist

unnötig verlängert.

innenwelt setzt auf

Aufklärung

Die innenwelt – das Patientenmagazin

rund um

seelische Gesundheit – leistet

seit Jahren einen wichtigen

Beitrag, wenn es darum

geht, die Vorurteile gegenüber

psychisch Kranken abzubauen.

Mit kompetenter

Information und spannendem

Lesestoff rund um unser

Innerstes macht sie den

Betroffenen Mut, offen mit

ihrem Leiden umzugehen.

Die starke Resonanz bestätigt

das große Interesse der

Österreicher an diesem

Thema – zeigt aber auch,

dass es seitens der Patienten

und ihrer Angehörigen

zahlreiche offene Fragen

gibt. Um diesem wachsenden

Informationsbedarf gerecht

zu werden, hat die

innenwelt-Redaktion beschlossen,

zusätzlich zu ihren

regelmäßigen Ausgaben

ein Sonderheft zu veröffentlichen:

innenwelt Spezial

– »Wege zur seelischen Ge-


ja, ich möchte die innenwelt im gratis-abo lesen …

Name

Vorname

PLZ/Ort

Straße/Nr.

Tel.

E-Mail

sundheit«. In diesem Nachschlagwerk für

Laien erklären namhafte Experten die häufigsten

psychischen Erkrankungen – von A

wie Angststörung bis Z wie Zwang: Wie entstehen

diese Leiden, wie werden sie diagnostiziert,

wie werden sie behandelt? Ein praktischer,

leicht verständlicher Wegweiser durch

den »Kosmos Seele« – für Betroffene, ihre

Familien und alle, die Lust auf eine lehrreiche

Expedition durch die menschliche

Innenwelt haben.

Vom Studium der Seele

Auch Österreichs erfolgreichste Gesundheitsveranstaltungsreihe

– MINI MED Studium

– hat die wachsende Bedeutung des

Themas »psychische Erkrankungen« erkannt.

Die populäre »Uni für das Volk« widmet

regelmäßige Service-Infos, Tipps,

wichtige Adressen und interessanten

Lesestoff zu den

wichtigsten Fragen

rund um das

Thema seelische

Erkrankungen

„Wege zur

seelischen Gesundheit“

als einmaliges

Willkommensgeschenk

daher unserer Seele eine ganze Vortragsreihe.

In den nächsten Wochen geben Psychiater,

Neurologen und Psychotherapeuten einer

breiten Öffentlichkeit Einblick in unser

Innerstes. Wie auch die innenwelt will MINI

MED mit diesem thematischen Schwerpunkt

für mehr Verständnis sorgen. Und das im

doppelten Sinn:

Denn wer versteht, wie die Seele funktioniert,

wodurch psychische Krankheiten hervorgerufen

werden, der hat auch mehr Verständnis

für Betroffene, ihre Angehörigen

und für die eigenen psychischen Schieflagen.

Übrigens: Bei MINI MED Vorträgen zum

Thema »Psyche« liegt die innenwelt Spezial

gratis als Skriptum auf! Das aktuelle MINI

MED Vorlesungsprogramm finden Sie unter:

www.minimed.at.

Redaktion innenwelt

Auhofstraße 92/6a

1130 Wien

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GESUNDES ÖSTERREICH

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9


10 SCHWERPUNKT

Jugend und Rausch

14 Trinken bis zum Umfallen

Phänomen Binge Drinking

17 Gute Jugendarbeit

Qualitätsstandards

18 Der »andere« Rausch

Nicht-substanzgebundene

Rauscherlebnisse

20SehnSucht

Die Suche nach dem Sinn

21 Alkohol im Diversity-Check

Rauschfaktoren Geschlecht

und soziale Herkunft

22Experteninterview

Jürgen Einwanger und

Gerald Koller

10 GESUNDES ÖSTERREICH

Jugend und Rausch

RAUSCH –JUGEN

ZURGRENZERFA

Der Begriff Rausch wird in unserer Gesellschaft vor allem der

Alkohol- oder Drogenkonsum gleichgesetzt. Doch generell

wird der Begriff für den Zustand intensiven Erlebens verwendet,

der bis hin zur Ekstase reichen kann.

R

ausch bedeutet generell einen

Ausstieg aus Alltagskonstruktionen,

Verlassen der gewohnten

Normen und Veränderung des

Zeitempfindens. Dies ist stark verbunden mit

den Sehnsüchten des Menschen, die durchaus

auch im Sinne von Entspannung und

Distanzierung positiv genützt werden kön-


Rauscherfahrungen sind

immer mit einem Risiko

verbunden: Sei es beim

Genuss von Alkohol, beim

Sport, beim Arbeiten,

Spielen oder Lieben.

Gerade Jugendliche müssen

erst lernen, den schmalen

Grad zwischen Genuss und

Absturz zu meistern.

Jugend und Rausch

LICHE AUF DEM WEG

HRUNG

nen. Rauschhaftes Erleben ist ein Teil

menschlichen Erlebens. Das zeigt auch, dass

der wesentliche lebensspendende Akt der

Sexualität in der menschlichen Biologie als

Rauscherlebnis angelegt ist. MMag. Manfred

Zentner vom Institut für Jugendkulturforschung

weiß: „Es gab nie eine Zeit ohne

Rausch und Droge, und die wird es auch nie

geben. Das ist kein Phänomen des 20. Jahrhunderts.

Im Endeffekt geht es darum,

Glücksgefühle zu haben und diese Suche

wird immer da sein. In unserer Zeit des

Präventionswahnsinns ist es leider so, dass

Rausch sehr eng mit Alkohol und Drogen

konnotiert wird.“

Der Rauschbegriff ist vieldeutig, man

spricht vom Liebesrausch, vom Geschwindigkeitsrausch

bis hin zum Blutrausch. Eine

Auseinandersetzung mit dem »Rauschhaften«

muss sich daher mit den verschiedenen

Dimensionen und Intensitätsgraden der

Rauscherfahrung befassen. Das berauschende

Erlebnis trägt noch kein hohes Risiko in

sich, Ekstase selbst bedeutet hohe Verantwortung

und Vorbereitung, um mit den freigewordenen

psychischen Kräften wirklich

umgehen zu können. Welche Intensität des

Rausches die Menschen suchen, ist sehr individuell

und schwer vorher bestimmbar.

„Es ist ein gezieltes In-Kauf-Nehmen eines

Kontrollverlustes. Das ist bei machen Menschen

positiv besetzt. Aber es gibt auch eine

große Fraktion, die diesen Kontrollverlust

nicht hinnehmen will, die sich dessen bewusst

ist, dass sie sich damit psychische und

physische Schäden zufügen können,“ so

Prof. Dr. Klaus Hurrelmann, Professor für

Sozial- und Gesundheitswissenschaften an

der Universität Bielefeld. Eine Auseinandersetzung

damit kann aber Bewusstheit und

damit erhöhte Verantwortung bringen.

Gerald Koller vom Büro Vital verweist auf

die Ambivalenz von Rausch und Risiko in

unserer Gesellschaft: „Auf der einen Seite

werden sie als mögliche Gefährdung von Stabilität

und Gesundheit problematisiert bzw.

moralisch verworfen – auf der anderen Seite

von politischen, wirtschaftlichen und sozialen

Kräften als wichtige ökonomische Nutzbringer

erkannt und eingesetzt.“ „Mit den politischen

Rahmenbedingungen ändert sich auch

die Bewertung. In unserer Kultur ist der

Arbeitsrausch bei vielen – fälschlicherweise

– positiv besetzt,“ so Christoph Lagemann,

Leiter des Instituts für Suchtprävention.

Männer und Frauen suchen verschiedene

Rauscherfahrungen: Bei Frauen geht es häufig

um das berauschende Erlebnis bis hin zur

Euphorie, bei der es immer noch eine gewisse

Kontrolle über das eigene Handeln gibt.

Junge Männer hingegen suchen sehr oft die

Ekstase, die Erfahrung der Grenze oder

Grenzüberschreitung, um sich darin selbst

zu spüren.

Das Bedürfnis nach Rausch

bei Jugendlichen

Wo kulturelle Brüche und Identitätsmankos

auftreten, dort wird die verdrängende

Fluchtwirkung des Rausches gesucht. „Das

war schon im alten Rom so und bewies sich

auch in den letzten Tagen der Naziherrschaft

im belagerten Berlin. Wenn Jugendliche

heute also vermehrt zu »binge-drinking-

Orgien« – Kampftrinken mit dem Ziel, mehr

zu vertragen als der/die Andere – neigen, so

ist das zuerst Anzeichen einer kulturellen

Problematik und weniger einer individuellen

oder sozialen“, weiß Gerald Koller.

In einer Welt, deren Zeitwahrnehmung sich

seit dem Jahr 1960 verfünfunddreißigfacht

hat, alles also immer schneller eintreten soll,

ist auch für den Umgang mit Rausch keine

Zeit. Er soll schnell und heftig in seiner Wirkung

sein und wird somit zum Spiegelbild

einer getriebenen Gesellschaft. Dies gilt

nicht nur für den Umgang mit legalisierten

oder illegalisierten Drogen, sondern auch

mit Medien, dem Spiel oder dem Einkaufen.

Wichtig ist dabei, nicht von legalen oder

illegalen Substanzen zu sprechen, da es sich

bei dieser Einteilung immer um politische

Prozesse handelt.

Klaus Hurrelmann weiß um die hohen

Anforderungen an die Jugendlichen: „Der

Druck, zu funktionieren, lastet hoch auf den

Individuen: Der Zeitdruck etwa wird wie ein

Korsett empfunden – vom einen mehr, vom

anderen weniger.“ Der Leistungsdruck beginnt

bereits in der Schule und setzt sich später

in der Arbeitswelt fort. Die Devise heißt:

Lebenslanges Lernen. Dazu kommt, dass die

Abgrenzung von den Erwachsenen für Jugendliche

schwieriger geworden ist. „Viele

Erwachsene wollen selbst nicht erwachsen

sein und dringen in die Jugendwelt ein. Die

echten Subkulturen sind in den letzen 10

Jahren verschwunden. Seit Tätowierungen

gesellschaftsfähig geworden sind und sich

kaum jemand über Piercings aufregt, müssen

Jugendliche sehr weit gehen, um Tabus zu

brechen,“ weiß Manfred Zentner.

Aspekte von Rausch

Psychologische Aspekte

Aus psychologischer Sicht kann der Rausch

differenziert gesehen werden und zwar

GESUNDES ÖSTERREICH

11


mittels phänomenologischer Beschreibung,

psychodynamischer Erklärungsmodelle sowie

Theorien und Untersuchungen, die sich

vor allem mit der Motivation zum Drogengebrauch

beschäftigen.

Drei Dimensionen können bei der Einteilung

der Rauschzustände unterschieden

werden: Der beglückende Aspekt, Angstzustände

bis hin zu Wahnvorstellungen und

verschiedene Veränderungen im Bereich von

Wahrnehmung, Erleben und Denken. (Vgl.

Dittrich Adolf 1985, Ätiologie – Unabhängige

Strukturen veränderter Wachbewusstseinszustände)

Das Nachlassen der Denkfähigkeit und

Selbstkontrolle sowie die Schwächung des

Ich-zentrierten Bewusstseins sind typische

Merkmale des Rauschzustandes.

Das psychodynamische Erklärungsmodell

versucht den Rausch mit dem Begriff Regression,

was ein Zurückgehen auf bereits

überwundene kindliche Denk-, Erlebnisund

Verhaltensformen bedeutet, darzulegen.

Der psychologische Aspekt beinhaltet auch

die Untersuchung zur Motivation des

Drogengebrauchs. Der Hauptgrund, warum

Jugendliche Drogen ausprobieren, ist in erster

Linie die Neugierde, verbunden mit der

Lust am Experimentieren sowie der Gruppenzwang,

um keine Außenseiter zu werden.

Soziologische Aspekte

Der Schwerpunkt soziologischer Theorien

liegt auf sozialem, interaktionellen und gesellschaftlichen

Aspekten der Rauschmitteleinnahme

bzw. des Rausches.

Dabei ist entscheidend, welche Funktion der

Rausch in sozialem, gesellschaftlichem und

historischem Zusammenhang einnimmt.

Eine wesentliche Bedeutung des Rausches ist

die Entlastung wie beispielsweise Hemmungsabbau

und Erleichterung bei Kommunikation

und Kontakten. Mit der Einnahme

von Drogen kann die Zugehörigkeit, der

soziale Status, Lifestyle, Identität und Abgrenzung

signalisiert werden. Drogen haben

hier eine symbolische Bedeutung. Sie können

in der Gesellschaft eine gewisse Funktionalität

erfüllen, wie zum Beispiel Leistungssteigerung,

oder auch eine Protestfunktion,

wie zum Beispiel der Drogenkonsum der

Hippiebewegung. Weitere Funktionen sind

religiöse, medizinische, hedonistische (Droge

als Genussmittel) sowie ökonomische. Soziologische

Theorien beschäftigen sich u. a.

damit, warum verschiedene psychoaktive

Substanzen illegalisiert wurden, während andere

legal erhältlich sind.

Prävention

Ein Konzept in der Prävention setzt auf die

Drogenmündigkeit. Dieses Konzept basiert

auf vier Bereiche und zwar der Drogenkunde

mit dem Erwerb von Wissen in Bezug auf

Drogen, der Genussfähigkeit von sowohl

12 GESUNDES ÖSTERREICH

Jugend und Rausch

sinnlichem als auch körperlichem Erleben

und der Rückkehr in den Alltag. Weiters

zählt dazu die Kritikfähigkeit, Situationen,

Anforderungen, mögliche Gefahren und

Konsequenzen sowie die eigene Entscheidungs-

und Handlungsfähigkeit realistisch

einschätzen zu können. Das Risikomanagement,

bei dem es um die Entwicklung von

Kompetenzen im Umgang mit möglichen

Risiken geht, ist ebenso Teil dieses Konzeptes.

Viele Fördermaßnahmen der Prävention

und Gesundheitsförderung, die auf Stärkung

der allgemeinen Lebenskompetenzen zielen,

sind die Grundlage für das »Risflecting«-

Konzept, bei dem es um den Umgang mit

Rausch und Risiko geht.

„So ist eine allgemeine Konsumkompetenz

wichtige Voraussetzung für die speziellen

Kompetenzen, die »Risflecting« anstrebt. Gemeint

ist damit, altersgemäß Substanzen und

entsprechende Quantitäten zu konsumieren,

ein zu früher Konsum psychoaktiver Substanzen

gilt nach allen Untersuchungen als

schädigend. Weiters soll auch ein Rhythmus

zwischen Genuss- und Verzichtsituationen

entwickelt werden: Der vom Dopamin-

Erwartungssystem gesteuerte Lustimpuls, als

angenehm empfundene Zustände zu wiederholen,

führt, wenn er nur auf immer dieselbe

Weise befriedigt wird, zu immer niedrigeren

Endorphin-Ausschüttungen im linken Scheitellappen

des Stirnhirns. Dosissteigerungen

sind in der Regel die Folge“, sagt Gerald Koller.

Der Rhythmus zwischen Genießen und Verzichten

ist ein wesentliches präventives Ziel

wie auch die Entwicklung verschiedener

Rausch- und Risikostrategien. Alle Bereiche

der Alltagskommunikation müssen trainiert

und angewandt werden, sodass die Kommunikation

über Rausch- und Risikosituationen

und Erfahrungen gelingen kann.

Um die eigene Befindlichkeit situativ und

aktuell wahrzunehmen sind Übungen in

Selbstwahrnehmung eine wichtige Voraussetzung.

Dies beginnt bei der sensiblen

Wahrnehmung der körperlichen Befindlichkeit

in Stress- und Entspannungssituationen

über die Entwicklung einer adäquaten Sinnlichkeit

auf allen Ebenen bis zur Integration

von persönlichen und sozialen Ritualen, die

das Alltägliche wie das Außeralltägliche

strukturieren.

Definitionen von »Rausch« gibt es sehr viele,

es geht aber immer um eine Veränderung der

Wahrnehmung und zwar der sinnlichen wie

auch der sozialen. Eindrücke, Emotionen,

Grenzen und Konventionen werden demnach

anders erlebt. Dabei geht es um außergewöhnliche

und nicht-alltägliche Veränderungen

von Bewusstsein, Erleben und Gefühlen.

Dieser Zustand kann durch die

Einnahme von psychoaktiven Substanzen

herbeigeführt werden, aber auch durch bestimmte

Techniken wie Tanz, rhythmische

Prof. Dr. Klaus

Hurrelmann,

Professor für

Sozial- und

Gesundheitswissenschaften

an der Universität

Bielefeld

Prof. Dr. Michael

Musalek,

Leiter des Anton

Proksch Instituts,

dem Kalksburger

Therapiezentrum

für Alkohol- und

Medikamentenabhängigkeit

Musik oder Mediation. Der Begriff »Rausch«

stammt von dem mittelhochdeutschen Verb

»ruschen« ab und bedeutet eine stürmische

und rauschende Bewegung vollziehen. Seit

der Reformation, Aufklärung und Industrialisierung

wird das Wort »Rausch« als Umnebelung

der Sinne, Trunkenheit und Erregungszustand

verwendet. Heute versucht

man den Begriff »Rausch« wieder wertneutraler

zu formulieren wie „ein Zustand

mit verändertem Erleben und Gefühlen“.

Geschichte der Rauscherfahrung

Das Bedürfnis der Menschen nach Rausch ist

mindestens so alt wie die Menschheit selbst,

ebenso wie der Konsum psychoaktiver Substanzen.

Sogar Tiere berauschen sich durch

gezielten Verzehr von Pflanzen. Auf der Suche

nach Nahrung hat der Mensch schon sehr

früh die psychoaktive Wirkung von Pflanzen

entdeckt. Den religiös-rituellen und auch den

medizinischen Gebrauch gibt es bereits seit

der Jäger- und Sammlerzeit.

„Rauscherfahrungen wurden Jahrtausende

lang im rituellen Gesamtzusammenhang

gemacht. Sie hatten schon früh Ventil- wie

auch religiösen Charakter“, erklärt Gerald

Koller. „Schon Jäger- und Sammler/innen der

Frühzeit bissen auf ihren Wanderungen vermutlich

einmal auf eine alkaloidhältige

Pflanze und begriffen bald, dass dies der Entspannung

wie auch der Gottesschau dienlich

war. Diese Gewächse wurden dann unter die

Obhut der weisen Frau bzw. des Schamanen

gestellt. Entweder berauschten sich nun diese

stellvertretend für den Stamm, heute tun

das noch die Priester symbolisch im Messopfer

mit dem Wein, oder der ganze Stamm

berauschte sich nach streng rituellen Vorschriften:

Reinigung, Vorbereitung, Disziplinierung

gingen der Drogeneinnahme voraus,

Nachbereitung und Aufarbeitung im


Christoph

Lagemann,

Leiter des

Instituts für

Suchtprävention

MMag.

Manfred

Zentner,

Institut für

Jugendkulturforschung

Alltag folgten ihr.“ Die Berauschung mittels

Alkohol war bereits bei Festen in Ägypten

und im antiken Griechenland durchaus üblich.

Auch andere Rauschmittel wie Opium,

Cannabis und psychoaktive Pilze sind schon

von den frühen Hochkulturen bekannt. In

Jugend und Rausch

China wurde Hirse- und Reiswein nicht nur

rituell eingesetzt, sondern auch im Alltag getrunken.

Halluzinogene Pflanzen wurden

schon in den frühen amerikanischen Kulturen

eingesetzt und zwar nicht nur zur Heilung,

sondern auch religiös-rituell. Der Gebrauch

von Cannabis in Ostasien und Indien

geht bis zum Jahr 1.000 vor Christus zurück.

Zu Beginn des 16. Jahrhunderts kam es dann

zu einer negativen Bewertung des Rauschzustandes.

Mit der Entwicklung hin zur Industrialisierung

gab es eine zunehmende

Verhaltenskontrolle der Gesellschaftsmitglieder,

die sich immer mehr reglementierten.

Der Rausch erfuhr zunehmend an Ablehnung.

Wer die Beherrschung und die Kontrolle

verlor, musste mit sozialer Ächtung

und Prestigeverlust rechnen. Auf der anderen

Seite entstand auch vermehrt der Wunsch

nach psychischer Entlastung und einer Befreiung

vom Alltagsdruck. Der Rausch wurde

dadurch zu einem Ausleben von Gefühlen

und ungehemmtem Verhalten. Beschränkt

blieb dies aber nur auf bestimmte Anlässe

und Lokalitäten.

Erst in der Aufklärung, die nach anthropozentrischer

Klarheit strebte, wurden Rauscherfahrungen

in den Hintergrund gedrängt.

Doch Verdrängtes schafft sich umso heftiger

neue Bahn. Und mit der Industrialisierung

und dem damit verbundenen Identitätsschock

begann sich die Frustverdrängung

durch Alkohol epidemisch auszuweiten.

„Im 20. Jahrhundert wurde der Rausch dann

als wirtschaftlicher und politischer Marktwert

entdeckt. Es gab neue Drogen wie beispielsweise

Heroin für die Helden an der

Front, man führte Kriege mit ihnen und

errichtete Konzerne voll undurchsichtiger

Beziehungen. Heute nimmt die illegale

Drogenindustrie den 3. Platz in der Weltwirtschaftsstatistik

ein“, erklärt Gerald Koller.

„Die Berauschung ist somit entritualisiert,

ihrer psychosozialen Bedeutung enthoben

und so zum berechenbaren Planungsfaktor

für wirtschaftliche und politische Interessen

geworden.“

Eine interessante Entwicklung gab es im 20.

Jahrhundert. Mit der »Single Convention

on Narcotic Drugs« vom 30.3.1961 kam es

zu der Unterscheidung zwischen legalisierten

und illegalisierten Drogen. Alkohol

wurde als Genussmittel eingestuft, Cannabis

und andere Drogen gelten seither als

Suchtmittel, womit eine Gefährlichkeit assoziiert

wird. ■

JUGENDSCHUTZGESETZE

Bundesland Bier, Wein Harte Getränke Erwerb Verantwortlich

Burgenland Ab 16 (Verbot eingeschränkt auf Ab 16 (Verbot eingeschränkt auf Mit den genannten Altersgrenzen Erziehungsberechtigte,

„allgemein zugängliche Orte und „allgemein zugängliche Orte und und Einschränkungen verboten Begleitpersonen; Unternehmer,

öffentliche Veranstaltungen“) öffentliche Veranstaltungen“) Veranstalter sowie deren Beauftragte

Kärnten Ab 16 Ab 18 (über 12% Alkohol, Mit den genannten Altersgrenzen Aufsichtspersonen

Mischgetränke, die gebrannte und Einschränkungen verboten (Erziehungsberechtigte, andere

alkoholische Getränke beinhalten) Erwachsene); Unternehmer,

Veranstalter sowie deren Beauftragte

Niederösterreich Ab 16 (Verbot eingeschränkt auf Ab 16 (Verbot eingeschränkt auf Mit den genannten Altersgrenzen Eltern, Erziehungsberechtigte;

„allgemein zugängliche Orte und „allgemein zugängliche Orte und und Einschränkungen verboten Unternehmer, Veranstalter sowie

öffentliche Veranstaltungen“) öffentliche Veranstaltungen“) deren Beauftragte

Oberösterreich Ab 16 Ab 18 (gebrannte alkoholische Mit den genannten Altersgrenzen Aufsichtspersonen,

Getränke, auch Mischgetränke) verboten Erziehungsberechtigte, andere

Erwachsene, Unternehmer,

Veranstalter

Salzburg Ab 16 (Verbot eingeschränkt auf Ab 18 (Branntwein oder Mit den genannten Altersgrenzen Erziehungsberechtigte;

„allgemein zugängliche Orte und branntweinhaltige Getränke; in und Einschränkungen verboten Unternehmer, Veranstalter und

öffentliche Veranstaltungen“) der Öffentlichkeit bzw. falls unter deren Beauftragte

18-Jährige in ihrem Bewusstsein

beeinträchtigt sind)

Steiermark Ab 16 Ab 18 (über 14% Alkohol) Mit den genannten Altersgrenzen Eltern bzw. Gewerbetreibende,

und Einschränkungen verboten Veranstalter

Tirol Ab 16 Ab 18 (gebrannte alkoholische Mit den genannten Altersgrenzen Aufsichtspersonen; Unternehmer,

Getränke, auch Alkopops) und Einschränkungen verboten Veranstalter sowie deren Beauftragte

Vorarlberg Ab 16 (nicht anbieten, Ab 16* (nicht anbieten, Mit den genannten Altersgrenzen Aufsichtspersonen,

überlassen, weitergeben; dürfen überlassen, weitergeben; dürfen ist die Weitergabe verboten Erziehungsberechtigte, andere

nicht in öffentlichen Räumen nicht in öffentlichen Räumen Erwachsene, Unternehmer,

konsumiert werden) konsumiert werden) Veranstalter

Wien Ab 16 (Verbot eingeschränkt auf Ab 16 Verbot (Verbot Mit den genannten Altersgrenzen Erziehungsberechtigte;

„allgemein zugängliche Orte und eingeschränkt auf „allgemein und Einschränkungen verboten Unternehmer, Veranstalter

öffentliche Veranstaltungen“) zugängliche Orte und

öffentliche Veranstaltungen“)

* Harte Getränke wird es in Vorarlberg künftig nur mehr ab 18 Jahren geben.

