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Feuer und Flamme

1 2013

Glauben leben und weitergeben

Glauben Leben geben – Inkulturation in der Welt

»... macht zu Jüngern alle Völker« – Missionsgedanke in Volks- und Weltreligionen

Der Geist von Assisi in Afrika – Franziskanisches Zentrum Portiuncula in Nairobi

Suche nach religiöser Substanz – Glaubensprofil chinesischer Christen

©jesusmafa.com


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Franziskaner Mission 1 | 2013 — Feuer und Flamme – Glauben leben und weitergeben

Inhalt

Editorial

von Augustinus Diekmann ofm

Glauben Leben geben

Inkulturation in der Welt

von Heribert Arens ofm

Missionarische Erfahrungen

Rückblick auf 13 Jahre in Bolivien

von Andreas Holl ofm

Glauben erschließen

Sakramentenvorbereitung in Malawi / Ostafrika

von Augustinus Wehrmeier ofm

Dem Leben Tiefgang geben

Erwachsenenkatechese in Lado da Preda / Brasilien

von Ewald Dimon ofm

»Heil'ger Geist, der Leben schafft«

Firmvorbereitung in Berlin

von Clemens Wagner ofm

Einladung zum Glauben

Katechese in Deutschland

von Stefan Federbusch ofm

Mittelseite

»... macht zu Jüngern alle Völker«

Missionsgedanke in Volks- und Weltreligionen

von Dr. Thomas M. Schimmel

Totgesagte leben länger

Glauben und Leben in kirchlichen Basisgemeinden

in Lateinamerika

von Christian Frevel

Personalia

Anfang Januar fand in Bacabal in Brasilien

das Provinzkapitel der Franziskanerprovinz

Nossa Senhora da Assunção statt. Leiter

war Generaldefinitor Nestor Schwerz aus

Rom. Gewählt wurde eine neue Provinzleitung.

Neuer Provinzial ist Bernardo

de S. Brandão Neto ofm, der Ende 2012

in Rom sein Studium in franziskanischer

Spiritualität abschloss. Vizeprovinzial

wurde Antônio Leandro da Silva. Zur

neuen Provinzleitung gehören: Jonecildo

da Silva Cruz, José Wagner do Nascimento,

Fernandes H. de Morais Barros, Evaldo

Dimon. Der Provinzial der deutschen

Franziskanerprovinz Cornelius Bohl lud

Provinzial Bernardo nach Deutschland ein.

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Franziskus spricht Bolivianisch

Meine Begegnung mit dem Christentum

von Jorge Fernandez

Glauben vertiefen

Franziskanische Einzelexerzitien in Ostafrika

von Heinrich Gockel ofm

Der Geist von Assisi in Afrika

Franziskanisches Zentrum Portiuncula in Nairobi

von Hermann Borg ofm

Suche nach religiöser Substanz

Glaubensprofil chinesischer Christen

von Anton Weber SVD

Niños misioneros

»Kindermissionare« in Cuatro Cañadas / Bolivien

von Aparecida Antonia Munarini OFS

Im Herzen Amazoniens

Diözese Óbidos im brasilianischen Bundesstaat Pará

von Antonino Costa Martins

Nahe bei den Menschen

Eine Franziskanerin als »Regenwald-Kämpferin«

in Amazonien

von Dr. Alexander von Papp

Erinnerung an Vjeko Ćurić ofm

15. Todestag des Franziskanermissionars in Ruanda

von Heinrich Gockel ofm

Projekt

Impressum

Unser jüngster Missionar in Bolivien ist

Paschalis Jedrzejas ofm aus Polen,

28 Jahre alt und 2012 zum Priester

geweiht. Als er in den Orden eintrat,

hatte er noch nicht das Ziel, Missionar

zu werden. Aber der Besuch zweier

Bolivien missionare begeisterte ihn für

diese Berufung. Schließlich wurde er am

2. September 2012 in seinem Heimatdorf

mit einem Missionskreuz ausgesandt.

Schon nach kurzer Zeit hat ihn Bolivien

bezaubert. Die Menschen sind zwar

ärmer, aber glücklicher als in Europa, sind

seine ersten Erfahrungen. Sie haben selber

nicht viel, aber sie teilen gerne. Paschalis

Jedrzejas ist jetzt Hermano Pascual.

Vom 2. bis zum 19. Februar besuchte

Chi Thien Vu ofm vom Franziskanerkloster

in Dortmund die Projekte, die die

Franziskaner Mission in Vietnam unterstützt.

In Dat Set empfingen ihn motivierte

Schulkinder und Studierende, die

dank spendenfinanziertem Lernmaterial,

Schulgeld sowie Fahrrädern Zugang zu

Bildung erhalten. In Gia Lai besuchte er ein

Projekt für die ethnischen Minderheiten

Jarai und Bana. Zuletzt besuchte er seine

Heimatstadt Baria, die er bisher nur vom

Hören kannte. Für die Wiederentdeckung

des Landes und die Begegnung mit den

Menschen bedankt sich Chi Thien Vu bei

den Franziskanerbrüdern vor Ort.

Editorial

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

liebe Freunde der Franziskaner Mission,

nach der Grundsanierung unseres

Klosters sind in fast allen Räumen

Feuermelder angebracht – aus

brandschutztechnischen Gründen.

Was aber, wenn in einem Orden

oder in einer Ortskirche gar kein

Feuer mehr zu melden wäre?

Was tun, wenn die Flammen von

Pfingsten schon erloschen wären?

Wie könnten wir das Feuer neu

entfachen – sozusagen aus feuererhaltenden

Gründen?

Im derzeitigen »Jahr des Glaubens«

greift unsere Zeitschrift diese

Fragen auf unter dem Titel: Feuer

und Flamme – Glauben leben und

weitergeben. Das Titelbild zeigt

Pfingsten mit einem schwarzafrikanischen

Gesicht. Die Künstlerin

verdeutlicht, dass ihre noch recht

junge Ortskirche durch die Evangelisierung

in den letzten hundert

Jahren wirklich Feuer gefangen

hat. Die vielen Missionarinnen

und Missionare haben von ihrem

christlichen Glauben Zeugnis gegeben

und ihn in die ganz andere

Kultur hineingepflanzt. Sie haben

sozusagen ihrem Glauben neues

Leben geschenkt. Der Glaube lebt

und wirkt in einem neuen Gesicht

authentisch weiter.

Franziskaner Mission

Franziskanerstraße 1, 44143 Dortmund

Telefon 02 31/17 63 37 5

Fax 02 31/17 63 37 70

info@franziskanermission.de

www.FranziskanerMission.de

Feuer und Flamme – Glauben leben und weitergeben — Franziskaner Mission 1 | 2013

Am Reich Gottes bauen, das

bedeutet vor allem, den Glauben

leben und weitergeben. Dabei

begegnen wir einer oft verwirrenden

Begrifflichkeit: Evangelisierung,

Inkulturation, Katechese, Neuevangelisierung,

Religionsunterricht.

Auf der Mittelseite finden Sie die

Begriffe in ihren unterschiedlichen

Bedeutungen und gemeinsamen

Überschneidungen erläutert.

Konkrete Beispiele der Glaubensvermittlung

oder Glaubensvertiefung

kommen in diesem Heft aus

Brasilien, Bolivien, Malawi, Kenia,

Ruanda, China und Deutschland.

Besonders beeindruckend ist

dabei das Lebenszeugnis der Augsburger

Franziskanerin Schwester

Brunhilde Henneberger, die seit

mehr als 50 Jahren in der Diözese

Óbidos im Amazonasgebiet tätig ist.

Ganz im Geist eines Franziskus von

Assisi kämpft Schwester Brunhilde

für den Erhalt des Urwaldes als

unverzichtbaren Lebensraum der

indigenen Kulturen. Sie versucht

nicht, den durch Bodenspekulationen

und Umweltzerstörung bedrohten

indigenen Völkern christliche

Werte überzustülpen. Sie lässt sich

vielmehr auf einen fruchtbaren

Dialog mit den Weisheiten der ihnen

eigenen Naturreligionen ein und

überzeugt vor allem durch gelebte

Solidarität.

Im Jakobusbrief heißt es: »So ist

auch der Glaube für sich allein tot,

wenn er nicht Werke vorzuweisen

hat.« (Jak 2, 17) Erst als die Jünger

am Pfingsttag für die Sache Jesu

Feuer und Flamme wurden, die

Türen und Fenster des hermetisch

abgeriegelten Saals öffneten und

ihrem jungen Glauben Taten folgen

ließen, hatte die christliche Botschaft

eine reelle Chance. Auch im »Jahr

Spenden erbitten wir, unter Angabe des

Verwendungszwecks, auf das Konto 5100,

Volksbank Hellweg eG (BLZ 414 601 16) oder

Konto 34, Sparkasse Werl (BLZ 414 517 50).

Dieser Ausgabe liegt eine Zahlkarte bei.

des Glaubens« 2013 hat unsere Kirche

eine erneute Chance aufzublühen,

wenn sie durch denselben Pfingstgeist

Feuer fängt, ihre oft abgeschotteten

Traditions räume verlässt und von der

befreienden Botschaft Jesu Zeugnis gibt.

Ich möchte an dieser Stelle ganz

besonders unseren franziskanischen

Schwestern und Brüdern danken, die

durch ihr Zusammenleben mit anderen

Kulturen überall auf der Welt ein

authentisches Zeugnis ihres christlichen

Glaubens geben. Ebenso möchte ich

Ihnen danken, die Sie dieses Zeugnis

durch gelebte Solidarität und geschwisterliches

Teilen oft schon seit vielen

Jahren unterstützen.

PAX et BONUM,

Br. Augustinus Diekmann ofm

Leiter der Franziskaner Mission

Unterstützen Sie uns mit

5 Euro

ganz einfach per SMS.

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FRANZISKANER

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Von den 5 Euro gehen 4,83 Euro

direkt an die Organisation. Kosten

zzgl. einer Standard-SMS.

Titel: 1970 hatte ein Missionar der

Gemeinschaft der Kleinen Brüder Jesu

im westafrikanischen Kamerun die

Idee, Jesus den Menschen noch näher

zu bringen. Er bat die dort lebende

französische Künstlerin, Bénédite de la

Roncière, einen biblischen Bilderzyklus

zu schaffen – noch heute für die Inkulturation

des Evangeliums von unschätzbarem

Wert. (www.jesusmafa.com)

©jesusmafa.com

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Franziskaner Mission 1 | 2013 — Feuer und Flamme – Glauben leben und weitergeben

Glauben Leben geben

Inkulturation in der Welt

Ein Tischgespräch beim Besuch in

Minoo, Japan. Wie zufällig kommt

das Gespräch auf Maria. Ich erfahre:

»Mutter Gottes« können wir in

Japan nicht sagen. In den Denkvorstellungen

unserer Kultur ist die

Mutter größer als der Sohn. Sagen

wir »Mutter Gottes«, stellen wir

Maria über Gott. Dann sprechen wir

zwar eine Glaubenswahrheit aus,

die aber in Japan als Unwahrheit

ankommt, weil sie einen Menschen

über Gott stellt. Wir können dann

höchstens von der Mutter Jesu

sprechen.

Noch einmal Japan: Eucharistiefeier.

Die Gottesdienstteilnehmenden

hocken auf Sitzkissen, wie

sie auch in ihren Häusern oder in

Restaurants sitzen. Der Priester

macht vor dem Altar eine Verneigung,

wie sich die Menschen auch

sonst begrüßen, keine Kniebeuge.

Auch zum Friedensgruß verneigen

wir uns voreinander. Ausdrucksformen,

die den Menschen vertraut

sind, während eine alte Dame hier

in Deutschland, der ich davon

erzähle, entsetzt fragt: »Nicht

einmal während der Wandlung

knien sie?« Wie ist das mit der

Inkulturation des Glaubens?

»... Mensch geworden in der Zeit«

Der Sohn Gottes ist Mensch geworden,

ein Jude – kein Araber, Ägypter oder

Inder –, Sohn Marias aus dem Kleinstädtchen

Nazareth, vertraut mit dem

ländlichen Kulturraum, aus dem viele

seiner Weisheiten stammen. Gottes

Sohn ist ein konkreter Mensch geworden

– in einer konkreten Kultur. Er ist in

einer konkreten Zeit Mensch geworden.

Zeiten ändern sich. Wäre er geboren,

als Israel noch ein Nomadenvolk war,

hätte er als Hirte in der Wüste gelebt,

an Oasen, an Wasserplätzen. Würde er

heute geboren, wäre seine Mutter vielleicht

berufstätig, er würde Joghurt aus

dem Kühlschrank essen. Seine Gleichnisse

würde er vielleicht aus der Raumfahrt

wählen. Er ist Mensch geworden

in einer konkreten Zeit.

Die Passion Jesu mit afrikanischem Gesicht

Gesandt zu allen Völkern

Jesus sendet die Jünger zu allen Völkern.

Sie sollen sie zu Jüngern machen – nicht

zu Juden. Das Ringen darum begann

auf dem Apostelkonzil. » Beschneidung

für Christen ja oder nein?« war das

Thema. Noch heute kennen wir

Gebote, wie das Freitagsgebot, die in

unserem Kulturraum kaum noch zu

vermitteln sind. Inkulturation bleibt

eine Daueraufgabe.

Die geschichtsträchtigen Schritte des

Paulus nach Mazedonien und des Petrus

nach Rom haben die Kirche in Europa

Foto: ©jesusmafa.com

beheimatet. Europäisches Denken und

Empfinden haben die Ausdrucksformen

dieser Kirche geprägt: in der Liturgie, im

Kirchengesang, nicht zuletzt auch in der

Theologie. Eine erste Inkulturation kann

darum durchaus als gelungen angesehen

werden: die vom Judentum in den europäischen

Kulturraum.

Die europäische Kirche hat sich als

Weltkirche verstanden, obwohl sie nur

eine »Westkirche« (Walbert Bühlmann)

war und ist. In dieser Kirche müsste

der Sendungsauftrag lauten: Tragt das

Evangelium zu den anderen Kontinenten

und pflanzt es den dortigen Kulturen

ein. Macht alle Völker zu Jüngern,

nicht zu Europäern. Doch genau das

war nur zu oft der Fall!

Die »Europäisierung« habe ich bei

einer Brasilienreise anschaulich erlebt:

Die Portugiesen waren die Kolonialmacht

in Brasilien. So spricht man dort

auch Portugiesisch als Landessprache.

Bei einem Zwischenaufenthalt in

Lissabon konnte ich einige typischen

Eindrücke sammeln: der Hausbau, die

berühmten Kacheln, die Anlage von

Stadtplätzen. Später in Recife sah ich

das gleiche Bild: Kacheln, Barockfassaden,

der typische Hausbau Portugals.

Da war nichts Einheimisches. Das

konnte ich erst im Landesinneren sehen.

Das Bild ergänzte sich bei einem

Besuch im Fernen Osten. Ich hatte

Gelegenheit, Macao zu besuchen, die

ehemalige (bis 1999) portugiesische

Kolonie in China. Auch dort das gleiche

Bild, die gleichen Häuser, die gleichen

Kacheln. Bis auf ein paar buddhistische

Tempel nichts Chinesisches.

In der Politik wie in der Religion

ist Europa exportiert worden. Die

Chinesen wie die Brasilianer mussten

Latein lernen, in der Theologie Thomas

von Aquin mit seinen europäischen

Denkweisen studieren: griechische,

nicht einheimische Philosophie als

Grundlage des Glaubens. Die Kirchen

baute man europäisch. Zur Messe

musste man europäischen Wein und

Weizen importieren, damit man für die

Wandlung gültige Materie hatte. Das

Christentum ist den Ländern der Welt

im Gewand der abendländischen Kultur

eingepflanzt worden.

Inzwischen sind die Völker selbstbewusst

geworden, besinnen sich auf

ihre eigene Geschichte und Kultur.

Dazu kam der theologische Aufbruch

des Konzils, der die Kirche als Volk

Gottes neu entdeckte und damit Kirche

von der Basis her neu zu verstehen

lehrte. Das Volk ist berufen, mitzudenken,

mitzugestalten, mitzureden.

Dadurch kommt aber auch vermehrt

zur Sprache, was bisher unterdrückt

war: Das Volk möchte seine eigene

Kultur, seine eigene Tradition nutzen,

um darin zu feiern, zu beten, theologisch

zu denken. Das ist ein Aufbruch,

bei dem man nicht einmal denken

sollte, man müsste ihn verhindern: Er

ist wünschens- und erstrebenswert!

