Das Themenheft zum Download - Ganztägig Lernen.

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Öffentlichkeitsarbeit als Impuls zur (Ganztags-)Schulentwicklung

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liche Entwicklung bzw. Anschlussfähigkeit. Jedoch wird die Möglichkeit, diese

Modelle als legitime Auslegung von Wirklichkeit und Bildungsauftrag anzuerkennen,

wenig genutzt. Stattdessen polarisieren sich entsprechende Diskussionen

oftmals, gänzlich das Referenzsystem (insbesondere das Schulgesetz)

außer Acht lassend, das diese individuellen Auslegungen (Gestaltungsraum)

ausdrücklich als wünschenswert betont. Der Gestaltungsraum wird zum Konkurrenz-

und Selbstüberforderungsraum, in dem es keine Gewinner gibt,

stellt man den Ressourceneinsatz und den Gewinn auf allen Ebenen gegenüber.

Selbstthematisierung auf dieser Ebene bedeutet in einem ersten Schritt,

Unterschiede auszusprechen (aussprechen zu dürfen), in einem zweiten

Schritt, diese explizit anzuerkennen (anerkennen zu dürfen); in einem dritten

Schritt heißt es zu explorieren, ob sich die Lehrkräfte als Lehrergemeinschaft

definieren können, indem sie über den reservestrukturellen Rahmen hinausgehen,

der sie formal mit Lehrerkollegium bezeichnet. Wenn dieser dritte

Schritt gegangen wird, bedeutet das nicht nur, produktiven Wettbewerb

stattfinden zu lassen (Kooperation statt Konkurrenz), sondern ebenso eine

Verständigung über die konkrete Verteilung von Arbeitsaufwand für Herausforderungen,

z. B. für Öffentlichkeitsarbeit, einzuläuten.

Für eine nachhaltige Schulentwicklung muss die Strecke vom Lehrerkollegium

zur Lehrergemeinschaft erfolgreich gemeistert werden, vorausgesetzt, Interessen-

und Zielkonflikte sind als integrale Korrekturbestandteile dieses Entwicklungsweges

definiert. Ansonsten besteht nämlich die Gefahr erneuter

Selbstüberforderung. Gemeinschaft will jedoch nicht als ein Zustand verstanden

werden, der Anspruch auf Hoheitlichkeit erheben kann. Vielmehr bildet

sie eine Kontinuität der Bereitschaft ab, an gemeinsamen Aufgaben zu lernen

und zu wachsen. Jede Form von Gemeinschaft erfordert ein Üben: „Alle

Übung ist ein Prozess des Lernens, beginnend mit einem vorsätzlichen

Lernen , ausdrücklichen Lernen, übergehend zu einem selbstverständlichen

Lernen, das durch immergleiche Wiederholung geschieht, beispielsweise

beim Schreibenlernen.“ (Schmid 2006, S. 104).

Mancherorts gewinnt man den Eindruck, dass Schulen Gemeinschaft als

Schicksalsgemeinschaft für sich umgedeutet und festgeschrieben haben, mit

dem unausgesprochenen Leitsatz „Leiden ist leichter als Lösen!“, obgleich

das Schicksal maßgeblich von den Schulakteuren selbst entworfen zu sein

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