GESUNDES ÖSTERREICH

13


14 GESUNDES ÖSTERREICH

Jugend und Rausch

TRINKEN BIS ZUM UMFALLEN

»Binge Drinking«, »Kampftrinken«, oder umgangssprachlich »Komasaufen«:

Alkohol trinken bis zum Umfallen ist bei manchen Teenies eine beliebte Freizeitaktivität –

eine höchst gefährliche. Gesundes Österreich geht dem Phänomen nach.

E s ist Freitagabend. Eine Gruppe 15-Jähriger

trifft sich, um wieder einmal ordentlich

zu feiern. Sie wollen Spaß haben, herumhängen

und vor allem: etwas erleben. Alkohol

eignet sich wunderbar dafür, finden sie. Später will

man noch in eine Disco, doch zunächst wird »vorgeglüht«.

Das gibt einen billigen Rausch, denn die Getränke

im Nachtlokal sind teuer.

Eineinhalb Stunden später: Etwas ist passiert, das zu einem

jähen Ende der hochprozentigen Partynacht führte.

Der 15-jährige Lukas ist zusammengebrochen und

auf dem Boden liegen geblieben. Seine Freunde sind

geschockt und verängstigt. Sie wollen ihn aufrütteln,

aber nichts hilft: Er bewegt sich nicht mehr. In der Notaufnahme

dann die Diagnose: Alkoholvergiftung.

Solche oder so ähnliche Szenarien werden in letzter Zeit

oft durch die Medien transportiert. Doch was ist dran an

solchen Geschichten? Warum trinken immer mehr Teenies

bis zur Bewusstlosigkeit? Sind es nur Teenies? Was

sind die Gründe dafür und was kann man dagegen tun?

Phänomen Komatrinken

Eines ist sicher: Kinder und Jugendliche beginnen immer

früher, Alkohol zu trinken. „Wir reden von einem

Einstiegsalter von ungefähr zwölfeinhalb Jahren“, weiß

Alkoholpräventionsexperte Andreas Prenn von SUPRO in

Vorarlberg. Das bestätigt auch die internationale Studie

»Health Behaviour of School-aged Children« (HBSC)

der WHO, wonach bereits neun Prozent der unter 13jährigen

Mädchen und 16 Prozent der Buben in

Österreich Rauscherfahrungen haben. 12 Prozent der

15-Jährigen sind in einer Clique, in der Besäufnisse dazugehören.

Die gute Nachricht: Auch das Ausstiegsalter

hat sich nach unten verschoben, weil die Jugendlichen

schneller reifen. Der Alkoholverbrauch insgesamt ist

nicht gestiegen.

MMag. Manfred Zentner vom Institut für Jugendkulturforschung

über das Komatrinken: „Dieses Phänomen

tritt bei Jugendlichen heute wesentlich stärker

auf. Alkoholmissbrauch gab es früher zwar auch, denn

in unserer Kultur gehört der Alkohol dazu. Da dürfen

wir uns nicht in die Tasche lügen. Das entscheidende

Problem bei Jugendlichen ist, wenn sie untereinander

Wettkämpfe ausfechten, wer mehr verträgt.“ Jugendliche

halten dies nicht durch, weil sie den Umgang mit

der Droge Alkohol nicht gelernt haben. Wolfgang

Schick, Geschäftsführer von Akzente Salzburg, sieht das

Thema differenziert: „Wer sich volllaufen lässt, bis er

sich nicht mehr auf den Beinen halten kann oder ins

Koma fällt, hat eindeutig ein Problem und braucht

Hilfe. Dieses Verhalten muss kontrolliert werden und

Sanktionen haben. Aber man soll nicht so tun, als ob


eine ganze Generation von Jugendlichen

komplett ausrastet. Das ist falsch. Heutzutage

ist die Aufmerksamkeit größer: Man ruft

schneller die Rettung und die Erreichbarkeit

von Krankenhäusern ist besser. Dadurch

werden diese Fälle auch öfter statistisch

erfasst.“

Fehlende Riten

In allen Kulturen haben sich Initiationsriten

entwickelt, die den Übergang von der Kinder-

in die Erwachsenenwelt anzeigen. Diese

Riten waren immer von Mentoren begleitet,

die in die Herausforderungen des Lebens

eingeführt haben. Heute entwickeln Jugendliche

verstärkt ihre eigenen Riten. „Bei

»Mutproben« – und als solche kann ein sich

(Be)sinn(ungs)lossaufen durchaus gelten –

wird die »Dosis« ins Extreme gesteigert. So

beweisen sie sich die Zugehörigkeit zu einer

Erwachsenenwelt, deren gelegentlich problematischer

Alkoholkonsum Verhaltensweisen

vorgibt, die beim »Kampftrinken« aufgenommen

und übertroffen werden“, weiß

Dipl.-Soz. päd. Jürgen Einwanger von der

Alpenvereinsjugend.

Gefahren

Bei den wenigsten Jugendlichen wird aus

»Binge Drinking« ein Suchtverhalten. Aber

auch ohne Alkoholvergiftung samt Einlieferung

in die Notaufnahme ist das Kampftrinken

alles andere als harmlos: Wiederholte

exzessive Räusche können fatale Auswirkungen

auf das Gehirn haben. „Das Zentrum im

Gehirn, das unterscheiden kann, was zuviel

ist, reift erst zwischen 21 und 24 Jahren aus.

Je früher Kinder oder Jugendliche zu Suchtmitteln

greifen, desto schwieriger ist es für

sie, die Sache in den Griff zu bekommen“, erklärt

Andreas Prenn.

Neben Unfällen und Verletzungen, die unter

dem Einfluss von Alkohol passieren, weist

die HBSC (Health Behaviour in School-aged

Chirldren)-Studie der WHO auch auf den

Zusammenhang zwischen Alkoholkonsum

und Gewalthandlungen hin. Während nur

fünf Prozent der Knaben, die nie Alkohol

trinken, in drei oder mehr Raufereien verstrickt

waren, sind es bereits 22 Prozent derjenigen,

die wöchentlich, und 65 Prozent

derjenigen, die täglich Alkohol trinken.

Andreas Prenn,

SUPRO in

Vorarlberg

Jugend und Rausch

FeierFest – eine neue Partykultur

Das Pilotprojekt »FeierFest« –

eine Initiative von Akzente Salzburg

– stellt dem Phänomenen

»Kampftrinken« eine bewusste

Partykultur gegenüber, bei der

es trotzdem heiß hergehen darf.

In den Landkreisen Traunstein,

Berchtesgadener Land und Salzburg

soll auf die Konsequenzen

der »Komasaufen-Mentalität«

aufmerksam gemacht werden –

allerdings ohne erhobenen Zeigefinger.

Jugendliche (Peers) leisten selbst auf Partys und Events Aufklärungsarbeit. „Dabei gehört

die Förderung eines risikobewussten Umgangs mit Rauschmitteln bei Jugendlichen genauso dazu,

wie die Einhaltung der Jugendschutzbestimmungen bei den Veranstalter/innen“, erklärt Gerald

Brandtner, Projektmitarbeiter von »FeierFest« bei Akzente. www.akzente.net

Die Ballermannkultur

Die wirtschaftliche Entwicklung macht es

Jugendlichen leichter, an Alkohol zu kommen.

Fast jeder kann sich einen Rausch

leisten – und es gibt eine Reihe von alkoholischen

Getränken, die auch »Alkohol-

Einsteigern« schmecken, wie zum Beispiel

Energy Drinks gemischt mit Alkohol.

Außerdem ist die gesellschaftliche Akzeptanz

des Alkoholkonsums größer geworden.

„Ein Grund, warum Kinder und Jugendliche

über die Maße trinken, ist sicher die so

genannte Ballermannkultur. Seit zehn Jahren

wird speziell im Fernsehen vermittelt,

dass es als cool gilt, einen Kübel Sangria zu

trinken bis man sich übergibt“, kritisiert

Andreas Prenn.Auch Jürgen Einwanger ortet

hier ein Problem: „Jugend ist die Phase der

Orientierungssuche und damit auch der

verstärkten Verführbarkeit – durch billigste

Angebote, die den finanziellen Möglichkeiten

entgegenkommen, nutzen Anbieter dies

gezielt aus.“

Mehr Spaß mit Maß

Identitätsfindung

Die Suche nach einem passenden Lebensstil

und nach einer eigenen Identität wird für

Jugendliche immer schwieriger – darin sind

sich die Experten einig. Das hat mit unserer

modernen Lebenssituation zu tun und auch

mit dem zunehmenden Erfolgsdruck, der auf

Heranwachsenden wie Erwachsenen lastet.

Einige würden eine psychoaktive Regelung

brauchen und greifen mangels Alternativen

zum Alkohol. „Es wird immer schwieriger

für Jugendliche, in die Gesellschaft hineinzufinden,

eine eigene Identität zu finden.

Anders als in meiner Generation ist die

Zukunft viel unsicherer – von einer weltweiten

Klimakatastrophe bis zur Möglichkeit

eines goldenen Zeitalters ist im Bewusstsein

der Jugendlichen alles offen. Die Gruppe

der Verlierer wird immer größer, was auch

für Jugendliche beobachtbar ist“, so Mag. Dr.

Wolfgang Dür, wissenschaftlicher Mitarbeiter

am Ludwig-Boltzmann-Institut für Medizinund

Gesundheitssoziologie.

Schon im Jahre 2003 wurde »Spaß mit Maß« von der Stiftung Maria Ebene, nun SUPRO, in

Kooperation mit dem Fonds Gesundes Österreich, ins Leben gerufen. Das Projekt will Organisationen

aus Handel, Gastronomie und Gesundheitsberufen zur Übernahme von Verantwortung für den

Themenbereich »Jugend und Alkohol« gewinnen und sensibilisieren. Die Umsetzung der einzelnen

Maßnahmen findet in den Gemeinden statt – sie übernehmen die Verantwortung für ihre Alkoholpolitik.

Andreas Prenn über das Projekt: „Es ist wichtig, dass wir Partner ins Boot holen konnten.

So kann ein erster Schritt in Richtung Bewusstseinsbildung gemacht werden, an unter 16-Jährige keinen

Alkohol abzugeben.“

Im Rahmen des Projekts wurden unter anderem Testeinkäufe – Mystery Shopping – durchgeführt, um

Verkäufer und Gastronomen zu sensibilisieren. Dabei kam heraus, dass von zehn Testeinkäufen sieben

Mal an Jugendliche unter 16 Alkohol verkauft wurde. In diesen Fällen wurden die Verkäufer

darauf hingewiesen, aber nicht bestraft. „Inzwischen sind wir bei drei bis vier Mal. Das ist ein

guter Prozentsatz“, freut sich Andreas Prenn. Ein positiver Nebeneffekt: Die Jugendlichen

beschäftigen sich mit der Thematik. Eine weitere Maßnahme sind die so genannten »Gastro Ok«-

Richtlinien, die Gastronomen freiwillig unterschreiben können. „Hier geht es zum Beispiel darum,

keine Flatrate-Partys für Jugendliche anzubieten oder beim Eingang Ausweiskontrollen durchzuführen.

Über 16-Jährige bekommen ein Band, das ihnen erlaubt, im Lokal Alkohol zu konsumieren“,

so Andreas Prenn. www.spassmitmass.at

GESUNDES ÖSTERREICH

15


Check an Angel

Unter dem Motto »Check an Angel« haben der

Fonds Gesundes Österreich, das Land Steiermark

sowie fünf obersteirische Gemeinden

2007 ein Projekt gestartet, bei dem bei Großveranstaltungen

ein Präventionsteam Jugendliche

dazu motiviert, nüchtern zu bleiben

und sich und ihre Freunde sicher nach Hause

zu fahren. Dabei möchte man junge Erwachsene

dazu bringen, sich sozusagen als »Schutzengel

auf den Straßen« registrieren zu lassen.

Die starke Vernetzung und der bewusst starke

Regionalbezug sind Kennzeichen dieses

Projektes. www.checkanangel.at

Dazu kommt, dass es für Jugendliche kaum

mehr Bereiche gibt, in denen sie sich von den

Erwachsenen abgrenzen oder hervorheben

können. In einer Gesellschaft, in der selbst

30-Jährige nicht erwachsen sein wollen und

sexuelle Freizügigkeit normal ist, bleiben den

Teenagern nicht mehr viele Möglichkeiten

zu »schockieren«. „Bei manchen ist es aber

auch ein Hilfeschrei: Mich hört keiner, mich

sieht keiner, werdet auf mich aufmerksam!“,

weiß Wolfgang Schick.

Jugendschutz

Grenzen und Regeln muss es geben – insbesondere

dann, wenn es sich um Kinder oder

Jugendliche handelt, die Alkohol konsumieren.

Das Jugendschutzgesetz ist eindeutig:

Unter 16-Jährigen darf kein Alkohol ausgeschenkt

werden, in einigen Bundesländern

keine harten Getränke unter 18. Leider

kommt es immer wieder zu Verstößen.

Andreas Prenn weiß um das Problem: „Es ist

ein totes, zahnloses Gesetz, denn es wird zu

wenig kontrolliert und in die Praxis umgesetzt.

Das ist, als ob Eltern drohen: Wenn du

um 12 Uhr nicht daheim bist, dann hat das

Konsequenzen. Und wer ist dann nicht da,

wenn das Kind um zehn nach zwölf nach

Hause kommt? Die Eltern!“

Prävention

Wo das Jugendschutzgesetz aufhört, fangen

Jugendarbeit und Prävention an. Neuere Ansätze

konzentrieren sich auf die Förderung

der seelischen Gesundheit und auf den Erwerb

von Risikokompetenz. Es ist wichtig,

für Jugendliche einen schul-, familien- und

16 GESUNDES ÖSTERREICH

Jugend und Rausch

Alkoholkonsum nach Geschlecht der 15-jährigen

Schüler/innen (Konsum von Bier, Wein oder

Mischgetränken) Quelle: HBSC-Factsheet

gesellschaftspolitischen Rahmen zu stecken.

Wolfgang Dür bestätigt diese Entwicklung,

denn in den Evaluationen wurde sichtbar,

dass eine Sucht tiefere Ursachen hat, und wie

differenziert die Suchtpräventionsarbeit ist.

Wolfgang Schick plädiert für eine gesunde

Mischung in der Präventionsarbeit: „Gesellschaftlich

unerwünschtes Verhalten muss

AHA – Alternative Happy Hours

Mag. Wolfgang Dür,

Projektleiter der

österreichischen

HBSC-Erhebungen

und wissenschaftlicher

Mitarbeiter am

Ludwig-Boltzmann-

Institut für MedizinundGesundheitssoziologie

kontrolliert werden und Sanktionen haben.

Aber im Kern geht es darum, jungen Leuten

Angebote zu machen, ihnen Gleichgewicht

zu geben und ihnen dabei zu helfen, die

Sinnfrage für sich zu beantworten. Das fängt

bei sinnstiftenden Freizeitaktivitäten und der

schulischen Ausbildung an und geht bis hin

zu Perspektiven in der Arbeitswelt.“ ■

AHA ist ein Projekt, zu dem das Büro VITAL verschiedene Städte in Österreich als Kooperationspartner

aufgerufen hat. Im Mittelpunkt steht eine bewusste und selbstbestimmte Alkoholkultur.

Bruck/Mur, Graz, Mödling, Steyr, Bozen, Wr. Neudorf und Guntramsdorf sowie Akzente Salzburg als

Referenzpartner nehmen daran teil. „Das Außergewöhnliche an diesem Projekt ist die Kooperation

mit der Gastronomie“, erklärt Gerald Koller vom Büro Vital.

In dem zweieinhalb Jahre dauernden Projekt werden in jeder Region drei bis fünf gastronomische

Betriebe, zu deren Publikum vornehmlich Jugendliche zählen, eingeladen, alternative Happy Hour

Angebote zu entwickeln: Alkoholqualität statt -quantität, Erlebnismöglichkeiten statt Langeweile

oder Volltrunkenheit.

Dem Ideenreichtum der Lokalbetreiber und Besucher sind keine Grenzen gesetzt, solange die Vorhaben

inhaltlichen und qualitativen Standards entsprechen: Neben der freien Abgabe alkoholfreier

Getränke kann dies die Entwicklung eines attraktiven Shakes sein, der durchaus Alkohol enthalten

kann, das Angebot von Energy-Drinks, die den Grad der aktuellen Berauschung halten und nicht

verstärken, Spiele und Events – oder die Bereitstellung von Medien wie Maltafeln oder PCs, um

Erfahrungen direkt ausdrücken zu können. Wesentlich ist, dass diese Angebote gemeinsam mit

Jugendlichen entwickelt werden. Dabei soll nicht Alkoholabstinenz im Vordergrund stehen, sondern

eine Alkohol- und Konsumkultur entwickelt werden. Das Projekt umfasst auch die Beachtung

des Jugendschutzes und die Steuerung der Musiklautstärken während der Alternative Happy Hours,

die an jedem Abend eine Stunde lang – klar als solche bezeichnet – angeboten werden sollen.

Begleitet wird das Projekt von einer wissenschaftlichen Untersuchung über das Trinkverhalten Jugendlicher.

Nähere Infos: E-Mail: buerovital@aon.at


Jugend und Rausch

GUTE JUGENDARBEIT

Was macht qualitätsvolle Jugendarbeit aus? Diese Frage hat

eine Österreich weite Diskussion angeregt, die zu einer einheitlichen

Linie führen soll. Der seelischen Gesundheit gilt dabei

besonderes Augenmerk.

Was brauchenJugendliche,

um

körperlich und

seelisch gesund

zu bleiben? Laut

Expertenmeinungbrauchen

sie intakte

Zukunftschancen,

das Gefühl

gebraucht zu

werden und die

Hoffnung auf

eine friedliche,

geborgene und

gesunde Welt.

Sie brauchen soziale

Netze und Projekt B.rauschend

leicht erreichbare

Angebote in Krisensituationen. Sie

brauchen selbst bestimmte Freiräume – auch

»Risikoräume« – für kreativen Ausdruck und

Naturerfahrung. Sie brauchen Plätze mit sozialen

und ideellen Werten und sie brauchen

Mobilität für ihre Freizeitgestaltung.

Weil Jugendliche einen großen Teil ihrer Zeit

in der Schule verbringen, kommt ihr eine

enorme Bedeutung zu – im positiven und

im negativen Sinn. Jeder weiß, wie stark sich

ein schlechtes Klassenklima auf die Psyche

und auf schulische Leistungen auswirken

kann. Schulische Schutzfaktoren sind der

Zugang zu Bildung, soziale Unterstützung,

Entwicklung kognitiver, sozialer und emotionaler

Fähigkeiten, selbstständige Urteilsbildung,

Problembewältigungsstile und befriedigende

Entwicklungsperspektiven.

Von zentraler Bedeutung ist auch die

korrekte Umsetzung des Empowerment-

Begriffs.

Information:

Vor allem bedeutet

Fonds Gesundes Österreich

gute Jugendarbeit

Ing. Petra Gajar,

auch, zunächst vor

Mag. Gerlinde Rohrauer

seiner eigenen Tür

Tel: 01/8950400-12

zu kehren.

bzw. 01/8950400-19

Alkoholmissbrauch

petra.gajar@fgoe.org

& Co wird oft auf

gerlinde.rohrauer@fgoe.org

Jugendliche abgeschoben,

betrifft aber alle in der Gesellschaft.

„Beim schwächsten Glied leben wir es dann

Jutta Petz,

Leiterin des

Landesjugendreferats

Steiermark

aus. Wir müssen erkennen, dass wir Vorbilder

sind. Erwachsene sollten nicht immer Jugendliche

als Exemplar schlechten Verhaltens

hernehmen, sondern auch den Nachbarn ansprechen.

Aber das traut sich niemand,“ analysiert

Jutta Petz, Leiterin des Landesjugen-

»Alkohol – reden wir

drüber!«

Das extreme Rauschtrinken von Jugendlichen

ist Gegenstand aktueller

Diskussionen um die Forderung nach

neuen Gesetzen und Verboten bezüglich

des steigenden Alkoholkonsums von

Jugendlichen. Was den verantwortungsvollen

Umgang junger Menschen mit

Alkohol betrifft, sieht die Bundeszentrale

für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) in

Köln ihre Aufgabe in der Aufklärung und

Prävention. Dabei spielen Eltern in ihrer

Vorbildfunktion eine ganz entscheidende

Rolle. Das gilt sowohl für den eigenen

Alkoholkonsum als auch für die Erziehungsaufgabe,

mit ihren Kindern über die

Wirkung von Alkohol auf den jugendlichen

Körper und über die gesundheitlichen

Gefahren zu sprechen, die durch

unkritischen und exzessiven Alkoholkonsum

auftreten können.

Vor diesem Hintergrund entwickelte die

BZgA einen Ratgeber mit dem Titel

»Alkohol – reden wir drüber!«, der Eltern

Wege für das Gespräch mit ihren Kindern

aufzeigen soll. In der Broschüre werden

die Probleme verschiedener Altersstufen

der Heranwachsenden thematisiert und

entsprechende Informationen für den Gesprächsalltag

bereitgestellt. Die Broschüre

empfiehlt, den Zugang zu Alkohol für

Heranwachsende möglichst lange hinauszuzögern,

sinnvolle Alternativen zum

Alkoholkonsum anzubieten und die gesundheitlichen

Risiken gerade für junge

Menschen aufzuzeigen.

»Alkohol - reden wir drüber!« Der Ratgeber

für Eltern kann kostenlos per E-Mailbestellt

werden: order@bzga.de

Online-Bestellsystem: www.bzga.de

dreferats Steiermark. Aktuell wird sehr intensiv

an den Qualitätskriterien für die Arbeit

mit Jugendlichen im schulischen und

außerschulischen Bereich gearbeitet. ■

Kaplan Johannes Cornaro zu guter Jugendarbeit:

„Vertrauen, Treue, und Gemeinschaft sind große Themen. Es ist wichtig,

dass Jugendliche Gemeinschaft leben können, und zwar in einer anderen

Form, als sie es in der Schule gewöhnt sind. In einer Gemeinschaft, die

Sicherheit gibt, in einem Klima, wo man sich aussprechen kann. Als

Jugendleiter muss ich gewisse alltägliche Themen auch ansprechen. Wie

lebe ich Gemeinschaft? Wie lebe ich Vergebung? Was sind gute Kriterien

für Freundschaft? Was bedeutet Treue? Wie nehme ich Schwächen an, auch

die eigenen? Das ist gerade bei pubertierenden Jugendlichen ein wichtiges

Thema. Jugendliche müssen lernen, Unsicherheiten zu überwinden

und Selbstvertrauen aufzubauen. Je mehr Selbstvertrauen, desto weniger

Rauschgefahr. Auch Spiele und handwerkliche Aktivitäten können dabei

helfen.“

GESUNDES ÖSTERREICH

17


In Österreich und Deutschland ist das

Spielfieber ausgebrochen: Seit kurzem

ist es das Pokerspiel, das die Gemüter

erhitzt. Im Fernsehen laufen

verschiedene Formate, in denen Prominente

mit einem Online-Qualifikanten um fünfstellige

Beträge gamblen. In Sportkanälen

kann man jede Nacht mit den Profis mitzittern.

Wer einmal mit der Welt von »Full

House«, »Flush« und »All-in« in Berührung

gekommen ist, der vergisst leicht Zeit und

Raum - und manchmal leider auch den Kontostand.

Denn wie bei stofflichen Süchten

kann auch das Spielen in eine Abhängigkeit

führen. Die Auswirkungen sind nicht körperlich

spürbar, dafür finanziell – von einigen

Profispielern abgesehen, die auch wirklich

davon leben können: Schon mancher hat in

Kauf genommen, Haus und Hof zu verlieren,

statt das Spielen aufzugeben.

Nun zu den Fakten:

Die meisten Menschen nehmen nur gelegentlich

an Glücksspielen teil (mit Ausnahme

der halbwöchentlichen Lottoziehung,

an der bis zu 80 % der Österreicher/innen

teilnehmen).

Schätzungsweise kann ca. 0,5% bis 1 % der

spielenden Erwachsenen als vom Glücksspiel

abhängig bezeichnet werden. Weitere 3 %

bis 4 % gelten als gefährdet.

Die Mitbetroffenen (Ehepartner/innen, Lebensgefährt/innen,

Kinder, u. a.) werden in

diesen Zahlen nicht berücksichtigt.

Folgen für die Allgemeinheit

Die wirtschaftlichen Folgen des Glücksspiels

belasten sowohl die Spieler und ihr soziales

Umfeld als auch die Allgemeinheit: Schulden,

Existenzverluste, Firmenzusammenbrüche,

Kosten für Strafverfahren und Strafvollzug,

Behandlungs- bzw. Therapiekosten.

Kosten, welche durch den Ausfall der

Arbeitsleistung und durch notwendige Hilfen

zum Lebensunterhalt der Betroffenen

entstehen, fallen hierunter.