Feuer und Flamme – Glauben leben und weitergeben — Franziskaner Mission 1 | 2013

Kirche in allen Zeiten

Was von der Kirche in unterschiedlichsten

Völkern gilt, gilt auch von der

Kirche in der Zeit. Zeiten ändern sich.

Die Zeit der aufbrechenden Demokratien

ist anders als die Zeit der Königs-

und Kaiserhäuser. Die Zeit der Medien

und der weltweiten Kommunikation

ist anders als die Zeit der Mundpropaganda

von Haus zu Haus. Zeiten ändern

sich, und mit ihnen ändern sich die

Menschen. Eine Kirche, die sich nicht

in neuen Denkvorstellungen auszudrücken

lernt, wird bald eine Kirche

von vor gestern sein. Eine lebendige

Kirche inkulturiert die Frohbotschaft

auch in die verschiedenen Epochen der

Geschichte eines Volkes.

Die Kirche und die Inkulturation

So plausibel das alles klingen mag, so

wenig selbstverständlich ist das in der

Kirche. Zwar reden kirchliche Dokumente

von der Mündigkeit der Völker,

sie billigen den Ortskirchen Selbständigkeit

und das Recht zu, dem Glauben

das Gesicht ihrer eigenen Kultur zu

geben. Wenn die Ortskirchen aber

damit anfangen, gibt es Probleme.

Unsere Kirche, so sagte jemand, liebt

den Dialog, aber sie fürchtet die Folgen.

Anstatt der Vielfalt Raum zu geben

und diese Vielfalt in der Einheit zu stärken,

ruft man lieber zur Einheitlichkeit

auf. Ich erinnere mich an die Diskussion

um die Befreiungstheologie. Da versuchen

Ortskirchen, den Glauben in den

Lebensraum armer, unterdrückter und

leidender Menschen zu inkulturieren, da

hatte das Wort die Chance, Fleisch zu

werden – schon wurde das verdächtig

und die Theologen wurden zurückgepfiffen.

Als Grund dafür wird gern die Sorge

benannt, dass der reine Glaube verwässert

werden und Unkraut zwischen

den Weizen kommen könnte. Wäre da

nicht der Vertrauensvorschuss des Evangeliums

besser: »Lasst beides wachsen

bis zur Ernte, Unkraut und Weizen!«

(Mt 13,24-30) Auch der Rat des Rabbi

Gamaliel ist bedenkenswert: »Wenn die

Sache von Menschen ist, erledigt sie

sich von selbst. Ist sie aber von Gott,

dann könnt und dürft ihr sie nicht

zerstören.« (Apg 5, 34ff.)

Es wird noch manche Auseinandersetzung

um die Inkulturation geben,

aber verhindern lässt sie sich nicht, erst

recht nicht, wenn man die Entwicklung

der Weltbevölkerung sieht: Die Mehrheit

der Christen verlagert sich immer

mehr vom alten Europa in die Länder

der früheren »Missionen«. Es ist gut,

wenn die Kirche der Menschwerdung

Gottes in den außereuropäischen Ländern

nicht im Wege steht – und auch

nicht in dem Land, das den Namen

»Zukunft« trägt, das bewohnt wird von

den kommenden Generationen. Paulus

jedenfalls hat die Menschwerdung als

Sendung für sich so verstanden: »Ich

bin allen alles geworden.« (Röm 9,22)

Heribert Arens ofm

Heribert Arens ist verantwortlich für die Wallfahrt

in Vierzehnheiligen in Bad Staffelstein.

Westeuropäische Inkulturation: Weißer Jesus

mit blauen Augen

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Franziskaner Mission 1 | 2013 — Feuer und Flamme – Glauben leben und weitergeben

Missionarische Erfahrungen

Rückblick auf 13 Jahre in Bolivien

Wenn ich auf meine Jahre in Bolivien

zurückblicke, kommt in meinem

Herzen ein Gefühl großer Dankbarkeit

auf. So viel Neues, Unbekannt­

Exotisches durfte ich kennenlernen!

Eintauchen in eine andere Welt

mit einer anderen Sprache, Kultur,

einem anderen Klima.

Die Universalität und zugleich

Katholizität der Kirche habe ich

in diesem Land nicht studiert und

geglaubt, sondern gelebt. Es ist

wichtig zu wissen, dass die Mitbrüder,

die wir die »missionarische

Provinz der Franziskaner zum heiligen

Antonius in Bolivien« bilden,

aus zehn verschiedenen Nationen

kommen. Jeder bringt zuerst einmal

seine eigene Welt an Erfahrungen

und Vorstellungen mit. Diese trifft

dann hier auf eine konkrete Realität,

die aber keineswegs gleichförmig ist.

Bekanntlich wurde Bolivien mit der

neuen Verfassung zum Vielvölkerstaat

mit 36 anerkannten Nationen

erklärt. Schule der Toleranz

Die Inkulturation des persönlichen

Glaubens stellt die große Herausforderung

und Bereicherung

zugleich dar. Eine wahre Schule

der Toleranz! So viele Ansätze, das

Glaubensgut (depositum fidei)

mitteilbar und verständlich zu

machen – und auch wenn es oftmals

»nur« beim eigenen Beispiel

beziehungsweise Zeugnis bleibt!

Die Verschiedenheit der Menschen,

die Buntheit der Kirche,

die Vielfalt der Interpretationen

des franziskanischen Charismas ...

Mit Franziskus möchte ich dankbar

ausrufen: »Der Herr hat mir

Brüder gegeben!« (Test 14)

»Mütter, Väter, Geschwister,

eine neue Familie, hundertfach,

wie es der Herr verheißen hat!«

(Mt 19,29) Zu jeder Zeit habe ich

mich von den Bolivianern angenommen

und akzeptiert gefühlt.

Die Verfolgungen, von denen

Jesus auch spricht, lernte ich aber

(nur) durch Moskitos, Viren und

sonstiges Ungeziefer kennen!

Herausforderung und

Geschenke

Auf all den Stationen auf meinem

Weg in diesem Land gab es

Herausforderndes wie unverdient

Geschenktes. Nach dem kurzen

Sprachkurs in Cochabamba verbrachte

ich meine erste Lehrzeit

in der südlichsten Pfarre unserer

Provinz: Yacuiba an der argentinischen

Grenze. Die dortigen

dazumal sämtlich italienischen

Mitbrüder hatten nicht nur

Geduld mit meinem Spanisch,

sondern auch Nudeln über

Nudeln auf dem Speiseplan.

Als ich dem Pater Pío auf seine

üblicherweise spitzen Bemerkungen

einmal sagte, dass ich leider

nicht so schnell antworten könnte

wie ich wollte, weil ich zuvor erst

nachdenken müsste, wie man das

(korrekt) sagt, meinte er: Es ist

nur gut, dass noch jemand denkt,

bevor er spricht.

Gemeinschaft der

Gemeinschaften

Santa Cruz, die damals 1,5 Millionen

Einwohner zählende Großstadt,

der wirtschaftliche Motor

im Tiefland Boliviens. Hier suchen

Landarbeiter (Campesinos) der

ärmlichen Regionen Arbeit und

ein besseres Leben. In Santa Cruz

gibt es zwei Klöster unserer Provinz:

San Francisco im Zentrum,

das ehemalige österreichische

»Hauptquartier«, und San

Antonio, das bayerische Pendant.

Ich war ab dem Jahr 2000 im

bayerischen »Stützpunkt«. Aber

das Bier tranken inzwischen

auch Bolivianer und Polen! Die

Pfarre hatte damals noch an die

100.000 Mitglieder mit den Dörfern

am Stadtrand und darüber

hinaus. Diese Gemeinschaft der

Gemeinschaften teilten wir uns

drei Priester in der Betreuung

auf, wobei wir glücklicherweise

von einem ganzen »Heer« von

Schwestern unterstützt wurden.

Eine von diesen war die Haller

Schwester Romana, die schon

einen meiner bayerischen Vorgänger

(und späteren Provinzial

Martin Sappl ofm) mit Weißwürsten

versorgt hatte.

Sakramentenspendung ist nicht an einen Ort gebunden. Andreas Holl auf Bergtour mit Novizen

Unterschiedlichste »Typen«

San Ignacio de Velasco war dann

der Ort, den ich am besten und

längsten kennengelernt habe.

Die sechs Jahre als Pfarrer und

Guardian, in denen man die

Verantwortung nicht mehr so

leicht auf andere abschieben

konnte, habe ich genossen.

Ganz verschiedene Typen in der

Gemeinschaft: Der 80-jährige

Spanier Jesús, Gerhard Prati aus

Südtirol, ein junger Bolivianer

Abelino, zuerst Diakon, dann

Priester, und ich ergänzten uns

gut. Dazu kamen immer wieder

alternative Aspiranten und Postulanten,

auch ein österreichischer

Freiwilliger, die eine Zeit lang

in dieser Fraternität mitlebten.

Die Arbeit mit den Gruppen

in der Pfarre, den Wortgottesdienstleitern

in den Dörfern,

Feuer und Flamme – Glauben leben und weitergeben — Franziskaner Mission 1 | 2013

das Kinder- und Jugendorchester,

der Chor, die sozialen wie seelsorglichen

Aktivitäten im Patenprojekt

»Familien, die in Christus

vereint sind« neben der üblichen

Sakramentenpastoral seien hier

nur als Aufgaben genannt.

Dass ich dann noch ins

Hochland kommen würde, ist

dem genannten Martin Sappl

zu verdanken, der auf der Suche

nach einem Guardian und

Noviziatsleiter war. Diese letzten

drei Jahre auf 3.000 Meter Höhe,

im meines Erachtens schönsten

Kloster (aus dem 16. Jahrhundert)

in der Hauptstadt Sucre, bilden

irgendwie den Höhepunkt meines

franziskanischen Daseins. Eine

Rückkehr ins (eigene) Noviziat,

die (notwendige) Beschäftigung

mit den Quellen unserer Spiritualität,

Zeit und Stille für das Gebet

... und Mitbrüder, die nicht viel

zu wünschen übriglassen.

Würde der Abschied nicht

schmerzen, wäre er wohl keiner.

Aber dennoch meine ich, ist

es jetzt gut, dass ich gehe. Ich

breche nun zwar nicht in eine

neue Welt auf, aber Österreich

und die Kirche dort sind auch

nicht mehr, was sie einmal waren

... und die Mission dort wahrscheinlich

ebenso herausfordernd

und spannend.

Andreas Holl ofm

Andreas Holl ist Franziskaner aus Österreich

und hat 13 Jahre als Missionar in Bolivien

gewirkt.

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Franziskaner Mission 1 | 2013 — Feuer und Flamme – Glauben leben und weitergeben

Glauben erschließen

Sakramentenvorbereitung in Malawi / Ostafrika

Kinder brauchen Orientierung – auch im Glaubensleben.

Die Sakramentenpastoral in Malawi

ist keine einheitliche, sondern wird

in den acht Diözesen sehr unterschiedlich

gestaltet. So dauert zum

Beispiel das Erwachsenenkatechumenat

in der Diözese Dedza zwei

Jahre, während es sich in unserer

Erzdiözese Lilongwe auf vier Jahre

erstreckt. Es gibt auch keine einheitliche

Ausbildung der Katecheten. In

den Diözesen Dedza und Lilongwe

gibt es zum Beispiel ein gemeinsames

katechetisches Trainingszentrum

mit einem straffen

Ausbildungsprogramm.

In dieser Zeit lernen die Katecheten

verschiedene Bereiche der Theologie

kennen, vor allem Schriftkenntnisse,

Exegese, Liturgie, Sakramentenkatechese

(verschiedene Methoden unter

anderem auch Lumko), Homiletik,

pastorales Counselling, Aufbau von

Basisgemeinden. Am Ende des Kurses

bekommen die erfolgreichen Teilnehmer

ein Abschlusszertifikat in katechetischer

und pastoraler Formation. In

den drei Jahren haben sie jährlich einen

Monat Ferien, in denen sie in ihren

Heimatpfarreien pastorale Erfahrungen

machen. Die Bewerber, die zu diesem

Kurs zugelassen werden, müssen katholisch,

vertrauenswürdig, verheiratet

sein, einen Secondary School-Abschluss

haben und sich im Engagement in der

Gemeinde bewährt haben. Die Teilnehmer

gehen mit der ganzen Familie

zum katechetischen Trainingszentrum.

Die Frauen werden in verschiedenen

Haushaltstätigkeiten unterwiesen, wie

zum Beispiel Kochen, Haushaltsführung,

Stricken, Nähen und Häkeln. Während es

in der Diözese Dedza auch drei Frauen als

hauptamtliche Katecheten gibt, sind es

in der Erzdiözese Lilongwe nur Männer.

Ein Vollzeitkatechet mit Abschlusszeugnis

verdient im Monat zwischen 12.500

und 35.000 Malawi Kwacha (Mkw)

(circa 30 bis 83 Euro), je nach dem, was

eine Pfarrei bezahlen kann. In den rund

40 Pfarreien der Erzdiözese Lilongwe

gibt es nur 31 Katecheten, die an einem

dreijährigen Kurs teilgenommen haben,

und weitere 65, die an Intensivkursen

teilgenommen haben. In unserer Pfarrei

in Dowa haben wir zwei hauptamtliche

Katecheten, einen mit Abschlusszertifikat

und einen, der von Mitbrüdern ausgebildet

wurde und an einigen Kursen der

Diözese teilgenommen hat.

Lehren und Lernen

Da die wenigen hauptamtlichen Katecheten

zusammen mit den Priestern die

Vorbereitung der Kinder, Jugendlichen

und Erwachsenen auf den Empfang

der Sakramente in den vielen Außenstationen

nicht allein bewerkstelligen

können, werden in den Außenstationen

zumeist Männer aber auch einige

Frauen gewählt, die über Lehrfähigkeiten

verfügen, um die verschiedenen

Gruppen (sechs pro Außenstation)

zu unterrichten. Dabei stehen zwei

verschiedene katechetische Buchreihen

zur Verfügung: für die Kinder von fünf

bis 16 Jahren, die schon getauft sind,

Tilitonse (das heißt »Wir sind Gemeinschaft«)

und für die Jugendlichen ab

16 und die Erwachsenen, die sich in

vier Jahren auf die Taufe vorbereiten,

Chipangano cha Mulungu (das heißt

»Der Bund Gottes«). Der Unterricht

der Kinder und Katechumenen findet

entweder in der Kirche der Außenstation

statt oder unter einem Baum

in der Nähe der Kirche.

Keine leichte Aufgabe

Die hauptamtlichen Katecheten

unterweisen die ehrenamtlichen

Hilfs katecheten mit Seminaren, die

in Klassenräumen der Hauptpfarrei

stattfinden, und helfen auch vor Ort

in den Außenstationen, die Katechese

zu verbessern. Das ist keine leichte

Aufgabe. Erstens ist es nicht einfach,

überhaupt genügend Christen in den

vielen Teilgemeinden (Außenstationen)

zu finden, die bereit sind, Sonntag

für Sonntag und auch manchmal in

der Woche zu unterrichten. Zweitens

mangelt es auch oft an nötiger Qualifikation

der Ehrenamt lichen. Ich erinnere

mich noch gut an die Zeit, in der ich

unseren Hilfskate cheten beim Unterricht

zuhörte. Und versuchte ihnen zu

zeigen, wie man besser unterrichten

kann. Denn der Lehrtext wurde einmal

vorgelesen, oft ohne ihn hinterher zu

erörtern; und dann wurden die Fragen

aus dem Buch und die entsprechenden

Antworten mechanisch wiederholt.

In den Examina, die jährlich von den

Katechumenen gemacht werden und

die von den Priestern und den Hauptkatecheten

abgenommen werden, sah

ich die armseligen Ergebnisse solcher

Lehrmethode. Wenn die Intonation

meiner Frage nicht ganz mit der des

Feuer und Flamme – Glauben leben und weitergeben — Franziskaner Mission 1 | 2013

Hilfskatecheten übereinstimmte,

konnten viele die Fragen aus dem

Katechismusbuch nicht beantworten.

Wenn alle meine Bemühungen vergeblich

waren, etwas Glaubenswissen aus

den Katechumenen herauszulocken,

bat ich sie, mir dann wenigstens etwas

von Jesus zu erzählen, sei es über seine

Geburt, sein Leben oder seinen Tod.

Wenn da dann auch nichts kam, bat

ich sie, sich das nächste Mal besser

vorzubereiten und das nächste Jahr

wiederzukommen.

Eine schöne, entgegengesetzte

Erfahrung machte ich mit einem alten

Katechumen, der wohl an die 70 Jahre

alt war. Er schaffte es einfach nicht,

das apostolische Glaubensbekenntnis

aufzusagen. Auch hatte er Schwierigkeiten

mit den Katechismusfragen. Dann

stellte ich ihm Verständnisfragen zu den

Artikeln des Glaubensbekenntnisses und

er antwortete sehr gut mit Verstand.

Diese meine Erfahrungen gehen auf die

Zeit zurück, in der wir noch keinen voll

ausgebildeten Katecheten hatten.

Idealisten gesucht

Die Rekrutierung von Katecheten ist

nicht einfach. Das liegt einerseits an

den zu erfüllenden, restriktiven aber

notwendigen Voraussetzungen und

wohl auch an dem sehr niedrigen

Gehalt. Da muss man wirklich Berufung

und viel Idealismus haben, was

man von unseren beiden hauptamtlichen

Katecheten wirklich sagen kann.

Sambia

Tansania

Mosambik

Neben dem Training, der Unterweisung

und Überwachung der ehrenamtlichen

Katecheten sowie der Abnahme von

Examen der Katechumenen nehmen die

Hauptkatecheten auch an der Planung und

Durchführung pastoraler Aktivitäten teil:

zum Beispiel Katechesen für junge Paare,

die sich auf die Ehe vorbereiten, oder für

Abgefallene, die wieder zu den Sakramenten

zugelassen werden wollen, Aufbau von

Basisgemeinschaften, Familienberatung,

Counselling und auch einige Verwaltungsarbeiten

im Bereich der Sakramentenpastoral.

Die bereits als Kinder Getauften

werden jeweils in ihren Außenstationen

auf den Empfang des Bußsakraments,

der Eucharistie und der Firmung von den

ehrenamtlichen Katecheten vorbereitet.

Die Vorbereitung darauf beginnt mit

Kindern, die fünf Jahre oder älter sind.

Die Erstkommunion wird ab etwa achteinhalb

Jahren empfangen; die Firmung

wird ab dem vollendeten 14. Lebensjahr

gespendet. Falls ein Getaufter bis zum

16. Lebensjahr die Firmung noch nicht

empfangen hat, nimmt er an den Erwachsenenkatechesen

teil. Die ungetauften

Katechumenen unserer Pfarrei empfangen

die drei Initiationssakramente (Taufe,

Eucharistie und Firmung) in der Regel nach

vier Jahren Katechumenat und bestandenem

Taufexamen in der Osternachtsfeier.

Augustinus Wehrmeier ofm

Augustinus Wehrmeier ist Gemeindeseelsorger

in der Franziskanerpfarrei in Dowa in Malawi.

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Franziskaner Mission 1 | 2013 — Feuer und Flamme – Glauben leben und weitergeben

Dem Leben Tiefgang geben

Erwachsenenkatechese in Lago da Pedra / Brasilien

Die Franziskanerseelsorger José Patriarca N. Brandão und Ewald Dimon studieren die selbstverfasste Landkarte der Pfarrei von Lago da Pedra.

Nach der Begegnung eines Menschen

mit Christus, auf die eine

Antwort des Glaubens gegeben

wurde, kann jemand den Wunsch

haben, diesen Gottmenschen und

seine frohe Nachricht näher kennenzulernen.

Bei vielen Menschen entspringt

die Motivation, sich mehr

mit dem ererbten Glauben zu

befassen, zunächst nur dieser

Tradition und einem Erwachsenwerden.

Man will wissen, wer

man ist. Wie versuchen wir, diese

Menschen in das christliche Leben

einzuführen? Das ist Katechese.

Wie wir diese im brasilia nischen

Lago da Pedra umsetzen, möchte

ich hier beschreiben.

Ein Teil der Katechese besteht sicher

darin, Glaubensinhalte zu vermitteln

und zu reflektieren. Aber seit Jahren

versuchen die Verantwortlichen, den

Schritt zu einer Einführung in das christliche

Leben anzubieten. Wir nutzen

dazu ein bestimmtes Buch, das dem

Katecheten folgende Schritte für jedes

Treffen vorschlägt: erstens die Begrüßung,

vom Thema des Tages bestimmt.

Dabei wird gefragt: Was wissen wir

schon über das Thema? Anschließend

gehen alle zur Quelle (Heilige Schrift)

und vertiefen gemeinsam das Thema

im Gespräch. Vorschläge für das Leben

in der Familie, in der Gesellschaft und

in der kirchlichen Gemeinde werden

erarbeitet. Zum Schluss wird vom

Thema ausgehend gebetet.

Die Themen, die wir dabei behandeln,

berühren vielseitige Inhalte:

von der Gottsuche und dass er uns

entgegenkommt, vom Wort Gottes

und natürlich von Jesus Christus und

seinem Projekt, das Reich Gottes auf

Erden zu errichten. Es wird auch über

die Personen gesprochen, die Jesus

nachfolgen, von Jesu Gebetsleben,

vom Heiligen Geist und auch von

der Kirche mit ihren Sakramenten.

Anleitung für christliches Leben

Dann geht es in Lago da Pedra mit

einem eigenen Heft weiter, das die

Geschichte der Kirche (Volk Gottes,

das unterwegs ist) behandelt. Gleichzeitig

kann sich der Katechet an

einem anderen selbsterstellten Heft

mit zahlreichen Vorschlägen zur

Ein führung in das christliche Leben

orientieren. Dieses Materialheft umfasst

ein weites Spektrum an Handlungen,

von denen hier einige in Auswahl

aufgezeigt werden: Unter anderem

wird dort vorgeschlagen, zunächst ganz

bewusst zu lernen, mit der Bibel umzugehen.

Dazu wird angeregt, eine gelesene

Geschichte jemandem zu erzählen.

Weiterhin wird empfohlen, mit der

Familie jeden Tag das Tagesevangelium

zu lesen und selbst kreativ zu werden:

Biblische Texte können durch Theater,

Musik oder Malen künstlerisch dargestellt

werden. So wird der Umgang mit

der Bibel praktisch erlernt.

Im Bereich einer Weltethik wird auf

folgende Handlungen hingewiesen:

nicht töten, nicht lügen, nicht stehlen

und nicht geschlechtlich missbrauchen.

Stattdessen sollen wir zur christlichen

Ethik der Liebe bis zum Vergeben und

der Feindesliebe vorstoßen. Auch das

Lernen, zusammen am Tisch zu essen

und dialogfähig zu werden, gehört zum

christliche Leben. Karitative Liebe zu

praktizieren, lernen, Kranke zu besuchen

und eine Totenwache zu halten, sind

weitere Anforderungen. Kleine, leicht

umsetzbare Forderungen wie Mülltrennung,

auf gesunde Ernährung achten

und genügend Bewegung in den

Tagesablauf einplanen, Pflanzen, Tiere

und Menschen richtig behandeln – dies

sollen und können wir bewusst tun.

Praktische Umsetzung

Das Materialheft für die Erwachsenenkatechese

mit diesen Vorschlägen wird

sicher nur ganz langsam seinen Platz in

der Praxis finden, da viele Katecheten

eine geringe Ausbildung für ihre

Aufgabe erhalten haben. Darum auch

unsere Sorge, bei der Ausbildung der

Katecheten (die immer weniger durch

Wochenendkurse zu erreichen sind)

schriftliches Material einzusetzen. Denn

das Studium dieses Materials kann jeder

frei in seinen Tagesablauf einplanen.

Doch auch dabei gibt es eine Schwierigkeit:

Die Lesekultur ist bei vielen sehr

schwach entwickelt. Der Vorteil wäre

eine schnellere Ausbildung fast ohne

Unkosten, die interessierte Mitarbeiterinnen

und Mitarbeiter in allen Gemeinden

erreicht. Die Diözese Bacabal hat

diese Art der Ausbildung jetzt in ihr

Programm aufgenommen.

Die Teilnehmer dieser Einführung in

das christliche Leben, die noch nicht

getauft sind, können nach einem Jahr

getauft werden. Dann kann allen die

Hinführung zur Feier der Eucharistie

angeboten werden. Dazu benutzen die

Feuer und Flamme – Glauben leben und weitergeben — Franziskaner Mission 1 | 2013

Erwachsenenkatechese mit dem Franziskanermissionar Ewald Dimon

Mit den Menschen für ihre Rechte – Friedensmarsch in Lago da Pedra

Katecheten zwei weitere Schriftstücke.

Das erste hat den Titel »Kommt mit mir

essen«. Das zweite: »Auch ich gehöre

zu Deinem Volk, Herr«. Auch bei dieser

zweiten und dritten Etappe der Katechese

ist das oben genannte Papier mit

den Vorschlägen weiterhin sehr wichtig.

Es ist eine zusätzliche Hilfe bei der Einführung

in das christliche Leben.

Nach Abschluss dieser Vorbereitung

kann nach einem Jahr die volle Teilnahme

an der Eucharistiefeier ermöglicht

werden. Dann werden noch zwei

Jahre Hinführung auf die Firmung mit

der missionarischen Sendung in die

Welt angeboten.

Wenn aber jemand kirchlich heiraten

will, muss ein Weg gefunden werden,

schneller zum Ziel zu kommen. Manchmal

können Jugendliche, dank ihrer

Schulbildung, durch eigenes Studium

eines Buches die Katecheten entlasten

und sich schneller die Inhalte aneignen.

Lernen beim Feiern

Als ständige katechetische Weiterbildung

dürfen wir alle Gottesdienste

und sonstige religiöse Feiern verstehen,

besonders die Sakramente. Pfarrfeste

mit ihrer Novene und Vertiefung von

einem Thema sowie besonders intensiv

gelebte Zeiten des Kirchenjahres

bedeuten eine ständige katechetische

Weiterbildung der Teilnehmer. Wenn

am Anfang die Eltern oder Gemeindekatecheten

Hilfe angeboten haben,

sollen die begleiteten Christen immer

mehr selber zu Katecheten in ihrem

Umfeld werden. Jünger und Missionare!

Ewald Dimon ofm

Ewald Dimon war bisher Pfarrer in der Franziskanergemeinde

von Lago da Pedra. Er arbeitet

jetzt als Ökonom der Ordensprovinz in Bacabal

in Brasilien.

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Franziskaner Mission 1 | 2013 — Feuer und Flamme – Glauben leben und weitergeben

»Heil’ger Geist, der Leben schafft«

Firmvorbereitung in Berlin

Leben gibt es genug in einer Stadt wie

Berlin. In einer Vielfalt, die staunen

und manchmal stutzen lässt. Vor allem

einen wie mich, der aus Süddeutschland

stammt und dort bis noch vor sechs

Jahren tätig war. Christliches Leben in

einer katholischen Großstadtgemeinde

wie St. Ludwig in Berlin­Wilmersdorf

im Westteil ist etwas Eigenes. Vieles,

was für mich bislang selbstverständlich

in Glaubensdingen war, ist vor Ort

nicht mehr gegenwärtig oder mittlerweile

unbekannt geworden. Dies nur

auf die säkulare und säkularisierte Zeit

oder Umgebung schieben zu wollen,

führt nicht weiter; es ist eine Tatsache,

mit der es zu leben und aus der es

trotzdem zu glauben gilt.

Der Heilige Geist macht kreativ: Früchte aus der Firmvorbereitung

Menschen aus der Innenstadt und

den Außenbezirken und teilweise

sogar aus dem Umland kommen

zu Gottesdiensten und pfarrlichen

Veranstaltungen nach St. Ludwig:

Glaubende und Zweifler, Suchende

und Kirchenferne. Ähnlich ist es

bei denen, die sich zur Vorbereitung

auf die Firmung anmelden.

Manche, weil sie geschickt

werden von ihren Eltern oder

Verwandten. Andere, weil sie es

wollen und nicht nur, weil sie es

müssen. Um die 15 Jahre alt sind

die Jugendlichen, die wir etwa

ein drei viertel Jahr lang bis zum

Firmtag begleiten. In wöchentlichen

Gruppenstunden, bei

Kirchenbegegnungen, eigenen

Gottesdiensten, thematischen

Samstagseinheiten und beim

Firmwochenende zum Thema

»Versöhnung«. Gottes Geist

schafft Leben. Sogar bei denen,

die damit nicht rechnen.

» ... erfülle uns mit deiner

Kraft.«

Jener Wunsch aus dem bekannten

Lied, das sich im »Gotteslob«

findet, ist doppeldeutig – für die

Firmbewerber und -bewerberinnen

und die Gruppenleiter und

-leiterinnen. Wir bieten einen Weg

für die an, die sich auf die Firmvorbereitung

einlassen. Gehen

müssen sie ihn selbst – aber

nicht allein und ohne Anleitung.

Dadurch, dass die Auswahl groß

und die Freizeit durch die schulische

Belastung gering ist, sind

Entscheidungen gefragt. Wer oder

was trägt mich, wer oder was

gibt mir Orientierung, wer oder

was bringt mich weiter? Dem

steigenden Erwartungsdruck von

Eltern und Schule, Freundinnen

und Freunden zu begegnen,

ohne auf der Strecke zu bleiben,

will und muss gelernt sein. Ein

Prozess, der Kraft kostet. Er geht

Feuer und Flamme – Glauben leben und weitergeben — Franziskaner Mission 1 | 2013

Kreuzwegbetrachtung: Simon hilft Jesus das Kreuz tragen – mein persönlicher Platz in der Kirche.

nicht von heute auf morgen und

hat Rückschläge zu verkraften,

wenn ich mich verzettelt habe.

Gemeinsam in der Gruppe und

allein auf sich gestellt sollen die

Firmbewerber und -bewerberinnen

erfahren können, dass es

einen Lebensweg mit Gott gibt,

dessen Geist auch mich mit Kraft

erfüllt, die Leben wagen lässt.

»Dein Schöpferwort rief uns

zum Sein«

Bei der Suche nach Sinn und

Tragfähigem in ihrem Leben sind

die Jugendlichen konfrontiert

mit sich selbst, mit ihren Fragen,

ihren Sehnsüchten und ihren

ungelösten Problemen. Dass sie

so sind, wie Gott sie gedacht

und gemacht hat, ist ein guter

Ausgangspunkt. Bei der Tatsache,

dass ich mich zuerst selbst annehmen

muss, um mein Gegenüber

akzeptieren zu können, wird es

spannend: wenn ich mich auf

den einlasse, der mich geschaffen

hat, auf Gott, von dem ich mir

mein persönliches Bild mache.

»... nun hauch uns Gottes

Odem ein.«

So redet heute kaum einer mehr.

Die passende Sprache zu finden,

Jugendliche zu erreichen und

überhaupt noch ansprechen zu

können, ist eine Herausforderung

für beide Seiten. Dümmliche

Anbiederung oder gar die

erzwungene Bekehrung Suchender

ist nicht unser Anliegen.

Wichtig ist uns, authentisch und

echt zu sein auch mit unserer

eigenen Glaubensgeschichte,

die nicht frei ist von Zweifeln

und Erfahrungen der Gottferne.

Gottes Lebensatem wirkt belebend

– auch und gerade, wenn

ich ihm Raum gebe in meinem

eigenen Dasein.

Clemens Wagner ofm

Clemens Wagner ist Gemeindeseelsorger

in der Franziskanerpfarrei St. Ludwig in

Berlin-Wilmersdorf.

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Franziskaner Mission 1 | 2013 — Feuer und Flamme – Glauben leben und weitergeben

Einladung zum Glauben

Katechese in Deutschland

Den Glauben außerhalb der Kirchenmauern erleben

Glauben ist letztlich eine persönliche

Lebensentscheidung. Von

daher kann er nicht weitergegeben

werden wie ein Erbstück,

sondern nur angeboten und

eingeübt werden. Wie aber kann

die »Glaubensweitergabe« hier bei

uns in Deutschland gelingen? Eine

Erkundung bei zwei Franziskanerbrüdern,

die in der Gemeindeerneuerung

und in der Pastoral

im Osten Deutschlands tätig sind.

In manchen Kirchen finden sich

Kreuze, die mit ihren Jahreszahlen an

die Gemeindemissionen erinnern. Sie

wenden sich an Menschen, die bereits

aktive Christen sind oder einmal waren.