18 GESUNDES ÖSTERREICH

Jugend und Rausch

DER »ANDERE«

RAUSCH

Nicht-substanzgebundene Rauscherlebnisse

Es gibt viele Möglichkeiten, ohne Alkohol zu einem Rauscherlebnis zu

kommen. Doch auch diese haben ihre Tücken.

Für Österreich liegen bisher keine Berechnungen

über volkswirtschaftliche Kosten des

pathologischen Glückspiels vor. In Kanada

belaufen sich die Schätzungen auf ca. 56.000

kanadische Dollar (rund 35.000 Euro) pro

Jahr und Spieler/in. Für die USA liegt eine

Kostenschätzung vor, nach der allein durch

den Produktivitätsausfall, die etwaige Strafverfolgung

und Inhaftierung sowie die missbräuchliche

Verwendung von Geld jährlich

Gesamtkosten von durchschnittlich ca.

30.000 US-Dollar pro Spieler/in anfallen.

Wenn pathologische Spieler/innen nicht behandelt

werden, steigen die individuellen

und sozialen Kosten von Jahr zu Jahr.

Spielen ist ein wichtiger Grundstein für Menschen.

Erst dadurch wird Lernen möglich. Daher

ist es auch kein reines Jugend-Phänomen.

Das Internet übt auf viele Jugendliche eine

enorme Faszination aus. MMag. Manfred

Zentner vom Institut für Jugendkulturforschung

über Computerspiele: „Das ist ein

Hineinkippen in eine andere Welt. Man will

die eigenen Fähigkeiten verbessern, besser

sein als am Vortag, die Tastatur schneller

Risk´n´fun

bedienen. Das bedeutet, sich vollkommen in

eine Parallelwelt hineinzuversetzen. Vor allem

bei Rollenspielen, in denen man gegen jemand

anderen spielt, hat die Aussicht auf den

Sieg etwas Rauschhaftes. Da wird eine Menge

an Endorphinen freigesetzt. Ein gutes Beispiel

sind die so genannten »LAN-Partys«, bei denen

jeder ein Headset aufhat und niemand

mit dem anderen redet. Das einzige Geräusch

ist das Klicken der Maus. Man spürt regelrecht

die Energie, die dort freigesetzt wird.

Das ist wie ein Flow-Gefühl.“

Der Psychologe Mihaly Csikszentmihalyi

definiert das Flow-Gefühl als „lustbetontes

Gefühl des völligen Aufgehens in einer

Tätigkeit“. Glücklich diejenigen, die dieses

Gefühl in ihrer Arbeit erleben dürfen – nach

Csikszentmihalyi kann man Flow am ehesten

bei einer Tätigkeit erleben, die einen weder

unter- noch überfordert. Für viele heißt es

aber: Ausweichen

in die Freizeitwelt.

Und

die strotzt vor

Angeboten.

Das Projekt »Risk´n´fun« steht für Bewegung und Aktivität – am Berg

und im Kopf. Gemeinsam mit Bergführern und risk´n´fun-Trainern haben

alle Power-Begeisterten ab 16 Jahre die Möglichkeit, alpintechnische

Basics zu lernen und Einblicke in Entscheidungsfindungs- sowie

gruppendynamische Prozesse zu gewinnen. Im Zentrum der Aufmerksamkeit

stehen Tiefschneeabfahrten; dabei lernt man, selbst zu entscheiden,

welche Linie zu den herrschenden Bedingungen passt oder

auch nicht. Jürgen Einwanger, der das vom Fonds Gesundes Österreich

mitfinanzierte Projekt umsetzt: „Risk´n´fun ist ein Projekt, das zuhört

und ständig in Bewegung ist. Durch die große Glaubwürdigkeit der

risk´n´fun-Trainer - sie sind alle sehr gute Freerider mit großer Szenekompetenz – wird Identifikation

möglich. Die Jugendlichen sind in ihrer Kompetenz ernst genommen und werden von diesen Szenefachleuten

begleitet.“ Es geht nicht darum »Wissen« zu reproduzieren, sondern eigene Strategien

im Umgang mit Risiken zu entwickeln. Die Trainer und Bergführer stellen Informationen zur Verfügung,

integrieren das individuelle Vorwissen der Jugendlichen und beraten sie. Gearbeitet wird in

kleinen Gruppen und das risk´n´fun-Team lädt am Winterende alle noch einmal zum gemeinsamen

»Chill out« ein – einer zweitägigen Veranstaltung mit Workshops, Evaluation und Party. Die Besonderheit

des Konzepts ist die Aufteilung in »hard skills« und »soft skills«. Zu gleichen Teilen

werden alpintechnische und gruppendynamische Inhalte thematisiert.


Risikosportarten – oder

Geschwindigkeitsrausch

Es ist nicht besonders klug, im Auto mit 200

km/h über die Landstraße zu fegen, trotzdem

gilt hohe Geschwindigkeit als anziehend und

attraktiv. Nicht umsonst sind Bunjee-Jumping,

Snowboarden & Co ein Renner. Dipl.-

Soz. päd. Jürgen Einwanger von der Alpenvereinsjugend

weiß um dieses Phänomen:

„Rauscherfahrungen, die in so genannten

Risikosportarten möglich sind, wirken – ähnlich

wie stoffliche Substanzen – u. a. durch

das Zusammenspiel von Neurotransmittern,

Adrenalin und Noradrenalin. Durch »Anspannung

– Bewältigung – Entspannung« bei

passender Herausforderung werden Flow-

Zustände erreicht, die mit einem hohen Maß

an Befriedigung verbunden sind. Zusätzlich

ermöglichen diese Sportarten die Zugehörigkeit

zu einer Szene und erfüllen damit neben

dem Bedürfnis nach Bedeutsamkeit auch das

der Bindung.“ Wie wichtig dieser Aspekt ist,

sieht man anhand von klar definierten »Szenecodes«,

die ziemlich strikt eingehalten werden.

Die Identifikationsmöglichkeiten bestimmen

auch das Lebensgefühl der Mitglieder

– Musik, Kleidung, Treffpunkte etc. bilden

einen Rahmen für spezielle Stimmungen

und sind Leitbilder für Lebensideen.

Jugend und Rausch

Techno & Partykultur

Ähnliche Erfahrungen lassen sich in der

Musik und beim Tanzen machen. Ein gutes

Beispiel dafür sind die Rave-Partys. Techno

hat den Höhepunkt längst überschritten und

gilt noch immer als »in«. Laut Manfred Zentner

hat Metal Rock in Österreich eine lange Tradition:

„Das Gefühl, das bei solchen Konzerten

für Jugendliche rüberkommt, ist durchaus

mit einem rauschhaften Erlebnis gleichzusetzen.

Man spürt, wie das Publikum mit

der Musik mitgeht, man lässt sich ein, genießt.

Das hat mit Gemeinschaftsgefühl zu

tun, dem Gefühl, Teil eines Ganzen zu sein.“

Grundsätzlich ist die große Partykultur aber

im Abnehmen – was mit dem Niedergang

der Technobewegung begonnen hat. „Heute

werden eher kleinere Sachen veranstaltet, die

aber oft sehr gut organisiert sind. Auch boomen

Eventmanagement-Lehrgänge. Auf Inszenierung

wird großer Wert gelegt,“ so

Manfred Zentner.

Kaufsucht – Kaufrausch

Die Kaufsucht ist eine eher unauffällige

Sucht, die oft lange unerkannt bleibt – sowohl

von den Süchtigen selbst als auch von

der Umwelt: Kaufen ist gesellschaftlich gebilligt,

sogar erwünscht. Man hat zunächst

kein schlechtes Gewissen, »sich etwas zu

gönnen«. Dazu kommt, dass Kaufen die Persönlichkeit

nicht verändert, wie es besonders

bei stoffgebundenen Süchten, z. B. Alkoholabhängigkeit,

der Fall ist. Geldprobleme können

kurzfristig mit Konto überziehen, Kredit

aufnehmen oder dem Auflösen von Sparbüchern

versteckt werden. Kreditkarten erleichtern

dies noch. Häufig tritt die Kaufsucht

auch abwechselnd oder gleichzeitig mit

anderen Süchten auf.

Das Verhältnis von Frauen und Männern mit

einem krankhaften Zwang einzukaufen liegt

laut deutschen Studien etwa bei 60 zu 40.

Einer im Dezember 2004 veröffentlichten

Studie der Arbeiterkammer zufolge, sind vor

allem jüngere Frauen im Alter zwischen 14

und 24 gefährdet. Kaufsüchtige kommen aus

allen Bildungs- und Einkommensschichten,

die meisten weisen eine mittlere bis höhere

Bildung auf. Viele verfügen aber nur über ein

geringes Einkommen, was das süchtige Kaufen

noch verhängnisvoller macht. Nicht selten

kommt es zur völligen Überschuldung.

Weitere Informationen zum Thema Sucht

finden Sie auf der Homepage des Instituts

Suchtprävention pro mente OÖ unter

www.praevention.at. ■

GESUNDES ÖSTERREICH

19


20 GESUNDES ÖSTERREICH

Jugend und Rausch

SEHNSUCHT – DIE SUCHE NACH

DEM SINN

Rausch & Sucht hat immer auch etwas mit Sehnsucht zu tun: Das Bedürfnis, einen Sinn im

Leben zu erkennen, zu lieben und geliebt zu werden, die Fülle seiner Möglichkeiten zu verwirklichen.

Jugendliche wie auch Erwachsene, denen diese Perspektiven fehlen, sind anfälliger für

exzessive Rauscherfahrungen.

J

ugendlichen wird oft Orientierungslosigkeit

vorgeworfen. Dazu kommt der

Erfolgsdruck unserer Leistungs- und

Konsumgesellschaft, in der es darum

geht, schöner – schneller – besser – flexibler

als andere zu sein. Hier kann Leere entstehen.

Wer keine Möglichkeiten sieht, seinem

Leben einen Sinn zu geben, geht gerne einen

leichten Weg: Alkohol & Co sind überall erhältlich

und versprechen einen schnellen,

(tod-)sicheren Rausch. Dass das keine langfristige

Lösung ist, liegt auf der Hand. „Sehnsucht

versteckt sich heute vor allem hinter

der Sucht. Und die ist immer verdrängte

Sehnsucht. Ich möchte in der Sucht meine

Sehnsucht überspringen und mir direkt nehmen,

was ich ersehne. Wir erkaufen uns im

Trinken den Traum vom Glück, weil wir dem

Glück vergebens nachlaufen. Aber das

Furchtbare ist, dass man sich nie genügend

betrinken kann“, schreibt der Theologe und

Benediktiner Anselm Grün im »Buch der

Lebenskunst«.

Aber nicht immer ergibt die Frage nach dem

Sinn eine positive Antwort: Viele Menschen

wählen den Weg der Verdrängung. Die Sinn-

Dipl.-Ing. Gundula Schatz

Mitinitiatorin des Waldzell Meetings

Waldzell Institute

Opernring 9/10, 1010 Wien

Tel: 01/5138192-0

www.waldzell.org

„Die Sehnsucht nach Höheren,

nach Liebe und nach Hinwendung

zu einem Sinn ist stark

im Menschen verankert.“

frage wird nicht gestellt und sie weichen

dieser Frage bewusst aus. So »funktioniert«

der Alltag problemlos und unauffällig. Laut

Martin Heidegger ergibt sich daraus eine

»nicht authentische Lebensweise«.

Die Reaktionen sind durchaus unterschiedlich.

Eine weit gelebte Reaktion ist der Zynismus,

er hilft scheinbar trefflich, Existenzfragen

zu umgehen und zu unterdrücken.

Auch der Anstieg der Zahl der auftretenden

Depressionen und Angsterkrankungen ist eine

Reaktion. Es ist die Reaktion der Verzweiflung,

hat schon der Philosoph Søren

Kirkegaard festgestellt. Hier droht in dieser

das Leben zu scheitern. Hier ist der Bereich

von Lebensverweigerung, Lebensverneinung

und Lebensunfähigkeit sehr schmal.

Die positiven Antworten auf den Sinn des

Lebens ergeben sich unter einer Voraussetzung:

die Annahme der Freiheit des Menschen,

seinen Sinn selbst festzulegen, bzw.

aus verschiedenen Möglichkeiten zu wählen.

Hier helfen eventuell die verschiedenen Religionsgemeinschaften.

Sie alle enthalten die

Sinnfrage als Teil ihrer Theologie. Der Sinn

ergibt sich dabei oft verbindlich und logisch

aus den auf Offenbarung zurückgehenden

Grundwahrheiten der jeweiligen Religion.

Das Waldzell Institute lädt jedes Jahr junge

Menschen, die sich durch ein besonderes

gesellschaftliches Engagement in den Bereichen

Umwelt, Bildung, Soziales o. ä. auszeichnen,

als »Architects of the Future« zum

Waldzell Meeting ein. Drei Tage lang können

sie mit führenden Persönlichkeit wie Dalai

Lama, Paolo Coelho und Entscheidungsträgern

aus Wirtschaft, Medien und Wissenschaft

diskutieren. Gundula Schatz, Mitinitiatorin

des Waldzell Meetings über ihre

Erfahrungen: „Die jungen Menschen, mit

denen wir arbeiten, leben ihre Sehnsucht

aus. Sie stellen sich und ihr Sein in den

Dienst von etwas Höheren und sind dabei

erfüllt und glücklich. Gewiss ist das nicht

immer einfach. Sie arbeiten in Kriegsgebieten

und Entwicklungsländern, oder auch in

Österreich in der Altenbetreuung oder im

Umweltschutz – aber das ist etwas, das Menschen

tief befriedigt.“ ■


W

Experten orten ins Besondere beim »Komatrinken«

einen schichtspezifischen Zusammenhang. Beim

Rauschverhalten generell gibt es in den letzten Jahren

eine spürbare Annäherung der Geschlechter.

ir leben in einem Weinland, in

dem Grüner Veltliner, Riesling &

Co als Kulturgut gelten. Da verwundert

es nicht, dass Alkohol in

unseren Breiten seit jeher enorm verbreitet

ist – das gilt auch für die Rauschhäufigkeit

innerhalb eines Jahres. In muslimischen

Ländern ist Alkohol verpönt – und wird daher

viel weniger getrunken. „Innerhalb Europas

ist aber nicht deutlich erkennbar, inwieweit

die Verbreitung mit kulturellen

Mustern und Traditionen zusammenhängt.

Wahrscheinlich spielen Preis und Verfügbarkeit

der Substanz eine größere Rolle“,

meint Prof. Dr. Klaus Hurrelmann, Professor

für Sozial- und Gesundheitswissenschaften

an der Universität Bielefeld.

Je größer die Wirtschaftskraft eines Landes

ist und je weniger Einschränkungen es gibt,

desto mehr Hochprozentiges kann konsumiert

werden – das ist einleuchtend.

Aber auch in Punkto Ehrlichkeit dem eigenen

Trinkverhalten gegenüber gibt es

Unterschiede: In Österreich geben Jugendliche

bei Befragungen eher zu, dass sie täglich

trinken. In anderen Ländern ist man

verschlossener.

Jugend und Rausch

ALKOHOL IM DIVERSITY-CHECK

Berauschen sich Frauen anders? Sind hochprozentige Rauscherfahrungen kulturabhängig?

Oder sind soziale Faktoren dafür ausschlaggebend, wie sehr und wie oft jemand zu Alkohol

greift? Gesundes Österreich geht diesen Fragen nach.

Soziale Herkunft

Schauen Jugendliche aus ärmeren Familien

und mit niedriger Schulbildung häufiger ins

Glas? Mag. Dr. Wolfgang Dür, wissenschaftlicher

Mitarbeiter am Ludwig-Boltzmann-

Institut für Medizin- und Gesundheitssoziologie,

ortet insbesondere beim Binge Drinking

einen schichtspezifischen Zusammenhang.

In der Tendenz ist die obere Mittelschicht

begünstigt. Dort wird Komatrinken

weniger häufig praktiziert. Ob das mit der

Erziehung oder mangelnden Perspektiven zu

tun hat, sei dahingestellt, so der Experte.

Christoph Lagemann vom Institut für Suchtprävention

sieht im Komatrinken keinen

schichtspezifischen Zusammenhang: „Ich

kenne keine einzige Studie, die das belegt.“

Ist Rausch männlich?

Zu Großmutters Zeiten galten betrunkene

Frauen als etwas Abstoßendes und waren

eher die Ausnahme als die Regel. Wie es

scheint, haben Mädchen neben vielen anderen

Dingen auch beim Alkohol aufgeholt –

ein nicht beabsichtigter Nebeneffekt der

Emanzipation? In den letzten zehn Jahren sei

eine spürbare Annäherung der Geschlechter

beobachtbar, was das Rauschverhalten

betrifft. Frauen scheuen aber noch immer

erheblich stärker davor, die Kontrolle zu verlieren.

Burschen gehen rabiater mit ihrem

Körper um, weiß Klaus Hurrelmann. Das

bestätigt auch die HBSC-Studie der WHO,

wonach die Mädchen hinsichtlich Rauscherfahrungen

mit den Burschen beinahe

gleichgezogen haben. In Deutschland waren

es 2005/06 in der Gruppe der 15-Jährigen

mit 19,2 % sogar mehr Mädchen als Burschen

(15,8 %), die schon ein- oder mehrmals

einen Rausch hatten. Mitverantwortlich

ist vielleicht auch das größere Angebot

an Alkohol – wie zum Beispiel Alkopops, die

auch jungen Einsteigerinnen schmecken.

Gerald Koller vom Büro Vital über den

kleinen Unterschied im Rauschverhalten:

Männer und Frauen suchen verschiedene

Rauscherfahrungen. Während es bei Frauen

sehr oft um das berauschende Erlebnis bis

zur Euphorie geht (die aber immer noch ein

Stück weit Kontrolle über das eigene Handeln

zulässt), suchen insbesondere junge

Männer sehr oft die Ekstase, die Erfahrung

der Grenze oder Grenzüberschreitung, um

sich darin selbst zu spüren. ■

GESUNDES ÖSTERREICH

21


22 GESUNDES ÖSTERREICH

Jugend und Rausch

WER NICHT VOM

WEG ABKOMMEN WILL,

BLEIBT AUF DER STRECKE

Jürgen Einwanger und Gerald Koller

im Gespräch mit Gesundes Österreich

Rausch- und Risikoerfahrungen sind

existenziell notwendig. Sie erlauben

Menschen, sich einzuschätzen und ihren

Handlungsspielraum zu erschließen.

Wichtig ist dabei, zwischen Risiko und

Gefahr zu unterscheiden.


W ie erklären Sie sich das menschliche

Bedürfnis nach rauschartigen

Erfahrungen?

KOLLER: Dass rauschhaftes Erleben

Teil menschlichen Lebens ist, zeigt

schon die Tatsache, dass der wesentliche

lebensspendende Akt der Sexualität als

Rauscherlebnis angelegt ist. Rausch bedeutet

den Ausstieg aus Alltagskonstruktionen, das

Verlassen der gewohnten Normen und eine

Veränderung des Zeitempfindens. All das

sind Sehnsüchte des Menschen, die durchaus

auch im Sinne von Entspannung und Distanzierung

positiv genützt werden können.

Selbstverständlich ist der Rauschbegriff vieldeutig:

Vom Liebesrausch bis zum Blutrausch

ist in ihm alles vertreten und somit

auch die janusköpfige Doppelgestalt angesprochen.

Eine Auseinandersetzung mit dem

Rauschhaften muss sich daher auch mit den

vier Dimensionen und Intensitätsgraden der

Rauscherfahrung auseinandersetzen: Berauschendes

Erlebnis, Rauscherfahrung,

Euphorie und Ekstase (siehe Grafik).

Während das berauschende Erlebnis noch

keine hohen Risiken in sich trägt, bedarf es in

der Ekstase hoher Verantwortung und Vorbereitung,

um mit den freigewordenen

psychischen Kräften umgehen zu können.

Welche Rauschintensität Menschen suchen,

ist höchst individuell und auch kaum vorher

bestimmbar. Eine Auseinandersetzung damit

kann aber Bewusstheit und damit erhöhte

Verantwortung bringen.

EINWANGER: Rausch- und Risikoerfahrungen

sind existenziell notwendig. Sie erlauben

Menschen, sich einzuschätzen und

ihren Handlungsspielraum zu erschließen.

Wichtig ist dabei, zwischen Risiko und Gefahr

zu unterscheiden, da der Mensch in der

Risikozone seine Kompetenzen erweitern

und damit seine Komfortzone vergrößern

kann, in der Gefahren- und Todesszone geht

Definition Risiko und Gefahr

Gefahr und Risiko sind Begriffe, die sich auf

mögliche Schäden in einer unsicheren Zukunft

beziehen. In diesen Begriffen erscheint die Zukunft

als etwas, was immer noch anders ausfallen

kann, je nachdem, wie man entscheidet.

Gefahr liegt dann vor, wenn mögliche Schäden

nicht mehr kalkuliert werden können. Von

Gefahr spricht man, wenn und soweit man die

etwaigen Schäden auf Ursachen außerhalb der

eigenen Kontrolle zurechnet. Gefahr wird in

der Regel subjektiv als akute, existenzielle

Bedrohung empfunden, die durch eigenes

Entscheiden nicht abgewendet werden kann.

Risiko liegt dann vor, wenn etwaige Schäden

als Folge der eigenen Entscheidung gesehen

und auf diese Entscheidung zugerechnet werden.

Risikohandeln geschieht im Bewusstsein

zukünftiger Gefahren, die durch das eigene

Entscheiden entstehen können.

Jugend und Rausch

es aber unmittelbar um die Bedrohung der

eigenen Existenz.

Das Bedürfnis, den »Spielraum« zu erweitern,

ist aus verschiedenen Gründen erklärbar.

Jedem Explorationsverhalten liegt der

Aufbruch ins Neue und damit das Eingehen

von Risiken zugrunde. Wer nie lernt, mit

Schwierigkeiten umzugehen, wird große Einschränkungen

in seinen Entwicklungsmöglichkeiten

erleiden. Somit sind Risikoerfahrungen

für unsere gesamte Persönlichkeit,

unser Selbstbewusstsein und unsere Wertehaltung

von entscheidender Bedeutung.

Ist dieses Bedürfnis bei Jugendlichen

heute größer?

KOLLER: Die verdrängende Fluchtwirkung

des Rausches nimmt in Gesellschaften immer

dort zu, wo kulturelle Brüche und Identitätsmankos

auftreten: Das war schon im

alten Rom so und bewies sich auch in den

letzten Tagen der Naziherrschaft im belagerten

Berlin. Wenn Jugendliche heute also vermehrt

zu Binge-Drinking-Orgien neigen, so

ist das meines Erachtens zuerst Anzeichen

einer kulturellen Problematik und weniger

einer individuellen oder sozialen. In einer

Welt, deren Zeitwahrnehmung sich seit dem

Jahr 1960 verfünfunddreißigfacht hat, alles

also immer schneller eintreten soll, ist auch

für den Umgang mit Rausch keine Zeit. Er

soll schnell und heftig in seiner Wirkung sein

und wird somit zum Spiegelbild einer getriebenen

Gesellschaft. Dies gilt nicht nur für

den Umgang mit legalisierten oder illegalisierten

Drogen, sondern auch mit Medien,

dem Spiel oder dem Einkaufen. Ganz wichtig

Legnaro (1982)

Koller (2005)

NÜCHTERNHEIT

Klarheit Kontrolle

EUPHORIE:

Die Erotisierung

der Wirklichkeit

EKSTASE:

Unio mystica

Dimensionen und Intensitätsgrade der Rauscherfahrung

Dipl. Soz.Päd.

Jürgen

Einwanger,

Alpenvereinsjugend

ist es, nicht von legalen oder illegalen Substanzen

zu sprechen, da es sich immer um

politische Prozesse handelt!

EINWANGER: Ob das Bedürfnis größer ist,

lässt sich schwer sagen. Sicher ist, dass die

Möglichkeiten, dieses Bedürfnis im »Alltagsumfeld«

auszuleben, weniger werden und die

Heranführung oft fehlt. Das Bedürfnis nach

Rausch- und Risikoerfahrungen ist nicht

zuletzt ein soziales Phänomen, immer verbunden

mit der Frage nach Beziehung und

Anerkennung.

Durch aktuelle gesellschaftliche Veränderungen

– unsere Overprotection-, Rechts- und

Versicherungsgesellschaft – sind wir leider

BERAUSCHENDES

ERLEBNIS:

„Die Zeit ist das Jetzt“

RAUSCH-

ERFAHRUNG:

Umgestaltetes Denken

Gerald Koller,

Büro Vital

Risikobereitschaft

GESUNDES ÖSTERREICH

23


derzeit auf dem besten Weg, Jugendlichen zu

verwehren, dieses Bedürfnis auszuleben: Wir

trauen ihnen nichts mehr zu, wir versuchen,

Risiken zu vermeiden, damit ihnen ja nichts

passiert. Für den Fall, dass es doch dazu

kommt, wollen wir zumindest einen Schuldigen

und eine gute Versicherung, die dann

die Verantwortung übernehmen.

Welche Tipps können Sie für die

Jugendarbeit geben?