Solche Intensivzeiten der Glaubensvermittlung

und Glaubensstärkung sind

selten geworden. Der Franziskaner

Otmar Brüggemann beschreibt sie so:

»Der zeitgemäße Name ist Gemeindeerneuerung,

es geht um die Stärkung

der Kerngemeinde, um die Vertiefung

im Glauben in heutiger Zeit sowie um

Glaubenswissen und Glaubensfreude.

Unser franziskanischer Ansatz ist, die

Gemeinde dort abzuholen, wo sie

steht, die Gemeinde selbst erstellt das

Programm, wir sind immer mit einem

Team von Schwestern und Brüdern

vor Ort. Ein Schwerpunkt besteht

darin, den Glauben auch außerhalb

der Kirchenmauern zur Sprache zu

bringen, in Hausgesprächskreisen in

den Wohnungen der Menschen, wo

oft auch Kirchenferne und Kirchenfremde

teilnehmen. Wichtig ist

uns auch immer die Ökumene, das

Miteinander im Glauben, und wie bei

Franziskus ist der ganze Mensch angesprochen,

nicht nur der Verstand, zum

Beispiel durch meditativen Tanz oder

Gebetsgesten.« Die Gemeindeerneuerung

umfasst eine Langzeitbegleitung

von der Vorbereitung bis zur Vertiefungszeit

von zwei bis fünf Jahren.

Glaubensvermittlung in der

ehemaligen DDR

Anders sieht es im Osten Deutschlands

aus, wo die meisten Menschen

aufgrund der damaligen staatlichen

Maßnahmen der DDR gegen die

Kirche auch heute kaum oder gar

nicht mit Kirche in Kontakt sind.

Franz-Leo Barden kennt als Pfarrer

in Euskirchen und jetzt in Halle an

der Saale beide Situationen: »Die

Gemeinde ist sehr tief und gut im

Glauben verankert, steht engagierter

und verbindlicher zusammen und für

die eigene Gemeinde ein, als ich das

noch im Westen erlebte. Die große

Herausforderung ist, den Glauben

unseren glaubenslosen Zeitgenossen

anzubieten. Damit tun wir uns schwer.

Zu DDR-Zeiten war ein Werben oder

öffentliches Auftreten nicht möglich.

Und so ist das meiste Engagement

in den Gemeinden eher nach innen

gerichtet. Langsam und allmählich

versuchen wir aber, erste Schritte zu

tun: Die ›Nacht der offenen Kirchen‹

zeigt, wie bunt und vielfältig religiöses

Leben auch hier in Halle ist. Beim

Lutherplatzfest – eine Art Stadtteilfest

gleich gegenüber der Dreieinigkeitskirche

– öffnen wir die Türen und laden

Menschen ein, sich unsere neu renovierte

Kirche anzuschauen, zu verweilen.

Beim Weihnachtsmarkt werden die

christlichen Kirchen in Halle gemeinsam

ein Angebot auf dem Markt machen. So

versuchen wir, in Kontakt zu kommen

und den Glauben und das Evangelium

anzubieten.«

Franz-Leo Barden verweist auf das

Angebot der »Feier der Lebenswende«

anstelle der immer noch sehr beliebten

Jugendweihe. Die katholische Kirche

begleitet dabei konfessionell nicht

gebundene Jugendliche und gestaltet

mit ihnen und ihren Familien die »Feier

der Lebenswende« als einen Schritt ins

Erwachsenwerden. Für nächstes Jahr

sind in Halle über 200 Jugendliche zu

diesem Angebot angemeldet.

Einbeziehen der Schülerinnen und

Schüler

Ein wichtiger Anknüpfungspunkt ist

für Franz-Leo Barden die Taufe. Dies

gilt für Erstkommunionkinder, die

noch nicht getauft sind und zusätzlich

begleitet werden, und für die Vorbereitung

von Erwachsenen. »Hier bieten

wir einen ›Glaubensgesprächskreis‹ an,

der bewusst aber offen gehalten ist für

Getaufte wie Nicht-Getaufte, für Glaubende

wie für Zweifler. Der lebendige

Austausch in der Gruppe ist eine sehr

wertvolle Erfahrung, die Taufe von

Erwachsenen in der Osternacht ein sehr

beeindruckendes Erlebnis. Dann gibt es

hier neben dem schulischen Religionsunterricht

auch noch den gemeindlichen

Religionsunterricht. Dazu kommen

jeden Dienstag die Klassen der Grundschule

und werden von der Gemeindereferentin,

Kaplan und ehrenamtlichen

Mitgliedern der Gemeinde in den Glauben

vertiefend eingeführt. Ein Angebot

für ältere Schülerinnen und Schüler gibt

es zusätzlich am Freitagnachmittag.«

Eine Brücke zwischen Gemeinde

und Kindern und Jugendlichen schlägt

in Halle Pascal Sommerstorfer, der mit

einer halben Stelle als Schulseelsorger

an den drei katholischen Schulen

(Grund- und Sekundarschule sowie

Feuer und Flamme – Glauben leben und weitergeben — Franziskaner Mission 1 | 2013

Gymnasium) präsent ist. Ein » pastoraler

Supergroßraum«, wie er es nennt, mit

rund 2.000 Schülerinnen und Schülern.

Durch seine Präsenz ist er Ansprechpartner

auch für die konfessionslosen

Schülerinnen und Schüler. Die Begegnung

mit dem Christentum zieht

sich durch alle Jahrgangsstufen und

ermöglicht so Zugänge auch für

Nichtgetaufte.

Den Glauben leben und dies zeigen

Othmar Brüggemann sieht die größte

Chance der Glaubensvermittlung in

der Begegnung und Begleitung von

Mensch zu Mensch. Das Wichtigste ist

für ihn, »offen zu sein für die Fragen,

Nöte und Sorgen der Menschen, die zu

uns kommen, und sie spüren zu lassen,

dass sie willkommen sind bei uns und

erst recht bei Gott, so verschieden

sie auch sein mögen.« Im Sinne von

Franziskus hat das authentische Vorleben

Priorität: »Lebt den Glauben so

miteinander, dass die Menschen euch

danach fragen und gebt ihnen dann

eure Antwort darauf.«

Franz-Leo Barden verweist darauf,

dass die Geschichte der Menschen vor

Ort, die Vergangenheit in der DDR, der

Wende und der Nachwendezeit eine

ganz andere ist, als er sie in seiner Zeit

im Rheinland erlebte. »Ich bemühe

mich, hier in Halle nach wie vor gut

zuzuhören. Von daher versuche ich

vorsichtig zu sein, neue Konzepte,

Ideen und ›Forderungen‹ einzubringen.

Ich glaube, wir müssen mit viel

Geduld und kleinen Schritten weitergehen.

Was ich hier in den Gemeinden

immer wieder staunend erlebe, ist

der große Einsatz Ehrenamtlicher. Die

Kirche hier im Osten ist arm: arm an

finanziellen Möglichkeiten und arm an

personellen Möglichkeiten. Vieles muss

ohne bezahltes Personal gehen, vieles

geschieht in Eigenverantwortung der

Ehrenamtlichen. Ich glaube, dass dies

auch in Westpfarreien mehr und mehr

notwendig sein wird.«

Pläne für die Zukunft

Ein sowohl traditioneller wie auch

moderner Ausdruck des Glaubens sind

Wallfahrten. Othmar Brüggemann

sieht als Wallfahrtsseelsorger in Neviges

einen katechetischen Ansatz auch in der

Gestaltung von Pilgerfahrten, bei spirituellen

Führungen und den täglichen

Gesprächs- und Beichtangeboten. Sein

Wunsch zum Jahr des Glaubens: den

kostbaren Schatz des Glaubens zum

Strahlen und Leuchten zu bringen,

über den Kirchenraum hinaus!

Franz-Leo Barden sieht zwei große

Herausforderungen: »Zum einen den

Glauben an die nächste Generation

innerhalb der Gemeinde weiterzugeben.

Da haben wir ähnliche Schwierigkeiten

wie auch andere Regionen

Deutschlands. Das Glaubenswissen

nimmt ab, ebenso die Glaubenspraxis.

Die Verbindlichkeit, mit der die Gläubigen

sich der Kirche und Gemeinde

zugehörig fühlen, ist zwar noch sehr

hoch, nimmt aber tendenziell ab. Die

Gemeinden werden insgesamt älter.

Die andere Herausforderung ist die,

den Glauben den Menschen, mit denen

wir hier zusammen in der Stadt leben,

bekannt zu machen, einladend anzubieten.

Das ist sehr schwierig und geht nur

in sehr kleinen Schritten.«

Kirche in Deutschland wird sich trotz

aller katechetischen Bemühungen von

Erstkommunion- und Firmvorbereitung

verändern: weg von volkskirchlichen

Strukturen hin zu kleinen Kreisen von

Menschen, die das Evangelium für

sich als Lebensquelle entdecken und

pflegen. In einer Minderheitensituation

werden sie die Frohe Botschaft als kostbare

Alternative anbieten. Sie wird zum

Gegenpol zu einer einseitig ökonomisch

ausgerichteten Sichtweise von Mensch

und Welt. Glaube wird mehr denn je

zur persönlichen Entscheidung.

Stefan Federbusch ofm

Stefan Federbusch ist Schulseelsorger am

Franziskanergymnasium Großkrotzenburg.

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Verwirrende Begrifflichkeiten

Im Bereich der Glaubensvermittlung werden verschiedene

Begrifflichkeiten verwendet, die in einem engen

inhaltlichen und methodischen Zusammenhang stehen.

Nicht immer ist eindeutig, was mit ihnen gemeint ist.

Es sind dies Evangelisierung, Inkulturation, Katechese,

Evangelisierung ist ein vornehmlich in der römisch-katholischen

Kirche verwendeter Begriff, der die Gesamtheit all

dessen bezeichnet, was dazu dienen soll, das christliche

Evangelium allen Menschen zu verkünden und über die

gesamte Welt zu verbreiten. Im protestantischen Bereich

ist hierfür eher der (vom Wortsinn her gleichbedeutende)

Ausdruck Evangelisation gebräuchlich. Mit dem Dekret des

II. Vatika nischen Konzils »Ad Gentes« (lateinisch: Zu den

Völkern) vom 7. Dezember 1965 hat sich die katholische

Kirche eine eigene Verordnung über die Missionstätigkeit

gegeben, in der es heißt: »Die ganze Kirche ist missionarisch

und das Werk der Evangelisierung eine Grundpflicht des

Neuevangelisierung und Religionsunterricht. Auf

den Begriff Mission wird in diesem Zusammenhang

verzichtet, da das heutige Missionsverständnis

bereits vielfach in dieser Publikation thematisiert

wurde.

Gottesvolkes.« (AG, 35) Im Abschlussdokument der römischen

Bischofs synode von 1974 heißt es: »Es ist Sache des

ganzen in der Kirche durch Gottes Wort und Eucharistie

vom Heiligen Geiste versammelten Volk Gottes, das Evangelium

zu verkünden, und niemand, der wirklich Christ

sein will, darf sich von diesem Auftrag als dispensiert [das

heißt entbunden] betrachten, sondern muss ihn in der ihm

geziemenden Weise und in der Gemeinschaft mit seinem

Hirten erfüllen.«

Einen weiterführenden Aspekt bietet das Apostolische

Schreiben »Evangelii nuntiandi« von Papst Paul VI. von

1975. Es geht darum, die Kultur und die Kulturen des

Menschen im vollen und umfassenden Sinn zu evangelisieren,

wobei man immer von der Person ausgeht und dann

stets zu den Beziehungen der Personen untereinander und

mit Gott fortschreitet (EN, 20). Durch die Kraft des Evangeliums

sollen die Urteilskriterien, die bestimmenden Werte,

die Interessenpunkte, die Denkgewohnheiten, die Quellen

der Inspiration und die Lebensmodelle der Menschheit, die

zum Wort Gottes und zum Heilsplan im Gegensatz stehen,

umgewandelt werden (EN, 19). Papst Benedikt XVI. sagte

während seines Deutschlandbesuchs 2006: »Evangelisieren

bedeutet in jedem Fall nicht nur eine Lehre unterrichten,

sondern den Herrn Jesus in Wort und Tat verkünden, also

Werkzeug seiner Gegenwart und Wirksamkeit in der Welt

werden.« In der katholischen Kirche ist die »Kongregation

für die Evangelisierung der Völker« zuständig.

Evangelisierung (siehe oben) geschah über Jahrhunderte im

Sinne des traditionellen Missionsbegriffs ausschließlich aus

der Perspektive der abendländischen Kultur. Inkulturation

des Evangeliums bedeutet im Sinne des neuen Missionsverständnisses,

das Eigenleben der nicht-abendländischen

Kulturen in Liturgie, Katechese und den christlichen Lebensvollzügen

angemessen zur Geltung zu bringen. Dazu zählen

zum Beispiel die hohe Wertschätzung des Tanzes in afrikanischen

Kulturen und die große Bedeutung der Ahnenverehrung

in asiatischen Kulturen.

Der Begriff wurde zum ersten Mal von Papst Johannes Paul II.

in seiner Ansprache an die Teilnehmer des VI. Symposiums

der europäischen Bischöfe am 11. Oktober 1985 verwendet.

Katechese ist die theoretische und praktische Einführung

in den christlichen Glauben in der Familie und in speziellen

Gemeindeveranstaltungen. Der Begriff Katechese leitet sich

vom griechischen Wort katechéo ab, was »ich unterrichte/

ich unterweise« bedeutet. Seit frühkirchlicher Zeit ist Katechese

die Vorbereitung auf den (erstmaligen) Empfang eines

Sakramentes, zunächst immer der Taufe, später (katholisch)

der ersten Kommunion und der Firmung oder (evangelisch)

der aus beiden entwickelten Konfirmation. Katechese will in

die Glaubenspraxis einführen, ist also handlungsorientiert.

Sie setzt in der jeweiligen Lebenswelt an und ist in der Regel

zeitlich befristet. In Deutschland gestalten häufig Laien als

sogenannte »Tischmütter« und Firmkatecheten die Vorbereitung

der Kinder und Jugendlichen auf Erstkommunion

und Firmung.

Neuevangelisierung meint »die erneute Einwurzelung und

Vergegenwärtigung des Evangeliums Jesu Christi in den

Ländern, in denen der christliche Glaube schon sehr lange

beheimatet ist, aber durch die fortschreitende Säkularisierung

an Bedeutung verloren hat.« Ziel ist eine neue kreative

»Synthese zwischen Evangelium und Leben«, eine erneute

Einwurzelung und Vergegenwärtigung des Evangeliums Jesu

Christi in einer neuen Zeit und unter veränderten Bedingungen.

Am 29. Juni 2010 hat Papst Benedikt XVI. einen

Päpstlichen Rat zur Förderung der Neuevangelisierung

eingesetzt. Eine Form ist dabei die von jungen Laien organisierte

Initiative Night-fever. Die Verknüpfung zu Katechese

(siehe oben) wird deutlich in einer Aussage von Bischof

Karl Lehmann aus dem Jahr 1991: »Was verlangt wird, ist

nicht eine Evangelisierung im strengen Sinn des Wortes als

eine Erstverkündigung der Frohbotschaft, sondern vielmehr

eine lebendigere Katechese, die so radikal und so tragend ist,

dass man sie als Dauerevangelisierung bezeichnen könnte.«

Zeitweise wurde auch der schulische Religionsunterricht

Katechese (siehe oben) genannt, wie heute noch in der

Schweiz. Das Ziel des Religionsunterrichts ist jedoch stärker

die Wissensvermittlung. Der schulische Religionsunterricht

dient einerseits als Einführung von Kindern und Jugendlichen

in die jeweiligen Vorstellungen und Wertesysteme der

Glaubens- und Religionsgemeinschaften, umfasst jedoch

weitere Inhalte wie Ethik, allgemeine Religionskunde,

Menschenrechte und Lebenskunde. Zum außerschulischen

Religionsunterricht werden die längerfristigen katechetischen

Aktivitäten der Gemeinden zur Vorbereitung auf den

Sakramentenempfang gerechnet sowie einzelne singuläre

Aktivitäten wie Kinderkatechese während der Liturgie.

Stefan Federbusch ofm


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Franziskaner Mission 1 | 2013 — Feuer und Flamme – Glauben leben und weitergeben

»... macht zu Jüngern alle Völker«

Missionsgedanke in Volks- und Weltreligionen

Als im Rahmen der »1. Langen

Nacht der Religionen« in Berlin

im September 2012 zahlreiche Religionsgemeinschaften

ihre Kirchen,

Moscheen, Bethäuser oder Tempel für

interessierte Besucherinnen und Besucher

öffneten und zum Gespräch einluden,

geschah das nicht, um Menschen

von der eigenen Weltanschauung und

dem eigenen Gottesglauben zu überzeugen.

Es hatte den Zweck, Menschen

ins Gespräch miteinander zu bringen.

Doch schwingt im Gespräch über die

Frage, wer und was Gott ist und wie

der Mensch das Gute suchen soll oder

finden kann, nicht immer auch mit,

dass man sein Gegenüber von seiner

eigenen Ideologie überzeugen will?

Jesus von Nazareth hat seinen

Anhängerinnen und Anhängern eine

klare Anweisung zur Bekehrung und

zur Verkündigung gegeben: »Geht und

macht zu Jüngern alle Völker, tauft sie

auf den Namen des Vaters, des Sohnes

und des heiligen Geistes und lehret sie

halten, alles, was ich Euch befohlen

habe«, sagte er laut Matthäus.

Volksreligionen: Heilsbringung

für die Gemeinschaft

Auch andere Religionen, vor allem

die Weltreligionen, zu denen

unter anderem der Islam und der

Buddhismus gehören, kennen

die gezielte Ausbreitung ihrer

Glaubensüberzeugung. Volksreligionen

hingegen, in denen eine

bestimmte Gemeinschaft eines

Volkes, eines Stammes oder eines

Clans Trägerin der Religion ist,

haben keine Bestrebung, ihre

Religion über die Grenzen ihrer

Gemeinschaft hinauszutragen.

So haben beispielsweise die

Römer in die eroberten Gebiete

ihre Religion zwar mitgebracht,

aber die unterworfenen Völker

nicht gezwungen, ihre Götter

anzunehmen. Das Wirken von

Volksreligionen ist lokal begrenzt

und zielt auf die Heilsverkündigung

und die Heilsbringung für

Gespräch statt Bekehrung: Die Vertreter der Religionsgemeinschaften in Berlin

die Gemeinschaft: Wenn es der

Gemeinschaft gut geht, geht es

auch dem Einzelnen gut.

Weltreligionen: Heilsbringung

für den Einzelnen

In den Weltreligionen dagegen

ist der einzelne Mensch Objekt

der Religion. Religion ist damit

nicht an eine bestimmte Gruppe

gebunden, sondern richtet sich

mit seiner Heilsverkündigung an

das Individuum, egal welcher

Nation oder Gruppe es angehört.

Ihr Wirken und Angebot kann

sich damit universal entfalten, da

es sich an alle Menschen richtet.

Gekoppelt mit ihrem Anspruch,

die existenziellen Fragen des

Menschseins anzusprechen,

haben Weltreligionen dadurch

eine Tendenz zur Ausbreitung.

Dabei haben sie nicht selten einen

Hang zum Absolutheitsanspruch,

denn Voraussetzung für verkündendes

Handeln ist der Glaube

an die Wahrheit und die Überlegenheit

der eigenen Religion.

Christentum in Südamerika

und Asien als Beispiele

Die Ausbreitung einer Weltreligion

ist in dem Moment erfolgreich,

in dem sie bei einer Volksreligion

an deren einheimischen Vorstellungen

anknüpft und dabei deutlich

macht, dass die Begegnung mit

dem Göttlichen hier nur mittelbar

geschieht. Der Einzelne hat keine

Verbindung zu Gott. Jetzt kann

die neue Religion eine individuelle

Verbindung des Einzelnen zu Gott

herstellen. Als Beispiel sei hier die

Evangelisierung Lateinamerikas zur

Zeit der Conquista genannt. Anders

liegt der Fall, wenn eine Weltreligion

verkündend auf eine andere Weltreligion

trifft. Hier ist sie in der Regel

nicht erfolgreich, weil ja die direkte

Verbindung des Einzelnen zum Göttlichen

schon besteht. Darum konnte

sich das Christentum in China oder

Japan nie wirklich durchsetzen.

Wenn im August 2013 zur

»2. Langen Nacht der Religionen«

in Berlin eingeladen wird, steht

wieder das Gespräch der Religionen

im Vordergrund und nicht die

Bekehrung. Dies wäre aus oben

genannten Gründen auch ein

erfolgloses Unterfangen.

Dr. Thomas M. Schimmel

Dr. Thomas M. Schimmel ist Geschäftsführer

von »1219. Deutsche Stiftung für interreli giösen

und interkulturellen Dialog e. V. in Berlin«.

Ein Donnerstagabend in der kleinen

Kapelle im nördlichsten Zipfel von

Munaypata, einem hoch gelegenen

Viertel am Stadtrand der bolivianischen

Hauptstadt La Paz. Die Kälte

zieht durch die offenen Fenster

des Kirchleins, vier Grad Celsius in

3.950 Meter Höhe. Rund 30 Frauen

sitzen in den Bänken, in etliche

Schichten bunter Röcke gehüllt, dicke

Ponchos und den typischen Bombin

auf dem Kopf, eine Art Bowler­Hut,

den nahezu jede Aymara­Frau stolz

trägt. Ein paar Kerzen spenden Licht:

Die Stromversorgung ist an diesem

Abend wieder einmal ausgefallen.

Feuer und Flamme – Glauben leben und weitergeben — Franziskaner Mission 1 | 2013

Totgesagte leben länger

Glauben und Leben in kirchlichen Basisgemeinden in Lateinamerika

Nach einem Lied und der Schriftlesung

diskutieren die Frauen über

die Situation im Viertel, sprechen

über die ständigen Stromausfälle

und über die Alten und Kranken,

die man besuchen will. »Glauben

und Leben, Schriftlesung und soziale

Aktion gehören für uns zusammen«,

sagt Andrea Villazanti, eine

der Frauen aus der kirchlichen

Basisgemeinde »Tupak Amaru«,

die sich in der Kapelle trifft.

Unterstützung der Bischöfe

Die kirchlichen Basisgemeinden

(Comunidades Eclesiales de Base,

CEB) entstanden in den 1960er

Jahren als Antwort auf pastorale

Not und aus der Arbeit der

Der Rhythmus des Volkes: 16. Basisgemeindetreffen in La Paz in Bolivien

»Katholischen Aktion« heraus.

Zu der Zeit gab es viel zu wenige

Priester für die schnell wachsende

katholische Bevölkerung Lateinamerikas.

Die CEBs entstanden

vor allem unter den Armen, also

in den Elendsvierteln an den

Rändern der wuchernden Städte,

und in den abgelegenen Dörfern

auf dem Land. Die schnelle Ausbreitung

und Akzeptanz der

kirchlichen Basisgemeinden

wäre nicht möglich gewesen,

wenn nicht die Bischöfe selbst

sie gefördert hätten. Es war der

heutige Erzbischof von Santa

Cruz in Bolivien, Kardinal Julio

Terrazas, der als Bischof von

Oruro die Idee der Basisgemeinden

nach Bolivien holte. Sein

benannter Nachfolger im Amt

des Erzbischofs von Santa Cruz,

Erzbischof-Koadjutor Sergio

Gualberti, war viele Jahre Beauftragter

des Lateinamerikanischen

Bischofsrates (Consejo Episcopal

Latinoamericano, CELAM) für die

kirchlichen Basisgemeinden. Bei

der fünften Generalversammlung

der Bischöfe Lateinamerikas 2007

im brasilianischen Aparecida

war es Sergio Gualberti, der sich

besonders dafür einsetzte, dass

die kirchlichen Basisgemeinden

im Schlussdokument besonders

gewürdigt wurden.

Weiter im Aufwind

»Seitdem wachsen die kirchlichen

Basisgemeinen wieder«, sagt

Marcelo Cruz, Koordinator der

kirchlichen Basisgemeinden im

Erzbistum La Paz. Seit den 1990er

Jahren seien die Basisgemeinden

verdächtigt worden, politisch zu

weit links zu agieren. »Das führte

dazu, dass viele Pfarrer die CEBs

nicht mehr unterstützten.« Viele

Basisgemeinden seien deshalb

überaltert, man beginne nun,

vorrangig junge Menschen an

die CEBs heranzuführen.

Dass dies zunehmend gelingt,

zeigt das Treffen der kirchlichen

Basisgemeinden generell und

auch das Treffen der Basisgemeinde

»Tupak Amaru« im

Viertel Munaypata. Die Frauen

besprechen zum Schluss nämlich

noch ihre Hilfe beim Treffen der

kirchlichen Basisgemeinden in

der Erzdiözese La Paz. Mehrere

Hundert Menschen aus den CEBs

im Erzbistum werden zum Treffen

erwartet – unter ihnen etliche

jüngere Frauen und Männer.

»Seitdem viele Diözesen die

kirchlichen Basisgemeinden in

die Pastoralpläne aufgenommen

haben, übernehmen wir auch

wieder die Unterstützung der

Pfarrer«, meint Marcelo Cruz

und ist sich sicher, dass die Basisgemeinden

nicht nur in Bolivien

weiter wachsen werden. »Das

Schlussdokument von Aparecida

hat uns Anerkennung und Sicherheit

verschafft. Die kirchlichen

Basisgemeinden sind wieder im

Aufwind.«

Christian Frevel

Christian Frevel ist verantwortlich für

Öffentlichkeitsarbeit und Bildung im

bischöflichen Hilfswerk Adveniat in Essen.

Foto: Jürgen Escher ©Adveniat

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Franziskaner Mission 1 | 2013 — Feuer und Flamme – Glauben leben und weitergeben

Franziskus spricht Bolivianisch

Meine Begegnung mit dem Christentum

Meine Kindheit und Jugend war durchzogen

von vielen Ungereimtheiten und

vielen Fehlern, nicht nur durch meine

Familie, sondern auch durch mich

selbst. Ich lebte in einer Familie voller

Konflikte. Das machte mein Leben sehr

kompliziert. Meine Familienmitglieder

waren in der Mehrheit im Militär oder

als Politiker tätig. Sie erwarteten von

mir, dass auch ich die militärische Laufbahn

einschlagen würde.

Aber das Leben führte mich auf

einen anderen Weg: Mit 12 Jahren

kam ich auf eine Schule, die von Franziskanern

geleitet wurde, was mich

anfangs nicht gerade begeisterte.

Aber dieser Wechsel veränderte viele

Dinge in meinem Leben, nicht auf

einen Schlag, sondern nach und nach.

Zunächst musste ich akzeptieren, dass

ich nun auf der Franziskanerschule

San Francisco in La Paz war.

In dieser Schule bat ich nach

einiger Zeit darum, mich auf die

Erstkommunion vorzubereiten,

was wahrscheinlich in meinem

früheren Umfeld nicht in Betracht

gekommen wäre. Was mir damals

am meisten auffiel, war die Art,

wie die Menschen an dieser

Schule miteinander umgingen,

angefangen bei den Lehrern bis

hin zu meinen Klassenkameraden.

Es war eine andere Art, das Leben

zu sehen – mit mehr Hoffnung

und mehr Licht.

Ein lebendiger Christus sein

Als ich 15 Jahre alt war, lud

mich ein Lehrer ein, an einer

Jugendgruppe teilzunehmen.

Diese Gruppe nannte sich JUFRA

(jovenes franciscanos, Franziskanische

Jugend). Es war für mich

zunächst ein Treffen von Jugendlichen,

die nichts mit ihrer Zeit

und mit ihrem Leben anzufangen

wussten. Aber im Austausch mit

ihnen merkte ich bald, dass ich

es war, der mit seinem Leben

nichts anzufangen wusste. Das

Seltsamste war für mich, dass

sie wie Geschwister waren, die

alles mit den Augen Christi sehen

wollten. Das war mir zunächst

unverständlich und hat mich

lange beschäftigt.

In dieser Phase half mir ein

Film, den wir gemeinsam in der

Jugendgruppe anschauten und

der mein Innerstes tief berührte.

Er hieß »Schwester Sonne, Bruder

Mond« und handelte vom Leben

des Heiligen Franziskus. Am

Anfang habe ich nicht verstanden,

warum jemand alles verlässt,

nur um mit den Armen zu sein.

Deshalb habe ich mir den Film ein

zweites Mal angesehen, und jetzt

glaubte ich verstanden zu haben,

wonach sich dieser Franziskus

sehnte: einfach ein lebendiger

Christus zu sein. Das gab mir

Mut, mit meinen 18 Jahren in

Jorge Fernandez in seiner Schule in La Paz

den 3. Orden (OFS) von La Paz

einzutreten, mit dem Wunsch, ein

lebendiger Christus zu werden unter

meinen Brüdern und Schwestern.

Wünsche für die Zukunft

Und heute mit meinen 37 Jahren

wünsche ich mir so sehr, Franziskaner

zu werden, um zu lernen,

die Dinge mit den Augen Christi

zu sehen, mit meinen Brüdern und

Schwestern, in einer brüderlichen

Gemeinschaft. Darüber hinaus

möchte ich fühlen, dass Christus

mich begleitet. Denn wir können

diesen lebendigen Christus in den

Menschen und in der Natur finden.

Früher wusste ich nicht, was ich

mit meinem Leben anfangen sollte,

jetzt möchte ich meinem Leben

einen tieferen Sinn geben.

Jorge Fernandez

Jorge Fernandez ist Postulant der bolivianischen

Franziskanerprovinz.

Glauben vertiefen

Bei aller Verkündigung durch Katechese

und Predigt in Gottesdiensten

mit Jugendlichen, Studierenden

oder Erwachsenen war die geistliche

Begleitung in franziskanischen

Einzelexerzitien am intensivsten:

Der persönliche Glaube kam ins

Gespräch und fand Vertiefung.

Feuer und Flamme – Glauben leben und weitergeben — Franziskaner Mission 1 | 2013

Franziskanische Einzelexerzitien in Ostafrika

Was sind Einzelexerzitien?

Wie Jesus selbst sich immer

wieder an einsame Orte zum

Gebet zurückzieht, so fordert

er seine Apostel nach ihrem

Missionsein satz ebenfalls auf:

»Kommt mit an einen einsamen

Ort, wo wir allein sind, und ruht

ein wenig aus.« (Mk 6:31)

An »einsame Orte« – zur

Stille, zum Gebet und geistlichen

Gespräch in Einzelexerzitien –

wurde die Franziskanische Familie

in Ostafrika über viele Jahre eingeladen.

Gern wurden die Angebote

angenommen und die stillen Tage

waren jedes Mal intensive Zeiten

des Gebets und Austauschs mit

geistlichen Begleiterinnen und

Begleitern.

Eine Reihe von Schwestern

und Brüdern hatten sich in

dreimonatigen Kursen auf diesen

pastoralen Dienst gründlich vorbereitet.

Sie hatten in der Regel

teilgenommen am »Franciscan

Internship Program in Spiritual

Direction and Directed Retreat«

(einem Praktikum in geistlicher

Begleitung und Einzelexerzitien),

das der amerikanische Franziskaner

Tom Speier mehrmals in Ostafrika

durchgeführt hatte.

In diesem Kurs lernten die Teilnehmerinnen

und Teilnehmer dies:

In geistlicher Begleitung geht es

darum, Exerzitantinnen und Exerzitanten

zu helfen, Gottes Spuren

in den Ereignissen und Fügungen

des eigenen Lebens zu entdecken

und darauf zu antworten im stillen

Gebet und meditativen Betrachten

ausgewählter biblischer Texte.

Glaubensvergewisserung auf biblischer Basis und nach Beispiel des Heiligen Franziskus

Was ist das »Franziskanische«

Element?

Neben Texten der Heiligen Schrift

wird ferner auf das Leben des

Heiligen Franziskus von Assisi

geschaut. Es werden zur Betrachtung

Texte empfohlen aus seinen

Briefen, Ermahnungen, Gebeten

oder Regeln, aus den Biographien

(Thomas von Celano oder

Bonaventura) oder aus Reflexionen

von Murray Bodo: »Francis

– The Journey and the Dream«

(»Der Traum des Franziskus«).

Franziskus selbst hatte im

13. Jahrhundert Gottes Gegenwart

und Anruf in seinem Leben

erfahren und darauf persönlich

geantwortet, wie es im Erlebnis

vor dem Kreuzbild von San

Damiano, in der Begegnung

mit dem Aussätzigen oder in

seinem Umgang mit Geschöpfen

und in vielen anderen Ereignissen

zum Ausdruck kommt. Seine

Verbundenheit mit Gott vertiefte

er regelmäßig in der Stille

abgelegener Höhlen und Wälder.