KOLLER: Eine allgemeine Konsumkompetenz

ist eine wichtige Voraussetzung – damit

ist gemeint, sowohl altersgemäße Substanzen

und entsprechende Quantitäten zu konsumieren

(ein zu früher Konsum psychoaktiver

Substanzen gilt nach allen Untersuchungen

als schädigend) als auch einen

Rhythmus zwischen Genuss- und Verzichtsituationen

zu entwickeln: Der vom Dopamin-Erwartungssystem

gesteuerte Lustimpuls

führt, wenn er immer auf dieselbe Weise

befriedigt wird, zu immer niedrigeren Endorphin-Ausschüttungen.

Dosissteigerungen

sind in der Regel die Folge. Der Rhythmus

zwischen Genießen und Verzichten ist daher

ein wesentliches präventives Ziel. Die Übung

in Selbstwahrnehmung ist eine wichtige Voraussetzung

dafür.

Der Diskurs über Rausch und Risiko kann

nicht allein vernunftgeleitet geführt werden.

Erst ein interaktives emotionales Geschehen

sichert nachhaltig präventive Wirkungen. Im

Rahmen aktuell durchgeführter Erhebungen

wurde deutlich, dass Jugendliche und Mitarbeiter

der Jugendhilfe die Sprache der Prävention

oftmals nicht verstehen und als von

ihrer Realität abgehoben empfinden. Alltagsnähe

ist also angesagt. Außerdem sollten wir

nicht vergessen, zwei Jahrtausende lang bewährte

Hilfen zur Rausch- und Risikobalance

anzubieten: „Nimm nichts – oder nicht

viel, wenn Du schlecht drauf bist. Guter

Rausch braucht gute Stimmung – und Zeit“,

und „Halt Ausschau nach Leuten, mit denen

du deine Erfahrungen teilen kannst. Auch

danach.“

Die Vorbildrolle erwachsener Begleiter ist

nicht zu unterschätzen. Hier ist Offenheit

angesagt. Über Grenzziehungen, Informationen

und pädagogischen Maßnahmen hinaus

schulden wir Kindern und Jugendlichen vor

allem eine ernsthafte und aufmerksame

Buchhinweise

Gerald Koller: HIGHMAT – ein Erzählkreis

zu Jugend, Rausch und Risiko; erschienen

im Verlag Edition Rösner

Dipl. Soz.Päd. Jürgen

Einwanger: Mut zum Risiko – Herausforderungen

für die Arbeit mit Jugendlichen.

Mit einem Vorwort von Alexander Huber.

24 GESUNDES ÖSTERREICH

Jugend und Rausch

Risflecting – Ein innovativer Ansatz zum Umgang

mit Rausch- und Risikosituationen

Risflecting ist ein pädagogischer Ansatz, der die menschlichen Bedürfnisse nach Rauscherfahrungen

und Risikosituationen ernst nimmt. Durch Auseinandersetzung mit der eigenen Person, dem sozialen

Umfeld und der Substanz/dem Risikoverhalten, soll ein bewusster Umgang mit Rausch- und Risikosituationen

erreicht werden. Gerald Koller vom Büro Vital über das Modell: „Risflecting möchte

eine Brücke bauen, anstatt neue Spaltungen unserer Alltagsmoral und unserer nächtlichen Wünsche

zu betreiben – es gilt also, pädagogisch die Nacht zum Tag zu machen und Verantwortung für das

außeralltägliche Verhalten zu übernehmen.“

Ziele und Methoden:

Rausch- und Risikoerfahrungen auf persönlicher, sozialer und

gesellschaftlicher Ebene enttabuisieren.

Diese Erfahrungen für die Alltags- und Lebensgestaltung nutzbar machen.

Verantwortung für außeralltägliches Verhalten durch Rauschkultur und

Risikokompetenz übernehmen. Dies meint insbesondere die Vor- und

Nachbereitung solcher Erfahrungen durch die bewusste Wahrnehmung und

Gestaltung von innerer Bereitschaft und äußerem Umfeld.

In den Dialoggruppen von Risflecting sind keine Personen mit exzessivem Risikoverhalten.

Solche Personengruppen brauchen Beratung und Hilfestellung.

Risflecting zielt vielmehr darauf ab, jener großen Gruppe von Personen, die

Risikosituationen unbewusst eingeht und Rauscherfahrungen ohne Vor- und

Nachbereitung konsumiert, Möglichkeiten zur Auseinandersetzung anzubieten. Risflecting strebt eine

Balance an: So brauchen die einen mehr Risikobereitschaft, die anderen wiederum Hilfestellung

durch Begrenzung derselben.

In der präventiven Jugendarbeit setzt also Risflecting wie folgt an:

Einführung in die Bereiche des Außeralltäglichen.

EINWANGER: In längeren Zeiträumen denken,

interdisziplinär und lebendig agieren,

Jugendliche beteiligen und den Druck »erfolgreich

zu sein« herausnehmen.

Entscheidend aber ist die echte und ehrlich

gemeinte Partizipation von Jugendlichen. So

konnten wir beispielsweise in Nordrheinwestfalen

ein erfolgreiches Konzept für stark

Alkohol konsumierende russische Aussiedlerjugendliche

entwickeln, indem wir sie zu

einem gemeinsamen Entwicklungsprozess

eingeladen haben. Das Konzeptteam bestand

aus acht jugendlichen »Szene-Experten«,

zwei Stadtteilsozialarbeitern, einem Suchtund

einem Risikoexperten. Bei Aktivitäten

wie Sportklettern, dem „Risikofall“, dem

»russischen Fest« und einer »Nacht im

Freien« konnten die Jugendlichen Risikokompetenzen

entwickeln. Wichtig war, dass

sie selbst entscheiden konnten, welche Aktivitäten

ihnen für dieses 5-tägige Trainingsprogramm

sinnvoll erschienen. Sie brachten

eigene Inhalte ein und halfen, die Moderation

und Reflexion an ihr »Sprachniveau«

anzupassen. Es war ein offener Prozess ohne

Ergebnisgarantie.

In diesem Beispiel wurde für mich vieles

realisiert, was für eine gute Basis von Präventionsprojekten

wichtig ist. Ebenso wichtig

ist es, sich Strategien für die Implementierung

zu überlegen – hier waren es die

Ausbildung der beiden Sozialarbeiter zu

»Risikotrainern« und die finanzielle und

strukturelle Anbindung an eine große

Landesinstitution. ■

Information:

Fachseminare zu Rausch- und Risikopädagogik

mit Gerald Koller und Jürgen

Einwanger finden unter dem Titel

»Das Feuer hüten« zwischen Oktober

2007 und März 2008 im gesamten

deutschsprachigen Raum statt.

Nähere Informationen zu Orten und

Daten per Email buerovital@aon.at


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IM GESPRÄCH: NADINE

„MUSIK IST MEIN LEBEN“

Sie ist erst süße Siebzehn, aber hierzulande kennt sie schon fast jeder. Bei Starmania hat sie die

Herzen der Zuseher im Sturm erobert und damit den Grundstein für ihre Karriere gesetzt:

Nadine Beiler, die neue Stimme aus Tirol. Im Gespräch mit Gesundes Österreich verrät sie ihre

Zukunftspläne, ihre Einstellung zur Gesundheit und was sie in ihrer Freizeit am liebsten macht.

„Heimaturlaub ist der

Ausgleich, den ich mir

gönne. In Inzig/Tirol kann

ich Kraft tanken, wenn

das Musikgeschäft zu

stressig wird.“


Kurzporträt Nadine

Geboren am: 27. Mai 1990 in Innsbruck

Sternzeichen: Zwilling

Lebt derzeit in: Inzing (Tirol) und Wien

Hobbys: Musik, Singen, Klavier spielen,

Tanzen, Tennis, Zeichnen, Ausgehen

Lieblingsmusik: alles außer Techno

Lieblingssongs: Be with you (Mr. Big);

Anytime you need a friend (Mariah Carey)

Wunsch-Urlaubsland für 2007: Spanien

Liebstes Getränk: heiße Schokolade

Lieblingsspeise: Schokolade

Was mich gesund hält: viel lachen, meine

Freunde und Familie

Was krank machen kann: Langeweile

Lebensmotto: wechselt ständig. Momentan:

Lebe und denke nicht an morgen

Lieblingsbuch: Die fließende Königin (Trilogie)

Was ich auf eine einsame Insel mitnehmen

würde: Musik, meine beste Freundin, einen

coolen Lover ;-)

„Ich wollte schon immer Sängerin

werden. Als ich die erste Staffel von Starmania

gesehen habe, war mir klar, dass ich

mitmachen werde, sobald ich alt genug bin“,

schwärmt das charmante Girl mit den großen

braunen Augen und setzt fröhlich hinzu:

„Musik ist mein Leben.“

Der Erfolg gibt ihr Recht: Nach ihrem Sieg

bei Starmania schaffte es ihre erste Single

»Alles was du willst«, eine Powerballade voller

Leidenschaft und großer Gefühle, auf Anhieb

in die Top 3 der »Ö3 Austria Top 40«.

Der Song zeigte eine junge Künstlerin, die noch

einiges zu sagen hat und vor allem

mit viel Liebe und Engagement

bei der Sache ist. Musikexperten

sehen in ihr ein kleines Stimmwunder

und ein Riesentalent.

Musik hat schon in zartem Alter

eine bedeutende Rolle für sie gespielt, denn

sie war ein wesentlicher Bestandteil des Familienlebens.

„Das hat mich sehr beeinflusst.

Ich habe bereits mit ein bis zwei Jahren zu

musizieren begonnen“, erinnert sich Nadine.

Ihre ersten Auftritte hatte sie bei Weihnachtsund

Familienfesten. Da ist es auch kein Wunder,

dass sich vor allem die Familie über den

Erfolg des Teenagers freut. Ihre Ziele im Leben?

„Eine international erfolgreiche Sängerin

zu werden und eine eigene Familie zu

gründen“, kommt es wie aus der Pistole geschossen.

»Heimaturlaub« als Ausgleich

Das Musik-Business ist hart und kann auch

ganz schön stressig sein – besonders für eine

Newcomerin, die bisher die Schulbank gedrückt

hat. Während für andere Girls in ih-

IM GESPRÄCH: NADINE

rem Alter Schularbeiten und Jungs zu den

aufregendsten Dingen zählen, trat Nadine

bereits vor einer ganzen Nation im Fernsehen

auf und muss mit der Aufmerksamkeit

der Medien zu Recht kommen. Dazu kommt

der Abstand zu jenen Menschen, die ihr nahe

stehen, seit sie alleine in Wien lebt. Ihre Strategie:

„Ich steigere mich nicht so hinein. Ich

sehe jeden Tag als neues Abenteuer und lebe

ganz normal weiter.“ Dazu gehört auch das

Zusammensein mit Familie und Freunden,

wie bei jedem normalen Teenager. Denn die

sind ihr sehr wichtig. »Heimaturlaub« ist der

„Humor ist mir wichtig. Lachen ist auch ein

wunderbares Schönheitsrezept!“

Ausgleich, den sie sich gönnt. In Inzing kann

die junge Frau Energie tanken, wenn das

Musikgeschäft zu stressig wird oder sie sich

in Wien alleine fühlt.

Action und Schokolade

Neben dem Relaxen und einfach »zu Hause

sein« darf es aber auch heiß hergehen: „Ich

brauche Action!“, verrät Nadine. Den holt sie

sich beim Sport – am liebsten Tennis – und

beim Ausgehen mit Freunden. Da wird bisweilen

auch viel herumgeblödelt und gelacht.

Humor ist ihr wichtig und nebenbei ist

Lachen ihrer Meinung nach ein wunderbares

Schönheitsrezept. Unternehmungslust und

Spontaneität stehen ganz oben auf ihrer

Werteliste, aber auch Einfühlsamkeit. Langeweile

hingegen ist ihr ein Gräuel. Auf die Frage,

was einen gesunder Lebensstil ausmacht,

hat sie rasch eine Antwort parat: „Glücklich

sein und jeden Tag genießen.“ Genuss bedeutet

für Nadine neben der Kunst – Singen,

Zeichnen und Harfe spielen – vor allem

Schokolade. Ob in heißer Form getrunken

oder Stück für Stück gegessen: Wie viele

Frauen kann sie der süßen Versuchung

schwer widerstehen.

Kaum zu glauben bei der

elfenhaften Statur der Siebzehnjährigen.

Ihren perfekten Tag beschreibt

sie so: „Erst einmal lange schlafen. Dann

frühstücken, mit meinen Freunden an den

Strand gehen und Sonne, Meer und Palmen

genießen. Am Abend vielleicht ein Cocktail.“

Neue Single

Im Mai 2007 erschien mit »Was wir sind«

die neue, zweite Single von Nadine, die überraschend

reife Seiten ihrer Persönlichkeit

zeigt, denn sie ist eine Liebeserklärung an

die Zweierbeziehung, das Zusammen-Gehören

und das Zusammen-Halten – eine sanfte

Ballade mit starken Emotionen. „Was wir

sind“ soll ein weiteres Mal das große Potenzial

der Sängerin zeigen: Dass sich hier kein

gecastetes Sternchen betätigt, sondern eine

große Künstlerin heran wächst. Für die heimische

Musikszene ist das charmante Tiroler

Girl jedenfalls eine große Bereicherung. ■

GESUNDES ÖSTERREICH

27


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die SIGIS Service Seiten

INHALT 02/07

ROSENKRIEG............................................................................................................................30

Zerreißprobe für Kinder und Eltern

SELBSTHILFE NEWS .........................................................................................................32

HILFE FÜR VERWAISTE ELTERN ..........................................................................34

WENN DIE SEELE STREIKT ........................................................................................35

Depression und Angst

EIN BLICK ÜBER DIE GRENZEN ............................................................................36

Selbsthilfe in Deutschland

s

EDITORIAL

Liebe Leserin,

lieber Leser!

W

enn eine Beziehung in die Brüche

geht, leiden die Beteiligten – allen voran

die Kinder. Besonders schlimm ist

es, wenn es zu Sorgerechtsstreitigkeiten

kommt und

Eltern einander gegenseitig ausspielen.

Nicht selten bricht einer

dann den Kontakt zu Partner und

Kind völlig ab. Der andere – meist

ist es die Frau – muss die Last der

Erziehung alleine tragen. Die Kleinen

verstehen die Welt nicht mehr.

Sie vermissen den fehlenden

Elternteil und geraten oft in einen Loyalitätskonflikt.

Wir gehen dem Dilemma nach und zeigen Wege aus

der Misere. Mediation und Selbsthilfegruppen können

wertvolle Unterstützung leisten, wenn aus Liebe

ein Rosenkrieg geworden ist. In den folgenden SIGIS-

Seiten sind einige davon aufgelistet.

In der neuen Reihe »Ein Blick über die Grenzen«

berichten wir über Selbsthilfegruppen in Deutschland.

In der Verbreitung von Selbsthilfegruppen

nimmt unser Nachbarland eine europaweite Spitzenposition

ein. Wir beleuchten die Ausschlag gebenden

Faktoren dafür, die Rahmenbedingungen und Zukunftstrends.

Wie in jeder Ausgabe gibt es auch wieder Beiträge

über Aktivitäten und Erfahrungen bestimmter Selbsthilfegruppen

und Betroffener – diesmal mit den

Schwerpunkten »Verwaiste Eltern« sowie »Depression

und Angst«.

Derzeit arbeiten wir an der Erneuerung der SIGIS-

Datenbank. Sie wird den Zugriff auf Selbsthilfegruppen

und einschlägige Information optimieren.

Last but not least möchte ich die neue Verstärkung für

unser SIGIS-Team willkommen heißen: Gabriele

Ordo nimmt sich mit Engagement der SIGIS-Agenden

an, eine große Bereicherung, über die ich mich

sehr freue.

Ich wünsche Ihnen schöne Sommermonate und ein

anregendes Lesevergnügen in unserem SIGIS-Teil.

Ing. Petra Gajar

Gesundheitsreferentin

SIGIS-Projektleiterin

des Fonds Gesundes Österreich

GESUNDES ÖSTERREICH

29


SigiS

P atchwork-Familien sind im Kommen:

In Zeiten, in denen fast jede

zweite Ehe geschieden wird, sucht

man nach neuen Formen des

Zusammenlebens nach der Trennung. Dass

alle Beteiligten damit glücklich sind – allen

voran die Kinder – ist eine schwierige Sache

Rosenkrieg:

Zerreißprobe für

Kinder und Eltern

Wenn eine Liebesbeziehung in die Brüche geht, sind meist die Kinder die Leidtragenden. Aber auch bei

den Eltern liegen die Nerven blank: Die Mütter sind zunehmend mit der Hauptlast der Erziehung konfrontiert,

die Väter verlieren oft den Kontakt zum Kind. Gesundes Österreich geht dem Dilemma nach.

und ein langer Weg, der nicht selten über

einen Sorgerechtsprozess, Rosenkriege oder

den kompletten Kontaktabbruch führt. Dass

die Kleinen massiv darunter leiden, liegt auf

der Hand. Gerade im Vorpubertäts-Alter

geben sich Kinder oft die Schuld daran, dass

der Papa ausgezogen ist oder die Mama keine

Zeit mehr für sie hat. „Sie glauben, dass sie

nicht lieb genug waren“, weiß Univ.Doz.Dr.

Helmut Figdor von der ARGE Psychoanalytische

Pädagogik. Neben Trotzreaktionen und

Schulversagen kann eine Scheidung auch

Spätfolgen haben: Die eigene Bindungsfähigkeit

wird gestört.

Dr. Mario Hilse, geschiedener Vater und

Leiter einer Selbsthilfegruppe, kennt diese

Tragödie: „Wenn Kinder hören, dass die

Eltern geschieden sind, bricht eine Welt für

sie zusammen. Am Abend weinen sie oft und

fragen nach dem Papa, der ihnen früher vor

dem Schlafengehen eine Räubergeschichte

erzählt hat und ihnen ein Bussi gegeben hat.

Die Kinder verstehen das nicht, dass er plötzlich

nicht mehr da ist.“ Besonders schlimm

ist es, wenn ein Rosenkrieg ausbricht und

sich die Eltern über das Kind gegenseitig

ausspielen. Das Kind kommt dadurch in einen

Loyalitätskonflikt, wenn ein Partner den

anderen bei den Kindern angeschwärzt. Die

Kinder sind verwirrt, denn sie erleben den

Elternteil ja anders. Sie können nicht glauben,

dass einer plötzlich böse sein soll.

Kontaktabbruch

Meist ist es die Mutter, der das Kind nach

einem Sorgerechtsprozess zugesprochen

wird. Sie trägt damit die Hautplast der Erziehung

samt all ihrer Folgen: Doppelbelastung,

mangelnde Unterstützung und

nicht selten Armutsgefährdung. Studien zu

Folge haben rund 50 % der Väter innerhalb

eines Jahres nach der Scheidung keinen bis

kaum Kontakt zu ihren Kindern. „Meistens

handelt es sich um einen schleichenden

Kontaktverlust. Sorgerechts-Prozesse dauern

bis zu einem Jahr, Termine werden aufgeschoben.

Währenddessen zieht sich der

Vater oft zurück. Aber für ein Kind ist ein

Jahr eine wahnsinnig lange Zeit“, betont

30 GESUNDES ÖSTERREICH die SigiS Seiten


Dr. Mario Hilse Mag. Dr. Miriam Irene Tazi-Preve

Mag. Dr. Miriam Irene Tazi-Preve vom

ÖIF, dem Österreichischen Institut für

Familienforschung.

Die Schuld ist nicht alleine bei den Vätern zu

suchen – wie bei allen Streitigkeiten gehören

immer zwei dazu. Manchen Vätern wird der

Kontakt zum Kind schlicht durch die Mutter

verwehrt. Bei Mario Hilse war es so. Er fuhr

44 Mal nach Salzburg, um seine Tochter zu

sehen. Immer wurde es ihm verweigert. Einmal

hieß es, sie sei krank, ein anderes Mal, sie

sei nicht da. In seiner Selbsthilfegruppe gibt

es viele Väter, die den Kontakt gerne aufrecht

erhalten würden.

Die Gründe für den Kontaktabbruch sind

vielfältig. Eine Studie des ÖIF der Universität

Wien geht ihnen nach. „Wir wollten

herausfinden, was hinter diesem Drama

steckt. Wie es überhaupt dazu kommt – ohne

Schuldzuweisungen zu machen“, erzählt

Miriam Tazi-Preve. In manchen Fällen ist es

wirklich das mangelnde Interesse des Vaters,

das hinter einem Kontaktabbruch steckt:

Nach der Scheidung verliert der Ernährer-

Vater seine Bedeutung und scheitert an der

Neukonstruktion der Vaterrolle. In anderen

Fällen ist die Beziehung zur Mutter das Problem:

„Manche können die Paar- und Elternebene

nicht voneinander trennen“, so Tazi-

Preve. Nach dem Motto: Fällt die Frau weg,

so fällt auch das Kind weg. Vor allem dann,

wenn man sich im Scheidungsprozess gegenseitig

ausspielt, kann auch der Kontakt zum

die SigiS Seiten

Kind abgebrochen werden. Aber auch eine

neue Partnerschaft kann ausschlaggebend

sein: Die neue Partnerin empfindet die Ex-

Frau samt Kind als Konkurrenz – daraufhin

zieht sich der Vater zurück. Und schließlich

gibt es auch jene Fälle, in denen väterliche

Gewalt im Spiel war und der Kontaktabbruch

gerichtlich verfügt worden ist. In

jedem Fall lassen sich keine eindimensionalen

Erklärungen – und Lösungen – finden.

Im Herbst 2007 wird es die Studie des ÖIF

im Verlag für Sozialwissenschaften als

Buch geben.

Mediation

Wenn der Streit eskaliert, finden die Beteiligten

nur in den seltensten Fällen wieder alleine

heraus. Mediation kann zu einem besseren

Verständnis führen und auch den Kindern

viel Schmerz ersparen. Die Mediation

kann eine bessere Kooperation zwischen den

Eltern bewirken. Für die dafür notwendige

Zeit muss das Gerichtsverfahren unterbrochen

werden. Allerdings kann sie nicht alle

Aufgaben professioneller Hilfe erfüllen und

ist vor allem kein Ersatz für therapeutische

Hilfe oder sozialpädagogische Unterstützung

für Kinder. Besuchsbegleitung und Mediation

werde von vielen Experten verstärkt

gefordert, leider gäbe es zu wenig Stellen und

zu wenig Geld dafür, insbesondere bei konfliktreichen

Scheidungen seien die Richter

oft überfordert.

Information und Kontakt

Dr. Mario Hilse

SHG Dialog für Kinder

Tel: 0664/401 54 03

Petsch & Petsch

ARGE für Mediation &

Konfliktmanagement

1170 Wien, Beringgasse 25/2/16

Tel: 0664/33 60 687

SigiS

ARGE Psychoanalytische Pädagogik

Univ.-Doz. Dr. Helmut Figdor

www.app-wien.at

ÖIF – Österreichisches Institut für

Familienforschung der Universität

Wien

Mag. Dr. Miriam Irene Tazi-Preve

Tel: 01/5351454-0

Information zu sozialen Diensten,

Einrichtungen, Vereinen und

Selbsthilfegruppen:

www.infoservice.bmsg.gv.at

Selbsthilfe und Besuchscafes

Was der Familienrichter nicht lösen kann

und wo es an gerichtlich begleiteter Mediation

fehlt, dort können Selbsthilfegruppen

Unterstützung leisten. Mario Hilse hat aufgrund

seiner eigenen Erfahrungen den »Dialog

für Kinder« gegründet, mit einem

monatlichen Jour Fixe. In der Selbsthilfegruppe

findet jeder, der über seine Probleme

reden will, ein offenes Ohr.

Das Besondere an der Selbsthilfegruppe sind

die »Besuchscafes«, die getrennten Partnern

und deren Kindern einen geschützten neutralen

Raum bieten, um sich zu treffen. Die

Besuchscafes sind samstags von 10 bis 17

Uhr geöffnet. So kann der Vater das Kind für

ein paar Stunden »übernehmen« und dann

wieder der Mutter zurückgeben. Begleitet

wird das Treffen von zwei Mediatoren, die

dabei helfen, die Streithähne »herunterzubringen«

und die Situation zu deeskalieren

und sie sind auch zur Beweissicherung da.

Vor vier Jahren hat man in Klagenfurt

begonnen, jetzt gibt es die Besuchscafes in

jeder Bundeshauptstadt.

Zwei Dinge sind für Mario Hirse besonders

wichtig, wenn es zu einer Trennung kommt:

„Dass beide Elternteile versuchen, fair zu sein

und den anderen nicht anschwärzen. Und

dass es regelmäßige Besuchskontakte gibt –

sonst wird das Kind von einem Elternteil

entfremdet.“ ■

GESUNDES ÖSTERREICH

31


SigiS

ELBSTHILFE NEWS

S

q

Selbsthilfe Kontaktstelle

Steiermark

Leechgasse 30

8010 Graz

Tel: 0316/681325

Fax: 0316/678260

selbsthilfe@sbz.at

www.selbsthilfesteiermark.at

Kontakt: Roland Moser

Im Oktober wird der erste steirische

Selbsthilfetag stattfinden –

eine Plattform für das persönliche

Kennenlernen, den Austausch

und die wirkungsvolle Präsentation

der steirischen Selbsthilfelandschaft.