Die Einsiedeleien Carceri, Greccio,

Fonte Colombo oder La Verna

bezeugen das noch heute.

Wie Franziskus so können auch

Exerzitantinnen und Exerzitanten

während der stillen Tage Gottes

Anruf neu erfahren und darauf

antworten, können ihren Umgang

mit sich selbst, mit Gott, dem

Nächsten und der Welt bedenken,

ferner ihre von Gott geschenkten

Gaben im eigenen Leben erneut

entdecken, annehmen und vertiefen.

Geistliches Leben beschreibt

der Kapuziner Ludger Schulte

treffend als »Wandlung, Neuschöpfung

und Verwandlung

in der Lebensgemeinschaft mit

dem Gekreuzigten und Auferstandenen«

und stellt fest: »Geistliches

Leben schützt vor Regen

nicht, aber es lehrt, im Regen zu

tanzen.«

Das konnte ich während vieler

Jahre als geistlicher Wegbegleiter

in franziskanischen Einzelexerzitien

in Kenia, Tansania und Uganda oft

erfahren. Dafür bin ich dankbar.

Heinrich Gockel ofm

Heinrich Gockel, langjähriger

Afrikamissionar, ist jetzt Mitarbeiter

in der Franziskaner Mission.

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Franziskaner Mission 1 | 2013 — Feuer und Flamme – Glauben leben und weitergeben

Der Geist von Assisi in Afrika

Franziskanisches Zentrum Portiuncula in Nairobi

Seine Lage ist nahezu ideal: Der Fußweg

zur Katholischen Universität mit

ihren 12.000 Studierenden beträgt

fünf Minuten. Der Weg zum Katholischen

Institut der Theologie ist mit

zehn Minuten nur doppelt so weit. In

diesem Stadtteil, 20 Kilometer vom

Zentrum Nairobis entfernt, haben sich

über 100 katholische religiöse Gemeinschaften,

Orden und Kongregationen

niedergelassen. Diese Studienhäuser

beherbergen all die Studierenden der

religiösen Gemeinschaften, die zu

den Lehrveranstaltungen gehen. Als

besondere Gunst ist es zu bezeichnen,

dass die Franziskanische Familie mit

diesem »Zentrum für Afrika« eine

solch privile gierte Lage hat.

Alle franziskanischen Gemeinschaften

zusammengenommen zählen

mehr als 1 Millionen Schwestern und

Brüder weltweit. Davon fallen etwa

40.000 auf Afrika. Schwestern und

Brüder lehren in Schulen, pflegen

Kranke, leiten Pfarreien, arbeiten in

der Verwaltung, in der Jugendarbeit,

in Gefängnissen, in Werkstätten, auf

Krankenstationen, in Exerzitienhäusern

und in Universitäten. Seit über

100 Jahren sind Franziskanerinnen

und Franziskaner in Afrika tätig.

Unterstützung seit 20 Jahren

Unter dem Aspekt einer nahezu

geistlichen Notlage wurde das

Franziskanische Zentrum in

Nairobi vor 20 Jahren geplant.

Hilfe aus der ganzen Welt hat

den Kauf des Grundstücks und

den Bau des ersten Bauabschnitts

ermöglicht. Ein Gebäude mit

zehn Zimmern und sechs Büroräumen

wurde vor zwölf Jahren

bezogen. In den Büros wurde die

Arbeit für ganz Afrika geplant.

Die Zimmer dienten über Jahre

zur Unterkunft für Teilnehmer an

Exerzitien- und Ausbildungskursen.

Besucher von Südafrika bis

Ägypten reisten an, um an den

angebotenen Kursen teilzunehmen.

Schon bald zeigte es sich,

Hermann Borg ofm macht sich mit den Menschen auf den Weg.

Heute belegen die Büros neue

Initiativen wie » Gerechtigkeit

und Frieden«, »Damietta

Initiative«, »Franciscans International«,

»Accomplishment of

Great Vision«, »St. Anthony of

Padua-Institut Afrika (SAPIA)«.

Der Fernkurs »Franziskanische

Missions Spiritualität«

hat bereits über die Grenzen

Kenias an Einfluss gewonnnen.

Schwestern und Brüder besuchten

franziskanische Gruppen in

Südafrika, Sambia, Äthiopien,

Uganda, Tansania, Kamerun und

weiteren Ländern. Ich möchte

hier die Initiativen von Heinrich

Gockel ofm und Maria Aoko

aus Kenia namentlich nennen,

die sich für die Aussendung des

franziskanischen Geistes in Afrika

eingesetzt haben.

Vielseitige geistige und

praktische Hilfe

Die Kapuziner brachten sich vor

einigen Jahren mit ihrer neuen

»Damietta Initiative« ein, die eine

Zusammenarbeit zwischen Chris-

ten und Muslimen zum Thema

und sich in der Gesellschaft

einflussreich eingebracht hat.

»Der Geist von Assisi«, initiiert

durch Papst Johannes Paul II.

im Jahre 1986, hat sich auch

hier in Nairobi einen Namen

gemacht und wird jedes Jahr am

letzten Samstag im Oktober in

Gebet und Dialog in Erinnerung

gehalten.

»Franciscans International«,

die Zusammenarbeit der Franziskaner

mit den Vereinten Nationen

(UN), hat neue Impulse

erhalten durch die Beteiligung

der Franziskaner an den Universellen

Periodischen Menschenrechtsprüfungen

(UPR) über

jedes einzelne Land der Welt.

»Accomplishment of Great

Vision« hilft Gruppen bei der

Erstellung und Formulierung ihres

eigenen Selbstverständnisses,

ihrer Vision und ihrer Mission. So

können Ordensgemeinschaften

um Rat fragen, um ihr Institut

nach Auftrag und Mission zu

formulieren.

»Franziskanischer Geist« wurde

über Jahre in Exerzitien und in

Seminaren weitergegeben. Der

Erfolg dieser Kurse hat Großes im

Leben der einzelnen Schwestern

und Brüder bewirkt. Der Einfluss

erfasste auch Leben und Wirken

von Gemeinschaften und Kongregationen.

Wie in anderen Kontinenten

sollte auch in Afrika ein

akademisches franziskanisches

Institut entstehen. Dafür wurde

der Name unseres berühmten

Franzis kaners St. Antonius von

Padua gewählt.

Die Nöte heutiger Zeit hat

besonders das »Mutter-Erde-

Netzwerk« aufgegriffen. Der

Baumbestand der Welt soll von

6 % auf 12 % verdoppelt werden.

Es bedarf der Finanzen, der

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter,

der Strategie und der beherzten

Durchführung. In den Fußstapfen

der berühmten kenianischen

Friedensnobelpreisträgerin

Wangari Maathai sollte es der

Welt gelingen, diesem Anspruch

gerecht zu werden. Wir Franziskaner

können nicht mit ansehen,

wie die Welt zu Schaden kommt.

Das erste Semester startete

im August 2011. Die Studentinnen

und Studenten haben ihre

Arbeiten erfolgreich abgeschlossen

und jedes Jahr wird eine

begrenzte Zahl neuer Studierender

aufgenommen. SAPIA ist Teil

der Katholischen Universität und

hat deren Statuten und Forderungen

zu folgen.

dass der Raum zu eng wurde. Im Franziskanischen Zentrum Portiuncula ist immer Leben.

Feuer und Flamme – Glauben leben und weitergeben — Franziskaner Mission 1 | 2013

Ort des Dialogs

Das Gesicht des Zentrums

Portiuncula hat sich in den zwölf

Jahren seines Bestehens deutlich

gewandelt. Von einem Ort der

Stille und Besinnung ist es ein

Ort des Dialogs und der Studien

geworden. Der Pförtner am Eingangstor

muss oftmals am Tag

das Tor öffnen und schließen.

Gäste kommen aus allen Kontinenten.

Im Jahr 2012 zählten wir

Besucherinnen und Besucher aus

26 Ländern.

Einige Schwestern und Brüder

haben das Angebot der franziskanischen

Spiritualität sehr ernst

genommen. Sie haben es weitergetragen

zur Jugend und in die

Diözesen hinein.

Jugendarbeit auch in Uganda

Ein Modell franziskanischer Lebensorientierung

bietet Uganda. In

zehn der 17 Diözesen gibt es

eine organisierte franziskanische

Jugend mit 1.025 eingeschriebenen

Mitgliedern. Die Jugendgruppen

setzen sich ein für Liturgie

und in Gemeinden. Sie beziehen

Jugendliche mit ein, die Hilfe brauchen,

weil sie unter dem Einfluss

von Rebellenführer Joseph Kony

im Norden gelitten haben und

missbraucht worden sind. Die

franziskanischen Jugendgruppen

bereiten Konflikte auf, integrieren

und rehabilitieren traumatisierte

Jugendliche.

Jede Diözese hält von Zeit

zu Zeit Jugendfestivals mit einer

Dauer von vier Tagen ab. Den

Mittelpunkt bilden Gebet,

Gespräch, Feier, Tanz und heilige

Messe. Diese Jugendarbeit

begann 1993. Sie gewinnt Jahr

für Jahr an Einfluss, an Bedeutung

und an Anerkennung von

Seiten der Bischöfe. Die Jugendlichen

wollen sich nicht nur

selbst gefallen, sie wollen sich

auch für die Zukunft von Kirche

und Welt einbringen. Jedes Jahr

treffen eine Anzahl von Jugendlichen

den Entschluss, Gott,

der Kirche und der Gesellschaft

im religiösen Leben nach den

Gelübden zu dienen oder Priester

zu werden.

Wir dürfen die Kirche

Ugandas als jung und dynamisch

beschreiben. Die Erwartungen

an die Franziskanische Familie in

Uganda sind groß. Zum Glück

darf ich sagen, dass Schwestern

und Brüder in Uganda zusammenstehen,

gemeinsam planen

und gemeinsam die Aktivitäten

durchführen.

Unsere Berufung in der Welt

Die 40 franziskanischen Gemeinschaften

Kenias bilden eine

solide Struktur in der Gesellschaft.

Für die täglichen Dienste

wollte und will das Franziskanische

Zentrum Portiuncula in

Nairobi in Kenia Hilfestellung,

Auffrischung, Nahrung und

Speise sein. Zudem macht

das Internet die Kommunikation

in dieser neue Zeit leicht.

Austausch mit Schwestern

und Brüdern von Südafrika bis

Ägypten ist inzwischen Routine.

Wie viel an Information auf dem

Weg ist, zeigen Agenturen und

Medien. Wir Franziskaner, in

Verbindung mit allen franziskanischen

Kongregationen und

Einrichtungen, wollen im Prozess

von Austausch, Ermutigung und

Aufbau nicht zurückstehen.

Berufung ist Auftrag, Arbeit,

Verpflichtung. Im Namen Gottes

diese Verpflichtung eingehen

und einhalten ist Gnade.

Hermann Borg ofm

Hermann Borg ist verantwortlich für das

Franziskanische Zentrum Portiuncula in

Nairobi in Kenia.

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Franziskaner Mission 1 | 2013 — Feuer und Flamme – Glauben leben und weitergeben

Suche nach religiöser Substanz

Glaubensprofil chinesischer Christen

Bischof Yang Xiangtai der Diözese Handan in der Provinz Hebei (Nordchina)

Es ist kein Geheimnis mehr,

dass die Kirche Chinas sich in

einem erstaunlichen Wachstum

befindet. Die Zahl der

jährlichen Erwachsenentaufen

berechtigt zu der Hoffnung,

dass der Aufbruch, der sich

hier ereignet, nicht so schnell

zum Stillstand kommen wird.

Oft sind es gerade jüngere

Leute, die sich zur Kirche und

ihrem Menschen­ und Gemeinschaftsverständnis

hingezogen

fühlen. Bei den 206 Personen,

die am 15. Dezember 2012

in der Kathedrale in Tianjin,

einer Millionenstadt im Südosten

von Beijing (Peking),

die Taufe erhielten, war das

Durchschnitts alter 35 Jahre.

70% von ihnen hatten einen

Fachhochschul­ oder Hochschulabschluss.

Das Bedürfnis nach

spiritueller Substanz für das

Leben in einer vom Diktat des

Fortschritts bestimmten Gesellschaft

ist allgemein verbreitet.

Grund zur Hoffnung

Was an der Entfaltung der Kirche

Chinas so faszinierend ist, ist die

Tatsache, dass die Gläubigen

selbst so aktiv an der Verbreitung

des Glaubens beteiligt sind. Vor

allem die großen christlichen

Feste werden eingesetzt, um

die Kirche vorzustellen und die

Menschen mit ihrer Botschaft von

Gerechtigkeit und Liebe vertraut

zu machen. Ein Seminarist, der

in einer katholischen Gemeinde

sein pastorales Praktikum machte,

berichtete, wie er 20 Tage vor

Weihnachten damit begonnen

hatte, jeden Abend bis 23 Uhr

mit einer Gruppe von Gläubigen

in den Dörfern ein Programm

anzubieten. Dabei versuchten

sie, mit Gesang, Tanz, Drama

und der lokal üblichen Form des

komischen Zwiegesprächs auf

lebensnahe und abwechslungsreiche

Weise, das Evangelium zu

verkünden und neue Kontakte zu

schaffen.

Wenn man bedenkt, dass die

katholische Kirche Chinas 13 Millionen

Gläubige zählt, dann ist

das zwar eine stattliche Zahl, aber

immer noch eine verschwindende

Minderheit von gerade mal 1%

unter einer Gesamtbevölkerung

von 1,3 Milliarden Menschen.

Rund 200 Millionen bekennen

sich zu nicht-christlichen Religionen

wie dem Buddhismus,

dem Daoismus und dem Islam.

Jedoch schenkt das Wissen um

die Wahrheit der Bild-Rede Jesu

vom Sauerteig, der wirkt, und

vom Samen, der wächst und zum

Baume wird, den Gläubigen Hoffnung

und erzeugt in ihnen eine

Dynamik, die ihre Wirkung in der

Gesellschaft, in der sie leben, auf

die Dauer nicht verfehlen wird.

Vom Glauben zur

Verkündigung

Wer einmal den Glauben angenommen

hat, findet im Umfeld

einer aktiven christlichen

Gemeinde genügend Anregung,

selbst zum Apostel zu werden.

Besonders die Teilnahme an

Liebeswerken gegenüber Armen,

Kranken und Behinderten oder

anderen, in Not geratenen

Menschen macht die Gläubigen

mit dem Wesen der christlichen

Botschaft weiter vertraut. Dabei

wird auch das Interesse der nichtchristlichen

Bevölkerung an der

Arbeit der Kirche geweckt.

Auf meinen Reisen nach China

hatte ich öfters Gelegenheit,

sowohl mit einfachen Leuten auf

dem Lande aber auch mit Gebildeten

über ihre Erfahrungen zu

sprechen. Ein Herr namens Zhao

erzählte, wie er zum christlichen

Glauben gekommen war. Innerhalb

kurzer Zeit waren seine

Eltern und seine Frau verstorben.

Er hatte für sich und seine zwei

Kinder jegliche Hoffnung verloren.

Gläubige aus der Gemeinde

hatten dann die Familie regelmäßig

besucht, sie bezahlten das

Schulgeld der Kinder und brachten

sogar Saatgut für seine Felder.

Nach einem Jahr war er bereit,

sich mit seinen Kindern taufen

zu lassen.

Aber auch in den Städten ist

der Andrang zu den christlichen

Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften

stark. An den Sonntagen

sind die Kirchen mit Gottesdienstteilnehmenden

überfüllt. Als ich

an einem Samstagabend in Beijing

in der Südkirche am Abend den

Gottesdienst besuchte, war die

Kirche bereits eine Viertel Stunde

vor Beginn ziemlich voll. Da

waren nicht nur Frauen und alte

Leute, die an der Feier der Eucharistie

teilnahmen, es waren Menschen

aller Altersklassen zu sehen,

vor allem auch viel Jugend. Der

Gottesdienst war gut organisiert,

sehr lebendig und dauerte nahezu

zwei Stunden. Niemandem schien

es langweilig zu werden. Das

Evangelium wurde schon vor dem

Gottesdienst gemeinsam gelesen,

damit alle bereits zu Beginn der

Messe mit seinem Inhalt vertraut

waren, um dann mit umso größerer

Aufmerksamkeit der Predigt

folgen zu können.