Er soll aber auch der

Standortbestimmung dienen: Wo

stehen wir jetzt? Wohin geht die

Reise? Wer macht den Fahrplan?

Anlässlich des Selbsthilfetages

wird auch die zweite Auflage des

Selbsthilfegruppenverzeichnisses

präsentiert – es soll in allen steirischen

Gemeinden aufliegen.

Die Schirmherrin der Selbsthilfe

Steiermark, Frau Christine Brunnsteiner,

konnte sich bei einem Besuch

in den neuen Räumen der

Kontaktstelle einen Einblick in die

Arbeit verschaffen – mit dem Ergebnis,

dass sie ein noch stärkeres

Engagement für die Selbsthilfe zugesagt

hat. Danke! Unser Motto:

»Selbsthilfe braucht ein Gesicht!«

Das Thema »Selbsthilfe und

Pharmaindustrie« sollte am 26.

4. 2007 nochmals diskutiert werden

– konnte jedoch mangels

»Interesse« nicht in der beabsichtigten

Weise durchgeführt werden.

Wir werden das Thema

jedoch weiterhin im Blick haben!

Die Finanzierung der Fortbildungsseminare

für SHG durch

den FGÖ ist gesichert: die geplante

Seminarreihe zu den Themen

»Motivation«, »Rhetorik«, »Kommunikation

und Konfliktregelung«,

»Öffentlichkeitsarbeit«, »Finanzierungsstrategien«

und »Neue

Medien« kann angeboten werden.

q

Dachverband

Selbsthilfe Kärnten

Kempfstraße 23/3, PF 108

9021 Klagenfurt

Tel: 0463/50 48 71

Fax: 0463/50 48 71-24

selbsthilfe.kaernten@aon.at

www.selbsthilfe-kaernten.at

Präsident: Dr. Horst Sekerka

Geschäftsführung: Mag. Monika

Maier

Die stark steigende Zahl an

Selbsthilfegruppen bestätigt den

hohen Stellenwert von Selbsthilfegruppen,

gerade wenn es um

die Bewältigung des alltäglichen

Lebens mit der Erkrankung oder

einer schwierigen Lebenssituation

geht. Um Betroffenen bzw.

deren Angehörigen den Zugang

zu einer Selbsthilfegruppe zu

ermöglichen und auch Einrichtungen

im Sozial- und Gesundheitsbereich

die Kooperation zu

erleichtern, müssen die Daten

ständig aktualisiert werden. Die

aktuelle Druckversion »Verzeichnis

der Kärntner Selbsthilfegruppen«

ist ab sofort wieder

kostenlos im Büro des DV

Selbsthilfe Kärnten (Anschrift

siehe oben) erhältlich.

Derzeit liegen zwei Petitionen

von Kärntner Selbsthilfegruppen

zur Unterschrift auf, um die

Lebenssituation der Betroffenen

bzw. derer Angehörigen zu verbessern:

»Schutz vor schädlichen

Auswirkungen von Elektrosmog

und Mobilfunk« der Selbsthilfegruppe

»Elektrosmog – Elektrosensibilität«

und »Schaffung

alternativer Wohnmöglichkeiten

für psychisch erkrankte

Menschen« der Plattform der

Freunde psychisch erkrankter

Menschen, deren Mitglied auch

HPE Kärnten ist. Infos auch unter

www.selbsthilfe-kaernten.at/

aktuelles.htm

q

Selbsthilfe Tirol –

Dachverband der Tiroler

Selbsthilfevereine und

-gruppen im Gesundheitsbereich

Innrain 43/Parterre

6020 Innsbruck

Tel: 0512/577198-0

Fax: 0512/564311

dachverband@selbsthilfe-tirol.at

www.selbsthilfe-tirol.at

Sich gegenseitig unterstützen

und Erfahrungen austauschen

sind nicht nur wesentliche

Bestandteile der Arbeit einzelner

Selbsthilfegruppen. Um

Synergien zu nutzen und die

Vernetzung der Selbsthilfegruppen

zu fördern bietet der Dachverband

jedes Jahr die Möglichkeit,

an Gemeinschaftsveranstaltungen

teilzunehmen. Unter der

organisatorischen Leitung des

Selbsthilfezentrums hatten viele

Selbsthilfegruppen auch heuer

wieder Gelegenheit, ihre Tätigkeit

im Rahmen der Frühjahrsmesse

einem breiten Publikum

vorzustellen.

Ende März konnte unter dem

Motto »Gespräch am Markt«

ein neuer Versuch gezielter

Öffentlichkeitsarbeit gestartet

werden. Im Eingangsbereich der

Innsbrucker Markthalle präsentierte

der Dachverband die Arbeit

der Unterstützungsstelle.

Die Ideologie der Selbsthilfe findet

vermehrt auch in den Lehrplänen

der allgemein bildenden

höheren Schulen Platz. So war

die Förderung der sozialen

Fähigkeiten und des sozialen

Verständnisses der Schüler/innen

die Grundüberlegung für

eine Exkursion in den Dachverband,

wo sie über die zahlreichen

Selbsthilfegruppen informiert

wurden.

32 GESUNDES ÖSTERREICH die SigiS Seiten


q

Dachverband der

burgenländischen

Selbsthilfegruppen

Spitalstraße 10

7350 Oberpullendorf

Tel: 02612/42554

Fax: 02612/42554-4

shg-dachverband.bgld@ aon.at

Dem Dachverband gehören bereits

28 verschiedene Selbsthilfegruppen

als fixe Mitglieder an.

Zwölf Selbsthilfegruppen werden

demnächst beitreten. Erklärtes

Ziel ist, bis Ende 2007 das gesamte

Landesgebiet erfassen zu

können. Dabei rechnet der

Dachverband mit ca. 60-65

Selbsthilfegruppen, die als aktive

Mitglieder dem Dachverband

angehören. Eine Vernetzung einzelner

Vereine in ganz Österreich

wird angestrebt, wie z.B. beim

Verein Klinefettersyndrom und

Schädel-Hirntrauma.

Anlaufstelle für die Gründung

der SHG ist im Dachverbandsbüro

Oberpullendorf, Spitalstraße

10

Tel: 02612 / 42554

Fax: 02612 / 42554-4

Mo – Fr von 9h – 12h

shg-dachverband.bgld@aon.at

Dachverband der

Salzburger

Selbsthilfegruppen

Faberstraße 19-23; 5024 Salzburg

Tel: 0662/88 89 - 258

Fax: 0662/88 89 - 492

geistlinger@selbsthilfe-salzburg.at

Geschäftsführung: Sabine

Geistlinger und Cathrine Schauf

Das Land Salzburg begann im

März 2006 das Pflegegeld für

die SigiS Seiten

q

Dachverband der NÖ

Selbsthilfegruppen

Wiener Straße 54/Stiege A/2. Stock

Postfach 26

3109 St. Pölten

Tel: 02742/ 22 644

Fax: 02742/ 22 686

info@selbsthilfenoe.at

www.selbsthilfenoe.at

Regionalkonferenzen in NÖ

intensivieren Gesundheitskooperation

vor Ort

Um Kooperation und Information

zwischen Selbsthilfegruppen

und den NÖ Gesundheitspartnern

weiter zu verbessern, fanden

in allen fünf NÖ GesundheitsregionenRegionalkonferenzen

statt. „Die gute Kooperation

mit Selbsthilfe ist eines der Qualitätsmerkmale

von NÖ Krankenanstalten“

so Dr. Robert

Griessner (NÖGUS). „Aus den

Konferenz-Ergebnissen erarbeiten

NÖGUS und Dachverband

Kooperations-Kriterien“ so Kurt

Hiess (Dachverband). In Planung

ist ein »Gütesiegel« für selbsthilfegruppenfreundlicheKrankenanstalten

in NÖ.

Die Regionalkonferenzen brachten

viele Beispiele guter Zusammenarbeit

zu Tage. Selbsthilfegruppen

erfreuen sich bei den »Profis« einer

hohen Akzeptanz. Allerdings ist

die Information in der Region

häufig nicht ausreichend.

Menschen mit Beeinträchtigung

zu kürzen. Dies traf natürlich

auch unsere Selbsthilfegruppen

schwer. Der Dachverband Selbsthilfe

Salzburg bot den betroffenen

Gruppen die Plattform an,

die eine Selbsthilfegruppe

braucht, um gemeinsam (es waren

die Betroffenen, die Eltern

und Sachwalter) gegen diesen

Bescheid anzukämpfen. Sie zogen

vor das Salzburger Gericht.

SigiS

q q

ARGE Selbsthilfe

Österreich

Koordinationsstelle: Dachverband

Selbsthilfe Kärnten

Kempfstraße 23/3, PF 108

9021 Klagenfurt

Tel: 0463/50 48 71-25

Fax: 0463/50 48 71-24

arge@selbsthilfe-oesterreich.at

www.selbsthilfe-oesterreich.at

Sprecherin: Mag. Monika Maier

»Gesundes Österreich« –

Ausgabe 2/2007

Die Auseinandersetzung mit modernen

Informations- und Kommunikationstechnologien

im

Gesundheitswesen erfolgt derzeit

fast ausschließlich auf gesundheitspolitischer,wissenschaftlicher

und auch wirtschaftlicher

Ebene. Die Sichtweise der Patient/innen

– gerade bei der Entwicklung

der ELGA – elektronische

Gesundheitsakte – findet

kaum Berücksichtigung.

Es muss z. B. klar geregelt werden,

wer auf welche Daten zugreifen

darf. Patientendaten sollten

nur nach Zustimmung der

Patient/innen gespeichert werden.

Es muss nachvollziehbar

sein, wer auf die ELGA zugegriffen

hat. Das würde aber auch bedeuten,

dass Patient/innen ihre

eigenen Daten einsehen und verwalten

können.

Das gemeinsame Motto war: Wer

kämpft, kann verlieren! Wer

nicht kämpft, hat schon verloren!

Sechs Musterprozesse wurden

geführt und das Salzburger Gericht

entschied vor kurzer Zeit,

dass die Hilfe für Behinderte zu

Unrecht gekürzt wurde. Das

Land Salzburg muss die Differenz

nachzahlen. Das Pflegegeld

wird somit im ursprünglichen

Prozentsatz wieder hergestellt.

SelbsthilfeCLUB

ANTENNE, Kontakt und

Servicestelle Selbsthilfe

Vorarlberg

Höchsterstr. 30

6850 Dornbirn

Tel: 05572/26374

Fax: 05572/26374

club-antenne@utanet.at

Geschäftsführung: Isabella

Tschermernjak

25 Jahre Selbsthilfe und

Emporwerment im Club Antenne

Der Club Antenne wird heuer 25

Jahre alt. Zu diesem Jubiläum zieht

der Club in das Sozialzentrum der

Stadt Dornbirn. Dort stehen vier

Gruppenräume und ein Frauencafe

zur Verfügung.

Selbsthilfe ist im Sinne des Empowerments

ein anerkanntes Instrument

zur Bewältigung von Krankheiten,

Problemen und Lebenskrisen.

Mit Empowerment bezeichnet

man Strategien, die das Maß an

Selbstbestimmung und Autonomie

im Leben der Menschen erhöhen.

Derzeit treffen sich ca. 15 Selbsthilfegruppen

zu verschiedensten

Themen, 3 neue SH-Gruppen

sind im entstehen: »Selbsthilfegruppe

Arbeitssuchende Frauen

und Männer«, »Selbsthilfegruppe

für Menschen mit Huntington

und deren Angehörige«,

»Selbsthilfegruppe für Neurofibromatose.«

Das Land Salzburg kann gegen

dieses Urteil nicht mehr in die

Berufung gehen, da es bereits

rechtskräftig ist.

Für die Selbsthilfe Salzburg und

die Selbsthilfegruppen war dies

ein mühsamer und langer Weg.

Wir freuen uns gemeinsam mit

den Betroffenen, dass nun die Eigeninitiative

und die Pflegeleistung

der Angehörigen wieder anerkannt

werden.

GESUNDES ÖSTERREICH

33


SigiS

Hilfe für verwaiste Eltern

Der Tod eines Kindes ist wohl das Schlimmste, was Eltern passieren kann. Gesundes Österreich

spricht mit einer betroffenen Mutter und zeigt Wege zur Selbsthilfe.

C hristine Tiefenbach, Leiterin einer

Selbsthilfegruppe in Wels, über ihr

Schicksal: „Meine Tochter hatte

Leukämie. Sie war fast drei Jahre

lang krank und bekam Chemotherapie. Kurz

vor Weihnachten ist sie schließlich gestorben.“

Die tiefe Trauer kann man nur erahnen,

wenn man nicht selbst betroffen ist. Das

Loch, in das man fällt, wenn statt Kindergelächter

nur mehr Stille im Haus ist.

Zur Trauer kommen meist auch Schuldgefühle:

Das Gefühl, etwas falsch gemacht zu

haben. Nicht alle Chancen genutzt zu haben.

Das schlechte Gewissen, selbst wieder Freude

am Leben zu empfinden. „Auch wenn die

Eltern nie etwas dafür können: die Schuldgefühle

sind da. Die kann man ihnen auch

nicht ausreden. Das soll man auch nicht“,

weiß die Psychotherapeutin Monika Kornfehl.

Christine Tiefenbach schließt sich dieser Meinung

an, denn Schuldgefühle muss man

wirklich ausdiskutieren, die Kinder hätten

das nicht gewollt, sondern sie hätten gewollt,

dass ihre Eltern glücklich sind.

Totgeburt

Schwangerschaft und Geburt zählen zu den

bewegendsten Erfahrungen im Leben. Umso

schlimmer ist es, wenn das Kind tot zur Welt

kommt. Die Eltern haben keine Möglichkeit,

ihr Kind jemals zu sehen. Es gibt keine Erinnerung,

keine Lebensgeschichte. Die Geburt

bleibt den Frauen trotzdem nicht erspart.

Die »ZOE Schwangerschaftsberatung« will

Eltern diesen Abschied erleichtern. Das Projekt

»Gute Hoffnung – Jähes Ende« hilft

Frauen, eine Beziehung zum verstorbenen

Kind aufzubauen. Es war ja da – im Mutterleib.

Die Ultraschallaufnahmen zeigen das

Information und Kontakt:

Zoe Schwangerschaftsberatung

Monika Kornfehl

Bürgerstraße 1, 4020 Linz

Tel: 0732/77 83 00

SHG Verwaiste Eltern

Christine Tiefenbach

Puchbergerstraße 41

deutlich. Das Kind kurz im Arm zu halten –

auch wenn es nicht mehr lebt – kann dabei

helfen. Auch wenn das Kind bereits im Mutterleib

stirbt, sollte die Mutter auf die Geburt

vorbereitet werden. Eine Tagung in Linz –

der Termin ist noch nicht fixiert – will einen

Leitfaden zum Verabschieden geben, denn

„nur was begrüßt wird, kann auch verabschiedet

werden“, betont Monika Kornfehl.

An der Fachtagung werden sowohl Hebammen

als auch Ärzte, Schwestern und betroffene

Eltern teilnehmen.

Gemeinsam trauern

Der Austausch mit anderen Betroffenen

kann eine wertvolle Stütze für verwaiste

Eltern sein. Nach ihren eigenen schmerzhaf-

Monika Kornfehl Christine Tiefenbach

ten Erfahrungen leitet

Christine Tiefenbach seit

21 Jahren eine Selbsthilfegruppe.

Man trifft sich

einmal im Monat und ist

in regem telefonischem

Kontakt. Es sei wichtig,

offen darüber zu sprechen,

gemeinsam an der

Trauer zu arbeiten. Aber

auch gemeinsam zu lachen,

Ausflüge zu unternehmen.

Erfreulich sei,

dass auch langsam Männer

den Mut haben, in

die Selbsthilfegruppe zu

kommen. Das sei eine

große Bereicherung.

Patentrezept gibt es keines,

denn Trauerarbeit

ist vielfältig. So wie jeder

Mensch anders ist, ist es

auch die Trauerarbeit. Wichtig ist, seine

Trauer zuzugeben und keine Maske zu tragen.

Im Berufsleben ist das nicht immer einfach.

Man muss sich bewusst Zeit nehmen,

um mit sich selbst ins Reine zu kommen.

Manchen hilft die Natur, manchen ein Haustier,

anderen die Kunst und Kultur.

Auch Monika Kornfehl betont, wie hilfreich

der Austausch mit anderen Betroffenen ist,

Vor allem die Mütter fühlten sich oft alleine

gelassen mit ihrer Trauer. Das Umfeld

wünscht sich, dass sie möglichst schnell wieder

»die Alte« wird. Sie seien noch so jung

und könnten noch Kinder bekommen –

hören sie oft von wohlmeinenden Stimmen.

ZOE hilft Frauen dabei, Erinnerungen an das

verstorbene Baby zu schaffen. Denn auch das

ungeborene Leben verdient Beachtung – und

die Eltern haben ein Recht auf die Würdigung

ihrer Trauer. „Wenn ein älterer Mensch

stirbt, gibt es viele Erinnerungen. Das Totgeborene

hat niemand gekannt. Wir versuchen,

dem Kind einen Namen zu geben,

nachzufragen, ob es ein Bub oder ein Mädchen

war. Wir zünden Kerzen für das verstorbene

Kind an, sammeln Sprüche, und regen

die Eltern dazu an, Briefe an das Verstorbene

zu schreiben“, erzählt Monika Kornfehl. ■

1600 Wels

Tel: 07242/44 37 8

34 GESUNDES ÖSTERREICH die SigiS Seiten


Das Herz beginnt zu rasen,

Schweißperlen treten auf die

Stirn, deine Arme und Beine

zittern. Du wirst schwindlig,

bekommst kaum mehr Luft. Die Haut fühlt

sich teils kribblig, teils taub an, als ob dein

Körper absterben wollte. Du hast Angst zu

kollabieren, Angst verrückt zu werden, Angst

zu sterben. So in etwa fühlt sich eine Panikattacke

an. Carla Stanek vom Club »D&A –

Selbsthilfe bei Depression und Angststörungen«

kennt dieses Gefühl nur allzu gut: „Ich

hatte Todesangst. Weil ich an einen Herzinfarkt

geglaubt habe, habe ich die Rettung

gerufen. Im Krankenhaus kam dann die

Diagnose: Angsterkrankung. Sie haben mich

damals vor 20 Jahren zu Fuß nach Hause

geschickt.“

Frau Staneks Erlebnis ist nicht außergewöhnlich.

Viele Menschen, die mit ihrer

ersten Panikattacke konfrontiert sind, wissen

nicht, dass es sich um eine solche handelt.

Sie vermuten einen Herzinfarkt, eine

schwere Krankheit oder glauben, verrückt zu

werden. „Ich wage sogar zu sagen, dass 50 %

der Leute, die wegen einem Herzinfarkt in

die Notaufnahme kommen, eine Panikattacke

haben. Dank der Aufklärungsarbeit in

den letzten Jahrzehnten hat das Wissen um

Angsterkrankungen allerdings stark zugenommen.

Auch wir vom Club D&A haben

unseren Teil dazu beigetragen,“ erzählt Carla

Stanek.

Die Gesichter der Angst

Angst vor Spinnen, Angst vor Krankheit,

Angst vor anderen Menschen, Angst vor der

Angst – Angsterkrankungen können viele

Gesichter haben. Panikattacken sind eines

davon. Dabei ist die Angst zunächst einmal

ein ganz normales menschliches Gefühl,

genauso wie Freude, Ärger

oder Wut. Angst ist sogar ein

äußerst sinnvolles Warnsignal,

das Mutter Natur uns

mitgegeben hat: Es schaltet

immer dann auf Alarm, wenn

Situationen als bedrohlich

die SigiS Seiten

Wenn die Seele streikt

eingeschätzt werden. Der Körper bereitet

sich auf Kampf oder Flucht vor: Das Herz

schlägt schneller, der Blutdruck steigt, die

Atmung wird beschleunigt und die Muskeln

werden angespannt, um der Gefahr möglichst

schnell zu entkommen. Angst ist ein

Überlebensschutz – und das seit Jahrmillionen.

Problematisch wird es dann, wenn die

Angst übermäßig in Situationen auftritt, die

objektiv nicht als gefährlich gelten.

Angsterkrankungen beginnen fast immer im

jungen Erwachsenenalter. Etwa zehn Prozent

der Gesamtbevölkerung leidet unter zwang-

haften Befürchtungen,

permanenten Ängsten

oder Panikattacken, wobei

Frauen doppelt so oft

betroffen sind wie Männer.

Nicht selten gehen

Angst und Depression

SigiS

Depression und Angst sind Spiegel unserer modernen Gesellschaft: Hektik und Fremdbestimmung

fordern bei vielen Menschen ihren Tribut. Bei manchen ist der Leidensdruck so groß, dass ein

normales Leben unmöglich wird. Selbsthilfegruppen können auf dem Weg zur Heilung begleiten.

Information und Kontakt

Club D&A

Carla Stanek

Schottenfeldgasse 40/8

1070 Wien

Tel: 01/4077727

www.club-d-a.at

Edvard Munch – Der Schrei

Hand in Hand. „Es gibt wenige Menschen,

die nur Angst oder nur Depression kennen.

Wenn man lange genug gegen die Angst

kämpft, erschöpft man sich. Dann kommt

die Depression.“ Der gesamte Alltag kann

durch die Angsterkrankung geprägt sein –

sozialer Rückzug bis völlige Isolation ist oft

die Folge. Eine Behandlung wird häufig dadurch

erschwert, dass viele Betroffene erst

sehr spät psychotherapeutische oder fachärztliche

Hilfe in Anspruch nehmen.

Selbsthilfe

Eine Angststörung ist keine Sackgasse: Es

gibt für jeden einen Weg hinaus. Eine wichtige

Ergänzung zur Therapie kann eine Selbsthilfegruppe

sein. „Es hilft sehr viel, wenn

man weiß, dass es anderen auch so geht. Ich

habe anfangs geglaubt, dass ich mit meinen

Panikattacken alleine auf der Welt bin, dass

ich verrückt bin. Von den anderen lernt man

auch Strategien, wie man mit der Angst umgehen

kann,“ erzählt Carla Stanek. Der Club

D&A ist eine Privatinitiative, also vollkommen

unabhängig. Der Club D&A will Betroffenen

ein gastliches »Zuhause« bieten,

einen Ort, an dem sie sich aussprechen können,

an dem sie mit ihrer Erkrankung angenommen

sind und ihren persönlichen

Gesundungsweg beginnen bzw. fortsetzen

können. Das Programm ist vielfältig: Neben

klassischen Selbsthilfegruppen werden

Therapiegruppen, Einzel- und Paartherapien

sowie ärztliche Fragestunden angeboten.

Das Clubcafe ist täglich ab 16 Uhr geöffnet.

Die Clubzeitung »Ich und Du« informiert

und bietet Betroffenen eine Plattform zu

Austausch.

Dass die Teilnahme an Club D&A-Selbsthilfegruppen

verbesserte Lebensqualität bringt,

ist das Ergebnis einer repräsentativen Erhebung,

die im Clubzentrum Wien durchgeführt

wurde. Drei Viertel der befragten Teilnehmer

von Club D&A-Selbsthilfegruppen

gaben an, dass sich ihre Lebensqualität verbessert

(ca. 50 %) oder stark verbessert (ca.

25 %) hat. ■

GESUNDES ÖSTERREICH

35


SigiS

Ein Blick über die Grenzen:

Selbsthilfe in Deutschland

Selbsthilfe gehört auch in Deutschland zu den gängigen Formen der Unterstützung bei Krankheit,

Behinderung und psychosozialen Problemen. Gesundes Österreich beleuchtet die

Selbsthilfelandschaft unseres Nachbarlandes.

S elbsthilfe ist in Deutschland nicht

mehr wegzudenken: In der Verbreitung

von Selbsthilfegruppen nimmt

unser Nachbarland eine europaweite

Spitzenposition ein. Aktuellen Schätzungen

zufolge gibt es bundesweit zwischen 70.000

und 100.000 Selbsthilfegruppen zu fast

jedem gesundheitlichen und sozialen Themenbereich.

Zwei bis drei Millionen Menschen

(bei gut 80 Millionen Einwohnern)

nehmen diese in Anspruch. In den letzten

Jahren ist die Selbsthilfe zu einer »vierten

Säule« im System gesundheitlicher Versorgung

herangewachsen und leistet einen

wichtigen Beitrag zur Gesunderhaltung und

Problembewältigung.

Aber wie erklärt sich diese deutsche Spitzenposition

in der Selbsthilfe? „Sicherlich spielten

Forschungsgruppen an Universitäten eine

ganz besondere Rolle. Die positiven

Ergebnisse der Wissenschafter waren äußerst

wichtige neutrale Zeugen der Selbsthilfebewegung.

Im Sinne von »Aktionsforschung«

wurde auch versucht, Selbsthilfegruppen anzuregen

und zu unterstützen. Hieraus entstanden

die ersten Selbsthilfe-Kontaktstellen

in Deutschland“ weiß Jürgen Matzat von der

Kontaktstelle für Selbsthilfegruppen.

Aus dem Zeitgeist der 60er und 70er Jahre

waren laut Jürgen Matzat vermutlich zwei

Elemente von besonderer Bedeutung: die

Studentenbewegung mit ihrem kulturrevolutionärem

Elan und der so genannte

»Psychoboom«, der in Teilen der Gesellschaft

ein Bedürfnis nach Selbsterfahrung (insbesondere

in Gruppen) entstehen ließ. Ein weiteres

deutsches Spezifikum sei der starke Ausbau

der psychosomatisch-psychotherapeutischen

Versorgung durch ein eigenes Fachgebiet

(außerhalb der Psychiatrie, die in den

meisten anderen Ländern hierfür zuständig

ist). Psychotherapeutische und insbesondere

gruppentherapeutische Vorerfahrungen waren

und sind daher in Deutschland sehr viel

stärker verbreitet als in anderen Ländern.

36 GESUNDES ÖSTERREICH

Selbsthilfelandschaft

Die deutsche Selbsthilfelandschaft ist sehr

differenziert: Es existiert eine Vielzahl an

Formalisierungsgraden. Klassische Selbsthilfegruppen

gehören ebenso dazu wie

Selbsthilfeorganisationen und Selbsthilfekontaktstellen.

Rund zwei Drittel bis drei

Viertel der deutschen

Selbsthilfegruppen haben

ihren Themenschwerpunkt

in den Bereichen

Erkrankung und Behinderung.

Das Spektrum

reicht von allergischen,

asthmatischen und anderenAtemwegserkrankungen

über Herz-Kreislauferkrankungen

bis hin zu

Tumoren. Auch psychische

Erkrankungen zählen

dazu. Der Rest engagiert

sich in der sozialen Selbsthilfe:

in den Bereichen

Information und Kontakt:

Kontaktstelle für Selbsthilfegruppen

Dipl.-Psych. Jürgen Matzat

Friedrichstr. 33

D-35392 Gießen

Tel: 0049/641 /99 456 12

NAKOS

Nationale Kontakt- und

Informationsstelle zur Anregung

und Unterstützung von

Selbsthilfegruppen

Wilmersdorfer Str. 39

D-10627 Berlin

Tel: 0049030 /31 01 89 60

www.nakos.de

Familie, Partnerschaft, Erziehung, Frauenselbsthilfe,

Alter, Migration und im Kontext

von Lebensproblemen und -krisen.

1984 wurde in Berlin mit NAKOS eine

bundesweite Kontakt- und Informationsstelle

gegründet, die zur Anregung und Unterstützung

der Selbsthilfegruppen dient.

Zukunftstrends

„Die Anzahl der einzelnen Selbsthilfegruppen

wird möglicherweise nicht mehr so

schnell wachsen wie bisher. Ein gewisser

»Deckeneffekt« könnte bei dem hohen

Niveau in Deutschland bald erreicht sein.

Hinzukommen werden noch Gruppierungen

zu seltenen Krankheiten oder sehr spezifischen

Situationen,“ erläutert Jürgen Matzat.

Die Anerkennung durch das professionelle

System und die Kooperation mit ihm wird

weiterhin zunehmen. Als Nebeneffekt davon

wird man die Indienstnahme der Selbsthilfe

als »billiger Jakob der Versorgung« beobachten

können.

Außerdem wird die Bedeutung der Selbsthilfe

als Interessenvertretung steigen. Die

hohe gesellschaftliche Anerkennung führte

bereits in jüngster Zeit zu vermehrter Beteiligung

von Selbsthilfe-

und Patientenvertretern

in Beratungsgremien

des Gesundheitswesens.

„Durch den wachsenden

politischen Einfluss

wird es auch Begehrlichkeiten

geben, stärker

Einfluss auf die Selbsthilfegruppen

zu nehmen

und sie für eigene

(d. h. fremde Interessen)

einzuspannen. Besonders

heiß diskutiert

wird derzeit die (angebliche)

Unterwanderung

durch die pharmazeutische

Industrie.“ ■

die SigiS Seiten


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Unser Ziel ist es, die

Lebensqualität von PatientInnen

mit psychiatrischen und

neurologischen Erkrankungen

zu verbessern.

Lundbeck Austria unterstützt

MiniMed StudentInnen

und PatientInnen.

Vorlesungsprogramm auf

www.minimed.at

Highlights aus dem Programm 2007

Jahrhundertleiden Depression

Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten

Europa wird vergesslich

Demenzerkrankungen auf dem Vormarsch

Spezialist in Psychiatrie und Pionier in Neurologie

www.lundbeck.at


Ein ganz normaler Arbeitstag: Die Sonne

lacht vom Himmel und man ist wie

immer im Morgenstress: Er hat einen

Kundentermin, sie bringt die Kinder in die

Schule und muss nachher ins Büro. Die Kinder

werden schnell ins Auto bugsiert und in

die fünf Minuten entfernte Volksschule gebracht.

Von der Mama, denn der Papa hat

sein eigenes Auto. Am Nachmittag geht es

dann mit den Kleinen in den Musikunterricht

– wieder mit dem Auto. Am Abend

38 GESUNDES ÖSTERREICH

GESUNDE MOBILITÄT

FITNESSWUNDER RAD – WEGE

ZU EINER GESUNDEN MOBILITÄT

Er macht schlank, beugt gegen Herz- und Kreislauferkrankungen vor und ist überaus umweltfreundlich:

Der Drahtesel. Außerdem kann Radeln richtig Spaß machen. Wer etwas für seine

Gesundheit und für die Umwelt tun will, sollte öfter mal das Fahrrad nehmen oder zu Fuß gehen.

Der Fonds Gesundes Österreich fördert Projekte, die eine gesunde Mobilität zum Ziel haben.

gönnt sich die gestresste Mutter eine Yogastunde

im zehn Minuten entfernten Fitness-

Center. Klar, dass sie das Auto nimmt. Oder

doch nicht?

Für viele wäre das Fahrrad eine gute Alternative,

um von A nach B zu kommen. Oder

gleich per pedes – das älteste Fortbewegungsmittel

der Welt. Denn insbesondere zur

Bewältigung kürzerer Distanzen haben diese

Formen der Fortbewegung viele Vorteile.

Natürlich gibt es auch Strecken, die man bes-

ser mit dem Auto fährt. Wer jedoch die Möglichkeit

dazu hat und aktiv etwas für seine

Gesundheit tun will, für den ist das Fahrrad

ein wahres Fitnesswunder. Studien zeigen,

dass die Österreicher sehr wohl um die Faktoren

eines gesunden Lebensstils wissen. Das

tatsächliche Verhalten steht allerdings oft in

einem krassen Gegensatz dazu. Die Angst vor

dem Straßenverkehr und mangelnde Infrastruktur

hindert leider viele daran, das Auto

in der Garage zu lassen.

Der Masterplan Radfahren schont die

Umwelt und fördert Gesundheit und Fitness

In Österreich sind 25 Prozent aller Autofahrten kürzer als zwei Kilometer

und 50 Prozent aller Autofahrten kürzer als fünf Kilometer.

Besonders im innerstädtischen Verkehr hat der Umstieg vom Auto

aufs Fahrrad großes Potential. Zum Auftakt der Radsaison 2007 hat

sich das Lebensministerium das Ziel gesetzt, den Fahrradanteil bis

2015 bundesweit auf zehn Prozent zu erhöhen. Um dieses Ziel zu erreichen,

werden im Rahmen des Masterplans Radfahren mehrere Schwerpunktaktionen

gesetzt. Das ist zum einen die Initiative bike2business für

mehr radfahrfreundliche Betriebe und zum anderen die gemeinsam vom

Lebensministerium mit GLOBAL 2000 ins Leben gerufene Kampagne

fahrRAD, die sich direkt an die Mitarbeiter wendet.

Der Wettbewerb bike2business zeichnet innovative Ideen zur Einbindung

des Fahrrads in den Berufsalltag aus. Gesucht werden Unternehmen, die

ihren Betrieb fahrradfreundlich gestalten und dadurch ihre Mitarbeiter

zum Umstieg auf das Fahrrad motivieren. Fahrradfreundliche Angebote

können beispielsweise Umkleidemöglichkeiten, Diensträder oder Kilometergeld

für Dienstfahrten mit dem Fahrrad sein. Informationen zum

Wettbewerb gibt es auf www.bike2business.at.

Um zusätzlich auch die Mitarbeiter zum Umstieg auf das Fahrrad zu

bewegen und somit einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten, starten das

Lebensministerium und GLOBAL 2000 die Kampagne fahrRad. Zielgruppe

sind hier 2,2 Millionen Arbeitnehmer, die einen Arbeitsweg von

weniger als 7 km haben. Für sportliche Arbeitnehmer winkt eine Belohnung.

Mit einer Registrierung auf der Homepage www.fahrradpass.at

nimmt man automatisch am Gewinnspiel teil und bekommt einen fahr-

Radpass zugesendet,

der zu Angeboten

wie z. B. eine kostenloseFahrradmitnahme

in Österreich bei

Railtours berechtigt.

Die Teilnehmer werden

aufgefordert,

ihre geradelten Kilometer

regelmäßig in

Umweltminister

Josef Pröll:

„Ich lade die

Österreicherinnen und

Österreicher ein, für

unser gemeinsames

Ziel – eine saubere

Umwelt und ein gutes

Klima – mitzuradeln.“

das online-Fahrtenbuch einzutragen. Der aktuelle km-Stand und die entsprechende

CO 2 -Ersparnis werden sofort dargestellt.

Wird der Masterplan konsequent umgesetzt, bringt das folgendes Ergebnis:

Durch die Einsparung von 560 Millionen bis 1,6 Milliarden PKW-Kilometer

ist eine Reduktion des Gesamttreibstoffverbrauches von 30.000 bis 85.000

Tonnen jährlich möglich. Das bringt 270 bis 780 Tonnen Stickoxide weniger

jährlich und spart 100.000 bis 270.000 Tonnen CO 2 pro Jahr. Positive Auswirkungen

auf Gesundheit und Lebenserwartung sind durch die vermehrte

körperliche Aktivität ebenso zu erwarten. Der Gesundheitsnutzen für die

Öffentlichkeit würde rund 165 Millionen Euro jährlich betragen, das sind etwa

0,15 Euro pro gefahrenen Fahrradkilometer.

Weitere Infos zum Masterplan Radfahren finden Sie unter:

www.lebensministerium.at ANZEIGE


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klima:aktiv

Österreich hat ein Ziel: „Ich radel mit!“

„Umweltschutz liegt mir am Herzen. Als Vater von

drei Kindern leiste ich hier gerne meinen Beitrag.“

Georg Totschnig

Lass die Wadeln auch im Alltag radeln!

Österreich hat ein gemeinsames Klimaschutzziel:

Den CO 2 -Ausstoß um

13 Prozent zu verringern, um damit

seinen Beitrag gegen den globalen

Klimawandel zu leisten.

Wichtig dabei ist Energiesparen im

Bereich Industrie und beim Wohnbau.

Wir setzen auf Passivhäuser und

alternative Energien.

Enorme Anstrengungen müssen

wir aber vor allem beim Verkehr

unternehmen. Es geht um Spritspa-

ren, Biotreibstoff und Alternativen

zum Autofahren.

Um das gemeinsame Ziel zu erreichen,

müssen alle ÖsterreicherInnen ihren

Teil beitragen. Hier kommt es auf

jeden Einzelnen an.

Mit dem Fahrrad im Alltag oder

am Weg ins Büro können Sie Ihren

persönlichen Beitrag zum Klimaschutz

leisten. Gerade in der Stadt und

für kurze Strecken ist das Radeln eine

gesunde Alternative zum Auto.


Eine Initiative von Umweltminister Josef Pröll




Machen Sie mit, schwingen Sie sich

auch im Alltag aufs Rad.

Es macht Spaß, ist gesund, hilft

unserer Umwelt und der Gesundheit

unserer Kinder.

Danke fürs Umsteigen!

Josef Pröll

Umweltminister


Luftverschmutzung und

Gesundheit

WHO-Studien belegen, dass sich die Wahl

des Transportmittels erheblich auf Umwelt

und Gesundheit auswirkt. Der Transportsektor

ist der größte Energieverbraucher

Europas und damit maßgeblich an der Emission

von Treibhausgasen beteiligt. Vor allem

Kinder, deren Physiologie und Stoffwechsel

noch nicht ausgereift ist, sind besonders

anfällig bei Luftverschmutzung. Schätzungsweise

30 % der Krankheiten wie Asthma,

Allergien, Krebs – um nur einige zu nennen

– stehen im Zusammenhang mit Umweltfaktoren.

Über 40 % betreffen Kinder unter

fünf Jahren, obwohl Kinder nur 10 % der

Weltbevölkerung ausmachen. Der Verkehr

stellt eine der Hauptgefahren für Kinder dar:

Jährlich werden rund 6.500 Kinder unter 15

Jahren auf Europas Straßen getötet. Die

»autogerechte« Stadt- und Verkehrsplanung

der Industriestaaten hat den Lebensraum für

Kinder immer mehr eingeengt. Dazu kommen

in zunehmendem Maße Haltungsschäden

und Übergewicht durch falsche Ernährung

und Bewegungsarmut.

Nicht zu unterschätzen sind auch die Auswirkungen

des gestiegenen Lärmpegels, den

der Straßenverkehr mit sich bringt. Denn

Lärm hat nachweisliche Auswirkungen auf

Lernfähigkeit und Motivation. Studien zeigen,

dass eine Reduktion des Verkehrslärms

zu einer Verbesserung des Langzeitgedächtnisses

und des Lesevermögens führt.

Bewegung als Krankheitskiller

Dass ausreichende Bewegung positive Auswirkungen

auf die Gesundheit hat, ist nichts

Neues. Studien zu Folge greift die Bewegungsarmut

bei Kindern und Jugendlichen

jedoch immer mehr um sich. Vor allem in

der Pubertät gibt es oft einen »Bewegungseinbruch«,

der sich dann im Erwachsenenalter

fortsetzt – mit all seinen negativen Auswirkungen

auf die Gesundheit. Hier gilt es,

schon im Schulalter mit Aufklärung und Präventionsprogrammen

anzusetzen.

Regelmäßiges Radfahren & Co kann Übergewicht,

Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-

Erkrankungen, Diabetes und Schlaganfall

vorbeugen. Schon eine halbe Stunde leichte

Bewegung am Tag ist ein Ansatz, um gesund

und fit zu bleiben. Wichtig dabei ist, dass

man ein wenig außer Atem gerät – Schwitzen

ist nicht unbedingt erforderlich. Der Vorteil

vom Radfahren im Vergleich zu Fußball und

Tennis und dergleichen ist, dass es durch

kontinuierlich rhythmische Belastung zu den

Ausdauersportarten gehört, die im Sinne von

Herzkreislaufeffekten einen günstigen Effekt

auf die Gesundheit haben. Radfahren ist

Gelenk schonend und ideal für die Fettstoffwechselökonomisierung.

Auch Menschen

mit geringer Leistungsfähigkeit oder einer

40 GESUNDES ÖSTERREICH

GESUNDE MOBILITÄT

chronischen Erkrankung

können so ihr

Wohlbefinden steigern.

Seelische

Gesundheit

Dass sich regelmäßige

Bewegung auch auf die

seelische Gesundheit

auswirkt, wird oft

unterschätzt. Kinder, die

zu Fuß oder mit dem

Rad in die Schule kommen,

fühlen sich nachweislich

wohler als jene,

die mit dem Auto in die

Schule kutschiert werden.

Sie neigen weniger

zu Depression, Angst

und Aggression. Auch

psychosomatischen

Symptomen kann durch

ausreichende Bewegung

vorgebeugt werden. Dafür

werden die motorischen

Fähigkeiten besser

entwickelt. Wer schon

einmal nach einem intensiven

Workout oder

nach einer Radtour

glücklich und verschwitzt

nach Hause gekommen

ist, der weiß

um diese segensreichen

Einflüsse auf Körper

und Seele.

WHO-Mobilitätsprogramme

Die WHO hat zwei Programme ins Leben

gerufen, die gesundheitsfördernde Formen

der Fortbewegung zum Thema haben: CE-

HAPE (Kinder-Umwelt-Gesundheits-Aktionsplan

für Europa) und THE PEP (Transportrelated

Health Effects with a Particular Focus

on Children). Wie der Name schon sagt, wird

dabei vor allem auf die besonderen Bedürfnisse

von Kindern eingegangen. CEHAPE

konzentriert sich auf die Verbesserung von

Umwelt und Kindergesundheit in der europäischen

Region. Der Aktionsplan umfasst

verschiedene Politikbereiche, wie z. B. die

Verkehrs- und Chemiepolitik, die Stadtplanung

oder die Luft- und Wasserreinhaltung.

Ziel ist es, Kinderkrankheiten, Unfälle und

Verletzungen zu vermindern. Vor allem auf

Atemwegserkrankungen und Erkrankungen

durch Chemikalien wird eingegangen. Die

europäischen Mitgliedsstaaten der WHO

sollen CEHAPE bis 2007 auf nationaler Ebene

entwickeln und die Umsetzung einleiten.

Österreich spielte bei der Erarbeitung eine

federführende Rolle und unterstützte den

Verhandlungsprozess personell und finanziell.

Maßnahmen sind z. B. verstärkte Ver-

kehrssicherheitsmaßnahmen, eine kinderfreundliche

Stadtplanung, die Reduktion der

Luftverschmutzung und Lärmbelastung

sowie die Reduktion von Übergewicht durch

Förderung körperlicher Bewegung.

THE PEP hat seinen Schwerpunkt im Straßenverkehr

– ebenfalls mit besonderer Berücksichtigung

der Kinder. Ziel ist die

Gewinnung von »state-of-the-art«-Information

über Gesundheitsbedingungen des Straßenverkehrs

sowie eine Darstellung der Kosten

und Nutzen.

Der Fonds Gesundes Österreich fördert Projekte,

die einen Beitrag zu CEHAPE und

THE PEP leisten. Ein Beispiel ist das Pilotprojekt

im Bereich »school mobility management«,

das als österreichischer Beitrag

an der WHO-Ministerkonferenz in Budapest

2004 »The future of our children« teilnahm.

Unterstützt wird auch die wissenschaftliche

Studie »Rad-freundliche Stadt«. Die Studie

erforscht Zusammenhänge zwischen individuellen,

sozialen und umweltbezogenen Faktoren

und dem Rad fahren als Fortbewegungsmittel

bei Erwachsenen der Stadt Graz.

Basierend auf den Studienergebnissen sollen

Interventionsmaßnahmen zur Steigerung

des Radfahrens entwickelt werden. ■


Anzeige

GESCHULTE DIABETIKER LEBEN BESSER UND LÄNGER

Österreichische Diabetikervereinigung als Vorreiter in der

extramuralen Prävention

30 Jahre ÖDV

Für eine Patienten-Selbsthilfeorganisation sind 30 Jahre ein stolzes Alter! Trotzdem ist

die ÖDV jung geblieben: immer wieder engagieren sich neue Menschen ehrenamtlich mit

Idealismus und Empathie. So findet ein ständiger Erneuerungsprozess statt!

gründeten Eltern diabetischer

1977 Kinder in Graz den »Bund diabetischer

Kinder« als ÖDV-Vorläufer. Anstoß

war der Mangel an Information und innerhalb

weniger Monate wurden in ganz Österreich

Eltern unter dem Dach des »BdK« tätig,

in Zusammenarbeit mit Ärzten und Diätassistentinnen

die ersten Wochenendschulungen

für Familien veranstaltet. 3 Jahre später

dann das erste ÖDV-Schulungs- und

Erholungslager für diabetische Kinder am

Wörthersee, gefolgt von der Übernahme des

traditionellen ÖJRK-Sommerlagers (Med.

Leitung Univ.-Kinderklinik AKH Wien).

Seither konnten rund diabetische 1.300 Kinder

in den ÖDV-Camps geschult werden.

Der Zusammenschluss mit mehreren Erwachsenen-Selbsthilfegruppen

brachte 1988

den neuen Namen »Österreichische Diabetikervereinigung«

ÖDV.

Die zahlreichen Veranstaltungen stehen

Jedermann offen. Die ÖDV registriert jährlich

ca. 36.000 Direkt-Kontakte zu Diabetikern

und Angehörigen, zusätzlich über

130.000 Leser der ÖDV-Diabetikerzeitschrift

MEIN LEBEN und stark steigende

Besucherzahlen auf der ÖDV-Homepage

www.diabetes.or.at.

Was wurde erreicht? Was bringt die Zukunft?

Dank der Medizin werden die Menschen immer

älter. Darum muss es auch möglich werden,

die dazu gewonnenen Jahre mit Lebensqualität

erleben zu dürfen – sicherlich nicht

nur Aufgabe der Medizin, sondern eine

Herausforderung an die ganze Gesellschaft!

Selbsthilfe erbringt hierbei eine zusätzliche,

eigenständige Leistung, ehrenamtlich! Diabetes

greift massiv in alle Lebensbereiche ein.

Außer um die Umsetzung der ärztlichen

Therapie-Anweisungen im Alltag, geht es

auch um eine Unzahl sozialer Fragen. Selbsthilfe

heißt vor allem: Selbsterfahrung. Die

Interessenvertretung der Diabetiker ist ein

weiteres spannungsreiches Tätigkeitsfeld

der ÖDV.

Eine der wesentlichsten Voraussetzung für

Lebensqualität trotz Diabetes ist die Vermei-

dung der Folgeschäden. Klar erwiesen ist,

dass geschulte Diabetiker besser und länger

leben als nicht geschulte. Man weiß auch,

dass nicht die Grundkrankheit Diabetes

selbst die enormen Kosten verursacht, sondern

erst die Behandlung der teuren diabetischen

Folgeerkrankungen. Dadurch wird

deutlich, wie hoch die Prävention dieser Folgeschäden

zu bewerten ist.

Nicht ohne Stolz kann die ÖDV darauf hinweisen,

dass sie Vorreiter bei vielen Präventionsmaßnahmen

außerhalb der Behandlung

im Krankenhaus war.

1. Familien-Wochenenschulungen

1. Ausbildungskurs für DiabetesberaterInnen

ÖDG

(organisiert von ÖDV),

1. extramurale »Mobile

Schulung für Typ-2-

Diabetiker« im Bundesland

Salzburg,

1. Diabetiker-Paß, ÖDV-

Sonderdruck aus

Deutschland importiert,

1. österreichweite

repräsentative Umfrage

zur »Lebensqualität bei

Diabetes«,

Schulungscamps für

Kinder und Jugendliche

mit Diabetes,

21 Österreichische

Diabetikertage, jährlich

in wechselnden

Bundesländern,

ÖDV-Servicestellen:

individuelle Beratung

zum »Diabetes im

Alltag«,

Herausgabe Diabetikerzeitschrift

MEIN LEBEN.

Die Zukunft? Soviel steht

(leider) fest: die Zukunft

bringt noch mehr Diabetiker,

Typ-2-Erkrankungen

in noch jüngerem Alter als jetzt. Wir werden

künftig länger bis zum Pensionsalter arbeiten

müssen, also sind Arbeitskraft und Leistungsfähigkeit

zu erhalten. Weiterhin werden

Neuerkrankte Rat bei Gleichbetroffenen

suchen und soll Kindern auf dem Weg in die

Selbstständigkeit geholfen werden. Aus

30jähriger Erfahrung appelliert die ÖDV an

die Diabetiker: Selbsthilfe heißt vor allem,

selbst aktiv sein! ●

Information:

ÖDV-Bundes-Servicezentrale

Tel: (0662) 82 77 22, oedv.office@aon.at,

Internet: www.diabetes.or.at

ALLES ÜBER DIABETES

Einladung

Sonntag, 23. September 2007

KUSS Wolfsberg, Kärnten

08.15 bis 16.30 Uhr

• Große Ausstellung „Neuheiten für Diabetiker“

• Kostenlose Blutwerte-Messungen, Körperfettmessung

• Vorträge bekannter Diabetes-Experten

• Diverse Beratungen, Bücher und Rezepte für Diabetiker

• Informationen zu Medikamenten-Wechselwirkungen, zu orthopäd.

Schuhen / Einlagen und für sehschwache und blinde Diabetiker

21.ÖSTERREICHISCHER

DIABETIKERTAG

Eintritt frei, Parken gratis

Organisation/Auskunft/Programme: Österreichische Diabetikervereinigung

E-Mail: oedv.office@aon.at, Internet: www.diabetes.or.at

Telefon: 0662 / 82 77 22, Fax: 0662 / 82 92 22, ZVR-Nr. 237137068

GESUNDES ÖSTERREICH

41


PROJEKTE

STELLEN SICH VOR

este sind etwas Wunderbares – das

finden auch viele Jugendliche auf

dem Land. Aber wo hört die Freude

am ausgelassenen Feiern auf

und wird zum Kampftrinken? Wie entkommt

man der Langeweile, ohne sich

gleich unter den Tisch zu bechern? „Am

Land ist zwar die Angst vor der Droge

groß, im Hinblick auf Alkohol und Jugendschutz

gibt es aber leider wenig Bewusstsein.