Herausforderung und Gefahr

Dennoch darf man nicht vergessen,

dass trotz all dieser Lichtblicke

die Schwierigkeiten und

Hindernisse, die das Wachstum

der katholischen Kirche in China

Feuer und Flamme – Glauben leben und weitergeben — Franziskaner Mission 1 | 2013

hemmen, beträchtlich sind. In der

chinesischen Verfassung ist zwar

allen Bürgerinnen und Bürgern

Religionsfreiheit zugesichert.

Aber die praktische Umsetzung

dieser Freiheit erfährt durch die

staatliche Kontrolle unter der

Leitung der Kommunistischen

Partei beträchtliche Einschränkungen,

die es den Katholiken

häufig schwer machen, einen

klaren Standpunkt einzunehmen.

Die Angehörigen der sogenannten

offiziell anerkannten Kirche

sind aus pastoralen Rücksichten

gezwungen, sich auf Kompromisse

mit der Regierung einzulassen.

Trotzdem versuchen sie,

ihrem Glauben treu zu bleiben.

Die Angehörigen der Untergrundkirche

verschließen sich jedem

Kompromiss, der die Zugehörigkeit

zur katholischen Kirche in

Frage stellt. Auch sie sind bemüht,

ihren christlichen Glauben zu

bekennen und zu leben.

Eine weitere Herausforderung

für Kirche ist die Massenmigration

vom Land in die Städte.

Viele junge Katholiken und solche

mittleren Alters sind gezwungen,

in den Städten Arbeit zu suchen,

um eine bessere finanzielle

Grundlage für ihre Familien zu

schaffen. Während sie auf dem

Land einer christlichen Gemeinde

angehörten, die ihnen das Gefühl

der Zugehörigkeit und geistigen

Beheimatung gab, verlieren sie

ohne die gewohnten menschlichen

Kontakte im Großstadtleben

vielfach den Anschluss an

die Kirche. Sie geraten in Gefahr,

in der Ungebundenheit der neuen

Umwelt ihren Glauben dem Druck

der Arbeit und den Reizen des

Großstadtlebens zu opfern.

Das Glaubensleben – ein

anhaltender Lernprozess

Umso notwendiger sind deshalb

eine gründliche Hinführung zur

Taufe und die Einführung ins

christliche Leben. In den meisten

Diözesen finden deshalb bereits

regelmäßig entsprechende Kurse

statt. Beispielhaft für eine von

vielen ist wohl die Gemeinde

St. Salvator in Beijing, die diesem

Anliegen gerecht zu werden

versucht. 2012 führte sie drei

Katechumenenkurse durch, von

denen nach eingehender Prüfung

von jedem Kurs rund 150 Kandidaten

zur Taufe zugelassen wurden.

Die Hinführung geschieht nach

einem festen Modell für Jugendliche,

Menschen mittleren Alters

und Seniorinnen und Senioren.

Die Kandidaten werden von dafür

ausgebildeten Begleitern betreut.

Diese stützen sich dabei auf ein

Handbuch, dessen Inhalt aus

Lehrmaterial, Anleitung für Gedanken-

und Erfahrungsaustausch

im Anschluss an den Unterricht

und ferner gezielten Aktivitäten

zur Umsetzung des Gelernten

besteht. Die Weiterführung der

Neugetauften auf ihrem Weg ins

Gesellschafts- und Berufsleben

wird dann zum Angelpunkt der

weiteren Glaubensvertiefung. Auch

dafür wird eine Gruppe von ausgebildeten

Laien eingesetzt, welche

die Neugetauften auf ihrem Weg

begleiten und ihnen bei der

Lösung von Schwierigkeiten zur

Seite stehen. Die Anforderungen

an einen Christen in der modernen

chinesischen Gesellschaft sind so,

dass nur eine ins konkrete Leben

integrierte Erfahrung der Glaubenswahrheit

und der christlichen

Werte den katholischen Christen

den Mut und die Überzeugungskraft

vermitteln kann. Nur so ist

es möglich, Glauben konsequent

zu leben und auch selbst wieder

zu motivierten Trägern der christlichen

Botschaft zu werden.

Anton Weber SVD

Anton Weber ist Steyler Missionar und war

von 2004 bis 2012 Leiter des China Zentrums

in Sankt-Augustin. Das China Zentrum

ist ein gemeinnützig anerkannter Verein, der

die Begegnung und den Austausch zwischen

den Kulturen und Religionen im Westen und

in China fördert.

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Franziskaner Mission 1 | 2013 — Feuer und Flamme – Glauben leben und weitergeben

Niños misioneros

»Kindermissionare« in Cuatro Cañadas / Bolivien

Vier kleine Missionarinnen warten auf ihre Schwester.

Franziskanerinnen betreuen in der Pfarrei

St. Jakobus in Cuatro Cañadas ein

Pfarr­ und Jugendzentrum. Dort lernen

Kinder und Jugendliche, die oft aus

schwierigen familiären Verhältnissen

kommen, das Notwendigste wie Grundkenntnisse

in Lesen und Schreiben.

Aber auch das christliche und soziale

Miteinander wird durch praktisches

Vorleben und lesen von kindgerecht

erzählten Geschichten aus der Heiligen

Schrift unterstützt. Musik und Sport

kommen auch nicht zu kurz und oft

ist es notwendig, den Kindern wenigstens

hier eine ordentliche Mahlzeit zu

geben. Die Jüngsten nennen sich »niños

misioneros«. Sie bereichern nicht nur

das Gemeindeleben in der Pfarrei,

sondern nehmen das Gelernte mit in

ihre Familien und zu ihren Freunden.

Erfahrung mit Schmerz

Vor kurzem wurden alle eingeladen,

in einem Kinderchor

mitzusingen und die Gottesdienste

zu verschönern. Sofort

meldete sich fast jedes Kind.

Alle kamen voller Begeisterung

zum gemeinsamen Üben. Das

Singen und Feiern in der Gruppe

war wohltuend für die Kinder.

Dennoch gab es eine schmerzhafte

Erfahrung: Unter den

Kindern gab es einen zehnjährigen

Jungen mit Namen Elías.

Elías Vater war schwer erkrankt

und litt große Schmerzen. Die

Krankheit war schon im fortgeschrittenen

Stadium und er hatte

nur wenig Geld für Medikamente.

Seine Frau Leticia, eine starke Frau

und Mutter von sechs Kindern,

besuchte ihn über Wochen

täglich im Krankenhaus. In der

Zeit kümmerte sich Elías um seine

zwei jüngeren Geschwister. Sein

Vater wurde von allen Dorfbewohnern

»Don Choco« gerufen,

da er es war, der nach der großen

Überschwemmung im Jahre 2006

das Heft in die Hand nahm und in

der Dorfgemeinschaft bei vielen

Problemen anpackte und in der

schwierigen Situation überall

beim Wiederaufbau half.

In der Gruppe überlegen sie die nächsten Schritte …

Gemeinsam stark im Glauben

Als sein Vater starb, weinte der

kleine Elías sehr. Seine Freunde in

der Kindergruppe in Santa Clara

waren ihm in dieser schwierigen

Zeit eine große Hilfe. Als Missionare

fühlten sie mit ihm und

trösteten ihn. Den Mädchen

und Jungen im Zentrum wurde

klar, dass Jesus bei ihnen war

und durch ihr Verhalten haben

sie die frohe Botschaft weitergetragen.

Ihre kleinen Gesten und

der Rückhalt der Gruppe halfen

ihnen allen zu glauben, dass der

Vater von Elías im Himmel für sie

eintritt, weil auch er an diesen

Jesus glaubte, der gestorben

und auferstanden ist.

Sie glauben fest, dass sie sich

eines Tages wiedersehen, zusammen

mit Jesus Christus; dort wo

es keine Schmerzen und Krankheiten

mehr gibt.

Gott umarmt uns, er ist unsere

Kraft. Er gibt uns Sicherheit,

unseren Weg fortzusetzen, denn

er ist Teil unseres Lebens.

Aparecida Antonia Munarini OFS

Aparecida Antonia Munarini ist eine der drei

Franziskanerschwestern der Kongregation

»Hermanas Franciscanas de la Penitencia«,

die für die Pfarrei »Apóstolm Santiago« mit

der Bevölkerung in und um Cuatro Cañadas

arbeiten. Ihre Arbeit umfasst die Katechesearbeit,

Hausbesuche, Liturgie und die Arbeit

mit Jugendgruppen.

Der Bundesstaat Pará ist einer der

26 brasilianischen Bundesstaaten,

die geographisch in fünf Hauptregionen

aufgeteilt sind. Pará

befindet sich in der Region Nord.

Mit ihren sieben Bundesstaaten

ist diese Region flächenmäßig die

größte aber auch die ärmste, trotz

der vielen Bodenschätze. Im Osten

von Pará befindet sich die Diözese

Óbidos, etwa 1.100 Kilometer Flußweg

von der Landes hauptstadt

Belém entfernt. Seit 1957 ist Óbidos

eine franziskanische Prälatur und

seit 2011 Diözese. Bischof ist dort

der Franziskaner Dom Johannes

(Bernardo) Bahlmann.

Feuer und Flamme – Glauben leben und weitergeben — Franziskaner Mission 1 | 2013

Im Herzen Amazoniens

Diözese Óbidos im brasilianischen Bundesstaat Pará

Die Diözese Óbidos erstreckt sich über

ein Gebiet von 182.000 Quadratkilometern

mit rund 250.000 Einwohnern

– davon sind etwa 80% Katholiken. Sie

besteht aus sieben großen Pfarreien

und weiteren vier noch abhängigen

Seelsorgebereichen, die zukünftig

eigenständige Pfarreien werden können.

In der gesamten Diözese gibt es über

600 Basisgemeinden. Die geographische

Größe ist eine besondere Herausforderung

für die Seelsorge. Diese wird

von 21 Priestern, 21 Ordenschwestern

und vielen engagierten Laien mit

Bravour gemeistert.

Kreative Angebote

Die Herausforderungen der Diözese

Óbidos hängen außerdem mit der

stark wachsenden Einwohnerzahl

zusammen. Dennoch reagiert diese

Ortskirche auf die aktuelle Situation

mit viel Mut, Dynamik und Kreativität.

Noch im letzten Jahr wurde ein spezielles

Zentrum für die Jugend arbeit

(Centro da Juventude São Francisco) in

der Stadt Óbidos gegründet, in dem

eine Kultur des Friedens wachsen soll.

Jugendliche, die sich in einer schwierigen

Lebenslage befinden, sollen

hier durch kulturelle Angebote in das

gesellschaftliche Leben eingebunden

werden. Außerdem hat die Diözese

jetzt auch einen eigenen Hof der

Hoffnung (Fazenda da Esperança).

Bischof Johannes Bahlmann und Antonino auf den Weg zu einer Basisgemeinde

Diese Einrichtung soll drogen- und

alkoholabhängigen Menschen helfen,

sich von ihrer Abhängigkeit zu befreien

und so wieder zu mehr Normalität in

ihrem Leben zu gelangen. Außerdem

soll ein mobiles Seelsorgeteam in einer

Art Gemeindemission die Pastoralarbeit

in den weit entfernten Basisgemeinden

der Diözese, die meistens nur per Boot

zu erreichen sind, beleben.

Seit Jahrzehnten hat die Seelsorgearbeit

in der gesamten Region auch

eine wichtige soziale Funktion in den

Basisgemeinden übernommen. Sie hat

nämlich den ganzen Menschen in den

Blick genommen und fördert so, durch

konkrete Verbesserungen im Alltag, die

Lebensqualität von Kindern, Jugendlichen,

Familien und ganzen Dorfgemeinschaften.

Konkrete Lebenshilfe

Meine eigene Lebensgeschichte wurde

von zahlreichen Sozialprojekten meiner

Heimatgemeinde in Juriti zum Positiven

verändert. Meine sechs Geschwister und

ich konnten den katholischen Kindergarten

besuchen, der von Franziskanerinnen

der Augsburger Maria Stern-Schwestern

geleitet wurde. Anschließend haben wir

weiterführende Schulen, auch in katholischer

Trägerschaft, besucht. Unsere

Schulbildung war so gut, dass wir sieben

Geschwister heute alle einen Hochschulabschluss

haben – nicht gerade typisch

für unsere Region! Das Haus, in dem

meine Geschwister und ich aufwuchsen,

stammt aus einem Hausbauprojekt

unserer Franziskanerinnen für besonders

arme Familien. Meine Mutter hat

sich jahrelang in einer Frauengruppe

engagiert, die von den Schwestern

gegründet wurde. Durch verschiedene

Tätigkeiten in dieser Gruppe konnte sie

Geld verdienen und so zum Lebensunterhalt

unserer Familie beitragen.

Alle erwähnten Projekte sind erst

durch Spenden aus einer weltweiten

Unterstützung, vor allem aber auch

aus Deutschland, möglich geworden.

Sie haben mein Leben, das meiner

Geschwister und der gesamten

Gemeinde nachhaltig verändert. Dafür

möchte ich mich auch an dieser Stelle

ganz herzlich bedanken. Ich kann von

meiner persönlichen Lebenserfahrung

her bestätigen, dass die gelebte Solidarität

in unserer Kirche Leben ermöglichen

und unmenschliche Wirklichkeiten

verändern kann.

Antonino Costa Martins

Antonino Costa Martins hat Philosophie, Religions-

und Umweltwissenschaften studiert. Er ist Sekretär

des Bischofs Dom Bernardo Bahlmann ofm,

Diözese Óbidos, im brasilianischen Bundesstaat

Pará.

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Franziskaner Mission 1 | 2013 — Feuer und Flamme – Glauben leben und weitergeben

Nahe bei den Menschen

Eine Franziskanerin als »Regenwald-Kämpferin« in Amazonien

Schwester Brunhilde will »möglichst nahe bei den Menschen sein«. Besondere Liebe und Mühe schenkt sie den Kindern.

Amazonien erscheint dem Besucher

traumhaft schön. Aber mächtige

Interessen beuten den Regenwald

rücksichtslos aus. Dabei werden die

Lebensgrundlagen der dort lebenden

Menschen zerstört. In Juruti Velho

kämpft die Franziskanerin Brunhilde

Henneberger für die Betroffenen

und gegen die Umweltzerstörung,

getragen von Franziskus’ Respekt

für die gesamte Schöpfung.

Seit über 50 Jahren wirkt Brunhilde

Henneberger in Brasilien. Als sie in

Augsburg Lehramt studierte, war sie

1961 bei den Franziskanerinnen von

Maria Stern eingetreten und gleich

nach Brasilien gegangen. Dort beendete

sie in Recife ihre Ausbildung, arbeitete

als Lehrerin und studierte noch Sozialpädagogik

und Soziologie. »Aber die

Riesenstadt war nichts für mich«, sagt

sie heute. 1970 entschied sie sich für

Juruti, ein abgelegenes Städtchen am

Amazonas, in der Diözese Óbidos im

Bundesstaat Pará. Mit Engagement,

ansteckender Begeisterung und großer

Sensibilität für die Menschen machte

sie sich an ihren pastoralen Auftrag,

Entwicklungsarbeit »von unten« zu leisten:

dazu gehören Gesundheitsdienst,

Kindergärten, Schule, Ausbildung der

Kinder, Probleme der Frauen, sauberes

Trinkwasser, Gemüseanbau und familiärer

Häuserbau.

Bei allen Bemühungen folgte sie –

ganz im Geist der Basisgemeinden

– dem Grundsatz, mit den Menschen

gemeinsam selbst erkannte Lösungen

zu suchen und dann gemeinschaftlich

zu verwirklichen. Die soziale Basisarbeit

erfordert auch bürgerschaftliches, politisches

Wirken: Brunhilde Henneberger

informiert die Menschen über ihre

Rechte und Möglichkeiten, unterstützt

sie beim Kampf mit Behörden, gegen

Unrecht und Korruption und tritt

entschlossen ein für die Rechte der

Menschen und für die Erhaltung ihres

Lebensraums. Das bringt ihr immer

wieder auch Drohungen und Gefängnis

ein.

Zerstörung des Urwalds

1991 zieht die Franziskanerin flussaufwärts,

»tiefer in den Urwald hinein«,

nach Juruti Velho (Alt-Juruti). Der

dortige 30 Kilometer lange See zählt

zu den schönsten Seen Amazoniens.

In diesem uralten indigenen Siedlungsraum

wohnen rund 9.000 Menschen.

Sie leben vom Fischfang, vom Anbau

von Maniok und Bananen, sowie vom

Wald – alles im Einklang mit dem Ökosystem

und den Jahreszeiten.

Der neue Wirkungsort konfrontiert

Brunhilde Henneberger unmittelbar mit

den großen Problemen Amazoniens:

Abholzung, illegaler Holzeinschlag,

riesige Brandrodung für Rinderzucht

und Sojaanbau, umweltzerstörender

Bergbau, Vertreibung der Landbewohner.

Das ist eine ganz neue Herausforderung,

in der die sonst stille

und bescheidene Ordensfrau erst

recht Partei ergreift für die betroffenen

Menschen, zum Beispiel bei den

Landkonflikten. Bereits Anfang der

1980er Jahre hatte sie begonnen, die

alteingesessenen Kleinbauern immer

wieder zu ermutigen, sich um Grundbesitzdokumente

zu bemühen. Gegen

die schleppende Antwort von Behörden

und Politik aktiviert sie die Bewohnerinnen

und Bewohner auch heute noch

zu Versammlungen, Petitionen, Unterschriftaktionen

und Vermessungen.

Ein weitsichtiger Schritt, denn in diese

Kämpfe tritt schließlich ein Goliath.

2001 beginnt der Aluminiumhersteller

Alcoa S.A. – eine Tochtergesellschaft

von Alcoa World Alumina and Chemicals

und Alcoa Limited – südlich des Sees

nach Bauxit zu bohren.

Das Mineral liegt in geringer Tiefe

und wird im Tagebau geschürft – ein

Todesurteil für den Wald sowie für

die Felder der Bewohnerinnen und

Bewohner. Im ersten Abschnitt sollten

8.000 Hektar Wald abgeholzt

werden. Inzwischen sind bereits

über 17.000 Hektar gerodet sowie

je 60 Kilometer Straße und Eisenbahn

zu einem neuen Hafen für Überseeschiffe

bei Juruti gebaut.

Anfänglich sind viele Menschen, von

denen die meisten ihre Rechte gar nicht

kennen und alle Entwicklungen als unabwendbar

hinnehmen, vom »Fortschritt«

und von den Versprechungen und

Geschenken des Konzerns begeistert.

Allmählich begreifen sie jedoch, dass

ihr Lebensraum nach dem Abholzen zur

Wüste verkommen wird, dass Raffinerie

und Schmelze Wasser und Luft vergiften

werden, dass die Versprechungen nicht

greifen. All das ist bei anderen Großprojekten

bereits zu sehen.

Gemeinsam Rechte einfordern

Der Kampf für die Rechte der Menschen

verläuft mühsam. Immer wieder fährt

Irmã Brunilde mit kleinen Booten in die

Dorfgemeinschaften (Comunidades),

um die Menschen zu informieren, zum

Verteidigen ihrer Rechte zu ermuntern

und zu aktivieren. Sie bringt Netzwerke

zustande. Finanzielle Hilfe kommt aus

Deutschland und auch in der Region

engagieren sich immer mehr Personen

für diese Arbeit.

2004 gründen die Anwohner eine

Bürgerinitiative. 2.000 Menschen aus

45 Siedlungen treten bei. Ziel ist, die

Legalisierung des Landbesitzes zu

erreichen, die Lebensbedingungen zu

verbessern und für die Beeinträchtigungen

durch den Bergbau Entschädi-

Feuer und Flamme – Glauben leben und weitergeben — Franziskaner Mission 1 | 2013

gungen zu erstreiten. Die Bürgerinitiative

erreicht öffentliche Anhörungen

und gewinnt, unter den vielen beteiligten

staatlichen Stellen, die Staatsanwaltschaft

im Bundesstaat Pará für ihre

Sache. Diese prüft die von der Firma

vorgelegten Umweltverträglichkeitsprüfungen

und beanstandet erhebliche

Mängel. Im Jahr 2006 werden der

Bürgerinitiative 109.000 Hektar Land als

Kollektiveigentum zugesprochen. Ende

Januar 2009 nutzt die Initiative das

Weltsozialforum in Belém, um die Aufmerksamkeit

der Weltöffentlichkeit und

damit auch Brasiliens zu erlangen und

von Alcoa Zugeständnisse zu erreichen.

In einem Rechtsakt am 30. August

2009 wurde endlich das Grundeigentum

und die damit verbundenen

Verfügungsrechte der Bevölkerung

von Juruti Velho als Kollektiveigentum

übertragen. Die Einwohner haben das

mit einem großen Fest gefeiert. Den

Vertrag unterschrieb neben dem Sprecher

der Genossenschaft auch Brunhilde

Henneberger »mit einem lachenden

und einem weinenden Auge, weil

die Menschen endlich ihren Landtitel

und damit auch Rechte auf Entschädigungen

bekamen. Andererseits wird

die Mine auf Dauer, wenigstens auf

60 Jahre, bleiben und ihre Dimensionen

wie ihre Folgen sind unvorstellbar.«

Auf Hoffnung setzen

All diese Probleme tragen dazu bei, die

ohnehin große Landflucht zu verstärken.

Um dagegen ein Zeichen zu setzen,

konzipierte Brunhilde Henneberger

2002 eine Landwirtschaftsschule, um

der Jugend Perspektiven zu geben und

sie zu bewussten Bürgerinnen und Bürgern

und erfolgreichen Landwirtinnen

und Landwirten auszubilden. 2005 hat

die Stadt Juruti die Schule übernommen,

2006 bekamen erstmals 26 Schülerinnen

und Schüler das Abschlusszeugnis.

Zutiefst ist Brunhilde Henneberger

Franziskanerin. Das durchdringt ihr Leben

und Denken und bestimmt ihr Handeln.

Zutiefst ist sie Amazonien und »ihrer«

Region Juruti verbunden. Hier hat sie ihr

Zuhause, ihre Bestimmung. Hier lebt sie

auf authentische Weise ihre christliche

Botschaft, die auch im 21. Jahrhundert

überzeugt. Sie liebt die dort lebenden

Menschen und erleidet mit ihnen, dass

sie von der Politik übergangen werden.

Für sie und mit ihnen hat sie, mutig,

beharrlich und gewaltlos, den beschriebenen

Widerstand zuwege gebracht, den

vorher die meisten Freunde aber auch

die mächtigen Gegner nicht für möglich

gehalten hatten.

Längst könnte sie aus Altersgründen

nach Deutschland zurückgekehrt sein.

Aber sie will die ihr vertrauenden Menschen

auch weiterhin »in ihrem Kampf

nicht allein lassen«. Jedes Aufheben um

ihre Person ist ihr zuwider, wie zum

Beispiel die Bürgermedaille, die sie 2010

von ihrer deutschen Heimatgemeinde

Randersacker bekam. Die Menschen ihrer

vielen Dorfgemeinschaften schätzen die

Irmã Brunilde. Sie haben mit ihr 2010 ihr

40-jähriges Amazonas-Jubiläum gefeiert

und 2011 die goldene Profess sowie kürzlich

ihren 73. Geburtstag. Eine Frau, von

der die Bibel im Buch der Sprichwörter

sagt: »Eine tüchtige Frau, wer findet sie?

Sie übertrifft alle Perlen an Wert.«

Dr. Alexander von Papp

Dr. Alexander von Papp lebt in Randersacker bei

Würzburg, ist freier Autor und arbeitete unter

anderem von 1976 bis 1979 in Brasilien.

Schwester Brunhilde auf dem Weg zu den Dörfern, die meistens nur mit dem Boot erreichbar sind.

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Franziskaner Mission 1 | 2013 — Feuer und Flamme – Glauben leben und weitergeben

Erinnerung an Vjeko Ćurić ofm

15. Todestag des Franziskanermissionars in Ruanda

Pater Vjeko hat sich sehr für die Menschen in Ruanda eingesetzt.

Am 31. Januar jährte sich der Todestag

des Franziskaners Pater Vjeko in

Ruanda zum 15. Mal. Im Jahr 1982

hatte er sich, gleich nach seiner Priesterweihe

in Sarajevo, für das Afrika­

Projekt, zu dem die Generalleitung des

Franziskanerordens eingeladen hatte,

gemeldet. Er gehörte zur internationalen

Gruppe von 30 »Pionieren«, die im

Frühjahr 1983 von Rom nach Ostafrika

ausgesandt wurde.

Franziskaner

1983 erreichte Pater Vjeko mit

drei anderen Franziskanern

Ruanda. Dort half er mit, die

neue Pfarrgemeinde in Kivumu

(Diözese Kabgayi) aufzubauen

– besonders durch sein Engagement

in der Jugendarbeit. Die

Pfarrei entwickelte sich zu einem

Zentrum mit Kirche, Ambulatorium,

Schwesternkonvent und

Schulen. Nach einiger Zeit übernahm

Pater Vjeko verantwortlich

die Leitung der Pfarrei.

Als 1994 der schreckliche

Krieg mit am Ende etwa

800.000 Toten ausbrach, hielt er

in Kivumu aus. Dabei konnte er

Tausende von Männern, Frauen

und Kindern unter Einsatz seines

eigenen Lebens vor dem sicheren

Tod retten. So wurde er im

ganzen Land bekannt und wird

deswegen als der »Afrikanischer

Oskar Schindler« bezeichnet.

Vier Jahre nach dem Genozid,

am 31. Januar 1998, wurde

Pater Vjeko mit 41 Jahren vor

der Kirche zur Heiligen Familie

in Kigali, der Hauptstadt des

Landes, ermordet. Seine Worte –

»Ich kam nach Ruanda, um den

Menschen zu dienen; während

des Krieges bin ich bei ihnen

geblieben, und ich werde bis

zum Ende bleiben und dabei alle

Gefahren, mit denen die Menschen

gegenwärtig und zukünftig

konfrontiert werden, auf mich

»Franziskaner« – Das Magazin für Franziskanische Kultur und Lebensart

Die aktuelle Ausgabe nimmt

das Thema » Franziskanisches

Menschenbild« in den Blick.

»Ich bin nicht einfach ein

›Mensch‹. Ich muss es werden.

Mensch werden ist eine

lebenslange Aufgabe«, konstatiert

Cornelius Bohl ofm im

Editorial. »Entscheidend ist nur

die Frage: Woraufhin will ich

mich entwickeln? Was ist der

Mensch?«

Um die kostenlos erhältliche

Zeitschrift »Franziskaner«

zu beziehen, wenden

Sie sich bitte an:

Franziskanerkloster

Am Frauenberg 1

36039 Fulda

Angela Heiner

Tel.: 06 61/10 95-36

E-Mail: angela.heiner@franziskaner.de

www.zeitschrift.franziskaner.de

nehmen« – sind in bleibender

Erinnerung. Bis heute konnten

die Täter nicht gefasst werden.

Nach seiner Ermordung wünschten

die Menschen, seine sterblichen

Überreste in Kivumu, in

ihrer Pfarrkirche, beizusetzen.

Heute zählt die Pfarrei Kivumu

35.000 Mitglieder. Vier Brüder

setzen die Arbeit von Pater Vjeko

fort und haben seinen Traum

verwirklicht: den Bau einer

Handwerkerschule. Zur Erinnerung

an ihn wurde das »Centre

de Formation des Jeunes« (C.F.J.)

»Pater-Vjeko-Zentrum« genannt.

1999 eröffnete es mit der ersten

Gruppe von 36 Schülerinnen und

Schülern. Derzeitiger Leiter ist

der kroatische Franziskaner Ivica

Perić. Dank großzügiger Unterstützung

von hiesigen Partnergruppen

und Einzelspendern

kann die Franziskaner Mission

Dortmund dem »Pater-Vjeko-

Zentrum« jedes Jahr tatkräftig

bei der Finanzierung des Jahresbudgets

helfen.

Weitere Informationen, auch

Videos, finden sich unter:

http://vjeko-rwanda.info/de/

pater-vjeko-zentrum

Heinrich Gockel ofm

Impressum

Projekt

Ausbildung für eine gute Zukunft

Vor 15 Jahren wurde Vjeko Ćurić

ermordet (siehe Artikel links). Ein

Jahr nach dem Martyrium des Franziskanermissionars

wurde in Kivumu, in

Ruanda, eine Berufsschule eröffnet,

die seinen Namen trägt: Pater­Vjeko­

Schule.

Gemeinsam lernen, gemeinsam spielen: Jugendliche

in der Pater-Vjeko-Schule

Franziskaner Mission erscheint viermal

im Jahr und kann als kostenfreies Abo bestellt

werden unter Tel. 0231/176337-65 oder

info@franziskanermission.de. Franziskaner Mission

erscheint im Auftrag der Deutschen Franziskanerprovinz

von der Heiligen Elisabeth – Germania.

Herausgeber Franziskaner Mission, Dortmund

Redaktionsleitung Augustinus Diekmann ofm

Redaktion Stefan Federbusch ofm,

Natanael Ganter ofm, Frank Hartmann ofm,

Márcia S. Sant‘Ana, Thomas M. Schimmel,

Alfons Schumacher ofm, Pia Wohlgemuth

Leiter der Schule heute ist Ivica

Perić. Er berichtet ganz begeistert,

wie regelmäßig Neuerungen

umgesetzt werden und was sich

seit der Gründung der Schule alles

positiv verändert hat.

»Wir haben jetzt mehr als

100 Absolventen, die ihren

Abschluss bei uns machen. Die

Freude und Dankbarkeit der

jungen Menschen begleiten

mich jeden Tag.«

Feuer und Flamme – Glauben leben und weitergeben — Franziskaner Mission 1 | 2013

Wenn man bedenkt, wie alles

angefangen hat, ist der Fortschritt

deutlich sichtbar: 1999 gab es ein

einfaches Dach, unter dem die

ersten 36 Mädchen und Jungen

ihre Ausbildung begannen. Sie

wurden als Schneider, Schreiner

und Maurer ausgebildet. Praktische

Berufe, die ihre Zukunft in

dem krisengeschüttelten Land

sichern. Bald kamen – auch aus

Deutschland – großzügige Hilfen

und Unterstützung. Gebäude wurden

errichtet, Werkstätten kamen

hinzu und wurden ausgestattet.

Heute werden in sechs Bereichen

Mädchen und Jungen ausgebildet:

Elektrotechnik, Informatik, Maurer,

Metallver arbeitung, Schneider

und Schreiner. Die Schule erhielt

mit ihrem Modellcharakter die

staatliche Anerkennung.

»Das Wunderbare ist«, sagt

Ivica Perić, »dass die Schülerinnen

und Schüler bei Erweiterungen in

ihrer Schule selbst mit anfassen.

Sie ziehen die Mauern hoch, legen

die Elektrik und schreinern die

Möbel. So haben die Jugendlichen

schon während der Ausbildung

ein ganz konkretes Bild von ihrem

Beruf. Und nach dem Abschluss

haben sie eine Ausbildung, mit

der sie den Lebensunterhalt für

sich und ihre Familie bestreiten

können.«

Fotos Jesusmafa.com: S. 1, 4. FM-Fotoarchiv: S. 2 li. u. re.,

Mittelseite (Inkulturation, Katechese, Neuevangelisierung,

Religionsunterricht), 30. FMV-Fotoarchiv: S. 2 Mitte,

6, 7, Mittelseite (Evangelisierung), S. 20, 26.

Augustinus Diekmann: S. 5, 10, 11. Augustinus Wehrmeier: S. 8,

Partnerschaftserklärung. Clemens Wagner: S. 12, 13.

Stefan Federbusch: S. 14. Peter Amsler: S. 18.

Jürgen Escher (Adveniat): S. 19. Hermann Borg: S. 21, 22, 23.

Christian Klyma: S. 24. Diözese Óbidos-Fotoarchiv: S. 27, 28, 29.

Ivica Perić: S. 31. Alicja Piekarska: Rückseite.

Gestaltung sec GmbH, Osnabrück

Druck IVD, Ibbenbüren; gedruckt auf Recycling-Papier

Jugendliche beim praktischen Lernen in

der Schreinerwerkstatt

Bitte helfen Sie der Franziskaner

Mission, die laufenden

Kosten der Pater­Vjeko­Schule

mit zu tragen. So werden

auch in Zukunft junge Menschen

in und um Kivumu eine

menschwürdige und nachhaltige

Perspektive für ihre

Zukunft haben.

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Fax 02 31/17 63 37 70

info@franziskanermission.de

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