Das ist ein schattiges Feld, das

wir erhellen wollten“, erzählt Nicole Rögl,

Projektleiterin von »b.rauschend« und

Mitarbeiterin bei »Akzente – Verein Salzburger

Jugendinitiative.«

In den Bezirken Tamsweg (Salzburg) und

Spittal/Drau (Kärnten) beschäftigte man sich

daher mit der Frage, was eine gepflegte Festkultur

ausmacht. »b.rauschend – Empowerment

von Kindern und Jugendlichen« heißt

das Projekt, das zu einem risikofreieren Umgang

mit Rauschmitteln, insbesondere mit

Alkohol aufforderte. Zielgruppe waren die

11- bis 18-Jährigen im außerschulischen

Bereich. Kooperiert wurde auch mit der

ARGE Suchtprävention Österreich, dem

Verein VITAL, der »Euro Youth – Peergroup-education«

sowie der »Euro-Parents

– Peer-group-education«, mit der finanziellen

Unterstützung des Fonds Gesundes

Österreich.

Innovativer Ansatz

„Das Projekt ist in vielerlei Hinsicht innovativ.

Zum einen das Setting, der ländliche

Raum, in dem sonst nicht viel passiert, zum

anderen die länderübergreifende Kooperation,

und schließlich die Zusammenarbeit mit

den Vereinen, was viel Beziehungsarbeit erforderte“,

so Nicole Rögl. In beiden Regionen

wurden je vier Vereine eingebunden – von der

Landjugend und dem Jugendrotkreuz bis zur

Blasmusikkapelle. Informationsveranstaltungen

und Seminare gab es für Einzelinitiativen,

Gruppen und Organisationen im gesamten

Projektgebiet. Neben den Jugendlichen

wurden auch die Eltern und Erwachsenen angesprochen

und verschiedene Netzwerke (eines

für Eltern, eines für Experten/innen) aufgebaut.

Aus den Vereinen rekrutierte man

42 GESUNDES ÖSTERREICH

PROJEKTE

B.RAUSCHEND – GENUSS STATT

BESINNUNGSLOSIGKEIT

Trinkgenuss oder Kampftrinken? In einem außergewöhnlichen Präventionsprojekt lernen

Jugendliche einen verantwortungsbewussten Umgang mit Alkohol. Gesundes Österreich

berichtet über die Ergebnisse.

F

Mentoren, die sich zur Begleitung der Jugendlichen

zur Verfügung stellten. Die Arbeit

mit den Vereinen stellte sich als fruchtbar heraus,

war aber auch eine Herausforderung: Viele

Vereine sind einerseits erneuerungsbedürftig,

andererseits basieren sie auf Traditionen.

Viele Jugendliche haben eine Scheu davor, im

eigenen Verein etwas zu machen. Der Gruppendruck

ist groß, aber Vereine sind wichtig,

denn sie geben den Jugendlichen Halt.

Feiern mit Stil

Besonderen Anklang fanden die gemeinsam

organisierten Partys und Feste, bei denen das

Wissen über den bewussten Umgang mit

Alkohol umgesetzt wurde und bestimmte Kriterien

erfüllt werden mussten. Ein Kriterium

waren die b.rauschend-Bars, bei denen preislich

attraktive alkoholfreie Getränke, aber

auch Alkohol ausgeschenkt wurden. Die Bars

sind wichtig, denn sie sind die Kommunikationszentren

eines Festes. Bei der Auftaktveranstaltung

gab es drei Themenbars, von denen

noch lange geredet wurde: eine Sportlerbar,

eine Naturbar und eine Liebesbar. An der

Liebesbar etwa wurde der Liebe gehuldigt: mit

viel pink- und rotfarbener Dekoration, Her-

zen in allen Variationen,

Plüsch und Glitzer. Wie

bei den anderen Bars gab

es auch hier alkoholische

und nicht-alkoholische

Getränke zum Selber-

Information und Kontakt:

Akzente – Verein Salzburger

Jugendinitiative

Mag. Nicole Rögl

Tel: 0662/84 92 91—81

n.roegl@akzente.net

Mag. Nicole Rögl

mixen: Latin Love, Virgin-Katschberg, Baby

Pina, Caipirovka, Sex-on-the-servas-beach,

uvm. Wenn die Gäste das Bemühen merkten,

dann benahmen sie sich auch anders. Die

Erwartungshaltung der Jugendlichen sei hoch

und wenn nichts »passierte«, griffen eben

viele zu Alkohol.

Die »Peer-group-education« und das »Look

at your friend Service« waren daher wesentliche

Bestandteile des Projekts. Die Jugendlichen

sollten lernen, aufeinander aufzupassen

und sich zu fragen: Mit wem bin ich

unterwegs? Schauen die auf mich? Wie bin

ich beisammen? Wer schon genug Alkohol

konsumiert hat, dem sollte man einen allerletzten

Drink anbieten oder mit ihm in den

Chill-Out-Bereich gehen. Paare sollten sich

abwechselnd umeinander kümmern.

„Es geht auch darum, eine Gastkultur zu entwickeln,

sich zu fragen: Wie geht es meinen

Gästen? Nicht nur: Wie geht es dem

Geschäft?“ erklärt Nicole Rögl. „Wir haben

versucht, mit Positivanreizen zu arbeiten. Ein

Beispiel dafür ist die Sternspritzaktion vor

Weihnachten: Das war eine einfache Aktion,

die großen Anklang gefunden hat. Wir haben

in allen Tälern insgesamt 60.000 Sternsprit-

zer verteilt. Der Hintergedanke

war: Was berauscht

uns in dunkler Zeit? Wir

wollten dazu anregen, die

Konsumgewohnheiten zu

überdenken.“ ■


PROJEKTE

STELLEN SICH VOR

So wie die Natur in einen immer

wiederkehrenden Kreislauf eingebettet

ist, leben auch Frauen in einem

zyklischen Rhythmus, der durch körperliche

Veränderungen sichtbar wird. „Die

Zyklizität der Frau ist etwas sehr Lebendiges

und bedeutet, dass Frauen gebären können.

Das ist etwas Großartiges. Leider prägen uns

patriarchalische Vorstellungen oft dahingehend,

das Leben als linear zu betrachten“,

bedauert Dr. Lieselotte Brodil von der KulturSoziologieWerkstatt.

Der weibliche Zyklus wird noch immer verdrängt

und in den Privatbereich geschoben.

Aufgeklärt wird meist nur hinsichtlich biologischer

Vorgänge und Hygiene, während

man die psychischen Aspekte gerne vernachlässigt.

Die Werbung suggeriert Frauen, wie

sie ihr Blut mit Hygieneprodukten diskret

wegschaffen können, damit niemand etwas

davon merkt. Folglich erleben Frauen die

Menstruation als Belastung, die mit Unreinheit,

Unwohlsein oder sogar mit Schmerzen

einhergeht. „Es ist merkwürdig, dass dieser

gesunde Vorgang einem großen Teil der

Frauen Probleme bereitet. Die Menstruation

wird in unserer Gesellschaft leider noch immer

tabuisiert. Dabei gehen die körperlichen

Erscheinungen sehr stark mit der Bewertung

der ganzen Sache einher“, so Lieselotte Brodil.

Frauen, die ihre erste Blutung positiv erfahren,

haben nachweislich auch später weniger

Beschwerden. Positiv heißt, dass Mädchen

genügend körperliche Zuwendung, entsprechende

Aufklärung, eine Würdigung der

Menarche und ein unbefangenes Verhältnis

zur Sexualität erfahren haben. Denn ein

bejahender Zugang zur eigenen Körperlichkeit

ist die Voraussetzung für eine positive

Einstellung zum Frausein und zum eigenen

Körper.

Wie Frauen die Menstruation

erleben

Die KulturSoziologieWerkstatt rief daher ein

Forschungsprojekt ins Leben, das sich die

positive Integration der Menstruation ins

Frausein zum Ziel setzte.

PROJEKTE

DIE MENSTRUATION –

SEGEN ODER FLUCH?

Immer noch ein Tabuthema: Die Periode, die vielen Frauen

regelmäßig Beschwerden bereitet. Doch sie gehört zum

Frausein dazu. Ein praxisorientiertes Forschungsprojekt

schafft Aufklärung für eine positive Integration.

Hauptfinanziert wurde das Projekt vom

Fonds Gesundes Österreich und vom

Bundesministerium für Gesundheit und

Frauen. Weitere Kooperationspartner waren

der Hauptverband der Sozialversicherungsträger

und das Pädagogische Institut des

Bundes in Wien. Unter dem Titel »Die Menstruation

– wesentliches Element des Frauseins

oder abzuschaffendes Übel?« wurden

mit sozialwissenschaftlichen Methoden zentrale

Fragestellungen rund ums Thema Menstruation

untersucht. Dazu dienten Interviews

mit Expert/innen, problemzentrierte

Interviews mit Frauen unterschiedlicher

Generationen und Gruppendiskussionen

mit 14 bis 18-jährigen Schülerinnen.

Lieselotte Brodil bedauert die großteils negative

Einstellung junger Frauen zur Periode:

„Die Gruppendiskussionen mit Jugendlichen

haben gezeigt, wie verkrampft Mädchen an

dieses Thema herangehen. Ich hätte nicht

gedacht, dass es so schlimm ist. Die Menstruation

wird als etwas Peinliches erlebt, das

Ekel hervorruft. Die Mädchen haben Angst

davor, dass sie schlecht riechen oder einen

Blutfleck auf der Hose haben. Ein gegenseitiger

Austausch findet kaum statt. Dem

Freund will man in diesen Tagen am liebsten

gar nicht nahe kommen.“

Erfahrungen mit erwachsenen Frauen haben

hingegen gezeigt, dass die Periode auch positive

Seiten haben kann. Diese gilt es wiederzuentdecken

und in den weiblichen Lebenslauf

zu integrieren. So sehen manche darin

einen Reinigungsprozess, andere fühlen sich

während dieser Tage besonders erotisch. Weil

Dr. Lieselotte Brodil

Information und Kontakt:

KulturSoziologieWerkstatt

Dr. Lieselotte Brodil

Mag. Andrea Reiter

Tel: 01/2141816

kultursoziologiewerkstatt@aon.at

Download Forschungsbericht und

Maßnahmenkatalog:

http://pib-ien.dienstleistungen.ws/

kooperationen/infopool-menstruation/

mens_endbericht_juli_2006.pdf

http://pib-wien.dienstleistungen.ws/

kooperationen/infopool-menstruation/

start.htm

die Angst vor einer Schwangerschaft wegfällt,

kann die Sexualität intensiver genossen werden.

„Es gibt Frauen, die während ihrer Tage

mehr Lust als sonst verspüren. Aber das ist

ein heikles Thema, denn die gesellschaftliche

Sperre ist groß“, erklärt Lieselotte Brodil.

Für Mädchen bedeutet die erste Blutung den

Eintritt ins Erwachsenenleben, das Zeichen,

dass sie nun Frauen sind. Während man

Buben in manchen Kulturen zur »Mannwerdung«

ein Fest bereitet, gibt es bei den Mädchen

wenig Anlass zum Feiern. „Es ist schade,

dass die Menarche nicht gefeiert wird. Aber

auch hier muss man vorsichtig sein. Dafür ist

die Zeit wahrscheinlich noch nicht reif“, so

Lieselotte Brodil.

Schritte zum positiven Frausein

Zur Umsetzung der Ergebnisse wurde ein

Maßnahmenkatalog für Expert/innen aus

dem Gesundheitsbereich erstellt, der zu

einem gesundheitsförderlichen Umgang mit

der Menstruation anleiten soll. Der Katalog

geht vor allem auf die Vorbeugung der Menstruationsbeschwerden,

sowie die Entpathologisierung

des weiblichen Körpers ein. Ein

»Online-Infopool« unterstützt Lehrpersonal

mit einer didaktischen Arbeitsmappe, die

Thematik Menstruation im Unterricht praxisorientiert,

anschaulich und kreativ zu

bearbeiten. Für Mädchen

wurde ein Informationsfolder

erstellt, der einen

selbstverständlichen und

positiven Zugang zur

Menstruation vermitteln

soll. Die Verteilung des

Folders erfolgte über

Beratungseinrichtungen,

Frauengesundheitszentren,

Jugendorganisationen und

Gynäkolog/innen. ■

GESUNDES ÖSTERREICH 43


PROJEKTE

STELLEN SICH VOR

W enn zwei Unternehmen fusionieren,

bedeutet das meist Stress für alle Beteiligten.

Vieles ist neu: verschiedene

Unternehmenskulturen, die Werte

und die Entscheidungsprozesse. So ging es

auch den Mitarbeitern der Firma addIT.

In Zusammenarbeit mit den ARC Seibersdorf

wurde das Gesundheitsprojekt add-

HEALTH ins Leben gerufen. Kooperationspartner

waren der Fonds Gesundes

Österreich und die Kärntner Gebietskrankenkasse.

Im Mittelpunkt stand die Entwicklung eines

integrierten Gesundheitsmanagementsystems,

das die Gesundheitspotenziale der

Mitarbeiter/innen und der Führungskräfte

sowie eine gesunde Unternehmenskultur

fördern sollte. Zur Umsetzung wurden, im

Laufe des Projektes entwickelte

Softwaretools herangezogen. So

konnte auch das informationstechnologische

Know-How der

Firma genutzt werden.

Ziel war der Aufbau und die

Implementierung innovativer,

44 GESUNDES ÖSTERREICH

gesundheitsfördernder Strukturen im

Unternehmen. Der Stressbewältigung galt

dabei besondere Aufmerksamkeit.

Ergebnisse

„Am Projekt waren rund 90 % der Mitarbeiter

aktiv beteiligt. Das Management war

komplett dabei“ freut sich der Projektleiter.

Während der gesamten Projektzeit von März

2004 bis Juli 2006 wurden Evaluierungen

durchgeführt. Die Ergebnisse können sich

sehen lassen: so konnten etwa die Stressoren

um 14 bis 28 % reduziert werden. Das

Teamklima verbesserte sich um 10 bis 24 %

und die Gesundheitswerte stiegen um 8% bis

27 %.

Der Projektleiter über seine Erfahrungen:

„Da ich vom Anfang an das Projekt geleitet

Information und Kontakt:

Dr. Klaus Ropin

Fonds Gesundes Österreich

Tel: 01/8950400-14

klaus.ropin@fgoe.org

PROJEKTE

GESUNDES IT-UNTERNEHMEN

addHEALTH heißt das Projekt, das eine heimische IT-Firma ins Leben rief. Ein Gesundheitsmanagementsystem

sollte das Wohlbefinden der Mitarbeiter fördern und Stress reduzieren.

Gesundes Österreich berichtet über die Ergebnisse.

habe, konnte ich mir

persönlich sehr viele

Dinge aneignen. So

werden bei uns

weiterhin NKVP’s

(Nachhaltige Kontinuierliche

Verbesse-

rungsprozesse) sowohl intern als auch mit

Kunden durchgeführt. Besonders überrascht

war ich über die Dynamik, die durch

dieses Projekt ausgelöst wurde. Ich bin

überzeugt davon, dass die im Projekt entwickelten

Methoden und Tools in unserem

Unternehmen zu weiteren Verbesserungen

führen werden.“

Das Gesundheitsmanagementsystem wurde

den Zielvereinbarungen gemäß implementiert.

Es besteht aus zwei Elementen: dem

Geschäftsprozessmanagement und dem Verbesserungsmanagement.

Mit deren Hilfe

können Unternehmensprozesse salutogen

gestaltet, überprüft und weiterentwickelt

werden.

Wie so oft gab es auch kritische Stimmen, die

anfangs auf die Akzeptanz des Projekts

drückten. „Mit erheblichen kommunikativen

Anstrengungen konnten den Mitarbeitern

die Projektziele vermittelt werden. Insbesondere

in der Umsetzungsphase zeigte sich eine

verstärkte Teilnahme der Mitarbeiter“, so Dr.

Klaus Ropin, Gesundheitsreferent des Fonds

Gesundes Österreich. ■


L

PROJEKTE

STELLEN SICH VOR

ange Zeit wurde in der Medizin kaum

auf die Besonderheiten der Frau eingegangen.

Die Beispiele sind vielzählig:

ein wenig gendergerechter Umgang

mit Medikamenten, eine überrepräsentative

Verschreibung von Psychopharmaka

sowie ein teilweise unreflektierter Umgang

mit Hormonersatztherapien. „Frauen haben

ein anderes Gesundheitsverhalten und sie

betreffen andere Themen. In der Medizin ist

der Blick noch immer viel zu sehr auf die

männlichen Umstände gerichtet“, bedauert

Sabine Kessler vom FEMAIL Frauengesundheitszentrum.

Erhalten Frauen jedoch gut

verständliche und auf spezifische weibliche

Bedürfnisse zugeschnittene Informationen,

fördert das die selbstbestimmte Lebensgestaltung

und -bewältigung. Darüber hinaus

erreicht man dadurch auch die ganze

Familie. Denn es sind die Frauen, die in den

meisten Fällen für die Gesundheit in den

Familien die Verantwortung tragen, indem

sie ihre Kinder erziehen, den Speiseplan bestimmen,

die familiäre Freizeit organisieren

und bei Krankheit pflegen.

Vorträge über Frauengesundheit

Das FEMAIL Frauengesundheitszentrum

machte es sich zur Aufgabe, das Wissen über

gesundheitsfördernde und -erhaltende

Maßnahmen im ländlichen Raum direkt

vor die Haustüre zu bringen. „Gesundheitsthemen

sprechen Frauen besonders an. Der

Bedarf an Aufklärung ist in diesen Regionen

sehr hoch – das haben die Anfragen immer

wieder gezeigt. In unseren Vorträgen sollten

die Frauen alternative Konzepte kennen lernen

und ihre Eigenwahrnehmung stärken“,

erzählt Sabine Kessler. In sieben Regionen

Vorarlbergs wurde daher eine Veranstaltungsreihe

zum Thema Frauengesundheit

angeboten. Im Vordergrund standen jene

Themenbereiche, die im Vorarlberger Frauengesundheitsbericht

2004 als besonders

wichtig hervorgehoben wurden: seelisches

Wohlbefinden, Ernährung und Bewegung,

Lebensweisen in den Wechseljahren,

Umgang mit Stress und Risikofaktoren

in der Gynäkologie. Die

Regionen- und Frauensprecherinnen

hatten die Aufgabe, die Vorträge

in den einzelnen Gemeinden

umzusetzen. Als Hilfestellung beka-

PROJEKTE

SCHAU AUF DICH!

„Luag uf di!“ war das Motto einer Veranstaltungsreihe, die das Thema Frauengesundheit vor

die Haustüren Vorarlbergs brachte. In sieben Regionen diskutierte man über seelisches Wohlbefinden,

Ernährung, Wechselbeschwerden & Co.

men sie ein Tool-Kit mit Checklisten sowie

Tipps für die Veranstaltungsorganisation

und abschließende Dokumentation.

Kooperiert wurde mit dem Frauenreferat

der Vorarlberger Landesregierung und

Frauennetzwerk Vorarlberg, mitfinanziert

vom Fonds Gesundes Österreich. „Das

Besondere an diesem Projekt ist, dass mit

einem bestehenden Frauennetzwerk gearbeitet

wurde und so die regionalen Strukturen

genutzt werden konnten“, erklärt

Mag. Gerlinde Rohrauer vom Fonds Gesundes

Österreich.

Zugang zur Frauenberatung

„Luag uf di“ konnte außerdem eine hilfreiche

Wechselwirkung verzeichnen: Über

gesellschaftlich akzeptierte Gesundheitsthemen

finden die Frauensprecherinnen in den

Regionen leichteren Zugang zu den Frauen

vor Ort. So können sie eine gute Kontaktbasis

aufbauen, die notwendig ist, um auch

in Krisensituationen (z. B. Gewalt in der

Familie, Scheidung/Trennung) als Anlaufstelle

genutzt zu wer- Sabine Kessler

den.„Gesundheits- Information und Kontakt:

FEMAIL Frauengesundheitszentrum

Sabine Kessler

Tel: 05522/31002-13

sabine.kessler@femail.at

Anzahl der Teilnehmerinnen 2005–2006

Die Veranstaltungen wurden von insgesamt 558 Frauen besucht, wobei die Anzahl der

tatsächlichen Teilnehmerinnen die Buchungen bei weitem überstieg. Spitzenreiter waren

Veranstaltungen zu den Themen Stress und Gynäkologie.

themen haben sich als guter Zugang zu den

Frauen erwiesen“, so Sabine Kessler. „Unsere

Veranstaltungen waren keine reinen Frontalvorträge,

sondern haben auch die Möglichkeit

zur Diskussion offen gelassen. Über allgemeine

Themen kann man leichter zu

tabuisierten Themen vorstoßen. Um über

Wechseljahre, Sexualität und dergleichen zu

reden, muss erst einmal eine Hemmschwelle

abgebaut werden. Dann nehmen Frauen

auch eher eine Beratung in Anspruch.“

Ergebnisse

Zur Evaluation des Projekts dienten die

Feedbackbögen der Teilnehmerinnen sowie

die Veranstaltungsberichte der Frauensprecherinnen.

Die Veranstaltungen wurden von

insgesamt 558 Teilnehmerinnen besucht.

„Spitzenreiter waren die Themen Stress und

Gynäkologie. Dabei war die Gruppe der 40–

49-Jährigen am stärksten vertreten, was sich

durch die Mehrfachbelastung und die anstehenden

Wechseljahre erklären lässt. Gynäkologische

Themen werden in diesem Alter

relevanter“, so Sabine Kessler. Wenig überraschend

ist, dass das Thema »Bewegung«

im ländlichen Bereich auf wenig Resonanz

stößt. Bewegung ist hier noch mehr – verglichen

mit urbanen Gebieten – selbstverständlich.

Zählt man sämtliche Kategorien

zusammen, so waren fast 96 % der Teilnehmerinnen

mit den Veranstaltungen sehr

zufrieden bzw. zufrieden. ■

GESUNDES ÖSTERREICH

45


I

PROJEKTE

STELLEN SICH VOR

mmer mehr Kinder bleiben am Nachmittag

in der Schule – und nehmen auch

das Mittagessen dort ein. Gleichzeitig

sind ungünstige Ernährungsweisen schon bei

den Kleinsten zu beobachten. „Das tägliche

Mittagessen spielt eine große Rolle für die

Ernährungssituation unserer Kinder. Schulessen

soll nicht nur satt machen. Esskultur,

Speiseplangestaltung und die Atmosphäre

am Mittagstisch können viel zur Prävention

von Übergewicht beitragen“, betont Mag. Sabine

Dämon vom Verein »SIPCAN save your

life«. Das Projekt »Gesundes Schulessen –

einfach genial, genial einfach!« zielte darauf

ab, das Essensangebot in Volksschulen und

Horten der Stadt Salzburg langfristig zu

optimieren. Das Programm lief über drei

Schulsemester und wurde mit Mitteln des

Fonds Gesundes Österreich gefördert. Kooperiert

wurde mit dem Land Salzburg und

dem Projekt »Feed me Better«.

Haubenküche für den Nachwuchs

„Unser Ideengeber war der Starkoch Jamie

Oliver, der sich als Vorreiter in Londons

Schulen für gesundes Essen einsetzte. Wir

haben mit dem Restaurant Plainlinde gearbeitet“,

erzählt Sabine Dämon. Ein Haubenkoch

in der Volksschule? Warum nicht?!

Zu Beginn wurde eine Bestandsaufnahme in

den Schulen sowie in den Küchen der Verpflegungsbetriebe

durchgeführt. Dann wurde

mit den Kochschulungen durch den projektbegleitenden

Haubenkoch losgelegt.

Durch ergänzendes, erlebnisorientiertes Arbeiten

sollte für das Thema sensibilisiert und

die Umsetzung erleichtert werden.

Einbindung aller

Zielgruppen

Zielgruppen des Projekts waren

die Verpflegungsfirmen,

das Schul- und Betreuungspersonal,

die Eltern und

nicht zuletzt die Kinder.

Mit den Verpflegungsfirmen

erarbeitete man in Gesprächen

und Gruppentrainings

Verbesserungsmöglichkeiten

46 GESUNDES ÖSTERREICH

PROJEKTE

VOM SUPPENKASPAR ZUM

GEMÜSETIGER

„Nein, meine Suppe ess ich nicht!“, tönt es oft aus Kindermund. Doch gesundes Essen kann auch

den Kleinen schmecken. Ein Projekt widmete sich der Prävention von Fehlernährung an Salzburger

Volksschulen.

Kontakt:

Verein SIPCAN save

your life

Univ.-Prof. Dr. Friedrich

Hoppichler

Regina Jungmayr

Mag. Sabine Dämon

Tel: 0664/2365507

office@sipcan.at

www.sipcan.at

zur Verpflegungssituation in den Schulen.

Dabei wurden sowohl die ernährungswissenschaftlichen

Aspekte als auch die praktischen

Anforderungen der Küchen berücksichtigt.

„Die Verpfleger waren schnell motiviert,

etwas beizutragen“, freut sich Sabine

Dämon.

Beim Schul- und Betreuungspersonal setzte

man auf Schulungseinheiten. Hier wurden

praktische Anleitungen gegeben, die zur

Selbstdurchführung von Unterrichtseinheiten

zu den Themen Ernährung, Bewegung

und Gesundheit abzielten.

Die Sensibilisierung der Kinder zu den Themen

Ernährung und Gesundheit gestalteten

die geschulten Pädagogen dann selbst. Das

Programm war breit gefächert: Projektaktionen,

Übungseinheiten, Spiele und ein Ideenwettbewerb.

Das Thema Ernährung sollte als

regelmäßiger Bestandteil der Nachmittagsbetreuung

etabliert wer-

den, um die Schüler zur

Auseinandersetzung mit

dem Thema Mittagessen

zu motivieren.

Auch die Eltern wurden in

das Projekt miteinbezogen.

„Wir haben Genussabende

mit Verkostungen

und Tipps zum Selberkochen

angeboten. Die El-

tern sollten sehen, wie das Mittagessen ihrer

Kinder zubereitet wird. Das Vorbildverhalten

ist wichtig, dann ist auch Gemüsesuppe

kein Problem. Wenn die Kinder das von zu

Hause aus kennen, kann die Suppe noch so

grün sein, sie werden sie trotzdem mögen“,

erzählt Sabine Dämon.

Ergebnisse

Bereits nach einem Jahr konnten deutliche

Verbesserungen im Essensangebot verzeichnet

werden, wie die Ergebnisse des Projekts

zeigen, die auf Basis von jeweils drei

Wochenspeiseplänen (15 Essenstage) von

drei Verpflegungsfirmen herangezogen wurden.

So stand nun fast täglich Obst und

Gemüse/Salat am Speiseplan. Fleischspeisen

wurden von drei Mal auf zwei Mal pro

Woche reduziert, dafür gab es öfter Fisch.

Allerdings nicht in Form von Fischstäbchen:

Gebackenes und Frittiertes kam weniger als

ein Mal pro Woche auf den Tisch. Auch das

Dessert-Angebot konnte optimiert werden:

häufiger Obst und Milchprodukte statt

Kuchen und Süßigkeiten. „Durch die engagierte

Mitarbeit aller Projektbeteiligten werden

derzeit die Kriterien einer ausgewogenen

Kinderernährung nahezu erfüllt, und

das bei großteils gleichbleibender oder sogar

verbesserter Akzeptanz bei den Kindern!“

freut sich Sabine Dämon. ■


Ein vernünftiger und maßvoller Umgang

mit Alkohol – das ist das Ziel der Kampagne

»Nachdenken statt Nachschenken,«

die im Sommer 2007 vom Fonds

Gesundes Österreich gestartet wird. Angeknüpft

wird an die Kampagne »Mehr Spaß

mit Maß« aus dem Vorjahr. Diesmal liegt der

Schwerpunkt auf der Verhältnisprävention:

Erwachsene sollen für das Trinkverhalten

Jugendlicher sensibilisiert und ihrer Verantwortung

bewusst werden. Zielgruppe sind all

jene Personen, die Einfluss darauf haben, wie

einfach Kinder und Jugendliche zu Alkohol

kommen und diesen konsumieren: Eltern,

Personen in der Jugendarbeit, aber auch alle

Erwachsene, die direkt oder indirekt Vorbildwirkung

auf Jugendliche haben. Genauso

angesprochen werden kommerzielle Akteure

FONDS AKTIV

NACHDENKEN STATT NACH-

SCHENKEN: DIE ALKOHOL-

PRÄVENTIONSKAMPAGNE 2007

Alkohol steht bei Jugendlichen nach wie vor an erster Stelle der missbräuchlich verwendeten

Substanzen. Eine neue Kampagne wird diesem Trend entgegenwirken.

wie Handel, Gastronomie und Alkoholindustrie.

Oberstes Ziel ist die Stärkung des Jugendschutzes.

Risikoreiche Trinkgewohnheiten

und die Anzahl Alkohol konsumierender

Kinder sollen reduziert werden.

Umsetzung

Unter Einbindung zahlreicher Suchtexperten

hat der Fonds Gesundes Österreich ein

breit angelegtes Kampagnenkonzept ausgearbeitet.

Starke Partner helfen bei der Umsetzung:

der ORF, die Wirtschaftskammer

Österreich (WKÖ), die aks austria und die

ARGE Suchtvorbeugung. Durch diese Partnerschaften

können weit mehr Beiträge zum

Thema Jugend & Alkohol geleistet werden,

als es aufgrund des geplanten Budgets mit

einer klassischen Kampagne möglich wäre.

Rund die Hälfte des Kampagnenbudgets

fließt in regionale,

settingorientierte Projekte, die

über die ARGE Suchtvorbeugung

und aks austria in allen

Bundesländern abgewickelt

werden. Diese praxisorientierten

Projekte bilden die breite

Basis der Kampagne. Sie sollen

dazu führen, dass nachhaltigeSuchtpräventionsaktivitäten

auch über den

Kampagnenzeitraum hinaus

gestärkt werden.

In Zusammenarbeit mit der

WKÖ können die Anliegen

der Kampagne dort platziert

werden, wo Alkohol verkauft

bzw. konsumiert wird. Die

kommerziellen Partner sollen

dabei auf ihre Verantwortung

zum Thema Jugend & Alkohol

aufmerksam gemacht und

zu entsprechendem Verhalten

motiviert werden. Mit den

Partnern wurde eine Charta

über den verantwortungsvollen

Umgang mit Alkohol ausgehandelt.

Im Mittelpunkt

steht die Einhaltung der gesetzlichen Bestimmungen

– insbesondere des Jugendschutzgesetzes,

wobei kein Alkohol an Jugendliche

unter 16 Jahren – auch nicht

innerhalb der Familie – abgegeben werden

darf. Weiters ist darauf zu achten, dass die

Alterskontrollen genau durchgeführt werden.

Dafür sollen mehr attraktive, alkoholfreie

Getränke angeboten und beworben werden.

Auf Werbeaktionen, die den exzessiven Konsum

von Alkohol fördern, soll verzichtet

werden – insbesondere auf »Kübelsaufen,«

»Metertrinken,« »Turmtrinken« oder ähnliche

Billigalkoholaktionen. Das gleiche gilt

für Happy-Hour-Angebote, die ausschließlich

alkoholische Getränke bewerben.

Starke Partner

Der ORF wird das Thema Jugend & Alkohol

als eigenes Anliegen in all seinen Geschäftsfeldern

transportieren und umsetzen. Schwerpunkt

werden zwei TV-Spots sein. Darüber

hinaus soll es auch Hörfunk-Spots, Online-

Präsenz, redaktionelle Schwerpunkte auf FM

4, Ö3 und in zahlreichen TV-Formaten sowie

eine Einbindung der Kampagne in Off-Air

Formate (Beach-Mania, …) geben.

Schon die letzte Kampagne »Mehr Spaß mit

Maß« im Jahr 2006 hatte einen nachweislich

starken Impact auf Jugendliche: Die Evaluation

zeigte, dass der Bekanntheitsgrad vor

allem bei älteren Jugendlichen besonders

hoch war (80 % der 17–19-Jährigen, aber

auch 74 % bei den 11–13-Jährigen). Ein Viertel

der Jugendlichen gab an, ihren Alkoholkonsum

zu überdenken bzw. das Verhalten

danach zu ändern. Trotzdem ist der Handlungsbedarf

noch immer hoch: Das durchschnittliche

Alter, in dem zum ersten Mal

Alkohol getrunken wurde, lag bei 12 Jahren

und 9 Monaten, wobei männliche Befragte

tendenziell früher zu trinken beginnen. Mit

dem Alter steigt die Trinkhäufigkeit kontinuierlich

an: Während 9 % der 11–13-Jährigen

zumindest 1 Mal wöchentlich Alkohol

konsumieren, tun das 56 % der 14–16-Jährigen

und 69 % der 17–19-Jährigen. ■

GESUNDES ÖSTERREICH 47


R und eine Milliarde Menschen leiden

weltweit an Übergewicht. Davon sind

über 300 Millionen adipös und die

Tendenz ist steigend. Um diesen Trend

aufzuhalten und umzukehren, haben

Vertreter der Mitgliedstaaten der Europäischen

Region eine historische Charta unterzeichnet.

Anlass dazu bot die Europäische

Ministerkonferenz der Weltgesundheitsorganisation

(WHO) zur Bekämpfung der Adipositas

in Istanbul, Türkei, die am 16. November

2006 stattfand. Die Charta soll das

Vorgehen zur Bekämpfung und Prävention

von Übergewicht und Adipositas auf regionaler

Ebene vereinfachen und die Kooperation

fördern. Das Ziel der Charta ist die Eindämmung

der Epidemie und eine Trendumkehr

bis spätestens 2015.

Die Charta ist im Rahmen eines offenen

Konsultationsprozesses, der von den Mitgliedstaaten

gesteuert wurde, entstanden. In

den Prozess wurden verschiedene Regierungsressorts,

internationale Organisationen,

Experten sowie Zivilgesellschaften und

die Privatwirtschaft miteinbezogen. Faith

Kilford, Kommunikationsreferentin im

WHO-Regionalbüro für Europa in Kopenhagen:

„Die Charta wird von allen Teilnehmern

sehr begrüßt, in der finalen Fassung

konnten alle Anliegen und Interessen der

53 Vertreter der Europäischen Region der

WHO beachtet werden.“ Die Charta ist unter

dem Link www.euro.who.int/mediacentre

abrufbar. Da sich Adipositas und die damit

verbundenen Krankheiten, wie zum

Beispiel Bluthochdruck und Diabetes (Typ

2), nicht von heute auf morgen beseitigen

lassen, ist eine langfristige Überwachung

der Fortschritte wesentlich. Dreijährliche

Berichte auf Ebene der Europäischen Region

der WHO sollen den Verlauf der Epidemie

dokumentieren. Der erste Fortschrittsbericht

erscheint im Jahr 2010. In

der Charta wird betont, die Schuld für die

Erkrankung nicht nur beim Einzelnen zu

suchen, sondern ein Gleichgewicht zwischen

der staatlichen und individuellen Verantwortung

herzustellen.

48 GESUNDES ÖSTERREICH

NEUES AUS DER WISSENSCHAFT

CHARTA ZUR BEKÄMPFUNG VON

ÜBERGEWICHT UND ADIPOSITAS

Mit vereinten Kräften für ein Adipositasfreies

Europa 2015.

Mit Freude an die Themen

Bewegung und gesunde

Ernährung herangehen

Die Charta bildet den Ausgangspunkt für die

Maßnahmen, um Adipositas einzudämmen.

Präventive Aktionen wie ein besseres Angebot

an Obst und Gemüse; weniger Anteile

von Fett, zugesetztem Zucker und Salz in

verarbeiteten Lebensmitteln; entsprechende

Nährwertkennzeichnung; Fördern des Stillens;

Angebot bezahlbarer Freizeit- und Trainingseinrichtungen,

auch für sozial benachteiligte

Personen; Rad- und Gehweg-freundliche

Stadtplanung; Ernährungsaufklärung

an Schulen und die Möglichkeit für körperliche

Betätigung am Arbeitsplatz sollen

gesündere Ernährung und mehr Bewegung

fördern. Entscheidend ist, dass die ergriffenen

Maßnahmen sich jeweils in den kulturellen

Kontext des betroffenen Landes einfügen

und dass die mit gesunder Ernährung

und Bewegung verbundene Freude betont

wird, so die Charta.

Kinder nehmen Ernährungs- und

Bewegungsgewohnheiten an, die

sie ein Leben lang beibehalten

Die Charta verweist besonderes eindringlich

auf die Interessen der Kinder, damit deren

Unerfahrenheit oder Leichtgläubigkeit nicht

aufgrund kommerzieller Interessen ausgenutzt

wird. Eine Regulierungsmaßnahme

wie die Einschränkung von Werbung für

energiereiche Lebensmittel und Getränke ist

hier die Lösung. In der Europäischen Region

ist Übergewicht die häufigste Störung im

Kindesalter. Nach aktuellen Angaben der

WHO sind derzeit rund 20 % der Kinder

übergewichtig und von diesen wiederum ein

Drittel adipös. Wird Adipositas nicht eingedämmt,

ist im Jahr 2010 eins von 10 Kindern

betroffen.

Dies ist bedenklich, da sich die Krankheit

meist im Erwachsenenalter fortsetzt und so

negative Auswirkungen auf die Lebensdauerund

qualität hat. Fortschritte in der Bekämpfung

von Adipositas bei Kindern und

Jugendlichen sollten in den nächsten 4–5

Jahren möglich sein.

Störung des

Energiegleichgewichts löst

Adipositas aus

Bei Erwachsenen sind Adipositas und Übergewicht

für bis zu 6 % der Ausgaben des

Gesundheitswesens in Europa verantwortlich.

Der Grund für die rasche Verbreitung

der Epidemie ist in der Veränderung der

sozialen, wirtschaftlichen, kulturellen und

räumlichen Umwelt zu finden. Deutlich weniger

körperliche Aktivität zusammen mit

veränderten Ernährungsmustern, hohen Anteilen

an gesättigten Fettsäuren, sowie an Salz

und Zuckerzusätzen, stören den Energiehaushalt.

Die Krankheit ist durch einen

erhöhten Körperfettanteil bedingt, was mit

einem steigenden Risiko bestimmter Erkrankungen

verbunden ist. Diese reichen von

Bluthochdruck, koronarer Herzkrankheit,

Schlaganfall, psychosozialen Problemen und

Diabetes (Typ 2) bis hin zu bestimmten

Krebsformen. Bei Männern werden in

Österreich zum Beispiel 23,9 Prozent der

Nieren- und 10,5 Prozent der Dickdarmkrebsfälle

auf Übergewicht zurückgeführt.

Bei Frauen ist Übergewicht zu 35,1 Prozent

an der Entstehung von Nierenkrebs beteiligt.

Auch in der Geburtshilfe stellt Übergewicht

einen Risikofaktor dar. Ob eine Person übergewichtig

oder adipös ist, lässt sich mit Hilfe

des Body-Maß-Index (BMI) feststellen. Dieser

errechnet sich aus dem Körpergewicht in

Kilogramm, dividiert durch das Quadrat der

Körpergröße in Metern. Für Erwachsene ist

ein BMI zwischen 18,5 und 24,9 ideal. Ein

BMI von 25 und mehr bedeutet Übergewicht,

25–29,9 gilt als Präadipositas und 30

und mehr als Adipositas.

Zusammenfassend ist zu sagen, dass Adipositas

eine der größten Herausforderungen für

die Gesundheitspolitik in Europa darstellt.

Die Prävalenz hat sich in den letzten zwei

Jahrzehnten in manchen Ländern verdreifacht.

Diese Tatsache gab den Anreiz für die

Charta zur Bekämpfung der Adipositas, um

diese bis 2015 einzudämmen. Am Ende stellt

sich die Frage, was Mann oder Frau, abgesehen

von ausgewogener und gesunder Ernährung,

jeden Tag für sich zur Prävention tun

kann. Laut WHO genügen für Erwachsene

30 Minuten und für Kinder 60 Minuten

Gehen, Fahrradfahren, Spielen, Hausarbeit,

Gartenarbeit, Tanzen, Treppensteigen oder

Sport pro Tag. ■


P.b.b. 03Z034913 M - Verlagspostamt 1090

Im Gespräch:

Jazz hält fit!

9. Jahrgang Nr. 1 | März 2007

Joe

ZAWINUL

GESUNDE JUGEND –

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Bewegung: Bewusst lebt besser, Broschüre

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Das Seminarprogramm „Gesundheitsförderung Bildungsnetzwerk“

Das Arbeitsprogramm 2007

P.b.b. 03Z034913 M - Verlagspostamt 1090

Im Gespräch:

NADINE

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Tel: 01/895 04 00,

Fax: 01/895 04 00-20, E-Mail:

gesundes.oesterreich@fgoe.org

GESUNDES ÖSTERREICH

49


50 GESUNDES ÖSTERREICH

MENSCHEN IM FONDS

Susanna

Weidinger

Nach zweieinhalb Jahren

in der Tourismusbranche

ergab sich für die gebürtige

Oberöstereicherin Anfang

2004 eine neue Berufschance

in der Politischen

Akademie der ÖVP. Dort

war sie als Projektassistentin

bei der Organisation

der Sommercamps tätig.

Im Sommer 2005 folgte

der Dienst im Bundesministerium

für Gesundheit

und Frauen, wo sie als

Assistentin im Kabinett

von Bundesministerin

Maria Rauch-Kallat beschäftigt

war. In dieser

Funktion hatte sie immer

wieder mit der Abteilung

für Gesundheitsförderung

und Prävention zu tun,

aber auch mit dem Fonds

Gesundes Österreich. Im November 2006 wechselte sie schließlich in

das Sekretariat der Bereichsleitung im Fonds Gesundes Österreich.

„Durch meine Eltern, die beide im medizinischen Bereich arbeiten,

haben mich die Themen »Gesundheit« und »Krankheit« schon von

Kindesbeinen an begleitet und beschäftigt. Umso mehr freut es mich,

im FGÖ gemeinsam mit einem eingespielten, tollen Team einen

Beitrag zur Gesundheitsförderung der Österreicherinnen und Österreicher

leisten zu können.“

Dr. Ulrike

Braumüller

Dr. Braumüller promovierte

1981 in Wien zum

Doktor der Rechtswissenschaften

und begann

in einer Rechtsanwaltskanzlei.

Seit 1982 ist sie

für den Verband der

Versicherungsunternehmen

Österreichs tätig

und war zunächst für

die Bereiche Lebens-,

Kranken-, Transportversicherung

und InternationaleAngelegenheiten

zuständig. 1995

wurde sie zur Geschäftsführerin

des Verbandes der Versicherungsunternehmen mit Zuständigkeitsbereich

für Personenversicherung bestellt. Im Oktober 2006

folgte die Berufung ins Kuratorium.

„In meiner Tätigkeit für die Interessen der privaten Personenversicherung

ist die Förderung gesundheitlicher Prävention immer

ein großes Anliegen. Gezielte gesundheitsrelevante Maßnahmen sind

wesentlich für die Gesunderhaltung und letztlich auch von großem

volkswirtschaftlichem Nutzen. Gerade die Einflüsse des Lebensstils

wie Stress und Zeitmangel aber auch der Ernährungsgewohnheiten

haben in unserer Gesellschaft häufig negative Auswirkungen. Auch

wenn die Maßnahmen, die vom Fonds gesetzt werden, vielleicht

alleine noch nicht ausreichen können, weil es sich bei gesundheitlicher

Prävention um ein gesamtgesellschaftliches Anliegen handelt,

so leistet der Fonds doch einen sehr wichtigen Beitrag zur Stärkung

des öffentlichen Gesundheitsbewusstseins.“

Hon. Prof. Dr. Robert SCHLÖGEL

Der Mediziner ist Leiter der Sektion »Verbrauchergesundheit und Gesundheitsprävention«

im Bundesministerium für Gesundheit, Jugend und Familie. Außerdem

ist er Vertreter dieses Ressorts im Hauptverband der österreichischen

Sozialversicherungsträger, im Vorstand der Österreichischen Akademie für

Arbeitsmedizin und im Aufsichtsrat der AGES. In der High Level Group on

Health Services and Medical Care der EC fungiert er als Vertreter Österreichs.

Nach dem Medizinstudium nahm er zunächst eine Stelle als Studienassistent am

Institut für Physiologie in Innsbruck an. Danach folgten Tätigkeiten als Facharzt

für Chirurgie und Plastischer Chirurgie an der Universität Innsbruck, als ärztlicher

Leiter des Militärspitals 2 und als Heeressanitätschef des Österreichischen

Bundesheers. Seit 2000 ist er Honorarprofessor an der Universität lnnsbruck mit

Lehrbefugnis für Katastrophenmedizin, seit 2003 Honorarprofessor an der

UMIT in Innsbruck.

Mehrere Auslandseinsätze zur humanitären Hilfeleistung runden den Werdegang

des Mediziners ab. Publikationen veröffentlichte er auf dem Gebiet der

Durchblutungsmessung, der Chirurgie, der Katastrophenmedizin und dem Bioterrorismus.

Er ist Ehrenpräsident des Internationalen Komitees für Militärmedizin

(ICMM), Ehrenmitglied der Österreichischen Gesellschaft für Wehrmedizin

und Wehrpharmazie, Mitglied des Wissenschaftlichen Beirates der

Österreichischen Gesellschaft für Notfall- und Katastrophenmedizin sowie

Mitglied der Österreichischen Gesellschaft für Chirurgie.

„In den letzten Jahren ist der entscheidende gesundheitspolitische Umschwung

gelungen, die Gesundheitsförderung und Prävention vor die Reparaturmedizin

zu stellen. Gesundheitsförderung ist naturgemäß keine Maßnahme, die

kurzfristig Ergebnisse zeigen kann, sondern die Erfolge stellen sich erst nach

Jahrzehnten ein.“


Juni 2007

21.–22. 6. 2007

Mental Health in Public Health

Olten, Schweiz

Information: http://www.public-health.ch/site/

21.–24. 6. 2007

Ninth European Export Meeting on Self-Help

Support

Leuven, Belgien

Information:

www.zelfhulp.be

27.–30. 6. 2007

Deutsch-Österreichischer AIDS-Kongress

(DÖAK)

Frankfurt am Main, Deutschland

Information: Kongresssekretariat DÖAK 2007,

Michaela Bracone,

c/o HIVCENTER, Klinikum der J. W. Goethe-Universität

Frankfurt am Main

Tel: 0049/69/6301-83401

Fax: 0049/69/6301-82401

26. 6. 2007

Healthy Ageing Concluding Conference

Brüssel, Belgien

Information:

www.healthyageing.nu

28.–29. 6. 2007

Ernährungskompetenz durch Ernährungsbildung

Wien

Veranstalter: Österreichische Gesellschaft für

Ernährung in Kooperation mit der Arbeitsgemeinschaft

Ernährungsverhalten e.V.

www.oege.at

Juli 2007

10.–13. 7. 2007

10th European Nutrition Conference

Paris, Frankreich

Information:

www.fens2007.org

12.–18. 7. 2007

The Economics of Health and HealthCare

European Science Days 2007

Steyr

Information:

www.ewts.at

KALENDER

August 2007

27.–28. 8. 2007

Gesundheitsgespräche

Europäisches Forum Alpbach

Information:

www.alpbach.org

September 2007

3.–5. 9. 2007

4. Internationale Werktagung zur Jugendarbeit

»EUROPA JUGENDFREI –

widerspruch:macht:hoffnung«

Brixen, Südtirol

Information: www.jukas.net

13.–15. 9. 2007

European Mental Health conference

»Joining forces across Europe for prevention

and promotion in mental health«

Barcelona, Spanien

Information:

www.imhpa.net/conference

17.–19. 9. 2007

Gesundheitssystem konkret: Visionen waren

gestern – Umsetzung ist gefragt

Congress Casino Baden, Baden bei Wien

www.iir.at

17.–19. 9. 2007

Waldzell Meeting

Benediktiner Stift Melk

Information:

Tel: 01/513 81 92-0

Fax: 01/513 81 92-4

E-Mail: office@waldzell.org

www.waldzell.org

20.–21. 9. 2007

10. Wissenschaftliche Jahrestagung der Österreichischen

Gesellschaft für Public Health

Health in All Policies – Gesundheit in allen

Politikfeldern

Linz

Information:

Tagungsbüro der ÖGPH

Tel: 0732/7807-3221

E-Mail: simone.madlmayr@ooegkk.at

www.oeph.at, www.ooegkk.at/wissenschaft

27.–28. 9. 2007

Strategien, Standards und Messinstrumente

für Gesundheitsförderung in Gesundheitseinrichtungen

1. Österr. Konferenz Rauchfreier Gesundheitseinrichtungen

Universität Graz, Neues Hörsaalzentrum

Veranstalter: Österreichisches Netzwerk

Gesundheitsfördernder Krankenhäuser und

Gesundheitseinrichtungen

Information:

www.oengk.net, www.klinikum-graz.at

Oktober 2007

11.–13. 10. 2007

EUPHA Conference

The Future of Public Health in the Unified

Europe

Helsinki, Finnland

Information:

Hannamaria Kuusio

Tel: 00358/9/3967 2657

E-Mail: hannamaria.kuusio@stakes.fi

www.eupha.org

12.–13. 10. 2007

Kongress für Alten- und Hauskrankenpflege

im Hotel Grauer Bär

Universitätsstr. 7 in Innsbruck

Information:

Sozial-Medizinischer Verein Tirol

Südtiroler Platz 4/8. Stock, 6020 Innsbruck

Tel: (0512) 574605

Fax: (0512) 566965

E-Mail: smv-tirol@eunet.at

www.smv-tirol.org

19.–21. 10. 2007

Der Suizidale Jugendliche

UMIT/Hall in Tirol

Information:

Psychiatrisches Krankenhaus

Brigitte Durda

E-Mail: brigitte.durda@tilak.at

November

22.–23. 10. 2007

9. Österreichische Präventionstagung

Soziale Ungleichheit und Gesundheit

Wien

Veranstalter: Fonds Gesundes Österreich

Information:

EvOTION

Tel: 01/9345250

Fax: 01/93645250-29

E-Mail: fgoe@evotion.at


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18

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